Functional Food – Das schmeckt dir noch? Wie man aus Abfall richtig viel Kohle machen kann

KaffeeWas wird mit den vielen Reststoffen der Obst- und Gemüseindustrie gemacht, wenn Hühner und Schweine davon sterben? Eine Möglichkeit: Man verkauft es als Functional Food zur Gesundheitsförderung.

Von der Kaffee-Ernte bleibt jede Menge Abfall übrig. Kaffeekirschen gelten aber als schwer bekömmlich, meint Udo Pollmer. Umso mehr wundert ihn, dass Food-Designer plötzlich Tee daraus entwickeln und sogar „Kotkaffee“ angeboten wird.

Schalen sind Abfall. Doch findigen Köpfen gelang es immer wieder, sogar daraus einen Nutzen zu ziehen. Aus Zitrus-Schalen macht man Pektin für Konfitüren, die Öle der Schalen werden als Duftstoffe für Putzmittel verwendet. Da aber viel mehr Schalen anfallen, als Obstverarbeiter und Putzmittelhersteller je verwenden könnten, wird der größte Teil an Rinder verfüttert. Ihre Pansenflora kann das verdauen und so erhalten wir Milch, Käse und Steaks.

Wie man allerdings schon weiß, gibt es heute keinen Anbau mehr, in dem nicht Pestizide verwendet werden und das stimmt auch für Zitrusfrucht-Plantagen. Die Schalen der Früchte nehmen die Giftstoffe auf – der Hinweis „Nicht zum Verzehr verwenden“ findet sich in jedem Supermarkt, der Zitronen, Mandarinen, Grapefruit und Orangen anbietet. Die Früchte, die nicht hier landen, werden für die Herstellung von Fruchtsäften und Marmeladen verwendet. Und der Abfall – die Schalen – werden eben für Pektin verwendet, bzw. wird das Öl der Schalen verwendet oder sie landen in Rindermägen. Und überall sind die Rückstände der Pestizide drin.

Das wird mit vielen Reststoffen der Obst- und Gemüseindustrie so gemacht. Besonders viel Abfall entsteht bei der Kaffeeernte. Kaffeebohnen sind keine Bohnen, sondern die Kerne der roten Kaffeekirsche. Hier fallen nicht nur die Schalen an, sondern jede Menge Fruchtfleisch. Als Futtermittel taugen die süßen Früchtchen leider nicht. Die vielen Polyphenole bremsen die Verdauung.

Bei einer Futterzulage von 30 Prozent verenden Nutztiere, vor allem Geflügel und Schweine. Lediglich Milchvieh kann dank seiner Pansenflora eine geringe Zulage sinnvoll verwerten.

Food-Designer entdecken Kaffeekirschen

Deshalb werden die meisten Kaffeekirschen kompostiert und als Dünger wieder in den Plantagen ausgebracht. Eben diese Kompostberge haben es den Food-Designern angetan. Wenn Hühner und Schweine davon sterben, könnte man es ja als Functional Food zur Gesundheitsförderung verkaufen. Schließlich, so die Ernährungsexperten, würde die Kaffeekirsche nur so strotzen vor vielversprechenden Inhaltsstoffen. Gesagt – getan.

In Südostasien und den USA haben sich Kaffeekirschen-Produkte bereits zum Kassenschlager gemausert. Nun soll auch überschüssige Kaufkraft in Europa abgeschöpft werden.

Erfolgreiche Kaffeekirschen-Superdrinks enthalten natürlich kaum Kaffeekirschen. Sie bestehen vorzugsweise aus Ananas- und Apfelsaftkonzentrat, viel Wasser, etwas Säure, Aroma und Süßstoff. Zusammen mit einem bescheidenen Zusatz eines nicht näher definierten „Kaffeekirschenextraktes“ entsteht eine Art Limonade, die, weil Functional Food, zumindest das Gewissen beruhigt.

Kaffeekirschen-Tee

Das fruchtige Aroma und die belebende Wirkung der Kaffeekirschen machen diesen Tee zu einem besonderen Genuss. Cascara ist ein traditionelles Getränk der bolivianischen Kaffee-Bauern (lokal auch Sultana = Rosine genannt) und bietet eine gute Alternative zu Kaffee. Nicht nur heiß, sondern auch als erfrischendes Kaltgetränk entfaltet der Casacara-Tee sein besonderes Aroma. Die sogenannte Kaffeekirsche bezeichnet die Frucht, in deren Inneren sich die rohe Kaffeebohne befindet. Der koffeinhaltige Kaffeekirschen-Tee wird aus den getrockneten Schalen gewonnen. Der Aufguss überrascht mit einer schönen, fruchtigen Note von frisch geerntetem Rohkaffee und einem feinen süß-sauren Hagebuttenaroma.

Wie Kamelmist – mit Kardamom verfeinert

Eine Gesundheitsmär allein genügt nicht für eine erfolgreiche Markteinführung, neue Produkte brauchen auch eine herzige Marketingmär. So erfahren wir von traditionellen Getränken, die im Jemen und anderen Kaffeeanbauländern als Spezialität genossen würden. Ja, es gibt dort „Tees“ mit getrockneten Kaffeekirschen, ein billiger Ersatz für Bohnenkaffee, da in den Resten noch ein wenig Coffein steckt.

Damit man diesen Trank überhaupt runterwürgen kann, wird er kräftig gewürzt. Mit gleichem kulinarischen Ergebnis könnte man auch Kamelmist überbrühen und den Aufguss mit Kardamom verfeinern, meint Pollmer.

Neben den Food Designern haben auch andere Lebewesen ein Näschen für die Kaffeekirsche. Manche Wildtiere Asiens haben die Früchte zum Fressen gern, sie können die Abwehrstoffe im Fruchtfleisch entgiften. Die Bohnen werden mit einem Dunghaufen andernorts wieder ausgeschieden. Auf diese Weise verbreitet sich der Kaffeestrauch.

Exotischer Kotkaffee

Unter seinen Verehrern nimmt der Fleckenmusang, eine Schleichkatze, die aussieht wie eine Kreuzung aus Wiesel und Katze, eine Sonderstellung ein. Sein Kot wird von den Einheimischen eifrig gesammelt und der Kaffee herausgepult. Die Verdauungssäfte des Musangs bewirken, dass die Bohnen nach dem Rösten besser munden. Es wird vermutet, dass dabei bittere Eiweiße in der Bohne abgebaut werden.

Der exotische Kotkaffee, er heißt Kopi Luwak, erzielt auch exotische Preise. Also wurden die Fleckenmusangs gefangen, in Käfige gesperrt und mit Kaffeekirschen gefüttert. Leider sind die Tiere recht klein, was natürlich einen geringen „Output“ bedeutet. Also suchten findige Kaffeehändler nach leistungsfähigeren Produzenten. Heute wird die Nachfrage zunehmend von Elefanten befriedigt. Es rechnet sich, wenn Dickhäuter ihre Geschäfte mit Kaffeebohnen verrichten. Wo sonst, wenn nicht hier, passt das römische Zitat: Non olet! Geld stinkt nicht.

So bietet der Kaffeestrauch jedem etwas: Der Gesundheitsbewusste trinkt Kaffeekirschentee, der Feinschmecker was Leckeres vom Elefanten, und der Vernünftige bleibt bei seinem gewohnten Espresso.

Fruchtsafthersteller werden zu Gesundheitslieferanten

Ein Forschungsauftrag der deutschen Fruchtsaft-Industrie e.V., Bonn ergab, dass ihr Abfall aus der Herstellung von Apfelsaft ein potentieller Goldesel sein könnte.

Die 425 Fruchtsafthersteller, darunter ca. 202 Direktmitglieder des Verbands der deutschen Fruchtsaftindustrie (VdF), produzieren jährlich ca. 4,3 Mrd. Liter Fruchtsaft, Fruchtnektar und stille Fruchtsaftgetränke. Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von ca. 40 L hat sich der Markt der Fruchtsäfte und -nektare in den letzten 15 Jahren als äußerst konjunkturstabil erwiesen.

Hierbei ist Apfelsaft mit 12 L nach wie vor der beliebteste Fruchtsaft. In Deutschland werden jährlich zwischen 400.000 und 900.000 t Äpfel zu Saft verarbeitet, wobei ca. 100.000 bis 300.000 t Apfeltrester anfallen.

Die Branche ist deutlich mittelständisch strukturiert mit einer großen Zahl nur regional auftretender Betriebe. Die im Rahmen dieses Forschungsvorhabens erzielten Ergebnisse zeigen Wege auf, wie die bei der Herstellung von Apfelsaft und bei der Apfelpektingewinnung anfallenden polyphenolhaltigen Nebenprodukte im Sinne einer möglichst ganzheitlichen und ökonomisch sinnvollen Verwertung zugeführt werden können.

Durch die gezielte Gewinnung potenter chemopräventiver Extrakte aus diesen vermeintlichen Abfallprodukten kann deren Entsorgungsproblematik entschärft werden. Darüber hinaus bedeutet die Verwendung dieser Extrakte zur Herstellung natürlich angereicherter Lebens-mittel eine zusätzliche Wertschöpfung für Fruchtsafthersteller.

Durch die Erschließung dieser bislang ungenutzten Ressourcen könnte so die Marktposition insbesondere der mittelständischen Betriebe dieser Branche durch Erweiterung ihres Produktportfolios gestärkt werden. Hinzu kommt, dass durch die Auslobung bioaktiver Inhaltsstoffe von Fruchtsäften und -nektaren deren marktwirtschaftliche Position zusätzlich gestärkt wird, da dies dem Verlangen der Verbraucher nach möglichst naturbelassenen und gesunden Lebensmitteln nachkommt.

Und so kommt auch diesen Abfällen in Zukunft eine neue Bedeutung zu – nicht mehr nur als Futtermittel.

Orangenkleider zum Durchschnittspreis von 80 Euro

Textilien lassen sich aus Überschüssen des Apfelsinenanbaus und den Abfällen der Zitrusfrüchte verarbeitenden Industrie herstellen. Zwei sizilianische Jungunternehmerinnen haben das neue Verfahren mit Unterstützung einer Mailänder Zelluloseexpertin und eines süditalienischen Unternehmers nun zur Marktreife gebracht. Mithilfe von „Orange Fiber“ können auf umweltfreundliche Weise nahezu wertlose Nebenprodukte und wegen ihres Aussehens oder aus anderen Gründen unverkäufliche Ware sinnvoll genutzt werden.

„Bei dem von uns patentierten Verfahren handelt es sich um eine Technik, die die Extraktion von Zellulose aus den Ernteabfällen der Orangenanbauer und den Pressrückständen der Orangensafthersteller erlaubt“, erklärt Jungunternehmerin Adriana Santonocito. Bei der zusammen mit dem Zitrusfrüchteindustriellen Giovanni Pezzino Di Geronimo und der Zelluloseforscherin Elena Vismara am Mailänder Polytechnnikum entwickelten Methode werden organische Lösungsmittel mit geringer Umweltbelastung verwendet.

In ihrer Rolle als Modedesignerin hat Santonocito mittlerweile eine aus zehn verschiedenen und biologisch abbaubaren Orangenstoffkleidern bestehende Kollektion mit einem Durchschnittspreis von 80 Euro entworfen. Die Stücke können jedoch mehr als bisher bekannte Textilien: Die Besonderheit von Orange Fiber besteht darin, dass er seinem Träger auch einen kosmetischen Nutzen bringt. „Unsere Stoffe setzen während des Tragens auf der Haut stufenweise Vitmanin A, E und C frei“, erklärte Vismara. Unter Verwendung von Nanotechnlogien sei es nämlich möglich, die in der Schale enthaltenen ätherischen Öle einzukapseln und in den Stoff einzuarbeiten.

700 000 Tonnen Abfall im Jahr

In Italien entstehen durch die Verarbeitung von Zitrusfrüchten jährlich 700 000 Tonnen an Abfallprodukten. „Im Gegensatz zu der auf große Wassermengen angewiesenen Textilproduktion aus Baumwolle ist Orange Fiber nicht mit der Verschwendung von kostbaren Rohstoffen und auch nicht mit der Konkurrenz von Nahrungsmitteln verbunden“, so die italienische Wissenschaftlerin abschließend. Das Verfahren könne sich wegen seiner Nachhaltigkeit als Industriemodell auch außerhalb Italiens durchsetzen.

Freude für alle VeganerInnen

Schuhe, Geldbeutel, Bürostühle – die Liste der Alltagsprodukte, die aus Leder gefertigt sind, ist lang. Von welchen Tieren das Leder stammt und wie es produziert wurde, ist oft nicht klar.

Nur so viel ist sicher: Tiere müssen für unsere Ledergürtel und Uhrenbänder ihr Leben lassen. Zudem verwenden Gerbereien meist Chemikalien wie das Umweltgift Chrom. Es sickert an billigen Produktionsstandorten wie Bangladesch in Flüsse und Seen. Falsch verarbeitet, gilt Chrom sogar als krebserregend.

Leder aus Ananas-Fasern

Auch die Designerin Carmen Hijosa aus Spanien suchte nach Material, das ähnlich stabil, dafür aber günstiger und nachhaltiger als Leder ist. Fündig wurde sie auf den Philippinen: Fasern aus Ananas-Blättern, die bei der Ernte ohnehin übrig bleiben, will sie zu Schuhen, Taschen, Stühlen und Sofas verarbeiten. „Wir können damit auch die Innenräume von Autos auskleiden“, sagte Hijosa der britischen Tageszeitung Guardian.

Piñatex (Piña bedeutet auf Spanisch Ananas) heißt das Material, an dem Hijosa fünf Jahre am Royal College of Art in London gearbeitet hat. Mit ihrem Startup Ananas Anam will sie nachhaltige Bio-Textilien herstellen, von denen auch die ländlichen Kleinbauern profitieren.

Bei dem Verfahren, das Ananas-Fasern in nichtgewobenen Textilstoff umwandelt, bleibt Biomasse übrig. Diese könne zusätzlich zu Dünger oder Biogas verarbeitet werden. Das bietet Bauern in den Anbaugebieten eine weitere Einnahmequelle.

Ananas

Der Piñatex-Produktkreislauf von der Ananas-Ernte (links) bis zum fertigen Produkt (rechts unten). Grafik via C. Hijosa, ananas-anam.com

Puma macht aus Piñatex Turnschuhe

Man könne Piñatex färben, bedrucken und in unterschiedlicher Beschaffenheit und Dicke herstellen, erklärt Hijosa. Nach einer Behandlung ähnele es Leder. Hijosa will nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft, also ohne Entstehung von Müll, produzieren. Allerdings möchte die Spanierin Leder nicht nur einfach ersetzen. „Wir machen etwas völlig Neues. Wir sind eine Alternative zu Leder und Textilien auf Erdölbasis.“

Die Kosten für Piñatex, das die Firma in unterschiedlichen Farbtönen und Ausführungen liefern kann, belaufen sich umgerechnet auf etwa 24 Euro/m², während die Preise für Leder laut Hijosa zwischen 27 und 40 Euro liegen.

Inzwischen ist auch die Industrie auf das Fruchtleder aufmerksam geworden. Der Sportartikelhersteller Puma und der Schuhproduzent Camper haben aus Piñatex Musterschuhe gefertigt. Doch auch Taschen-Designer wie Ally Capellino oder die Industrie-Designerin Patricia Moore experimentieren damit.

Die Ananas, mittlerweile eine sehr beliebte tropische Frucht auch in unseren Supermarktregalen, kann aber noch viel mehr.

Der Abfall, der bei der Konservenherstellung anfällt (der Zentralstrang und die Schale), kann als Frisch- oder Trockenfutter für Wiederkäuer und Schweine verwendet werden. Die Konservenindustrie bevorzugt Früchte von 1,8–2,0 kg Gewicht. Die Gesamtproduktion von Konserven erreichte Anfang der 1980er Jahre knapp eine Million Tonnen. 1992 betrug der Weltexport an Konserven eine Million Tonnen bei einem Wert von rund 600 Million US-Dollar. Die Früchte können auch zu Konfitüre, Marmelade, Saft, Wein und Alkohol verarbeitet werden. Eine größere Rolle spielt dabei aber nur die Saftherstellung. Der Welthandel mit konzentriertem Ananassaft umfasste 1993 rund 215.000 Tonnen. Das Bromelain wurde früher aus dem Fruchtsaft gewonnen, heute aus den Stämmen der abgeernteten Pflanzen. Es wird ähnlich wie Papain aus Papaya dazu verwendet, Fleisch zarter zu machen. Bromelain wird zu Gelatine zugegeben, um deren Konsistenz weicher zu machen. Früher wurde es auch zum Stabilisieren von Latexfarben und beim Ledergerben eingesetzt. Als Therapie wird es zur Verdauungshilfe und als entzündungshemmendes Mittel eingesetzt. In vorklinischen und pharmakologischen Studien zeigte Bromelain wundheilende und antimetastasische Wirkungen. Bromelain wird des Weiteren noch für andere Zwecke eingesetzt.

Leder aus Fisch, Spinnennetzen und Hefe

Es gibt gute Gründe, auf Leder-Produkte zu verzichten. Besonders, wenn die Tierhaut sich durch nachhaltigeres Material ersetzen lässt. Kreative Ansätze gibt es bereits. So haben Unternehmen wie Nike, Dior und Prada damit begonnen, Reste aus dem Fischfang in Turnschuhen, Handtaschen und sogar iPhone-Hüllen zu verarbeiten.

Andere experimentieren mit „vegetarischem Leder“ aus grünem Tee, Zucker, Bakterien und Hefe. Ein ganzes Netz aus Einsatz-Möglichkeiten sieht das japanische Startup „Spiber“, das mit seinem Textilfasern aus Spinnen-Seide 2015 in die Massenfertigung gehen will, berichtet Green Wiwo.

Sollten Sie in nächster Zeit in Japan unterwegs sein, der „Moon Parka“ aus Spinnen-Seide ist zur ersten Besichtigung unterwegs – in den North Face Shops, jetzt noch in Hokkaido vom 4.12.2015 bis 18.12.2915 und in Sendai vom 25.12.2015 bis 10.1.2016.

Palmöl – der Fluch des abgeholzten Regenwaldes

Nehmen wir nur einmal Malaysia her. Dort verarbeitet eine Palmöl-Mühle pro Stunde 50 Tonnen Material. Da bleiben am Ende des Tages gut 200 Tonnen leere Dolden übrig. In Malaysia gibt es über 400 Mühlen. Dazu kommt der Abfall vom Beschneiden der Bäume: Jeden Monat fallen 14 Tonnen Äste und Blätter auf jedem der 4,4 Millionen bepflanzten Hektar an, und dann kommen noch die gefällten Bäume hinzu.

Daraus könnten Küchen, Stühle, Tischplatten, Transportpaletten, Auto-Ablagen, Plastiktüten und sogar Essensbehälter gemacht werden. Die Idee dazu stammt vom Braunschweiger Fraunhofer-Institut für Holzforschung.

Malaysia hat schon immer Faserplatten gebaut. Das Land ist nach Deutschland und Frankreich weltweit drittgrößter Exporteur von MDF, 14 Firmen produzieren die Platten – bislang meist aus Gummibäumen. Doch da wird es langsam knapp, für die Plattenindustrie muß Holz importiert werden.

Hier passt die Fraunhofer-Entwicklung wie das perfekte Puzzlestück ins Konzept. Malaysia ist neben Indonesien der größte Palmöl-Produzent der Welt. Die immer größeren Plantagen sind auch ein Problem für das Weltklima, denn in der Regel wird für sie tropischer Regenwald abgeholzt, der große Mengen des Klimakillers CO2 bindet. Die Abfälle des Monokultur-Anbaus sind riesig. Sämtliche Palmöl-Mühlen erzeugen ihre eigene Energie mit den Abfällen, doch bleiben immer noch Berge übrig: die leeren Blütenstände (Dolden) nach dem Herauslösen der Früchte, die Palmblätter, und Stämme der Ölpalmen bei Neupflanzungen

Bisher wurde zur Plattenherstellung meist der Gummibaum verwendet, der ist dafür aber eigentlich zu schade – aus ihm können wertvolle Möbel gebaut werden. Und der Ersatz, nämlich der Abfall aus der Palmölindustrie, findet so auch eine bessere Verwertung, als einfach nur verbrannt zu werden.

Abfall bei der Verwendung von Kakaobohnen bzw. Schokoladenherstellung

Der Schokoladenhersteller Firma Hachez vergab an HSB einen Forschungsauftrag, um herauszufinden, ob sich von ihrem Riesenabfallberg an Kakaoschalen etwas weiter verwenden ließe.

Und siehe da, wie bei der Ananas auch stellte sich heraus, dass verschiedene Inhaltsstoffe überaus wertvoll sind und so auch u.a. in der Pharmaindustrie verwendet werden können.

Ergebnisse: 1. Antioxidative Kapazität, 2. Bakterizide Wirkung, 3. Herbizide Wirkung (Die Wirkung eines handelsüblichen Pflanzenschutzmittel als Referenz war ähnlich), 4. Klebkraft, 5. Färbende Eigenschaften.

Bioabfall von Mais, Zuckerrohr und Zuckerrübe

Biologisch abbaubare Einkaufstüten klangen bei ihrer Einführung 2008 sehr vielversprechend. Wurden aber nicht zum Kassenschlager, weil ihre Abbauzeit, die mit 12 Wochen angenommen worden war, ein vielfaches länger war und im Müll von Plastiktüten nicht unterschieden werden konnte und demzufolge doch in der Müllverbrennung landete, wobei ihre Herstellung mit 39 Eurocent ein Vielfaches dem Preis der Plastiktüten entsprach.

Ist also ein „durchgefallenes“ Projekt, an dem jedoch weiter geforscht wird.

Und vielleicht wird ja in der nahen (oder fernen) Zukunft jeder Abfall zur Goldgrube und die unzähligen Müllverbrennungsanlagen, die anfangs am Rande der Städte erbaut wurden, heute aber mittendrin liegen und so trotz aller Filteranlagen die Luft der Städte nicht eben verbessern, endlich Geschichte.

Netzfrau Lisa Natterer 

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