Im Jemen läuft eine Katastrophe ab, die Saudi-Arabien mitzuverantworten hat

Jemen 6Krieg ist furchtbar, aber das allerletzte ist es, wenn darin auch noch Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen bombardiert werden, obwohl deren Koordinaten allen Kriegsparteien bekannt sind. Genau das passiert im Jemen, auch durch die saudische Luftwaffe.

In Jemen sterben täglich Zivilisten in einem Krieg, den keine Seite gewinnen kann. Die Zivilisten zahlen den Preis für den saudisch-iranischen Machtkampf.

Bei einem Angriff auf eine Klinik von Ärzte ohne Grenzen im nördlichen Jemen sind vor ein paar Tagen mindestens fünf Menschen getötet worden. Zehn weitere wurden verletzt, unter ihnen sind auch zwei Mitarbeiter der Hilfsorganisation. Sie schweben in Lebensgefahr.

Nachdem eine Rakete die Klinik getroffen hatte, stürzten mehrere Gebäude ein. Unter den Trümmern liegen noch Menschen. Die Zahl der Opfer dürfte also weiter steigen. Laut Ärzte ohne Grenzen ist unklar, ob das Geschoss von einem Jet der arabischen Militärallianz oder vom Boden abgefeuert wurde. Es sei der dritte Angriff auf eine Einrichtung der Ärzte-Organisation in dem Land binnen drei Monaten.

Am 27. Oktober 2015 war das Krankenhaus Haydan bei einem Luftangriff durch die von Saudi-Arabien geführte Koalition zerstört worden. Am 3. Dezember wurde ein Gesundheitszentrum in Taiz ebenfalls von der Koalition getroffen. Dabei wurden neun Menschen verletzt.

Seit September 2014 kämpfen Truppen des sunnitischen Präsidenten Hadi gegen schiitische Huthi-Rebellen und deren Verbündete. Die regierungsnahen Kämpfer werden durch die von Saudi-Arabien angeführte Militärallianz unterstützt. In dem Konflikt wurden seit März 2015 rund 6000 Menschen getötet und 28 000 verletzt. Im bitterarmen Jemen tobt  ein Bürgerkrieg. Huthi-Rebellen haben große Teile des Landes unter Kontrolle gebracht.

Seit März bombardiert zudem eine von Saudi-Arabien geführte Koalition die Rebellen und deren Verbündete aus der Luft.

Saudi-Arabien setzt Streubomben in Sanaa ein. Diese sind laut einer internationalen Konvention von 2008 geächtet. Weder Saudi-Arabien noch die USA unterzeichneten jedoch diese Konvention. Letzte Woche hatte das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte mitgeteilt, dass sein Team im Jemen die Reste von 29 Streubomben in einem Distrikt im Nordwesten des Landes gefunden habe. Am 13.Januar warf auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) der Militärkoalition den Einsatz von Streubomben vor. Bereits seit Monaten gibt es Berichte darüber, dass Saudi-Arabien im Jemen Streubomben eingesetzt haben soll. Anfang Januar trafen sie ein Wohngebiet der jemenitischen Hauptstadt. Bizarr: Der neue „Experte“ für den UN-Menschenrechtsrat kommt aus Saudi Arabien – Regimekritiker werden dort geköpft und gekreuzigt und im Jemen werden unschuldige Opfer durch Streubomben getötet oder verletzt.

Schutt und Trümmer Wurf einen dritten Stock Schlafzimmer in der Al-Noor-Center für Blinde, dass nach einer Saudi-geführte Koalition Luftangriff in Sanaa, Jemen am 5. Januar 2016 © 2016 Abdullah Qaid / Human Rights Watch

www.hrw.org

Seit fünf Monaten herrscht Krieg im Jemen, und schon jetzt sehe das Land aus „wie Syrien nach fünf Jahren“. So beschreibt der Chef des Internationalen Roten Kreuzes, Peter Maurer, sein Entsetzen nach einem Besuch in der Republik im Süden der arabischen Halbinsel im September 2015. 21 Millionen von knapp 27 Millionen Jemeniten benötigen akut humanitäre Hilfe, meldet die Hilfsorganisation Save the Children. Im Jemen läuft eine Katastrophe ab, und mitzuverantworten hat sie ein Verbündeter Deutschlands: Saudi-Arabien.

INFOBOX

Die Militärintervention im Jemen 2015 ist eine militärische und politische Intervention einer von Saudi-Arabien angeführten Militärallianz im Jemen, der neben Saudi-Arabien Ägypten, Bahrain, Katar, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate, Jordanien, Marokko, Sudan und seit Mai 2015 Senegal angehören und die von den Vereinigten Staaten von Amerika, Frankreich und Großbritannien logistisch unterstützt wird. Die Militärintervention begann am 26. März 2015 mit der als Operation Decisive Storm (deutsch „Sturm der Entschlossenheit“ oder „Operation Entscheidungssturm“, arabisch ‏عملية عاصفة الحزم‎, DMG ʿamaliyyat ʿāṣifat al-ḥazm) bezeichneten Militäroffensive. Einige teilnehmende Staaten wie Pakistan lehnten während der Operation Decisive Storm nachträglich eine Beteiligung an den Luftangriffen ab oder beteiligten sich eher symbolisch wie Marokko.

Auf Wikipedia ist die Militärintervention im Jemen 2015 gut beschrieben.

Wir hatten bereits in unserem Beitrag Nordafrika versinkt im Krieg über den Jemen berichtet.

Der Krieg im Jemen kann ebenfalls die nächste große Flüchtlingskrise auslösen.

Mehr als 114 000 Menschen waren bereits im Oktober vor dem  Krieg im Jemen geflohen. Die Zahl könnte sich mindestens auf 200 000 bis Ende 2016 erhöhen.

Jemen4

„70 000 Flüchtlinge aus dem Jemen sind in Dschibuti, Äthiopien, Somalia und dem Sudan angekommen“, gaben das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) und die Internationale Organisation für Migration (IOM) Ende Oktober in einer Erklärung bekannt. „Bis zu 44 080 Menschen sind Berichten zufolge in Saudi-Arabien und Oman angekommen „, sagte die IOM

Folgende Karte zeigt die Länder, in welche die Menschen aus Jemen fliehen.

Jemen6

Hier ist die Karte in voller Größe. Download PDF (1.33 MB)

Länder wie Sudan, Eritrea, Somalia und Dschibuti werden genannt, wohin die Menschen aus dem Jemen fliehen – doch genau in diesen Ländern machen sich zurzeit Menschen auf den Weg nach Europa, weil es Konflikte in ihrem Land durch Diktatoren gibt und auch hier die Sympathisanten der IS terrorisieren.

Jemen: Bürger im Belagerungszustand

Noch bevor der Konflikt die Nation in die Krise stürzte, war die Unterernährungsrate im Jemen eine der schlimmsten der Welt. Über die Hälfte der Bevölkerung hat keinen ausreichenden Zugang zur Wasserversorgung. Diese Zahlen verschlimmerten sich durch den Krieg noch. 80 % der Bevölkerung benötigen jetzt Nothilfe, eine Millionen Menschen wurden aktuell bisher vertrieben (Die zahlreichen Krisenherde in der Welt – viele Länder versinken im Krieg).

Die saudi-arabische Regierung scheint sich an zivilen Opfern ihrer Kampagne nicht zu stören. Immer wieder landen ihre Bomben in belebten Vierteln, auf Märkten oder neben Schulen.

Das Internationale Kommitee vom Roten Kreuz warnt vor einem vergessenen Krieg. Medienberichte finden eher dann Aufmerksamkeit, wenn der IS in ein Attentat involviert ist, nicht Saudi Arabien.

Deutschland hat Saudi-Arabien mit Waffen versorgt und auch für seine Luftwaffe bekommt Saudi-Arabien von den USA mehr als 19 000 Bomben im Wert von 1,29 Milliarden Dollar.

Dazu auch: Saudi Arabien: Doppelmoral von Gabriel – Erst Kriegsgüter in großem Stil und danach „scharfe“ Warnung

Netzfrau Doro Schreier

Iran – Energiehunger vor Menschenrechte – Darum schweigt Frau Merkel!

20 vergessene humantitäre Tragödien – 20 humanitarian crises you may have missed this year

Rüstungsgüter gegen Rohstoffe – besichert durch Steuergelder

Saudi-Arabien hat eine Reihe Gesetze eingeführt, die u.A. Atheisten als Terroristen definieren – Saudi Arabia declares all atheists are terrorists in new law to crack down on political dissidents

FREE ATENA FARGHADANI,IMPRISONED FOR DRAWING CARTOONS IN IRAN- 12 Jahre Haft wegen Karikatur

5 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hey Leute wo sind die in tiefer Trauer eingefärbten Profilbilder? Ein großer Teil der Waffen mit denen dort Kinder,Zivilisten,Ärzte und und…… getötet werden stammen aus unseren Land. Da das Ganze ja aber nicht direkt vor unserer eigenen Haustür stattfindet und nicht von der staatlich manipulieren Medien als info geschaltet ist(so jetzt haben alle traurig zu sein) geht das hier allen am Arsch vorbei
    Leute wacht auf , solange nicht alle auf den Straßen zu sehen und zu hören sind,geht das Morden auch in unseren Namen weiter.

  2. Danke für diesen Artikel,
    obwohl ich das tägliche Schlachten dort schon kannte, hat er mich tief berührt.
    Auch im Hinblick auf den ehrenwerten Kommentar des Herrn Lange- Hoffmann möchte ich mich dazu wie folgt äußern:
    Es reicht nicht, die Waffenexporte zu stoppen. Wir dürfen nicht immer nur die Verantwortung delegieren!!!
    Am Tod dieser Menschen ist auch jeder Einzelne von uns Schuld!
    Wir stützen jeden Tag mit unserer Arbeit eine blutige, kranke Wirtschaftsdiktatur.
    Wieviel Blut mischt sich in jeden Liter Benzin, den wir verfahren…
    Die Diktatoren spielen, weil sie zuviel Geld haben…. unser aller Geld. Wir geben es denen jeden Tag, bis der Krieg auch uns frisst.
    Wir im Westen sind alle gedankenlos und schweigen, weil wir Angst vor der Zukunft haben. Seht alle hin, das ist unsere Zukunft, wenn wir nicht endlich diese irren Diktatoren verjagen.
    Wie anfangen???
    Eine Woche Generalstreik, das tut uns nicht mehr weh…. aber den Irren da oben!!!

    • Generalstreik hilft da nicht und schon gar nicht für eine Woche. Das System muß von innen ausgehölt werden, damit auch die Armen, die sich nicht mal einen Tag Ausfall leisten können, den Generalstreik überleben. Ohne System-check laufen die Versuche alle ins lehre ………, versprochen.
      Ach noch was, …… Streubomben hat die Nato auch über Libyen abgeworfen …….

      Das was wir uns heute unter Nazis vorstellen, ist in Wirklichkeit die Gruppe die Adolf Hitler damals bekämpft hat und die gleiche Gruppe die uns heute hinter den Politikern regiert.

      • Sie haben mit Ihrer Einschätzung vollkommen Recht.
        Trotzdem wir müssen endlich zu Aktionen kommen.
        Jahrzehntelang haben wir dieses System gecheckt, wie lange noch???
        Ist der Weg, des ewigen checkens des Systems und der angedachten Aushöhlung Desselben, nicht auch der Weg des -sich versteckens- und der Delegierung von Verantwortung?
        Für die Armen interessiert sich täglich NIEMAND.
        Verstecken wir uns hinter ihnen, wenn wir gefordert sind?
        Bewusste Menschen agieren und erbarmen sich der Armen jeden Tag!

  3. Pingback: US-friends: Saudi Arabia Uncovered: TV-Doku zeigt die Brutalität einer Welt, in der Frauen auf der Straße geköpft werden | Blog von Klaus Schreiner Österreich, Tirol, Innsbruck

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