20 vergessene humantitäre Tragödien – 20 humanitarian crises you may have missed this year

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zur englischen Version Die Flüchtlingskrise in Europa und der andauernde Krieg in Syrien beherrschen die Schlagzeilen – dabei gibt es unzählige andere Länder, die unter Konflikten und Naturkatastrophen zu leiden haben. Man nimmt sie kaum wahr – Unterstützung wird kaum geleistet. Rund 60 Millionen Menschen – 42 500 pro Tag – wurden 2015 vertrieben, der größte Umbruch seit dem 2. Weltkrieg.

Hier die Liste der 20 humanitären Tragödien, die zu den Flüchtlingswellen im vergangenen Jahr geführt haben, aber nicht im Fokus der Medienöffentlichkeit stehen:

Afghanistan: Jahrzehntelanges Chaos

Erst kürzlich zerstörte ein Erdbeben der Stärke 7,5 Tausende von Häuser im Nordosten Afghanistans. Es gab zahlreiche Tote und noch mehr Menschen ohne Unterkunft. Rund 9 Millionen Afghanen hängen von fremder Grundversorgung mit Nahrung und medizinischer Betreuung ab. Gleichzeitig quälen gewalttätige Konflikte weiterhin das Land und sorgen für weitere Vertreibungen.

Burundi: Unruhen und Aufstände

http://www.plan.org.au/

http://www.plan.org.au/

Politische Instabilität hat dafür gesorgt, dass Zehntausende Einwohner des Landes ihre Heimatdörfer verlassen haben. Den Flüchtlingslagern fehlen die Ressourcen. um Neuankömmlinge entsprechend zu versorgen, sodass die Schwächsten am meisten zu leiden haben. Frauen berichten immer wieder von häufigen physischen und sexuellen Übergriffen.

Zentralafrikanische Republik: Im Griff eines Sektenkonfliktes

Rund 20 Prozent der Bevölkerung wurden durch den andauernden Konflikt vertrieben, den die schwache Übergangsregierung nicht in den Griff bekommt. Allein Anfang Oktober zwang man 27 400 Einwohner von Bangui, der Hauptstadt, ihre Häuser zu verlassen. Auch Helfer wurden bereits zu Opfern.

Demokratische Republik Kongo: Andauernde politische Instabilität

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Es ist zwei Jahr her, dass sich M23, eine bewaffnete Rebellengruppe aus dem Kongo zurückgezogen hat und damit einen 18-Monate andauernden Aufstand beendet hat, der zur Vertreibung Tausender Menschen führte. M23 mag zwar nicht mehr da sein, aber politische Instabilität und Gewalt quälen das Land noch immer, die Wiederherstellung einer Normalität ist eine enorme Herausforderung.(KONGO – „DER GEFÄHRLICHSTE ORT DER WELT“- Dr. Denis Mukwege-kongolesischer Gynäkologe -An African Hero)

Äthiopien: Extremer Durst

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Äthiopien erlebt derzeit die schlimmste Dürre seit über einem Jahrzehnt. Im November bezifferte die Regierung die Anzahl der betroffenen Menschen auf 8.2 Millionen Menschen, nahezu die doppelte Menge, die noch zwei Monate vorher gegolten hatte. In einem Land, in dem 80 % der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeiten, ist die andauernde Dürre nur der Beginn einer Katastrophe.( Äthiopien – dem Land droht die schlimmste Dürre seit 30 Jahren)

Haiti: Kampf um den Wiederaufbau

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Das Erdbeben im Jahr 2010 tötete 300 000 Menschen und machte 1,5 Millionen Menschen obdachlos. Die meisten dieser Obdachlosen haben immer noch kein Dach über dem Kopf und kämpfen um das tagtägliche Überleben, während sich das Land nur langsam von der bisher größten Naturkatastrophe erholt. (Sechs Jahre nach dem Beben – Die Menschen in Haiti leben immer noch in Trümmern!)

Irak: Wiederkehrende Tragödien

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Es ist ein Jahr her, dass ISIS die Stadt Sinjar erobert hat, tausende, darunter zahlreiche Anhänger jesidischen Glaubens, mussten in die Berge fliehen. Allein 2015 wurde 3 Millionen Menschen im Irak entwurzelt – d. h. aus ihren Häusern vertrieben. (Grausam! Massengräber von Frauen, zu „alt um IS als Sexsklavin zu dienen“ – Mass graves of women ‚too old to be ISIL sex slaves‘)

Libyen: Kampf ums Überleben

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Vier Jahre nach dem Aufstand, der mit der Hinrichtung von Premierminister Muammar Gaddafi endete, sind bewaffnete Konflikte und politische Instabilität immer noch Alltag für über 3 Millionen Menschen, die kaum ihre Grundbedürfnisse befriedigen können.(Nordafrika versinkt im Krieg – Leichen säumen Libyens Küste)

Mali: Die vergessene Krise

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Selten wird darüber berichtet, aber gewalttätige Konflikte als Folge eines Aufstands und politische Instabilität sind in Mali weiter die Normalität – und das in einem der ärmsten Länder der Welt. 3000 Bürger sind nach Menaka geflohen, einer Stadt, die im sehr trockenen Nordosten des Landes liegt, was dazu führt, dass die bereits knappe Wasserversorgung noch stärker belastet wird. (Terror in Mali – 170 Geiseln und neun Tote bei Überfall auf Luxushotel)

Myanmar: Tödliche Verfolgung

A girl sits on the rubble of her collapsed house in Tasarphu, a village close to the quake's epicenter. A deadly earthquake hit Nepal near Kathmandu, April 25, 2015.

A girl sits on the rubble of her collapsed house in Tasarphu, a village close to the quake’s epicenter. A deadly earthquake hit Nepal near Kathmandu, April 25, 2015.Photo: Peter Biro/IRC

Die Kombination von Überflutung im Juli durch den Zyklon Komen sowie die Monsun-Regen diesen Jahres haben dazu geführt, dass 1,7 Millionen ihre Heimat verloren. Gleichzeitig mussten 100 000 Rohnigya, eine muslimische ethnische Minderheit, vor tödlicher Bedrohung fliehen, es kam sogar zu einem internationalen Ereignis, als zahlreiche der überladenen Boote mitten im Meer verlassen wurden. (Raubbau wegen Rohstoffen … und wieder trifft es die Ärmsten, nach Brasilien Erdrutsch in Myanmar)

Nepal: Zerstörendes Beben

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Ein massives Erdbeben in Nepal (das schlimmste Beben der letzten 80 Jahre) zerstörte 500 000 Häuser und hat das Leben von 8 Millionen Menschen beeinträchtigt. Während sich das Land langsam erholt, hat die politische Instabilität aufgrund massiver Bedenken gegenüber der Verfassung zu gewalttätigen Protesten geführt, die bereits instabile Situation wird immer prekärer.(Erdbeben in Nepal schon Vergangenheit – was ist nun?)

Niger: Überlasteter Gastgeber

Photo: Peter Biro/IRC

Photo: Peter Biro/IRC

In der trockenen Region Diffa beherbergt das Land Niger 150 000 Flüchtlinge, die dem Terror von Boko Haram im Nachbarstaat Nigeria entkommen sind. Darüberhinaus sorgt eine Dürre dafür, dass die Farmer erheblich kämpfen müssen, um die 2,5 Millionen Bewohner zu versorgen. (Boko Haram in Nigeria – Hundertausende auf der Flucht – EU und Deutschland bauen Grenzzäune)

Nigeria: Boko Haram Terror

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Seit Boko Haram vor gut einem Jahr einen Schlafsaal stürmte und 200 junge Mädchen kidnapte, hat diese bewaffnete militärische Gruppe über 2,2 Millionen Menschen in die Flucht getrieben. (Boko Haram – Entführte Mädchen als Selbstmordattentäterinnen – Ausnahmezustand wegen Terroralarm )

Pakistan: Naturbedingte und menschgemachte Katastrophen

Gewalttätige militärische Konflikte in der Region Nord-Waziristan haben eine Million Menschen aus ihrer Heimat vertrieben – eine weitere Million wurde Opfer von Naturkatastrophen wie Erdbeben und Monsun-Überschwemmungen. Und allen mangelt es an Nahrung, Wasser und Unterkunft.(El Niño- Extreme Naturkatastrophen – alles was Mutter Natur für uns Schreckliches zu bieten hat!)

Südsudan: Massive Hungersnöte

Some 50,000 displaced people live in the overcrowded and unsanitary camp at the UN base in Bentiu, Unity State.

Some 50,000 displaced people live in the overcrowded and unsanitary camp at the UN base in Bentiu, Unity State.

Photo: Peter Biro/IRC

Trotz eines Friedensvertrags im August steht der Südsudan an der Grenze eines Kollapses, der das jüngste Land der Welt zurück in die Gewalt führt. Gravierende Hungersnöte machen dringend Unterstützung notwendig, aber die neu aufkeimenden Kämpfe erschweren den Hilfsgruppen den Zugang zu den Bedürftigen.(Die zahlreichen Krisenherde in der Welt – viele Länder versinken im Krieg)

Somalia: Konflikt als Erbschaft

Tausende Somalis, die das Land auf Grund des Bürgerkriegs vor 20 Jahren verließen, leben immer noch im Flüchtlingslager Dadaab im benachbarten Kenia. Viele der dort auf die Welt gekommenen Kinder haben noch nie einen Fuß auf die Erde ihres Heimatlandes gesetzt. Auch wenn sich die Lage in Somalia verbessert hat, gibt es weiterhin gewalttätige Konflikte durch die al-Shabaab Milizen. Darüber hinaus belasten Überflutungen und Dürre die fragile Lage im Land.( Die zahlreichen Krisenherde in der Welt – viele Länder versinken im Krieg)

Sudan: Kreislauf der Gewalt

Die andauernde Gewalt in der Nuba Bergregion hat Tausende vertrieben, Krankenhäuser zerstört und führt zu Engpässen in der Lebensmittelversorgung. Viele Sudanesen fliehen in die Grenzstadt Yida in den benachbarten Südsudan, wo aber auch ein brutaler Bürgerkrieg herrscht.

Ukraine: Gefangen im Krieg

Eine Million Menschen wurden innerhalb der Ukraine vertrieben, über 5 Millionen benötigen humanitäre Unterstützung. Der Winter bedeutet für die meisten Familien, dass sie mit noch weniger Nahrung, mit Medizinmangel und unzureichenden Unterkünften zu kämpfen haben.(Ukraine: Wirtschaftliche Interessen als Weltpolitik )

West Afrika:Der Schatten von Ebola

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Während man schon einiges gelernt hat, um die rasende Verbreitung von Ebola zu unterbinden, zeigen neue Fälle der Krankheit, dass es noch erhebliche Lücken bei der Infektionskontrolle gibt, die dringend adressiert werden müssen.

Jemen: Bürger im Belagerungszustand

Noch bevor der Konflikt die Nation in die Krise stürzte, war die Unterernährungsrate im Jemen eine der schlimmsten der Welt. Über die Hälfte der Bevölkerung hat keinen ausreichenden Zugang zur Wasserversorgung. Und diese Zahlen haben sich durch den Krieg noch verschlimmert, 80 % der Bevölkerung benötigen jetzt Nothilfe, eine Millionen Menschen wurden bisher vertrieben (Die zahlreichen Krisenherde in der Welt – viele Länder versinken im Krieg).

20 humanitarian crises you may have missed this year

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December 30, 2015 by The IRC International Rescue Committee

As the refugee crisis in Europe and ongoing Syrian war continues to dominate news headlines, many countries struggle with conflict and natural disaster largely out of sight—and largely on their own. Some 60 million people, about 42,500 a day, were displaced in 2015, the largest upheaval of humanity since World War II.

Below are 20 humanitarian crises that drove mass displacement this year, yet haven’t received much attention from the media:

Afghanistan: Decades of chaos

The recent 7.5 magnitude earthquake destroyed thousands of homes in northeastern Afghanistan, leaving many dead and many more displaced. About 9 million Afghan people remain in need of basic assistance such as food and medical care. Meanwhile, violent conflict continues to plague the country and displace its people.

Burundi: Unrest and upheaval

Political instability has caused tens of thousands of Burundians to flee their homes. Refugee camps lack resources to accommodate new arrivals, leaving the most vulnerable in even greater need. Women are reporting high levels of physical and sexual assault.

Central African Republic: Gripped by sectarian conflict

Nearly 20 percent of CAR’s population have been displaced by ongoing conflict unchecked by a weak transitional government. In early October, 27,400 innocent civilians were forced from their homes in Bangui, the capital. Humanitarian workers became targets.

Democratic Republic of Congo: Continued political instability

It has been two years since M23, an armed rebel group, withdrew from DRC, putting an end to the 18-month uprising that displaced thousands. M23 may be gone, but political instability and concurrent violence continues to plague the country, making the road to recovery all the more challenging.

Ethiopia: Extreme thirst

Ethiopia is experiencing its worst drought in more than a decade. In November, the government upped its estimate of people in need to 8.2 million—almost double the number announced two months prior. For a country where 80 percent of the population works in agriculture, the current drought is a catalyst for catastrophe.

Haiti: Struggle to rebuild

The 2010 earthquake killed over 300,000 people and displaced 1.5 million, and many of those displaced remain homeless and continue to struggle to get by as the country slowly rebuilds from one of the world’s worst natural disasters.

Iraq: Recurring tragedy

It has been over a year since ISIS captured the city of Sinjar, forcing thousands (many members of the targeted Yazidi religious community) to flee to the Sinjar mountains. In all, 3 million people were uprooted from their homes in Iraq in 2015.

Libya: Struggling to survive

Four years after the revolt that ended with the execution of Prime Minister Muammar Gaddafi, armed conflict and political instability has left more than 3 million people in need of critical services.

Mali: Forgotten crisis

Though scarcely reported, violent conflict—spurred by a coup and ensuing political instability—continues to plague Mali, one of the world’s poorest countries. Some 3,000 Malians had fled to Menaka, a town in a largely arid region in the country’s northeast, putting a strain on the scarce water supply.

Myanmar: Deadly persecution

Widespread flooding spawned by July’s Cyclone Komen combined with monsoon rains displaced 1.7 million people. Meanwhile, 100,000 Rohnigya, a Muslim ethnic minority, were forced to flee deadly persecution, creating an international incident when a number of overcrowded boats were abandoned at sea.

Nepal: Devastating quake

A massive earthquake in Nepal (their worst earthquake in 80 years) destroyed 500,000 homes, affecting an estimated 8 million people. As the country slowly recovers, political instability surrounding a contested constitution has sparked violent protests, straining an already volatile situation.

Niger: Overwhelmed host

Niger’s arid Diffa region is hosting 150,000 refugees fleeing the terror of Boko Haram in neighboring Nigeria. In addition, a drought has left farmers struggling to feed 2.5 million.

Nigeria: Boko Haram terror

Since Boko Haram stormed a dormitory and kidnapped 200 young girls a year ago, the armed militant group has forced 2.2 million people to flee.

Pakistan: Disasters natural and man-made

Violent military conflict in the North Waziristan region has driven a million people from their homes, while natural disasters, including a devastating earthquake and monsoon flooding, have left another million homeless and in need of food, water and shelter.

South Sudan: Edge of mass starvation

Despite a peace deal signed in August, South Sudan remains on the brink of collapse as the world’s youngest country plunged back into violence. A dire food emergency requires humanitarian response, but renewed violence has made it dangerous for aid groups to reach those most in need.

Somalia: Legacy of conflict

Thousands of Somalis who fled civil war two decades ago remain in the Dadaab refugee camp in neighboring Kenya. Children born there have never set foot in their native country. While the situation in Somalia has improved, violent conflict, especially at the hands of al-Shabaab militants, as well as alternating flooding and drought continue to threaten the fragile country.

Sudan: Cycle of violence

Continued violence in the Nuba mountain region has displaced thousands, destroyed hospitals and caused a food shortage. Many Sudanese are fleeing to the border town of Yida in neighboring South Sudan, itself embroiled in a brutal civil war.

Ukraine: Trapped by war

One million people have been displaced within Ukraine and an additional 5 million are in need of humanitarian assistance. The onset of winter means families will face even graver shortages of food, medicine and adequate shelter.

West Africa: Shadow of Ebola

While much has been learned about how to stem the rapid spread of Ebola, new cases of the disease show that stark gaps in basic infection control must be addressed.

Yemen: Citizens under siege

Even before conflict engulfed the nation, Yemen’s malnutrition rate ranked as one of the world’s worst, and more than half of its population lacks access to drinking water. Those numbers have only gotten worse, with 80 percent of the population in need of humanitarian assistance and 1 million uprooted from their homes.

Netzfrau Andrea Escher (Übersetzung)
deutsche Flagge

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. schön dass auch dieser katastrophen gedacht wird. es stimmt dass man schnell alles andere vergisst, was einen nicht unmittelbar betrifft, wenn man denkt man macht grad selbst stressige/unsichere/gefährliche zeiten durch. wobei letzteres auch mal dahingestellt sei..
    grüße aus dem grödental
    claudia

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