Tochter von Berta Caceres spricht über die Ermordung ihrer Mutter – Statement from the daughter of Berta Cáceres

Berta99

zur englischen Version Mein Name ist Berta Isabel Caceres: „Wir wollen keine Toten mehr, es reicht! Wir wollen, dass soziale Bewegungen sich solidarisieren, auf die Straße gehen und protestieren.“

Unter tiefem und aufrichtigem Schmerz informierten wir Sie über die niederträchtige Ermordung unserer Gefährtin, Mutter, Lehrerin, Schwester, Anführerin und Freundin Berta Cáceres, Gründerin des COPINH am 04.März 2016. Berta setzte sich mit dem COPINH unter anderem für die Landrechte und Indigenen Rechte der Bevölkerung von Rio Blanco ein, auf deren Territorium und in deren heiligem Fluss Gualcarque die Firma DESA den Bau eines Staudamms vorantrieb, ohne die Bevölkerung vorab konsultiert zu haben. Seit dem Beginn der Bauarbeiten wurden vier Mitglieder des COPINH in Rio Blanco ermordet.Siehe R. I. P. Berta Cáceres – Sie wurde ermordet! Deutsche Beteiligung am Agua Zarca

Ihre Tochter hat ein Statement angegeben, das wir für Sie übersetzt haben: 

Mein Name ist Berta Isabel Caceres und ich bin die Tochter von Berta Caceres. Ich erhielt die Nachricht von der Ermordung meiner Mutter und weiß bis jetzt, dass zwei Personen sie in unserem Haus gegen 1 Uhr in der Nacht erschossen. Die Information zu dieser Zeit ist, dass es einen Zeugen gibt, und dass sie vier Kugeln getroffen haben. Man wird eine Autopsie durchführen.”

Die Reporterin fragt nach Verantwortlichen:

“Wir wissen, dass es in Honduras einfach ist, Menschen zu finden, die für Geld töten, aber wir wissen auch, dass andere dahinter stecken, mächtige Leute mit Geld und einem Apparat, der es ihnen erlaubt, diese Verbrechen durchführen zu können. Ich persönlich mache die Firma Desa verantwortlich, die den Staudamms Agua Zarca bauen will.

Man hatte meiner Mutter bereits in der Vergangenheit mehrere Male gedroht, Killer zu senden. Ich mache auch die Regierung von Honduras verantwortlich, die seit 2010 sehr viele Wasserkraftwerke für den Bergbau zugelassen hat und die Gemeinden in Mitleidenschaft zieht. Ohne Respekt für die, die leiden, denen sie das Wasser stehlen und ihren funktionellen Lebensraum zerstören. Auch die Polizei ist mit schuldig. Sie ist ein Komplize der Armee, die die Interessen dieser Unternehmen verteidigt.

Ganz klar auch verantwortlich sind diejenigen, die diese Projekte finanzieren. Der Mord an meiner Mutter ist einer mehr. Verantwortung trägt das kapitalistische System, welches in diesem Kontinent die Ausbeutung von Wasserbau und Bergbau fördert und die Rechte der indigenen Gemeinschaften verletzt.

Was hat ihre Mutter gemacht?

Sie war Koordinatorin und eine der Gründerinnen von Copinh ( Consejo Cívico de Organizaciones Populares e Indígenas de Honduras), der sich zur Aufgabe gemacht hat, die Rechte der indigenen Völker zu verteidigen, die so sehr verletzt werden, die Bauern, die Frauen. Sie war eine resolute Frau, die an eine andere Welt glaubte, eine Welt der Harmonie im Einklang mit der Natur.

Was war ihre Aufgabe in der Copinh?

Sie koordinierte alles, vor allem in der territorialen Verteidigung, den Schutz von Boden, Wasser, Wäldern. Sie förderte außerdem andere soziale Bewegungen, weil der Kampf der indigenen Völker nicht vom Rest anderer sozialen Kämpfe getrennt werden kann. Sie hat fest an die Rettung von Kultur, Spiritualität und das Recht auf Autonomie der Bevölkerung geglaubt.

Ihre Familie?

Ich habe zwei Brüder, eine Schwester, meine Großmutter, Tanten unzählige Cousins usw. Und andere andere Mitstreiter, die Familie geworden sind. Jetzt wollen wir erst einmal eine Reihe von Ankündigungen und Anzeigen koordinieren, damit die Regierung auf unser Hauptziel reagiert. Das ist: dieses Projekt des Todes zu stoppen.

Wir wollen keine Toten mehr, es reicht! Wir wollen, dass soziale Bewegungen sich solidarisieren, auf die Straße gehen und protestieren.

Bertas Geschichte:

Berta Caceres war eine Anführerin der indigenen Gemeinde der Lenca und eine große Verteidigerin der Menschenrechte.

Alleinerziehende Mutter von vier Kindern, von denen zwei bereits im Ausland leben, weil sie die Drohungen von Mord, Vergewaltigung und Entführung ihrer Mutter und auch ihrer selbst nicht mehr aushalten konnten. Aber Berta hielt ihnen stand. Sie war sich der Gefahr bewusst, in der sie lebte. Der Preis war hoch, zu hoch! In Honduras wurden zwischen 2002 und 2014 mindestens 111 Umweltverteidiger ermordet.

Berta ist eine von 400 tausend Lencas, einem indigenen Volk, und eine Generation mehr, in der die Frauen Alleinkämpferinnen waren. Berta begleitete schon in jungen Jahren ihre Mutter, die auch Menschenrechtlerin ist. Dazu kommt die Identität der Lencas,- „Wir sehen uns als Hüter der Natur, der Erde, und vor allem der Flüsse“. Nach der Lencatradition wohnen in den Flüssen weibliche Geister und die Frauen sind ihre Hauptwächter. Einer der größten Kämpfe für diese Flüssen ist Agua Zarca gewesen.

2006 begann der Bau für das Wasserkraftwerk, schwere Maschinen kamen eines Tages an. Klar, dass dies ein Wasserkraft-Projekt war, von dem die Bevölkerung keine Ahnung hatte und das mehrere Flüsse betraf. Das Staudammprojekt Agua Zarca wurde mit einer Konzession an die honduranische Gesellschaft Desarrollos Energy SA, DESA genehmigt, das zunächst mit der Unterstützung des chinesischen Unternehmens Sinohydro rechnete. (Sinohydro ist weltgrößter Staudammbauer). Agua Zarca hätte eine Abwanderung der indigenen Bevölkerung bedeutet und sie an ihren landwirtschaftlichen Aktivitäten gehindert.

In diesen Projekten werden die Flüsse in private Händen gegeben und hören auf, Gemeingut zu sein. Das war Bertas Meinung und 2013, nach jahrelangen fruchtlosen Verhandlungen mit der Regierung, richtete Berta mit den Lencas ein Camp ein, sie sperrten die Zugangsstraßen zur Baustelle. Mehr als ein Jahr dauerte das Camp, das immer wieder von Polizei, Militär und Meuchelmördern überfallen wurde. Sogar Kinder wurden immer wieder mit Waffen bedroht. Drei Anführer wurden währenddessen ermordet! Ende 2013 zieht sich Sinohhydro aus dem Geschäft wegen der kontinuierlichen Resistenz zurück. Auch die Corporación Financiera Internacional, eine Institution der Weltbank für den privaten Sektor, lässt die Initiative fallen. An dem Projekt ist übrigens auch die deutsche Firma Siemens mit ihrem Joint-Venture Voith Hydro beteiligt.

Für ihr Engagement wurde ihr 2015 der renommierte Goldman Prize verliehen.

Ihr Tod hätte verhindert werden können. Nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wäre das Attentat zu verhindern gewesen. Der jährliche Bericht dieses Jahres zeigt an, dass Honduras nicht die Schutzmaßnahmen für Anführer indigener Völker durchführt, die von der interamerikanischen Kommission für Menschenrechte gefordert werden.

Was passierte wirklich?

Zurzeit gibt es verschiedene Versionen. Man (die Regierung) spricht von Einbrechern, die überrascht wurden und schuld am Tod von Berta sind, oder auch von Bertas eigener Schuld, da sie keine Leibwächter wollte, oder auch davon, dass sie ihren Wohnort änderte, ohne diesen der Polizei bekannt zu geben. Doch daran zu glauben, fällt schwer. Darum gingen auch Tausende weltweit auf die Straße und Tausende nahmen teil an ihrer Beerdigung.

Am 29. Oktober 2013 wurde ganz öffentlich, in einer Pressekonferenz, klar, was die Unternehmen von Berta und ihrem Kampf hielten, als Aline Flores, damalige Präsidenten der Privaten Unternehmen Honduras, äußerte: “ Die von Berta Caceres angeführten Gruppen boykottieren und fallen in Honduras ein. Sie lassen Honduras schlecht aussehen vor dem Ausland. Und es ist traurig, dass Caceres Schutz von Amnasty International und der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte erhält, die mit europäischem und amerikanischem Kapital und Steuern finanziert sind.”

Es gibt einen Zeugen. Gustavo Castro Soto ist mexikanischer Menschenrechtsvertreter und er war in der Nacht der Ermordung Bertas mit ihr im Haus. Auch er wurde von zwei Schüssen verletzt. Er wird von der hondurischen Staatsanwaltschaft zurückgehalten, darf nicht nach Mexiko ausreisen. Er befindet sich zurzeit in der mexikanischen Botschaft, obwohl honduranische Obrigkeiten ihn auffordert, diese zu verlassen.

Doch die Angst geht um. Freunde berichten von körperlichen und emotionellen schlimmen Zustand Gustavos. “Drei Tage und Nächte musste er in blutverschmierter Kleidung immer wieder aussagen. Sie ließen ihn nicht schlafen, es gab kaum was zu essen. Er wird wie ein Verdächtiger behandelt, nicht wie ein Opfer…Wir befürchten, dass sie ihn dazu bringen wollen, Bertas Organisation des Mordes zu bezichtigen…” äußert in einem Radiointerview Domingo Lechón, Mitstreiter Gustavos und Aktivist der Organisation Otros Mundos Chiapas.

Für heute war eine Pressekonferenz angesagt, organisiert von verschiedenen Organisationen. Diese wurde aber auf weiteres verschoben, um mehr Informationen über die ordnungswidrige Festnahme zu sammeln. Währenddessen hoffen Otros Mundos Chiapas, dass Organisationen in der ganzen Welt aufmerksam und auf der Hut sind, sich informieren und Informationen weitergeben.

Statement from the daughters, son and mother of Berta Cáceres

Translation by Jesse Freeston
Audio here; Spanish original on COPINH’s website here and copied below.

Berta999

Delivered from the final resting place of our Berta. Our mom, our daughter, our guide.

Her daughters Olivia, Bertha and Laura, her son Salvador, her mother Austraberta alongside family and friends, wish to make public our thoughts in this moment of profound sorrow.

Our Berta is the greatest inspiration we have known, that is why we feel a need to ensure that the truth about her life and struggle is heard. Firstly, we want to say thank you for all the solidarity, both national and international. We want to say thank you for the support of her Lenca people, to whom she gave the best of her resistance. To the Garifuna people, with whom she bonded in struggle and visions of utopia. To all the organizations and social movements in Honduras, Latin America and the world who have made our pain their own. We are grateful for the enormous showing of affection and condolences that the Honduran people have offered, demonstrating that Berta’s fight is the dignified fight of all the peoples and the fight that the world needs.

We must not allow the truth about the crime that ended her life to be distorted. We know with complete certainty that the motivation for her vile assassination was her struggle against the exploitation of nature’s common wealth and in defence of the Lenca people. Her murder is an attempt to put an end to the struggle of the Lenca people against all forms of exploitation and expulsion. It is an attempt to halt the construction of a new world.

Her death comes in the middle of her fight against the installation of the Agua Zarca hydroelectric dam on the Gualcarque River. We demand that it be made clear that the responsibility for this lies with the company DESA, which is developing the project. We hold DESA, the international financial organizations backing the project (the Netherlands Development Finance Company FMO, Finnfund, the Central American Bank for Economic Integration, Ficohsa Bank), and the contractors (CASTOR and the Atala Group) responsible for the persecution, criminalization, stigmatization and constant death threats against Berta, us, and COPINH. We hold the Honduran state responsible for obstructing Berta’s protection and for contributing to her persecution, criminalization and murder. For having chosen to favor the interests of the company over and above the decisions of the communities.

How is it possible that the very police, army and security ministry that protect the interests and installations of DESA are the same institutions that were expected to guarantee the protection of our Berta? How is it possible that the same police, army and Honduran state that was supposed to protect her well being are the same ones that sent her death threats, harassed her, and persecuted her?

It is the business groups in bed with the national government, the municipal government and the State’s repressive institutions which are behind the extractive projects being developed in the region. The financiers of these extractivist projects of death are the same ones responsible for the death of our Berta, and so many others struggling against the exploitation of their territories. Because it is this money that allows for the imposition of economic interests over the ancestral rights of the peoples.

We will not allow Berta’s image to be transformed into an empty logo. Our Berta will be celebrated as part of the permanent and energetic struggle in defence of life and territory, and against this system of exploitation and pillage.

Given the demonstrated lack of objectivity seen in previous investigations in this country, we demand that the investigation of this crime be handled by an impartial international commission formed by the Inter-American Commission on Human Rights, international human rights organizations and the appropriate governmental organisms.

We want the integrity of Berta’s status as a resistance figure to be respected. She is an eternal fighter against racism, patriarchy and the oppressive and murderous capitalist system. Her struggle is marked by a vigorous anti-imperialism, consistently affirmed in her international activities and her thorough rejection of the coup d’état financed and supported by the United States. The coup marked the beginning of this handing over of national territory to the transnational corporations to the detriment of the rights of the Lenca people and the Honduran population.

We demand the immediate and permanent cancellation of DESA’s Gualcarque River concession, guaranteeing the free flow of the waters of the Gualcarque. If the government is honestly interested in justice, then we demand that they cancel all concessions for mining, dams, logging and all projects that threaten our national sovereignty.

We demand respect and guarantees of physical, legal and emotional security for our family, our communities (Rio Blanco in particular) and all those organized in COPINH.

Berta’s struggle was not only for the environment, it was for system change, in opposition to capitalism, racism and patriarchy.

Not only did they kill our mother, they killed the mother of an entire people. We are calling for an intensification of the mobilizations, denunciations and demonstrations of solidarity demanding true justice.

As Berta said: “Wake up! Wake up humanity! There’s no more time. Our consciences are shaken by the mere thought of self-destruction by capitalist, racist and patriarchal depredation.”

Berta Lives!!

Netzfrau Birgit Steinmeyer aus Chile

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2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Unser Beileid auch aus Paraguay.
    Möge der Herr Jesus sie mit offen Armen empfangen als eine Märthyrerin die ihr Leben für das Wohl ihrer Nächsten lies.
    Berta starb nicht umsonst.

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