Danke Peter Lustig – …ihr seid ja noch da, aber jetzt – abschalten!
Peter Lustig ist tot. Er starb im Alter von 78 Jahren in der Nähe von Husum im Kreise seiner Familie. Im Mai 1980 fiel die erste Klappe für die erste Löwenzahnfolge „Peter zieht um“ in seinem berühmten Bauwagen. Zum Schluss jeder Sendung sein legendärer Spruch …ihr seid ja noch da, aber jetzt – abschalten!
Neben ‚Löwenzahn‘ moderierte er die ZDF-Sendung ‚mittendrin‘. Er stellte seinen Schreibtisch mitten in die Natur und vor eine Fabrik oder gerade da, wo er sich Fragen stellte. Natürlich zeigte er uns, wie alles funktioniert und warum es so ist – wie es ist.
Dann kam der große Abschied, seine letzte Löwenzahn-Sendung lief am 16. 10. 2005 und wir fragten uns: Wer soll uns nun die Welt erklären?
Bereits 1985 bekam er eine Lungenkrebserkrankung und er musste oft operiert werden, dazu war er auch in der Oldenburgischen Klinik in Oldenburg, wo auch ein Foto von ihm hängt, und ihr werdet es nicht glauben: Auch privat trug er seine Latzhose.
Er wohnte nicht weit von mir entfernt, in Bohmstedt in Schleswig-Holstein. 2014 wollte er nach mehr als zehn Jahren seine „Zelte“ abbrechen und mit seiner Frau Astrid nach Berlin ziehen, wo sich die Enkel darauf freuten, dass der Opa nun in ihrer Nähe lebt. Sein Schreibtisch sollte aber in Bohmstedt bleiben, nun ist er hier, wo er sich so wohl fühlte, verstorben.
Der „Fresenhof“ in Bohmstedt in der Nähe von Husum war ihr Lebensmittelpunkt, wo Peter Lustig die Freiheit genoss, morgens im Nachtgewand nach draußen zu gehen, um in Ruhe eine Tasse Kaffee in der Natur zu genießen.
Ab und an zog es das Ehepaar zwar nach Berlin, wo sie „schon ewig“ eine Wohnung haben. Doch nach „dem Gewusel in der Großstadt“ freuten sie sich immer wieder auf das ruhige Landleben – das Ähnlichkeit hat mit dem im fiktiven Eichwinkel 3 in „Bärstadt“ in der früheren Kindersendung „Löwenzahn“, wo Peter Lustigs blauer Bauwagen stand und „Nachbar Paschulke“ oft zu Besuch kam.
„Mich freut das Interesse der Zuschauer natürlich. Aber eigentlich habe ich doch nichts Besonderes gemacht“, meint Deutschlands bekanntester Latzhosenträger in einem Interview mit dem SHZ im Mai 2014. Für den gelernten Rundfunktechniker und studierten Elektrotechniker war der Job als Moderator ein Handwerk, bei dem er seiner Neugierde freien Lauf ließ, während er den Alltag erforschte. Eine Rolle hat Lustig nie gespielt: Er war auch vor der Kamera authentisch – bis zur bereits erwähnten Latzhose, die er auch privat am liebsten trug.
SHZ Foto: Mommsen
25 Jahre „Löwenzahn“ – genau 203 Folgen mit Peter Lustig und nicht eine Folge wollte man vermissen.
Nach dem Studium der Elektrotechnik arbeitete Peter Lustig zuerst beim US-amerikanischen Radiosender AFN als Toningenieur, später ging er zum SFB. Dort schrieb er nebenbei Hörspiele und war Dozent an der Film- und Fernsehakademie Berlin. 1973 trat Lustig bei der „Sendung mit der Maus“ auf. Bei einer Fernsehproduktion für die Reihe „Pusteblume“ 1979 beim ZDF wurde er als Moderator und Hauptdarsteller entdeckt und blieb auch, als aus der „Pusteblume“ der „Löwenzahn“ wurde. Lustig ist zweifacher Grimme-Preisträger.
Hier die erste Folge: Peter zieht um
Im November 2002 kam es zu einem kleinen Skandal, als Peter Lustig in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung sagte: „Und ich kann gut mit Kindern umgehen. Vielleicht weil ich ihnen sage: Ich nehme dich so, wie du bist, du mich aber bitte auch, und so kommen wir gut klar. Sicher, Kinder stören und sind klebrig, na und? Das wissen die doch selbst. Und natürlich stören sie, sie haben aber auch ganz andere Ansprüche und die haben sie mit Recht. (…) Nur in der Sendung möchte ich sie nicht, mit Kindern zu drehen ist anstrengend und sie gehören einfach nicht vor die Kamera. Das ist Quälerei, immer. (…) Aber das ist eigentlich nix für Kinder. Wieso, fragen sie, wieso soll ich das noch einmal machen, war doch gut? Nein, da war der Ton, und dies und jenes, los, noch einmal. Und dann sollen sie auch noch Gesichter dazu schneiden. Nee.“
Die Bild am Sonntag interviewte Lustig daraufhin telefonisch und veröffentlichte folgende aus dem Zusammenhang gerissene Zitate: „Die (Kinder) sollen die Sendung gucken und dabei ihren Spaß haben. Aber ich mag sie da nicht um mich herumhaben. Ich bin wie alle Erwachsenen der Meinung, Kinder sind entweder klebrig oder sie stören oder sind laut. Ich bin kein Kinderonkel, das ist ein Missverständnis.“ Der Text erschien unter der Überschrift „Peter Lustig: Ich kann Kinder nicht leiden“. Die Boulevard-Zeitung Hamburger Morgenpost druckte daraufhin: „Peter Lustig: Ich mag keine Kinder“.
Wenn Sie also irgendwo lesen sollten, dass Peter Lustig keine Kinder mochte, ist dies falsch! Er ist sogar mehrfacher Großvater und er hat einen Sohn und seine dritte Ehefrau, Astrid Berge hat drei Töchter.
Das ZDF würdigt Peter Lustig am Sonntagmorgen, 28. 02. 2016 in seiner Kinderprogrammstrecke sowie mit einer Löwenzahn-Nacht von Samstag, 27. 02., auf Sonntag, 28. 02. 2016.
Lieber Peter, danke für die vielen Stunden, die du uns geschenkt hast. Du hast uns Dinge der Welt erklärt. Heute erklären wir die Welt unseren Enkelkindern, mit deinen Worten und Werken, denn keiner kann es besser als Du.
Eine Stimme, die uns vertraut war, schweigt. Ein Mensch, der uns die Welt erklärte, ist nicht mehr. Was bleibt, sind dankbare Erinnerungen, die uns niemand nehmen kann. Unser aufrichtiges Beileid gilt der Familie.
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