Tragisches Ende einer Arzneimittelstudie in Frankreich

Pharma7Eine Person hirntot, fünf weitere werden behandelt, teilte Gesundheitsministerin Marisol Touraine in einer Pressekonferenz im Universitätsspital von Rennes mit. Die Gesundheitsministerin spricht vom schlimmsten Unfall dieser Art in Frankreich.

Mehrere Menschen wurden durch den Versuch mit einem neuen Schmerzmittel schwer verletzt. Laut dem französischen Gesundheitsministerium haben 90 Personen das Medikament eingenommen, sechs Personen wurden ins Krankenhaus eingeliefert.

Entgegen ersten Meldungen enthält das Medikament kein Cannabis, sondern eine Substanz, die im Körper eine ähnliche Wirkung entfaltet. 128 Freiwillige im Alter zwischen 18 und 55 Jahren hätten am Test teilnehmen sollen, so Touraine weiter. Bisher hatten 90 Personen verschieden hohe Dosen des Mittels erhalten.

»Diejenigen Tester, die das Medikament wiederholt genommen haben, leiden unter schweren Symptomen«, sagte die Gesundheitsministerin. Am 7. Januar hätten sie mit der Einnahme begonnen, drei Tage später seien die ersten Symptome aufgetreten. Der Versuch wurde am 11. Januar abgebrochen. Der nun als hirntot eingestufte Patient sei am Sonntag ins Krankenhaus gekommen.

Biotrial hatte die Nationale Behörde für die Sicherheit von Medikamenten und Medizinprodukten über den Stopp des Tests informiert.

In Großbritannien war es 2006 zu einem ähnlichen Vorfall gekommen. Sechs junge Männer erlitten ein multiples Organversagen, nachdem sie einen Wirkstoff gegen Multiple Sklerose eingenommen hatten. Die Arznei war in Deutschland entwickelt worden.

Biotrial zahlt Probanden zwischen 100 und 4500 Euro für die Teilnahme an klinischen Studien, je nachdem, wie aufwändig diese sind. Nach Angaben auf seiner Webseite hat das Labor, das auch Büros in London und New Jersey betreibt, 25 Jahre Erfahrung mit klinischen Studien.

Pharmatests fordern Opfer in Indien

In Indien sank nach einer Serie von Skandalen die Zahl der Medikamententests mit internationaler Beteiligung zuerst vorübergehend: von mehr als 100 im Jahr 2012 auf nur noch 17 in 2013. Aber 2014 stieg die Zahl der Tests bereits wieder stark an: auf mindestens 43 allein im ersten Halbjahr 2014, wie die Fachzeitschrift „Nature Medicine“ meldete. Der indische Arzt Doktor Anand Rai aus Indore machte mehrere Skandale öffentlich.

Ein deutsches Pharmaunternehmen lagerte Medikamententests nach Indien aus. Das ist erstens billiger als zu Hause und zweitens: Wenn jemand stirbt, fällt es nicht so schnell auf.

Der Verband forschender Arzneimittelhersteller in Deutschland meldet, dass bis zum Jahr 2017 fast 170 neue Wirkstoffe getestet werden sollen, davon die meisten zur Behandlung von Krebskrankheiten. Diese klinischen Studien dauern Jahre.

In Indien gehe es beim Testen ganz anders zu als in Europa, weiß Doktor Chandra Gulhati aus Delhi. Der Arzt war früher in England selbst an Tests beteiligt, fand die indischen Verhältnisse nach seiner Rückkehr in die Heimat schockierend und gründete eine medizinische Fachzeitschrift, die mittlerweile eine Auflage von einer halben Million erreicht. „Die Pharmakonzerne finden es sehr bequem, in ein Land wie Indien zu kommen“, sagt Gulhati. „Denn in korrupten Ländern kommt man leicht voran: Man gibt Geld und daraufhin wird die Arbeit prompt erledigt. Die größten Einsparungen dabei: Erstens wird den Patienten nichts gezahlt, zweitens bekommen Ärzte sehr viel weniger Geld als in Deutschland und drittens bekommt das indische Hospital sehr viel weniger Geld als ein deutsches. Aber grundsätzlich gilt: Außer dem Patienten, dem Versuchskaninchen, machen hier alle Geld mit den Tests: die Kontrollbehörden, die Ärzte und die Unternehmen. Alle.“

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