Tote vor der Festung Europa – Slowenien, Spielfeld, Calais, Libyen – Migrant arrivals in Greece hit record 48,000 in five days

Balkan8Mehr als 12 000 Flüchtlinge erreichten in den letzten 24 Stunden Slowenien. Mehrere tausend weitere Flüchtlinge warten auf der slowenischen Seite auf die Einreise nach Österreich. Heute kam es zu einer Auseinandersetzung mit der Polizei an der serbischen Grenze, wobei ein Flüchtling erstochen wurde. Die Situation ist angespannt. nachdem die Regierung von Slowenien per Eilverfahren die Gesetzesnovelle vorgelegt hatte, um die Polizei des Landes durch Soldaten zu unterstützen.

Es erinnert an die Bilder von Ungarn oder Moldawien: Panzer und Soldaten stellen sich den tausenden verzweifelten Flüchtlinge entgegen. Kranke Kinder und Frauen harren vor der Grenze aus und hoffen auf Hilfe. Mittlerweile haben sich Freiwillige auf den Weg gemacht, um Menschen zu versorgen.

Der Einsatz des Militärs ist für drei Monate befristet, doch was erwartet den Zug Tausender, der über die Balkanroute unvermindert weiter geht? Nach eigener Angabe kann Slowenien pro Tag nur bis zu 2500 Flüchtlinge einreisen lassen, registrieren und nach Österreich weitertransportieren. Sloweniens Grenze zu Kroatien ist 670 Kilometer lang.

Am Mittwoch überquerten mehr als 12 600 Flüchtlinge die Grenzen von Kroatien nach Slowenien und bis gestern  Mittag waren es 5000 weitere.

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An der steirisch-slowenischen Grenze herrscht eine angespannte Situation. Auch gestern mussten die Absperrungen geöffnet werden. In der Sammelstelle Spielfeld wurden bis 16.30 Uhr etwa 1000 Flüchtlinge mit Bussen weitergebracht. Weitere, zumindest 2000, warteten am Gelände. Bereits seit dem Wochenende bewegt sich der Flüchtlingsstrom hauptsächlich über Slowenien in Richtung Österreich.

Am Mittwoch brachen mehr als 1500 Menschen zu Fuß vom südsteirischen Spielfeld Richtung Norden auf. Manche Flüchtlinge waren der Meinung, die Grenze zu Deutschland sei nicht weit.

Auch heute durchbrechen 1000 Flüchtlinge die Absperrung und rufen: „Wir wollen nach Deutschland!“.Die Verzweiflung der Flüchtlinge ist groß, Hunger und die Kälte tun ihr übriges.

Das steirische Spielfeld – es liegt an der Grenze zu Slowenien – ist im Ausnahmezustand, weil tausende Flüchtlinge über den Spielfelder Grenzübergang nach Österreich drängen.

Die Facebook-Seite Border Crossing Spielfeld meldet: URGENT UPDATE 14:32 – !!! Im Moment ist es nicht möglich Spenden etc. abzugeben. Wir melden uns, wenn die Lage wieder ruhiger ist. !!! Tausende sind zu Fuß auf dem Weg von Spielfeld auf der Bundesstraße 67 Richtung Norden. *** Thousands walking on B 67 from Spielfeld in the direction of Graz. Grenzort Spielfeld: „Für jeden, der weiter darf, kommen zwei Neue an“ –

                • Das Erstversorgungszentrum am Grenzübergang Spielfeld ist voll belegt. Mehr als 2000 Flüchtlinge vor Ort.
                • Der Zustrom aus Slowenien ist weiter ungebrochen, 12 000 Flüchtlinge kamen laut Meldungen binnen 24 Stunden nach Slowenien.
                • Landeshauptmann Schützenhöfer bezeichnete die Lage vor Ort als „unannehmbar“. Auch Innenministerin Mikl-Leitner und Verteidigunsminister Klug besuchten das Erstaufnahmezentrum. Das Innenministerium hat weitere Einsatzkräfte angefordert.
                • Die Eingreifkräfte des österreichischen Bundesheeres wurden vorsorglich aufgestockt. 160 zusätzliche Soldaten trafen am Samstag in der Steiermark ein. Die Gesamtzahl der Heeresangehörigen im sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatz beträgt nun rund 460.
                • Sloweniens Botschafterin in Deutschland, Marta Kos Marko, hat den Einsatz des Militärs in der Flüchtlingskrise verteidigt. „In Slowenien haben wir nur 5000 uniformierte Polizisten, und wenn wir alles regeln möchten, wie wir das alles wollen, ist das nicht genug“, sagte Marko am Mittwoch in einem Interview von rbb-Inforadio. „Und deswegen war es nötig, die Armee zu aktivieren.“ Es gehe um logistische Hilfe bei der Versorgung von Flüchtlingen. Ziel sei es, die Lage im Land wieder zu stabilisieren. Das slowenische Parlament hatte am Mittwochmorgen dem Einsatz des Militärs an der Grenze zugestimmt. „Ein Problem ist, dass Kroatien die Menschen nicht nur zu den Grenzübergängen bringt, sondern auch zur sogenannten grünen Grenze, wo sie über Flüsse, über Wälder nach Slowenien reingehen. Und das ist überhaupt nicht kontrolliert“, bemängelte sie.

Seit der Frühe sind bis zu 7000 Menschen in der Steiermark angekommen. Registrierungen und Kontrollen momentan praktisch nicht möglich.

                • Der Zugverkehr zwischen Sentilj und Leibnitz musste, wie schon am Donnerstag, eingestellt werden. Unzählige Menschen, darunter auch kleine Kinder, waren auf den Gleisen und entlang des Bahndamms unterwegs. Ihnen war das Warten auf Busse für den Weitertransport zu lange geworden. Nur vereinzelt konnten die Busse abfahren, entweder weil die Gefahr eines Tumults zu groß war, Menschen auf den Straßen unterwegs waren oder auch keine freien Plätze in Notquartieren gefunden werden konnten, erklärte Polizeisprecher Leo Josefus.

Mikl-Leitner: „Müssen an der Festung Europa bauen“

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hat bei einem Besuch in Spielfeld die bessere Absicherung der EU-Außengrenzen gefordert. „Wir müssen an einer Festung Europa bauen“, griff die Ministerin beim Lokalaugenschein mit Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) zu ungewohnt drastischen Worten. Dazu brauche es Hotspots zur Registrierung an den Außengrenzen und die Verteilung der Flüchtlinge.

Bereits am 18. September haben wir von der Festung Europa geschrieben Festung Europa – Sackgasse Balkan – Geschlossene Grenzen und Tränengas -Tragödien in Griechenland

Diese Tragödie nimmt kein Ende und der Winter steht vor der Tür. Kroatien schloss bereits im September sieben seiner acht Grenzübergänge zu Serbien. Und was den Ministern nur noch einfällt, sind Zäune, Panzer und Schlagstöcke gegen Menschen, die sich verzweifelt auf den Weg machen, um sich endlich in Sicherheit zu wägen. Doch anstatt Sicherheit geht der Krieg weiter, nur auf einem anderen Territorium  – den Grenzen Europa.

Festung Europa – Frontex: Einsatz gegen Flüchtlinge

Die Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen, kurz Frontex genannt, unterstützt die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union bei der Überwachung, Kontrolle und Sicherung ihrer Außengrenzen. Dazu zählen auch Einsätze gegen Flüchtlinge nach Europa und die Rückführung von Personen aus Drittstaaten. Das Frontex-Einsatzgebiet reicht vom Seegebiet vor der senegalesischen Küste bis zur Ukraine.

Italien hat die EU-Gemeinschaft aufgefordert, mehr Beiträge zu leisten, um den Ansturm der Flüchtlinge, die ihren einzigen Ausweg in der Flucht übers Meer sehen, besser managen zu können. Italien stellte aus Geldmangel die Aktion Mare Nostrum ein, worauf die EU Frontex einführte.

Frontex mit der Operation Triton hat diese Aufgabe übernommen. Immerhin kostet deren Einsatz die EU jetzt 9 Mio € pro Monat, Mare Nostrum hingegen mit 3 Mio € Monatskosten war der EU zu teuer, sodass sie die Mittel nicht aufstocken wollten.

Der EU-Einsatz zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer wird ausgeweitet – jetzt suchen Schiffe und Flugzeuge in einem viermal so großen Gebiet wie vorher nach Schiffbrüchigen. Die Vereinten Nationen mahnen weiter, die EU müsse mehr für Flüchtlinge tun. Tun Sie bereits, aber eben außerhalb von Europa – damit die Flüchtlinge nicht nach Europa kommen können. Erklärt haben wir Ihnen dies in den Beiträgen: Festung Europa – Frontex: Einsatz gegen Flüchtlinge und Nordafrika versinkt im Krieg – Leichen säumen Libyens Küste

Die Situation scheint zu eskalieren, wären nicht die vielen freiwilligen Helfer

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Flüchtlingskrise: Tschechien verletzt systematisch Menschenrechte von Flüchtlingen

Die Vereinten Nationen werfen Tschechien eine systematische Verletzung der Menschenrechte von Migranten vor. Die Regierung in Prag versuche offensichtlich, Flüchtlinge vom Betreten des Landes abzuschrecken, teilte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, am Donnerstag mit. Er kritisierte, dass Tschechien Flüchtlinge routinemäßig für 40 Tage und in Einzelfällen sogar bis zu 90 Tage in erniedrigenden Bedingungen interniere. «Viele dieser Flüchtlinge sind Menschen, die in ihren Heimatländern und auf dem Weg nach Tschechien fürchterlich gelitten hatten», fügte er hinzu.

Weitere Nachrichten aus Europa – BBC – Migrant crisis: Czechs accused of human rights abuses

  • Mehr als 12 600 Flüchtlinge überquerten Mittwoch die Grenzen von Kroatien nach Slowenien und 5000 weitere waren es bis Donnerstag Mittag. Somit sind seit Samstag 34 000 Menschen nach Slowenien gekommen. Der Weg führt über Slowenien, nach dem Ende der vergangenen Woche Ungarn seine Grenzen geschlossen hatte.

  • Schweden gab bekannt, dass bis zu 190 000 Asylsuchende im Land noch in diesem Jahr ankommen werden. Somit verdoppelt sich die Zahl der früheren Schätzungen. Die schwedische Einwanderungsbehörde erwartet schätzungsweise 33 000 unbegleitete Kinder, Schweden rechnet mit zusätzlichen 70 Milliarden schwedische Kronen ($ 8,4 Mrd.; £ 5,4 Mrd.), um in den nächsten zwei Jahren diese Aufgabe zu bewältigen

  • Die Deutsche Polizei gab bekannt, dass sie einen geplanten Angriff auf ein Flüchtlingsheim in Bamberg, Süddeutschland, von einer rechtsradikalen Gruppe vereiteln konnte. Es habe fast 600 Angriffe auf Flüchtlingsheime in diesem Jahr gegeben. Dies ist ein starker Anstieg seit 2014

Auch in Libyen geht der Flüchtlingsstrom weiter, allerdings übers Meer – hier werden jeden Tag Leichen angeschwemmt, wie wir bereits mehrfach berichtet haben. Erst jetzt wieder eine Kinderleiche.

Tausende Flüchtlinge strömen aus Libyen nach Europa – „Europa oder sterben“

In den letzten 5 Tagen erreichten 48 000 Flüchtlinge Griechenland – Der Flüchtlingsstrom aus der Türkei geht ungehindert weiter

„Trotz der sich verschlechternden Wetterbedingungen sind  rund 48 000 Flüchtlinge und Migranten aus der Türkei auf die griechischen Inseln gekommen. Etwa 9600 Migranten und Flüchtlingen jeden Tag Fünf Tage lang“,  sagte die IOM in einer Erklärung und bezog sich auf den  Zeitraum zwischen dem 17. und 21. Oktober 2015.  Der Höhepunkt  der Ankömmlinge war am Dienstag, als fast 11 000 Menschen auf den griechischen Inseln landeten, sagte die Organisation. Mehr als die Hälfte aus der Türkei landeten auf der Insel Lesbos – hier waren es 27 276 Ankünfte in dem Zeitraum. Die Insel Chios gab 9750 Ankünfte im gleichen Zeitraum bekannt. In den vergangenen Jahren sanken die Zahlen der über das Mittelmeer nach Europa kommenden auf Grund des harten Winters, doch zur Zeit versuchen immer mehr Menschen Griechenland zu erreichen. Während der Sommermonate kamen auf Chios rund 300 Migranten pro Tag – während in den vergangenen Woche rund 2000 pro Tag, hieß es.

600 000 Menschen, die vor allem auf der Flucht vor der Gewalt in Syrien, Irak und in Afghanistan sind, kamen übers Meer nach Europa. Sie haben sich trotz der Risiken – auf die gefährliche Seereise nach Europa gemacht. Leider stieg auch die Zahl der Todesfällen auf dem See. Seit Montag sind 18 Flüchtlinge gestorben. Allein 335 Menschen starben dieses Jahr bei der Überquerung von Türkei nach Griechenland. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen.

Mehr als 2800 Menschen ertranken bei der gefährlichen Überfahrt von Libyen nach Italien.

Leider geraten diese Flüchtlinge, die auf Griechenland ausharren, aus den Augen der Medien.

Calais

Auch hier hat sich die Situation nicht entspannt. Nach wie vor versuchen Flüchtlinge nach Großbritannien zu gelangen. Auch hier sind wieder Flüchtlinge ums Leben gekommen.

Wie lange wird es noch offene Grenzen geben in der – wie sagte auch noch die Innenministerin Österreichs – Festung Europa?

Wie wollen wir irgendwann den folgenden Generationen erklären, dass wir Menschen vor den Grenzen Europas haben sterben lassen. Wenn Sie dann fragen, was habt ihr unternommen- Wir antworten dann – wir haben zugeschaut.

Nach Syrien kommt Gott nur noch zum Weinen – nach Europa mag er gar nicht mehr hinschauen. Traurig!

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Und immer wieder wiederholt sich die grausame Geschichte:
»Und dann standen sie an den Grenzen, dann bettelten sie bei den Konsulaten und fast immer vergeblich, denn welches Land wollte Ausgeplünderte, wollte Bettler?« (Stefan Zweig in: ›Die Welt von Gestern‹)

Netzfrau Doro Schreier

Nordafrika versinkt im Krieg – Leichen säumen Libyens Küste

Boko Haram in Nigeria – Hundertausende auf der Flucht – EU und Deutschland bauen Grenzzäune

Festung Europa – Frontex: Einsatz gegen Flüchtlinge

Verzweiflung auf der Flucht – „Wir wollen einfach nur die Freiheit, wir wollen nur Frieden“

Verzweiflung auf der Flucht – „Wir wollen einfach nur die Freiheit, wir wollen nur Frieden“

Finanzielle Hilfe: Milliarden Euro für EU-Beitrittskandidaten (incl. Türkei) und neue Grenzzäune

Iran – Energiehunger vor Menschenrechte – Darum schweigt Frau Merkel!

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  1. Der gekaufte Abgeordnete, Das gekaufte Parlament, Die EU ist kein Rechtsstaat, Die Rübel-Republik, Die Reform-Lüge, Asoziale Marktwirtschaft, Die narzißstische Gesellschaft, Die überforderte Gesellschaft, Unsere letzte Stunde, Die acht Todsünden – Wo wollen wir anfangen? Wir können auch übers Öl sprechen und die Kriege der USA? Oder über Monsanto?

    Auf den ersten Frost folgt bald der Winter, sagen die Chinesen.

    Schau, dort spaziert Herr Biedermeier
    und seine Frau, den Sohn am Arm;
    sein Tritt ist sachte wie auf Eier,
    sein Wahlspruch: Weder kalt noch warm.

    Ludwig Pfau, 1847

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