R. I. P. Roger Cicero – „In diesem Moment“ erlischt ein Stern

Roger1Er ist bekannt für seinen Hut und seinen jazzigen Sound – Roger Cicero. Tief erschüttert erfuhren wir heute, dass er mit nur 45 Jahren an einem Hirninfarkt gestorben ist. Roger Cicero war ein genialer Sänger, engagierte sich sozial und umweltpolitisch. Schon sein Vater, der begnadete Jazzpianist Eugen Cicero, starb früh im Alter von nur 57 Jahren.

In diesem Moment
Geht irgendwo die Sonne auf
Nimmt ein Schicksal seinen Lauf

„Wir sind fassungslos und unendlich traurig. Unser Mitgefühl gilt in erster Linie seiner Familie“, erklärte das Management. Der Mitteilung zufolge waren bei dem Sänger nach einem Auftritt im Fernsehen „akute neurologische Symptome“ aufgetreten. Er sei in eine Klinik gebracht worden, wo sich sein Zustand „rapide“ weiter verschlechtert habe. Am Abend des 24. März sei er dann „im Kreise seiner Lieben“ verstorben, ohne wieder bei Bewusstsein gewesen zu sein.

Am 8. März 2007 gewann Roger bei der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest 2007 mit dem Song „Frauen regier’n die Welt“. Dieses passte dem Frauenmagazin Emma nicht und bedachte ihn mit dem Negativpreis „Pascha des Monats“. Ich aber freute mich, denn Roger machte den Swing wieder salonfähig.

Wie kein anderer verstand er es, Frank Sinatra zu interpretieren, und zwar auf seine Art und Weise. Unvergesslich „Cicero Sings Sinatra – Live In Hamburg“, denn sein Idol wäre am 12. 12. 2015 100 Jahre alt geworden.

„Für mich war Frank Sinatra einer der außergewöhnlichsten Interpreten und Künstler. Es ist mir eine große Freude, mich mit seinem Repertoire auseinanderzusetzen und in meinem Sinatra-Programm meine Gefühle mitschwingen zu lassen“, zitierte Roger Cicero.

Die neue CD/DVD/Blu-Ray von Roger Cicero „Cicero sings Sinatra – Live in Hamburg“ darf in keinem Swing- und Jazzliebhaber-Repertoire fehlen und es ist das letzte Werk, welches uns Roger hinterlassen hat.

Roger Cicero engagierte sich für die Kinderhilfsorganisation Save the Children, vor allem für die Projekte der Organisation in Rumänien, der Heimat seines Vaters Eugen Cicero. Auch engagierte er sich gegen das Tragen von Pelzen. Sehr aktiv war Roger auch für das Kinderhilfswerk „Die Arche“ tätig.

In diesem Moment – weinen viele Fans um einen tollen Musiker und Sänger. In diesem Moment – erlischt ein Stern.

„Wenn es morgen schon zu Ende wär‘ “

„Für mich geht es darin gar nicht primär um den Tod, sondern um ein Bewusstwerden. Ich verrate in dem Song ja keine Geheimnisse, überraschend dürfte das auf niemanden wirken, dass das Leben irgendwann zu Ende ist, “ sagte er 2014 in einem Interview. „Ich will damit keine Angst schüren, sondern ganz im Gegenteil: Ich will damit Mut machen, sich auf Dinge einzulassen und sie bewusst zu erleben.“

Überrascht haben dürfte Roger Cicero bei der ersten Staffel von „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“. Hier interpretierte er die Songs seiner Musiker-Kollegen Sandra Nasic, Sasha, Xavier Naidoo, Gregor Meyle, Sarah Connor und Andreas Gabalier neu. In dieser Sendung sah man einen anderen Roger, einen nachdenklichen Künstler. Hielt man ihn vorher eher für arrogant und oberflächlich, wurde man eines Besseren belehrt. In dieser Sendung sprach er von seinen Kindertagen, die schon immer von Musik geprägt waren. Als Sohn des Jazzpianisten Eugen Cicero und mit einer so namhaften Babysitterin wie Josephine Baker nahm die Musik schon immer einen großen Part in seinem Leben ein.

Er zeigt seine sensible Seite, die nicht immer nur von Erfolg geprägt war. Die Trennung von seiner langjährigen Freundin und Mutter seines Sohnes setzte ihm sehr zu und diese Gefühle verarbeitete er in seinem Album „Was immer auch kommt“.

Anfangs sah es gar nicht so sehr nach einer großen Karriere aus. Er hatte zwar einen berühmten Vater sowie zahlreiche Auftritte in jungen Jahren, doch er musste sich nach seinem Studium in Hilversum erst mal durchbeißen. Kleine Auftritte in kleinen Clubs und gelegentliche Gastauftritte mit Gruppen wie Jazzkantine und Soulounge, so startete Roger seine Karriere. Er tat es:  „My Way“

And now, the end is near
And so I face the final curtain
My friend, I’ll say it clear
I’ll state my case, of which I’m certain
I’ve lived a life that’s full
I traveled each and every highway
And more, much more than this, I did it my way

WENN ES MORGEN SCHON ZU ENDE WÄR‘ – SONGTEXT

Ich glaube, dass die Welt mich mag,
Denn sie schenkt mir ’nen neuen Tag.
Alle 24 Stunden, ich denke es wird Zeit, dass ich mal danke sag.
Ich glaube, ich lass mich jetzt los.
Den ersten Typ am Rettungsboot.
Den ersten, der die Bremse zog, bevor er aus der Kurve flog.

Hab die Kontrolle verlor’n, bin gekentert im Sturm
und zum ersten Mal schau ich nur nach vorn.

Denn wenn es morgen schon zu Ende wär‘,
ein Schritt zu viel im Stadtverkehr,
dann leb ich vielleicht heute, nur ’n kleines bisschen mehr.
Dann wiegt die Welt nicht ganz so schwer
und jeder Atemzug ist so viel wert,
dann leb ich vielleicht heute nur ’n kleines bisschen mehr.

Ich denke, ich hab keinen Plan,
doch das fühlt sich so viel besser an.
Das Schicksal stellt die Weichen, ich nehm‘ die und Sicherheiten in den Arm.
Ich hab den Fallschirm ausgeklinkt
und hab den Haltegurt durchtrennt.
Hab die ausgetret’nen Pfade und den Typ im Hamsterrad im Meer versenkt.

Hab die Kontrolle verlor’n, bin gekentert im Sturm und zum ersten Mal schau ich nur nach vorn.

Denn wenn es morgen schon zu Ende wär‘,
ein Schritt zu viel im Stadtverkehr,
dann leb ich vielleicht heute nur ’n kleines bisschen mehr.
Dann wiegt die Welt nicht ganz so schwer
und jeder Atemzug ist so viel wert,
dann leb ich vielleicht heute nur ’n kleines bisschen mehr.

Der Himmel hat ein neues Blau,
ich frage mich, wie lang genau.
Werde mich daran erinnern jeden Tag, sowie an Schimmern auf der Haut.

Denn wenn es morgen schon zu Ende wär‘,
ein Schritt zu viel im Stadtverkehr,
dann leb ich vielleicht heute, nur ’n kleines bisschen mehr.
Dann wiegt die Welt nicht ganz so schwer
und jeder Atemzug ist so viel wert,
dann leb ich vielleicht heute nur ’n kleines bisschen mehr.

Denn wenn es morgen schon zu Ende wär‘,
ein Schritt zu viel im Stadtverkehr, dann leb ich vielleicht heute, nur ’n kleines bisschen mehr.

Es gelang ihm erstmalig, Bigbandsound mit hochkarätigen deutschen Texten zu verbinden. Im April sollte die ausverkaufte Tour fortgesetzt werden. Dazu wird es nun nicht mehr kommen. Am Abend des 24. März ist Roger im Kreis der Familie gestorben, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben.

Danke, Roger Cicero, für all deine tollen Songs, danke für deine Texte, die zum Nachdenken anregen.

Wir hoffen, dass egal wo du jetzt bist, viel Musik ist … die Erde hast du durch deine Musik auf jeden Fall bereichert.

Netzfrau Doro Schreier

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Netzfrauen,

    besser u. anrührender wird wohl kein Gedenktext für Roger Cicero sein. Ich bin sehr berührt, denn ihr habt ausgedrückt, was ich erst mal nicht in Worte fassen konnte.
    Ein furchtbarer , harter Schnitt für die Familie, die Kollegen, die nahestehenden Menschen, Freunde,
    die Musikwelt, Fans, der uns trauern lässt. Es ist gut, wenn dieser von uns hochgeschätze Mensch nicht leiden musste. Ich trauere um einen tollen Menschen!

  2. Liebe Netzfrauen, einen schöneren Nachruf für unser aller Roger Cicero könnte keiner schreiben. Ich danke herzlich für die anrühreden Worte. Viel zu früh musste er gehen, ich bin unendlich traurig.

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