Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum – wie geklont, genmanipuliert und giftig sind deine Blätter.

Tanne3Die meisten verkauften Christbäume stammen aus Plantagen, die gedüngt und mit Pestiziden bespritzt werden – eine enorme Belastung für Böden und Gewässer. Und auch im Wohnzimmer möchte man diesen Giftcocktail nicht haben.

In Schleswig-Holstein bauen Landwirte auf einer Fläche von 2300 Hektar Tannenbäume an. Das entspricht in etwa 3300 Fußballfeldern. Jährlich ernten die Züchter zum Fest eine Million Bäume.

Der Großteil der Weihnachtsbäume, die Ihnen angeboten werden, sind aus ökologisch bedenklichem Anbau in Monokulturen, die mit Chemikalien behandelt werden.

Rund 29 Millionen Weihnachtsbäume werden jährlich in Deutschland verkauft. Etwa 10 Prozent davon werden importiert, vor allem aus Dänemark, aber auch aus Ungarn, Österreich, Polen und Tschechien.

Der allergrößte Teil stammt aus Weihnachtsbaumkulturen. Nur etwa 15 Prozent aller in Deutschland gehandelten Weihnachtsbäume werden noch von Waldbetrieben verkauft. Aber auch diese Bäume stammen häufig nicht direkt aus dem Wald, sondern wachsen auf Sondernutzungsflächen (z.B. auf durch den Wald führende Trassen für Hochspannungsleitungen oder Gas-Pipelines) oder auf zum Forstbetrieb gehörenden Landwirtschaftsflächen.

In Weihnachtsbaumplantagen werden Herbizide gegen Unkräuter wie Brombeeren oder Weidenröschen verwendet. Dazu kommen Spritzungen gegen Schädlinge wie Läuse oder Spinnmilben und natürlich gegen Pilzkrankheiten wie Botrytis oder Hallimasch. Letzterer ist mancherorts ein geschätzter Speisepilz – aber überall auch ein gefürchteter Forstschädling. Die Schönheitspflege ist das A und O einer erfolgreichen Christbaumkultur, Bäumchen mit optischen Makeln verderben die Preise oder sind unverkäuflich, so auf den Foren für Forstwirte. Selbst zum Anhübschen der Nadeln gibt’s eine spezielle Düngung, die direkt auf die Bäumchen gesprüht wird. So leuchten sie sattgrün. Dieses fanden wir bei unserer Recherche um den allzeit geliebten Weihnachtsbaum und nicht nur dies.

Viele suchen ihn, den „perfekten“ Baum und so manch einer erinnert sich an den Streit, da der Baum zu schief ist, die Zweige nicht richtig platziert sind oder er einfach nur eine „jämmerliche“ Gestalt darstellt. Das hat auch die Branche erkannt und, damit die Bäume ein „Hit“ werden, wird geklont, genmanipuliert und sie werden mit einem Chemiecocktail versehen. Sogar Monsanto mischt mit. Ob die Aussage stimmt, dass Monsanto an Weihnachtsbäumen eine Lizenzgebühr von 2 $ pro Baum erhält, ist allerdings nicht nachprüfbar.

Der BUND hat 2014  in Berlin, Leipzig, München und Nürnberg Weihnachtsbäume getestet. Bei acht der fünfzehn getesteten Bäume, also der Hälfte, fanden die Umweltschützer Rückstände von Agrarchemikalien. Tomas Brückmann ist beim BUND Experte für Pflanzenschutzmittel. Er fand bedenkliche Substanzen in den Bäumen.

Der BUND hat die Bäume auf ungefähr 150 verschiedene Pestizide beprobt inklusive Glyphosat und Ampa, weil das eine analytisch sehr schwere Substanz ist. In diesem Test hat man insgesamt zwei verschiedene Herbizide, das sind Unkrautvernichtungsmittel, gefunden. Das eine ist Glyphosat und das andere ist Prosulfocarb. Lesen Sie dazu: 17 Gründe warum Glyphosat verboten werden muss – Seventeen reasons to ban glyphosate  –  Prosulfocarb ist sehr giftig für das Nervensystem

Und dann ist da noch Syngenta:

Für Tannenbaumkulturen hat Syngenta die zugehörigen Pflanzenschutzmittel. Laut Aussage eines Baumgärtners wird im Frühjahr eine Herbizidbehandlung durchgeführt, dazu wird eine Feldspritze mit extra hohem Gestänge eingesetzt. Spätere Herbizidbehandlungen werden dann mit einer speziellen Unterblattspritze vorgenommen.
Um einem Läusebefall vorzubeugen, gibt es spezielle Insektizide. Die Insektizide werden von oben auf die Tannen gespritzt, so kann man sich sicher sein, dass die Läuse vernichtet werden. Zur Läusebekämpfung wird z.B. KARATE FORST von Syngenta flüssig eingesetzt. [Mehr zu diesen Chemikalien finden Sie hier: Produkte für Weihnachtsbaumkulturen]

Wie wirken diese Insektizide bei Insekten?
Die Wirkstoffe wirken als Kontakt- und Fraßgift über das Nervensystem der Insekten in der Weise, dass die erregten Nerven nicht wieder in den Ruhezustand zurückversetzt werden (Daueralarm!). Dies führt bei sensiblen Insekten zunächst zu unkoordinierten Bewegungen und danach zum Tod.

[Mehr Informationen: Das tägliche Gift – Risiko Pestizide]

Schon mehrfach haben wir über Glyphosat berichtet und auch bei den Weihnachtsbäumen mischt Monsanto mit. Alarmierend ist vor allem der hohe Einsatz von Pestiziden gegen unerwünschten Unterbewuchs. Besonders beliebt, weil besonders giftig, ist das Totalherbizid Glyphosat, bekannt unter dem Namen Roundup von Monsanto. Einmal versprüht, reichert sich das Pflanzengift in den Böden an, gelangt in das Grund- und Oberflächenwasser und gefährdet die Trinkwasserqualität. Und nicht nur das:

Was nicht perfekt ist, wird perfekt gemacht

Es ist nicht so einfach, die perfekte Tanne für Weihnachten zu finden. Berliner Forscher tüfteln nun an dem idealen Nadelbaum aus dem Labor: genetisch identische Weihnachtsbäumchen ohne Makel.

Die meisten Weihnachtsbäume, die vom Verbraucher bevorzugt werden, sind die Nordmanntannen. Genau diese Sorte haben Berliner Wissenschaftler nun genauer unter die Lupe genommen. Das Ziel der Forscher: der perfekte Weihnachtsbaum. Dazu suchte das Team um Kurt Zoglauer von der Humboldt-Universität zu Berlin Nadelbäume mit außergewöhnlichen Merkmalskombinationen, die sie dann klonal vermehrten.

„Jahrelang tüftelten die Forscher an den Methoden, um aus widerspenstigen Nordmanntannen liebenswerte „Laborpflanzen“ zu machen. Nicht die perfekt gewachsene Tanne selbst wird geklont, sondern die Embryonen aus ihren Samen. Um aber aus den farblosen Zellklumpen in der Petrischale grüne Tannenbäumchen heranzuzüchten, müssen die Pflanzenphysiologen mit Pflanzenhormonen nachhelfen: „Sie werden durch einen Cocktail aus Nährstoffen und Pflanzenhormonen dazu gebracht, unzählige somatische Embryonen zu bilden – sozusagen Kopien von sich selbst – aus denen dann Bäume herangezogen werden“, erläutert der Forschungsgruppenleiter. Da die Geschmäcker unterschiedlich sind, werden auch verschiedene Varianten des „perfekten Baumes“ gezüchtet. „Wir entwickeln Bäume mit einer Vielzahl an Merkmalen, die auf ihre Weise unterschiedlich schön sind. Grün sollen sie immer sein, aber die Farbnuancen der Nadeln reichen von hell bis dunkel mit Blauton. In Zeiten von Singlehaushalten sind auch schlanke Bäume gefragt, die in kleine Wohnungen passen. Und die Bäume sollen möglichst nicht nadeln“, so Zoglauer. „

Gentechnisch veränderte Bäume

GMO1Künftig sollen gentechnisch veränderte (GV) Bäume und Gehölze (z.B. Rosen) kommerziell genutzt werden. GV-Linien von Forst- und Obstbäumen wurden weltweit bereits in Hunderten von  Freisetzungen getestet, wobei der Löwenanteil auf die USA entfällt. Auch in Europa (Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Norwegen, Portugal, Schweden, Spanien) wurden bzw. werden Versuche mit GV-Bäumen durchgeführt.

Die transgenen Bäume sollen, wie der Großteil der einjährigen GV-Kulturpflanzen, vor allem resistent gegen Herbizide und Insekten sein, doch andere Eigenschaften, angepasst an verschiedene Nutzungen, werden ebenfalls angestrebt. Nicht zuletzt geht es auch darum, aus Bäumen Sprit zu gewinnen. Insbesondere für Plantagen, denen eine zunehmend wichtigere Rolle für die Holz- und Energieproduktion zukommt, wird der Anbau transgener Bäumen diskutiert.

Auch hier kommt wieder Monsanto ins Spiel, nachdem schon in China angebaut wurde, sollen nun auch in den USA „Frankenstein-Wälder“ entstehen. Und wenn das Schule macht und natürlich mehr Profit, wer weiss, vielleicht stirbt dann irgendwann der Weihnachtsbaum aus, da der „perfekte“ Weihnachtsbaum nur zu Weihnachten verkauft wird.

Im Wohnzimmer möchte man diesen Weihnachtsbaum samt seinen Giftcocktails nicht wirklich haben.

Wo gibt’s in Deutschland Tannenbäume aus ökologischer Waldwirtschaft oder aus anerkannt ökologischen Weihnachtsbaumkulturen?

Wer nicht auf einen Weihnachtsbaum verzichten möchte und, um mit ökologisch gutem Gewissen um den Weihnachtsbaum sitzen zu können, dem empfiehlt Robin Wood den Kauf von Tannen „die nach klaren, ökologisch ausgerichteten Regeln bewirtschaftet werden und bei denen dies auch von unabhängiger Seite kontrolliert wird“. [Die Liste beruht auf Angaben der zertifizierten Betriebe, Stand:  Hier die Liste ansehen oder speichern]

Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum – wie geklont, genmanipuliert und giftig sind deine Blätter.

Netzfrau Doro Schreier

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