
Update – 29.11.2015.
Mindestens 16 weitere Staudämme in vier Bundesstaaten sind gefährdet. Strände im Mündungsgebiet des Rio Doce mussten gesperrt werden. Wechselnde Winde giftige Sedimente an den Praia Regência und Povoação getrieben. Über neun Tonnen verendete Fische wurden bereits geborgen.
Der Fluß Rio Doce ist tot.
Wie giftig ist der Schlamm wirklich? Und wie viel ist nun schon in den Atlantik geflossen? Der australisch-britische Rohstoffkonzern BHB, dem das Bergwerk zusammen mit dem brasilianischen Bergbaukonzern Vale gehört, wiegelt ab: Das sei alles nicht giftig. Typisch für diese Konzerne.
Eine Untersuchung des Dammbruchs durch die Vereinten Nationen (UN) beim brasilianischen Eisenerz-Gemeinschaftsunternehmens Samarco habe ergeben, dass toxische Abfallstoffe (u.a. Schwermetalle) freigesetzt worden seien. Bisher habe Samarco bekanntgegeben, dass die Abfälle keine für den Menschen schädliche Chemikalien enthalten würden.
BHP Billiton ist ein australisch-britischer Rohstoffkonzern und gehört mit Vale und Rio Tinto Group zu den drei weltgrößten Bergbauunternehmen. In diesem Beitrag werden wir Ihnen die Anteilseigner vorstellen – das sind die Konzerne, also Investmentgesellschaften, die von diesen Bergbauunternehmen profitieren.
Rastros de um crime ambiental >> 8 toneladas de peixes mortos já foram recolhidas #SoSRioDoce #NãoFoiAcidente pic.twitter.com/9ytC6jSqFf
— Muda Mais (@MudaMais) 24. November 2015
Der Schlamm fließt über 850 Kilometer den Rio Doce hinunter bis in den Atlantischen Ozean.«Das Ausmaß der Umweltschäden entspricht 20 000 olympischen Schwimmbecken gefüllt mit giftigem Schlamm, zudem gibt es eine Kontamination der Böden, Flüsse und des Wassersystems von mehr als 850 Kilometern», mahnte der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte und Umwelt, John Knox – 50 Millionen Tonnen mit Eisenerz, toxischen Schwermetallen und Chemikalien seien bereits in den Rio Doce geflossen.
Die Bergbauriesen Vale und BHP verursachen ein „Deepwater Horizon“
Am 20. April 2010 kam es durch verschiedene schwere Versäumnisse zu einem Blowout, bei dem die Plattform in Brand geriet und infolgedessen zwei Tage später unterging. Elf Arbeiter kamen ums Leben. Das ausströmende Öl führte zur Ölpest im Golf von Mexiko, der schwersten Umweltkatastrophe dieser Art in der Geschichte. 580.000 Millionen Liter Öl – etwa der Inhalt von 300 olympischen Schwimmbädern – liefen ins Meer. Fünf Jahre später leidet das Ökosystem immer noch unter den Folgen, die sich in reduzierten Fischfängen, Massensterben, Fehlbildungen, Sterilität oder Immunschäden bei Meerestieren äußern. Zweieinhalb Jahre nach der Katastrophe im Golf von Mexiko hatte sich der britische Ölkonzern BP mit den US-Behörden auf eine Rekordstrafe geeinigt. Die Zahlungen betragen nach Angaben des Unternehmens 4,5 Milliarden Dollar und sind über einen Zeitraum von sechs Jahren zu leisten. Siehe auch: „Deepwater Horizon“-Katastrophe – Wieviel ist die Natur wert, die man zerstört? 
Der Konzern VALE – schauen wir uns die Anteilseigner einmal genau an – fällt Ihnen etwas auf?
Vale ist das zweitgrößte Bergbauunternehmen weltweit. In Mosambik hat auch Vale für seine Kohleminen mehrere Siedlungen umgesiedelt. In dem neuen Dorf Cateme kommt es seither zu Menschenrechtsverletzungen – der Zugang zu Wasser und Land ist limitiert, Proteste werden teilweise gewaltsam niedergeschlagen, und es kommt zu willkürlichen Verhaftungen. Auch die Arbeitsrechte in den Minen werden verletzt, wenn die Arbeiter beispielsweise giftigen Substanzen ohne Schutzkleidung ausgesetzt werden. In Brasilien wird dem Unternehmen vorgeworfen, mit der Produktion von Holzkohle Krankheiten der Atemwege zu verursachen. Außerdem ist Vale an dem Bau des umstrittenen Megadamms Belo Monte beteiligt. Auch für dieses Projekt müssen 20.000 – 40.000 Menschen umgesiedelt und über 400 Quadratkilometer Regenwald abgeholzt werden.
Rio Doce Disaster unter Beteiligung von Deutscher Bank, Blackrock, Vanguard Group, Goldman Sachs …
Hier ist wieder die Vanguard Group vertreten. Dazu unser Beitrag: Banken regieren die Welt- doch wer regiert die Banken? State Street Corporation, Vanguard Group, Fidelity und Blackrock Auch Goldman Sachs und Deutsche Bank – dazu unser Beitrag: Goldman Sachs – Eine Bank lenkt die Welt – Doch wer lenkt Goldman Sachs? Die Vanguard Group hat im Jahr 2005 die UN Principles for Responsible Investment (PRI) unterzeichnet, die institutionelle Investoren unverbindlich animieren, ökologische und soziale Aspekte sowie Themen einer guten Unternehmensführung bei ihren Anlageentscheidungen einzubeziehen. Die Investitionen der Vanguard Group, aber auch der anderen Gesellschaften, zeigen, wie wenig Beachtung diese Aspekte ganz offensichtlich bei den Investitionsentscheidungen des Unternehmens finden. Was umso schwerer wiegt, da es sich bei der Vanguard Group um den weltweit größten Investor handelt, der offenbar nur ein Ziel verfolgt: maximalen Profit.
Schauen wir uns BHP an – und wieder die selber Aktionäre.
Hier ganz an oberster Stelle Blackrock BlackRock hat im Jahr 2008 die UN Principles for Responsible Investment (PRI) unterzeichnet, die institutionelle Investoren unverbindlich animieren, ökologische und soziale Aspekte sowie Themen einer guten Unternehmensführung bei ihren Anlageentscheidungen einzubeziehen.
Und wieder die Deutsche Bank – denn Sal. Oppenheim jr. & Cie. AG & Co. KGaA ist seit Oktober 2009 eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bank.
Die Deutsche Bank hat in den letzten Jahren circa 20 Selbstverpflichtungen zum Thema Umwelt- und Menschenrechtsschutz unterzeichnet wie z.B. den UN Global Compact oder die UN Principles for Responsible Investment. Auf die Finanzierungspraxis haben sich diese Erklärungen bisher jedoch kaum ausgewirkt, wie wir heute wieder feststellen müssen. 

Es wird so kommen wie in Ecuador – ein sehr langer Weg – 1992 hat der Ölriese Chevron eine Umweltzerstörung hinterlassen.
2015 kämpfen die Betroffenen immer noch um Gerechtigkeit. Die Natur hat sich nie wieder erholt. Drei Gerichtsinstanzen in dem von Chevron bevorzugten Umfeld in Ecuador – inklusive des höchsten Gerichts – hatten bestätigt, dass der Ölriese für den Schaden verantwortlich ist. Rund 1000 Giftmülldeponien und 400 Brunnen wurden aufgelassen als die Firma – damals noch Texaco – das Land 1992 nach 28 Jahren verließ. Chevron weigerte sich, die Reinigung der Stätten zu übernehmen, obwohl man zugesagt hatte, die Urteile aus Ecuador umzusetzen. Das war eine der Voraussetzungen, damit der Fall vom Federal Court in den USA nach Ecuador verlegt werden konnte. Lesen Sie dazu:Vergiftete Ureinwohner in Ecuador- Secoyas und weitere Aktivisten fordern Gerechtigkeit- Secoya Leader and Coalition Confront Chevron at Headquarters Hier noch einmal unser Beitrag vom 18.November 2015! Rio Doce Disaster – Brasilien das neue Fukushima? Brazilian FUKUSHIMA


SPOT 6/7 image of the Bento Rodrigues dam failures via Airbus Defence and Space
Das Samarco-Projekt wurde von der örtlichen Umweltbehörde sofort stillgelegt. Allein die Aufräumarbeiten könnten über eine Milliarde US-Dollar kosten, so Meldungen aus der Finanzwelt. In der Samarco-Mine wurden zuletzt rund 30 Millionen Tonnen Eisenerz pro Jahr aus dem Boden gegraben.
Arsen, Cadmium, Quecksilber, alles schon gemischt
Die Bergbauabfälle sind hoch kontaminierend und ein Risiko für Mensch und Natur. Sie bestehen aus chemischen Abfällen, die bei der Gewinnung von Mineralien entstehen. Sie werden in Dämmen gehalten und verwandeln sich in eine Paste. Diese unsichere Form von Aufbewahrung ist eine Bedrohung, wie sich in Brasilien durch den Einsturz der Staumauern zeigt. Sie führen zur Verschmutzung des Grundwassers. Eine Gefahr entsteht ebenfalls durch den Oberflächenstaub, der vom Wind verweht und weite Entfernungen erreichen kann. 
MAB: Vale e BHP são responsáveis. 100 desaparecidos. @do_exilio https://t.co/SQ7N0KabqH via @VIOMUNDO pic.twitter.com/hi4mvvXdjj — Rodrigo 13 (@RodP13) 9. November 2015
Mariana dam accident could pare bulker demand, reports @IHS4Maritime https://t.co/GneYeHhuRJ #shipping #Brazil pic.twitter.com/XeCZnyVrvn — Nick Blackmore (@Blackmore_Nick) 9. November 2015
Emocionante: filhote de cavalo é resgatado durante tragédia em Mariana (MG) (via @vista_se) https://t.co/1Opb5jgDdG pic.twitter.com/PSjIAH8Tgp — Portal R7.com (@portalR7) 9. November 2015
A rescue worker comforts a horse as they attempt to save the animal following a mudslide in Mariana, Brazil. pic.twitter.com/ge6PcvpQoV — Animal Life (@MeetAnimals) 15. November 2015
Zwar ist Samarco rechtlich unabhängig, doch der Eisenerzkonzern, der einst Arbed aus Luxemburg gehörte, ist inzwischen ein australisch-brasilianisches Tochterunternehmen. Der brasilianische Eisenerzriese Vale und der australisch-britische Konkurrent BHP Billiton teilen sich die Kontrolle. Nach dem Dammbruch in Brasilien ist gegen die Minen-Betreiber eine Geldbuße von mehr als 60 Millionen Euro verhängt worden.
.@bhpbilliton tol pay Brazil US$260 million in compensation for damages in #BentoRodrigues https://t.co/4SIGUvZ3ms pic.twitter.com/HGNUSXiCtY — teleSUR English (@telesurenglish) 17. November 2015
Präsidentin Dilma Roussef inspizierte den Unglücksort am Donnerstag von einem Hubschrauber aus. Sie verglich bei einem Lokalaugenschein die Auswirkungen des Desasters mit der Katastrophe der Deepwater Horizon im Golf von Mexiko. https://www.youtube.com/watch?v=D7T8BwBT_2w Nun hat Samarco einer Zahlung von etwa 250 Millionen Euro zugestimmt. Das gab die Staatsanwaltschaft am Dienstag bekannt. Von diesem Geld sollen Kompensationszahlungen getätigt und die aufwendigen Aufräumarbeiten bezahlt werden. Dass die Summe nicht die kompletten Kosten decken wird, stellen die Behörden aber klar. „Das ist nur eine erste Rate“, so Staatsanwalt Carlos Eduardo Ferreira Pinto zur Zeitung O Estado de Minas . Doch was ist der wahre Preis für dieses Unglück? Es ist mit Geld nicht aufzuwiegen. https://www.youtube.com/watch?v=3Ov7ebf8ACU Die brasilianische Wasserbehörde warnte, dass Spuren von Arsen, Zink, Kupfer und Quecksilber im Rio Doce es unmöglich machen, das Wasser für Trinkwasser aufzubereiten. 
Mehr als nur ein Minenbetreiber
Doch Vale ist nicht nur ein Minenbetreiber. Der Konzern besitzt zudem eigene Bahnstrecken, Züge sowie Häfen und Schiffe. Damit dürfte das Unternehmen auch weiterhin am Boom in Brasilien partizipieren, der mit den Olympischen Spielen 2016 zusammenhängt. Ferner dürfte Vale in den kommenden Jahren durch seine Logistiksparte von der weiter wachsenden Bedeutung Brasiliens als Global Player im Markt für Agrarrohstoffe profitieren – das Land ist einer der größten Produzenten von Zucker, Sojabohnen, Kaffee oder Orangensaft, zumal der Bergbaukonzern auch über eine eigene Düngemittelsparte verfügt. Brasiliens Erzlagerstätten gehören zu den ergiebigsten der Welt. 

Wirtschaftswachstum auf Kosten der Umwelt, Mensch und Tier – ein hoher Preis, den wir alle zahlen.
Netzfrau Doro Schreier









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