Vorsicht: Bisphenol A und Phthalate in Plastikverpackungen – Entwicklungsstörungen, schlechte Spermienqualität …

Plastik7Der massenhafte Kontakt mit Kunststoffen ist ein Risiko, das lange unterschätzt wurde. Vor allem Kinder sind betroffen.

Alles so schön bunt hier – Kinder lieben es farbenfroh, ob beim Spielzeug oder bei Geschirr. Entsprechend leuchten auch spezielle Kinder-Becher, -Teller und spezielles Kinder-Besteck in fröhlichen Farben. Doch genau das kann zum Problem werden, denn in Kunststoffen und Farben stecken Schadstoffe. Seit 2013 gibt es sogar noch mehr giftiges Spielzeug und Geschirr als bisher: Denn die EU-Richtwerte wurden nach oben korrigiert.

Gemüse, Salate und andere Produkte – rundherum in Folie eingepackt, Käsescheiben in der Kunststoffverpackung, Schweineschnitzel aus der Plastikschale. Viele Lebensmittel sind in Kunststoff eingepackt. So manche Plastikverpackung kann der Gesundheit schaden.

Das Problem am Kunststoff sind die Weichmacher, die bei der Produktion eingesetzt werden. Das sind vor allem die Industriechemikalien Bisphenol A (BPA) und Phthalate. Sie machen Plastik geschmeidiger und elastischer. Doch beim Kontakt mit Lebensmitteln – vor allem fetthaltigen, wie Käse, Fleisch und Wurst – können die Weichmacher in die Lebensmittel übergehen. Beim Essen nimmt der Mensch sie auf.

Weichmacher

Um spröde Materialien weich, biegsam oder dehnbar zu machen, werden jährlich Millionen Tonnen Weichmacher verarbeitet. Das Marktforschungsinstitut Ceresana prognostiziert, dass der weltweite Umsatz mit Weichmachern bis zum Jahr 2020 auf über 19,5 Mrd. US$ ansteigen wird. Die größten Verwender sind demnach die Regionen Asien-Pazifik und Osteuropa.

Frankreich hat das Problem erkannt und verbietet Bisphenol A bei Lebensmittelverpackungen und Einweg-Plastiktüten in Supermärkten und Einzelhandelsgeschäften. Frankreich hält weltweit einen traurigen Rekord: Das Land ist Spitzenreiter im Gesamtbereich der Krebsarten, die als hormonabhängig gelten – also Brust- und Prostatakrebs. Das geht aus der letzten Erhebung des renommierten Internationalen Forschungszentrums gegen Krebs hervor.

Für die konkreten Auswirkungen hormonähnlicher chemischer Substanzen interessiert sich auch die Nichtregierungsorganisation HEAL, ein europaweiter Zusammenschluss von 65 Vereinen und Organisationen. Die NGO veröffentlichte kürzlich eine Schätzung der Kosten, die den Gesundheitssystemen in Europa durch Stoffe wie Bisphenol A entstehen. Mit rund vier Milliarden Euro schlügen sie laut der Studie in Frankreich zu Buche, auf EU-Ebene seien es 31 Milliarden. Den diesbezüglichen Spitzenplatz, so HEAL, hält Deutschland: mit Gesundheitskosten in Höhe von fünf Milliarden Euro. Vorbildlich! Frankreich verbietet Weichmacher, Einweggeschirr und Plastiktüten

Entwicklungsstörungen

Werden Schadstoffbelastungen im Menschen untersucht, stoßen Wissenschaftler vor allem auf zwei Chemikalien: Phthalate und Bisphenol A. Dabei ist es besonders für Kinder riskant, wenn sie die Plastik-Chemie in größerer Menge aufnehmen, denn viele Weichmacher und auch Bisphenol A wirken ähnlich wie das weibliche Hormon Östrogen.

Für Kinder kann das fatale Folgen haben, denn ihr Wachstum wird hormonell gesteuert. Dr. Andreas Gies: „Wir sorgen uns, dass sowohl die Gehirn- als auch die Organentwicklung von Kindern beeinträchtigt werden“. Bisphenol A etwa habe in Versuchen mit Ratten zu schlechterem Lernvermögen und aggressiverem Verhalten der Jungtiere geführt.

Auch bei Erwachsenen kann massenhafter Kontakt mit Kunststoffen das Hormonsystem durcheinanderbringen. Das Umweltbundesamt vermutet, dass dieser verantwortlich ist für die schlechte Spermienqualität vieler Männer. „Vor Kurzem untersuchten wir die Belastung von Kindern mit Phthalaten, also den Weichmachern in Kunststoff“, sagt Dr. Andreas Gies, Leiter der Abteilung Umwelthygiene. „In über der Hälfte der Fälle fanden wir Belastungen, die wir für unvertretbar hoch halten. Auch Bisphenol A wurde bei fast allen Kindern gefunden“. Quelle

Die Chemikalie Bisphenol A, die wegen ihrer potenziell gesundheitsschädlichen Wirkung in Babyflaschen verboten wurde, könnte bei Kindern und Jugendlichen die Entwicklung einer Adipositas fördern. Dieser Verdacht ergibt sich aus den Ergebnissen einer Querschnittsstudie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2012; 308: 1113-1121 Association Between Urinary Bisphenol A Concentration and Obesity Prevalence in Children and Adolescents )

Hormonverändernd, nervenschädigend, krebserregend

Bisphenol A gilt als hormonverändernd, nervenschädigend und krebserregend. Die Chemikalie kommt in der Innenbeschichtung von Konservendosen und in Plastikflaschen und -verpackungen aus Polycarbonat vor, aber auch auf Kassenbons und Fahrkarten.

Studien zufolge können schon kleinste Mengen des Stoffes auch über einfachen Hautkontakt in den Organismus gelangen und Schäden anrichten. In Babyfläschchen ist der Stoff bereits EU-weit verboten. In Frankreich ist die Chemikalie ab Anfang 2015 in allen Lebensmittelverpackungen verboten, in jenen für Kleinkinder unter drei Jahren bereits seit Anfang 2013.

Unabhängige Institute warnen vor giftigen Spielzeugen, die chemische Belastung sei oft viel zu hoch. Die neue EU-Spielzeugrichtlinie, die seit Juli 2013 in Kraft ist, soll europaweit Grenzwerte harmonisieren und nationale Regelungen ersetzen. Doch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kritisiert zu hohe Grenzwerte für Kinder. Ein Grund dafür ist, dass die EU bei einzelnen Schadstoffen je nach Materialbeschaffenheit teilweise sogar höhere Grenzwerte zulässt.

Zum Beispiel Arsen: Bisher durften 25 mg pro Kilogramm Spielzeug austreten. Nun sind es doppelt soviel. Bei Blei sind es statt 90 mg jetzt maximal 160 mg. Und bei Barium sogar 56 Gramm (statt bisher ein Gramm).

Die Position der EFSA 
Die EFSA sieht keine Gefährdung des Menschen, weil beim Menschen BPA schneller abgebaut wird als bei Nagetieren.
Keine der vielen unabhängigen Studien, die mehrheitlich gesundheitsrelevante Effekte im Niedrigdosisbereich ergeben, wurde bisher von Seiten der EFSA anerkannt.

Erbgutveränderungen durch Bisphenol A – Studie von Hunt et al. 2003
http://www.bfr.bund.de/cm/343/erbgutveraenderungen_durch_bisphenol_a.pdf

http://www.bfr.bund.de/cm/343/erbgutveraenderungen_durch_bisphenol_a.pdf

Schon 2003 hieß es in einer Stellungnahme des BFR: „Die Bewertung von Bisphenol A als Monomer für die Herstellung von Materialien in Kontakt mit Lebensmitteln wurde vom wissenschaftlichen Lebensmittelausschuss der EU vorgenommen… Die Ergebnisse der Studie von Hunt et al. geben Anlass zur Besorgnis“.

Eine große Gefahr ist die Aufnahme des gelösten Weichmachers (PAK) in unserer Nahrungskette!

Phthalate schädigen Leber und Spermien! Impotenz als Folge wurde bereits wissenschaftlich nachgewiesen, aber der große Supergau wird erst in der folgenden Generation kommen, wenn die Flaschenkinder erwachsen sind und selbst Kinder bekommen wollen. Denn bereits mit der Babynahrungsaufnahme aus der Plastikflasche wird auch zwangsläufig der Weichmacher mit aufgenommen.

Das allgemeine Vertrauen in Plastikverpackungen ist sehr hoch, da man sie für sehr sauber und hygienisch hält. Niemand denkt jedoch daran, dass sich in den Weichmachern, die bei ihrer Produktion verwendet werden, auch Östrogene verstecken. Siehe: „Fettleibigkeits-Epidemie“ – Wer trägt hierfür die Verantwortung?

Gefährliche Weichmacher in Lebensmitteln (NDR)

Seit Juni 2011 darf kein Babyfläschchen mehr verkauft werden, bei dem die Hersteller Bisphenol A verwendet haben. Phthalate sind europaweit in Spielzeug, Babyartikeln sowie in Produkten wie Lacken, Farben oder Kosmetika verboten (das gilt nur für Produkte, die an private Haushalte verkauft werden). Phthalate in Lebensmittelverpackungen sind verboten, trotzdem werden sie in Stichproben immer wieder nachgewiesen.

Wird sich nun endlich etwas ändern? Seit Jahren wird immer wieder auf dieses Problem hingewiesen.

Die schwedische Umweltministerin Ek forderte sogar ein Verbot von Bisphenol A in allen Produkten, Frankreich und Dänemark haben bereits Bisphenol A aus Lebensmittelverpackungen verbannt. Kalifornien ist den 11 Staaten beigetreten, die ein Gesetz zum Verbot von Bisphenol A (BPA) aus Babyflaschen unterzeichneten.

80 Prozent der Lebensmittel aus deutschen Supermärkten kommen mit Plastik in Berührung. „Die Menschen in den industrialisierten Staaten sind mittlerweile zu über 90 Prozent chronisch mit Bisphenol A (BPA) belastet, also sozusagen ‚plastiniert“, sagt Dieter Swandulla, Institutsdirektor der Physiologie II an der Universität Bonn in dem Artikel des Handelsblaltts „In nahezu jeder Urinprobe lassen sich nennenswerte Konzentrationen von BPA nachweisen“.  Bisphenol A gilt als besonders gesundheitsschädlich. „Dabei handelt es sich um ein synthetisches Hormon, das östrogene Wirkung hat. Man hat herausgefunden, dass seine Aufnahme zu Fettleibigkeit, Diabetes und Herzkreislauferkrankungen führen kann“, erklärt Swandulla.

Lebensmittelchemiker schlagen Alarm: In den Verpackungen verbergen sich oft gefährliche Schadstoffe.

Weltweit kann der Verbraucher überall die gleichen Produkte kaufen, lange haltbar, weil luftdicht verpackt. Die Dokumentation deckt die Hintergründe für mangelnde Kontrollen, Lobbyismus in Brüssel und nicht funktionierenden Verbraucherschutz auf. Viele der Weichmacher und Plastikverpackungen kommen aus China. Hier gelten die europäischen Gesetze nicht. Die EU-Kontrollorgane schützen den Verbraucher nicht ausreichend gegen das tägliche Gift aus der Verpackung.

Der Haken beim Einkauf: Die verwendeten Weichmacher müssen nicht auf der Verpackung angegeben werden.

Was tun?
Auch wenn die Selbstbedienungstheke für Käse, Wurst und Fleisch sehr praktisch ist, die Ware ist in der Regel in Plastik verpackt. Deshalb – nach Möglichkeit – Käse, Wurst, Fleisch, aber auch Obst und Gemüse lose kaufen.

Die nächste Garten- oder Grillparty kommt bestimmt. Sehr beliebt, weil praktisch, sind Plastikgeschirr und -becher. Doch auch darin steckt häufig Bisphenol A. Wollen Sie ohne schlechtes Gefühl feiern und schlemmen, steigen sie lieber auf klassisches Geschirr und Gläser um.

Limonade in einer Aludose oder Pesto im Glas mit Metalldeckel – ah, diese Verpackung ist unbedenklich, denken wir und irren. Denn die Innenseite der Dose und des Deckels ist häufig mit BPA-haltigem Epoxidharz überzogen. Die Beschichtung soll verhindern, dass der Inhalt nach Metall schmeckt. Durch die Säure im Getränk oder das Öl im Pesto löst sich BPA aus der Beschichtung. In Schweden wird deshalb gerade über ein komplettes Verbot von Bisphenol A diskutiert.

Wir  haben uns schon oft gefragt, warum in Supermärkten Bio-Obst und -Gemüse oft in Plastik verpackt ist, während konventionelle Lebensmittel ohne Plastikmüll auskommen.

Unser Appell geht an alle Biosupermärkte und konventionellen Discounter:

Wir Kunden wollen zu loser Ware greifen. Das ist sinnvoll und schafft weniger Müll und verhindert so die Chemie durch Verpackungen in Lebensmitteln. Wir haben es in der Hand, wir Verbraucher entscheiden.

Netzfrau Doro Schreier

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