Mobbing ist Gewalt und „Mord auf Raten“ – Vanessas Erfahrungen – „Setze ein Zeichen!“

MobbingNoch immer werden die seelischen Verletzungen, die Mobbing bei Menschen anrichten können, unterschätzt. Wie es sich anfühlt, von anderen schikaniert zu werden, wissen viele.

Auch wir Netzfrauen kennen das Gefühl, denn zurzeit werden die ‪Netzfrauen‬ Opfer von Rufmord und persönlichen Angriffen.

  • Mittlerweile wurden auf Facebook Seiten nur mit dem Ziel eingerichtet, uns zu schaden.
  • Außerdem gibt es Gruppen und Webseiten, die sich nur damit beschäftigen, wie sie uns schaden können.
  • Wir werden für irgendwelche Preise ausgelobt, die nur darauf abzielen, uns lächerlich zu machen.
  • Persönliche Fotos von uns werden gestohlen und verunstaltet, um uns ins Lächerliche zu ziehen.
  • Kommentare werden aus dem Zusammenhang gerissen, veröffentlicht und sollen den Eindruck erwecken, dass wir nicht kritikfähig seien.
  • Wir werden beschuldigt, rechtsextreme Themen zu veröffentlichen, obwohl wir nachweislich gegen Rechts sind.
  • Wir werden als unseriös dargestellt, wir würden keine Quellen angeben, obwohl alle unsere Beiträge nachweislich Quellenangaben enthalten.

Es geht nicht um Kritik, sondern es geht um mehr: um uns und unsere Familien.

Die Welt ist viel zu gefährlich, um darin zu leben.
Nicht wegen der Menschen, die Böses tun,
sondern wegen der Menschen, die daneben stehen und sie gewähren lassen.

Albert Einstein

Jeder kennt es und jeder hat es schon mal mitbekommen oder selbst erlebt: Mobbing.

Wenn Unwahrheiten verbreitet und Menschen verbal sowie körperlich verletzt werden, passiert das häufig im Geheimen. „Mobbing erkennst du nicht sofort.“

Ob an den Schulen, am Arbeitsplatz oder – was extrem zunimmt – Cyber-Mobbing.

Es ist erwiesen, dass Mobbing krank machen kann. Mobbing verursacht Stress im medizinischen Sinne. Die Stressfolgen von Mobbing sind bekannt: Depression und Burnout. Mobbing kann sogar zum Selbstmord führen. Wir nennen es auch „Mord auf Raten“. Die Täter nehmen bewusst die Folgen durch ihre Tat in Kauf, denn ihr Anliegen ist es, jemand zu verletzten.

Wozu diese Täter in der Lage sind, müssen wir schmerzlich erfahren. Doch wir sind nicht allein, wir haben Unterstützung bekommen und gehen gegen Mobbing vor.

Wie schwer es ist, die richtige Unterstützung als Opfer zu bekommen, mussten auch wir leider feststellen. An wen soll man sich wenden? Wer glaubt einem? Liegen Beweise vor wie in unserem Fall, geht man zur Polizei und stellt eine Anzeige. Dort steht man auch beratend zur Seite. Wir sind gebeten worden, diese Täter anzuzeigen, und wir scheuen uns nicht, noch weitere Schritte einzuleiten. Mittlerweile, wie schon geschrieben, haben wir in kürzester Zeit Mitstreiterinnen und Mitstreiter gefunden.

Wir fordern das Gesetz, wie es schon in Österreich vorhanden ist.

Beleidigungen auf Facebook oder Veröffentlichen peinlicher Fotos gelten nun als Straftatbestand. Wer im Internet Lügen über andere Personen auf Facebook verbreitet oder jemanden über WhatsApp beschimpft, dem drohen seit dem 1. Januar 2016 harte Strafen. War Cybermobbing bislang nur zum Teil und über andere Paragrafen wie Anti-Stalking oder üble Nachrede strafrechtlich erfasst, gilt es in Österreich ab sofort als eigener Straftatbestand.

Dafür wurde im Strafgesetzbuch der neue Paragraph 107c „Fortgesetzte Belästigung im Wege einer Telekommunikation oder eines Computersystems“ geschaffen. Belangt werden kann nun, „wer im Wege einer Telekommunikation oder unter Verwendung eines Computersystems in einer Weise, die geeignet ist, eine Person in ihrer Lebensführung unzumutbar zu beeinträchtigen, und dies eine längere Zeit hindurch fortgesetzt

1. eine Person für eine größere Zahl von Menschen wahrnehmbar in ihrer Ehre verletzt oder

2. Tatsachen oder Bildaufnahmen des höchstpersönlichen Lebensbereiches einer Person ohne deren Zustimmung für eine größere Zahl von Menschen wahrnehmbar macht.“

Hier einige Fälle, damit Sie sehen, wie grausam Mobbing sein kann.

Selbstmord nach Mobbing

Mit 14 Jahren beging Hannah Smith aus Großbritannien Selbstmord. „Tu uns einen Gefallen und bring Dich einfach um“, schrieb ein anonymer Nutzer. Ein anderer postete: „Stirb, jeder wäre glücklich darüber.“ Hannah erhängte sich im August 2013 in ihrem Zimmer.

Über ein Jahr wurde eine 17-Jährige aus Kanada von ihren Mitschülern gemobbt. Auch dieses Mädchen erhängte sich.

Nachdem sie monatelang in der Schule und im Internet schikaniert und verhöhnt worden war, erhängte sich eine Zwölfjährige in New York. Die Schülerin hatte monatelang unter Beleidigungen gelitten. So war sie als „Schlampe“ und „Hure“ beschimpft worden.

In Italien stürzte sich eine 14-jährige vom Balkon, nachdem sie durch Mobbing in den Tod getrieben worden war.

Er wurde über Jahre hinweg beschimpft, verspottet, ausgegrenzt, dann nahm sich der 20-jährige Tim das Leben. Seinen Eltern hinterließ der 20-Jährige einen Abschiedsbrief: „Liebe Pap und Mam, ich wurde mein ganzes Leben lang verspottet, gemobbt, gehänselt und ausgeschlossen. Ihr seid fantastisch. Ich hoffe, dass Ihr nicht sauer seid. Auf Wiedersehen, Tim.“

Diese Nachricht erreichte uns von unserer Leserin Vanessa. Sie ist Opfer von Mobbing und das mehrfach.

Hallo liebe Netzfrauen,

ich lese gern eure Beiträge auf Facebook und auch euer Mobbing-Artikel ging nicht an mir vorbei. Ich möchte euch ein wenig von meiner Geschichte erzählen.

Im Kindergarten ging es los

Schon so lange ich denken kann und das ragt bis in das Kindergartenalter hinein, war ich immer die Außenseiterin. Ich erinnere mich sogar noch daran, dass ich irgendwo mitspielen wollte, aber dann weggeschubst oder anderweitig weggeschickt wurde. In der Grundschule hatte ich immer mal wechselnd eine Freundin, die mir bei passender Gelegenheit auch in den Rücken fiel, wenn es für sie „zu gefährlich“ wurde, mit mir befreundet zu sein.

In der Schule auch gemobbt

Ich war schon immer sehr gut in der Schule. Schon im ersten Schuljahr war ich die Streberin. Wenn sie mich so nannten oder mich anderweitig verletzten, fing ich zunächst an zu weinen (was so ziemlich die einzig normale Reaktion auf so etwas sein kann, neben komplettem Ausrasten —> dafür war ich viel zu schüchtern), was die meisten aber noch mehr aufbrachte, sodass sie noch mehr auf mich losgingen oder mich stattdessen als „Heulsuse“ betitelten. Anfangs war ich sehr motiviert, zur Schule zu gehen, meldete mich viel und beteiligte mich intensiv am Unterricht. Binnen der ersten Wochen hatte sich die Euphorie in Angst verwandelt. Ich hörte auf mich zu melden, folgte zwar aufmerksam, reagierte aber auf Fragen der Lehrer nur, wenn sie mich direkt ansprachen. Dann hatte ich wenigstens die Ausrede, dass ich mein Wissen nicht freiwillig von mir gab.
Gefühlt habe ich mich immer wie das fünfte Rad am Wagen. Jeder meiner Fehler, die ich machte, wurde von meinen Mitschülern als Anreiz genommen, mich auszulachen und fertig zu machen, so als ob es unmöglich wäre, dass so etwas „Perfektes“ wie ich, auch Fehler mache. Wenn ich sonst schon nur für Häckchen stellen, Anspucken und Vollpöbeln gut war, war ich wenigstens dazu da, andere Hausaufgaben abschreiben zu lassen. Das zog sich hoch bis in die zehnte Klasse.

In der Realschule suchte ich mir dann Freundinnen in den Klassenstufen unter mir, weil ich mich mit ihnen einfach besser verstand. Daraufhin wurde mir quasi befohlen, die Kontakte abzubrechen, weil ich mich nicht mit jüngeren abgeben darf und ich ja schließlich zu ihnen gehöre.

Nach 10 Jahren Mobbing zucke ich (bis heute) bei jedem Knall zusammen, weil die Jungs immer meinten, Tüten direkt neben mir aufzupusten und platzen zu lassen oder von der Seite gesprungen kamen und mich anschrien.

Höhepunkt war eine Religionsstunde, in der zwei Jungs meinten, meine Flasche zu klauen, reinzuspucken und sie anschließend von mir unbemerkt wieder in meine Tasche zu stecken. Eine Klassenkameradin hat mir das dann freundlicherweise mitgeteilt. Geld hatte ich nicht dabei, um mir etwas Neues zu kaufen, es war Sommer, 35°C, und der Tag hatte gerade erst begonnen. Ich kam zu meinen Großeltern, total aufgelöst (sie und meine Eltern wussten von meinen Strapazen in der Schule) und mein Opa rief direkt bei einem der Täter an und hat seinen Eltern die Leviten gelesen. Daraufhin kam ein leises Raunen. Ein paar Tage später musste sich einer der Täter bei mir entschuldigen (Wow…), der andere war plötzlich unschuldig (seine Eltern genießen aufgrund hohen Einkommens auch einen höheren Rang, wie sich versteht) weil „ihr Sohn macht so etwas nicht“.

Die Abschlussfeier war für mich um ca 1 Uhr vorbei, weil plötzlich Drogen die Runde machten. Ich ging mit Kommentaren wie „War ja klar, dass die jetzt geht…“ und war froh, als ich zu Hause war. Zum Aufräumen kam ich nicht. Ich war einfach so erleichtert, dass das Kapitel vorbei war, dass ich sogar geweint hab, als wir unseren letzten Schultag hatten.

Alle weinten, weil sie sich jetzt nicht mehr sehen konnten, ich, weil ich froh war, da raus zu können.

Neuanfang auf dem Gymnasium?

Ich hoffte auf einen Neuanfang auf dem Gymnasium. Zunächst war alles gut. Zwei Jahre lang hatte ich (fast) keine Probleme mit meinen Mitschülern (dachte ich), als ich aber in der Zwölften zusätzlich noch Opfer sexueller Gewalt wurde und danach nicht auf dem Damm war, öfter den Unterricht verlassen musste und ihnen erklärte, warum ich das tue, fingen die Lästereien wieder an. Wenigstens habe ich jetzt zwei Freundinnen, auf die ich mich wirklich verlassen kann.

Fazit: depressive Phasen

Durch Traumata und die quasi lebenslangen Mobbinggeschichten gerate ich heute öfter in depressive Phasen, denke darüber nach, wie es wäre, nicht da zu sein und leide an Schuldgefühlen und Ängsten. Dank meiner Sozialarbeiterin, zu der ich stieß, als ich die sexuelle Nötigung erlebt hatte, und meiner Sozialpädagogin im Jugendschutz hab ich nun nach all den Jahren wieder ein bisschen Mut gefasst. Ich bin jetzt kurz vor dem Abitur, froh, dass ich auch diese Leute nicht mehr unbedingt wiedersehen muss und habe mit sämtlichen ehemaligen Klassenkameraden keinen Kontakt mehr. (Glücklicherweise). Ab und an läuft mir jemand über den Weg. Dann denk ich oft an die schrecklichen Zeiten der Angst zurück.

Nach dem Abitur will ich hier raus. Mein Dorf steckt voller Erinnerungen auch an die sexuelle Gewalt, sodass ich dann einen Neustart (den ersten hatte ich am Gymnasium geplant) wagen kann. Ich hoffe einfach, dass dann alles besser wird und ich irgendwann selbstbewusst genug bin, über meiner Vergangenheit zu stehen und nicht von ihr bestimmt zu werden.

Das war meine Geschichte mit Mobbing. Macht weiter so mit eurer Arbeit. Vielleicht lässt sich irgendwas bewirken, wenn alle wissen, wie nah Mobbing ist.

Liebe Grüße

Vanessa

Der Mörder sticht dem Opfer in die Kehle. Der Mobber sticht dem Opfer in die Seele. © Robert Keller

Themenreihe „Mobbing“. Wir wollen aufklären, nicht zuschauen, sondern handeln. Wer uns Netzfrauen kennt, der weiß, dass wir nervig sein können, fordernd und dass wir unsere Ziele durchsetzen wollen.

Dazu haben wir uns auch an  Mag. Dr. Caroline Weberhofer gewandt. Die Klagenfurter Filmemacherin und Medienpädagogin hat mit Studierenden der Alpen-Adria-Universität den Film „Setze ein Zeichen!“ zum Thema Cybermobbing produziert, mit dem SchülerInnen einen Einblick bekommen, was durch Cybermobbing passieren kann und wie es den Betroffenen geht. Michaela Horn, die Mutter eines Cybermobbing-Opfers erzählt die Geschichte ihres Sohnes Joel, der sich am Ende seines Leidenswegs das Leben genommen hat, als er den Druck und die Erniedrigungen, denen er durch Cybermobbing ausgesetzt war, nicht mehr ertragen konnte. Das seit 01. 01. 2016 gültige Gesetz zum Thema Cybermobbing wird im Film vorgestellt und Wege werden aufgezeigt, wie Betroffene sich Hilfe holen können.

Nun sind Sie gefragt. Wir sammeln Mobbing-Fälle, sei es in der Schule, im Beruf oder im Netz. Wir wollen, dass Mobbing ein Ende findet. Dazu bauchen wir Ihre Hilfe, denn wenn Sie uns helfen aufzuklären, haben Täter und Täterinnen erst gar keine Chance.

Gib Mobbing keine Chance!

Mobbing ist Gewalt, die den Menschen zerstört. Diese muss aber nicht als unabwendbar hingenommen werden. Es gibt Möglichkeiten, Mobbing wirksam zu begegnen. 

Mehr dazu in unseren Fortsetzungen. Vielleicht möchten Sie einen Beitrag dazu beisteuern? Wir freuen uns auf Sie. Ihre Geschichte und Erfahrungen, aber auch Tipps zur Vermeidung können Sie uns unter Info@Netzfrauen.org zukommen lassen.

„Nicht wie der Wind weht, sondern wie wir die Segel setzen,

darauf kommt es an.“

Informationen finden Sie hier:

www.bündnis-gegen-cybermobbing.de

http://mobbing-schluss-damit.de/

Polizei-Beratung – Cybermobbing – neue Form der Gewalt

Netzfrauen (Deutschland und Österreich)

Mobbing: Einmal durch die Hölle und zurück

Mobbingvirus: K(l)eine Gute-Nacht-Mobbing-Geschichte!

Whistleblower: Ex-Managerin von Nestlé wirft dem Konzern Mobbing vor

Das Leben ohne meine Maske – Leben mit Depressionen

Unterschätze niemals die Macht deines Handelns – You Never Know What Your Actions Accomplish

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich habe eben Vanessas Geschichte gelesen. Bis auf die sexuelle Nötigung, von der sie berichtet, stimmt vieles mit meiner Geschichte überein. Auch bei mir fing es im Kindergarten an. In der Grundschule gab es Mobbing durch ältere Mitschüler in der 1. und 2. Klasse, man hatte mich mit einem Spottnamen belegt, weil ich mich gegen sie verteidigt hatte. Einerseits predigen die Leute Gewaltlosigkeit, andererseits bekommt man den Rat, sich zu verteidigen, aber bitte ohne Gewalt! Welch eine Heuchelei! Wie geht das? Selbst wenn es irgendwie geht, dann kann das bestimmt nicht ein Schüler! Die Gewaltlosigkeitsperdiger, staatliche wie religiöse, sind Heuchler! Ich habe mich gegen mindestens zwei Jahre ältere Mitschüler verteidigt, also gegen Feiglinge, die einen jüngeren Mitschüler grundlos ärgerten.

    Einmal hat mich ein älterer Mitschüler, der einen Kopf größer war als ich, immer wieder hingeworfen, als ich den Klassenraum verließ. Das beobachtete der Rektor dieser Grundschule. Er hat uns beiden daraufhin Nachsitzen gegeben, und wir mußten etwas abschreiben. Ich habe geweint und deswegen sehr lange gebraucht, denn ich hatte ja nichts Böses getan. Der Aggressor war schnell fertig. Das haben die Leute in der Klasse, die der Rektor unterrichtete, mitbekommen, so daß das dafür gesorgt haben kann, daß ich später weiterhin massiv gemobbt wurde.

    Danach gab es 2 Jahre relative Ruhe — meine 3. und 4. Klasse, weil alle, die zwei Jahre älter waren, in eine riesige Gesamtschule gekommen sind. Dann kam ich selber in diese riesige Schule und in eine Klasse, in der ebenfalls viele waren, die offensichtlich älter waren als ich. Dann begann ein massives Mobbing, wie es heute genannt wird. Damals gab es diesen Begriff nicht. Ich habe erst ein paar Wochen gewartet, weil ich dachte, daß diese Probleme durch die Neuzusammenstellung der Klasse entstanden wären und sich bald wieder geben würden, und bin dann erst zu meiner Mutter gegangen. Sie nahm das nicht ernst, sagte, ich solle es ignorieren.
    Später warf sie mir vor, daß ich mich nicht anpassen würde. Ich wußte nicht, warum ich mich an Terroristen anpassen soll, die ganau das taten, was aus religiösen Gründen Sünde ist. Der Klassenlehrer in der 5. und 6. stellte sowohl mich als auch einen anderen Mitschüler bloß, außerdem erzählte er sexuelle Witzchen.

    Auf einer Klassenfahrt gab es zuerst eine Nachtwanderung, an der nur Jungs teilnahen. Am nächsten Tag sollte die Nachtwanderung für alle stattfinden. Der Lehrer sagte den Jungs, sie sollten am nächsten Tag, während der Nachtwanderung, ein Mädchen aus der Reihe ziehen, um ihm Angst zu machen … glücklicherweise fand aus mir bis heute unverständlichen Gründen diese Nachtwanderung nicht statt — angeblich hätten einige Jungs etwas getan, ich habe nicht mitgekriegt, was. Ich hatte aus Angst vor dem Geärgertwerden nicht an den Klassenfahrten teilnehmen wollen, deswegen gab es immer Ärger in der Familie.

    In der 7. Klasse versuchte meine Mutter, meine Teilnahme an der Klassenfahrt zu erkaufen, indem sie mir in einem Supermarkt anbot, mir etwas zu kaufen, wenn ich an der Klassenfahrt teilnehmen würde. Ich habe micht nicht kaufen lassen und nahm nicht mehr teil. Für die Zeit der Klassefahrt mußte ich dann in den Unterricht einer Parallelklasse, wo es ebenfalls einen Vorfall gegen mich gab. Der Lehrer war mir unsympathisch. Es kann sein, daß der Lehrer diesen Vorfall mit in die Wege geleitet hat.

    In meiner 7. und 8. Klasse hatte diese Schule über 2500 Schüler. Es kam ein neuer Mitschüler, der mich zusammen mit dem Hauptterroristen immer wieder ärgerte. Ein anderer Mitschüler hörte damit auf, mich zu ärgern. Von den beiden Hauptterroristen wurde ich ca. eine Woche lang in den Pausen immer verfolgt, und andere Schüler haben sich daran beteilgt, es gab immer eine Schlange von Leuten, die hinter mir herliefen. Einmal, als ich morgens vom Bus zum Haupteingang der Schule lief, schlug mir der neue Hauptterrorist mit voller Wucht mit der flachen Hand auf den Rücken, so daß es brannte.

    Unter dem Vordach zum Haupteingang wurde geraucht. Ich habe da jedesmal den Atem angehalten, wenn ich das Schulgebäude betreten wollte. Es war ekelhaft! Wie kann in einer Schule, in der es viele minderjährige Schüler gibt, Rauchen erlaubt sein?

    In den Umkleidekabinen, insbesondere im Schwimmbad, schlugen die Mitschüler mit nassen Handtüchern um sich. Ich habe versucht, die Sammelumkleidekabine zu meiden, was nicht immer möglich war. Der neue Mitschüler war einmal schon angezogen, während ich noch nicht umgezogen war. Er wartete und beobachtete mich. Ich weiß nicht, ob es etwas Sexuelles war, oder ob er nur seine Macht über mich genießen wollte. Ich fühlte mich bedroht. Danach war ich so wütend, daß ich mit dem Fahrrad bei der Heimfahrt auf irgendeinene Schülerin zufuhr. Im letzten Moment habe ich den Lenker der Fahrrads herumgerissen, aber es hat sie trotzdem an der Seite getroffen. Ich fiel mit meinem Rad hin und habe mir wehgetan. Ich habe davon nichts zuhause erzählt. Es gab einen weiteren neuen Mitschüler, der offensichtlich älter war und richtig dicke Muskeln hatte. Er hat mich einmal vor dem Musikraum und einmal vor den Werkräumen immer wieder zu Boden gerissen. Ein Mitschüler, von dem ich glaubte, daß er mein Freund sei, sagte mir dann, daß ich, an diesem Tag zum erstenmal Spaß verstanden hätte, weil ich mich habe auf dem Boden umherschleifen lassen müssen. Was ist spaßig daran?

    Mir wurde (in der 5. Klasse) mein Radiergummi kaputtgemacht, meine Schwimmsachen gestohlen, ich wurde während des Unterrichts geärgert — der zweite Hauptterrorist hat mir während des Unterrichts in der 9. oder 10. Klasse mit der flachen Hand in die Seite gestochen, so daß es wehtat, aber ich habe keinen Laut von mir gegeben, Lehrer aller Klassenstufen haben mich mehrmals vor der Klasse bloßgestellt, es gab Vorfälle vor und nach dem Unterricht — so wurde ich morgens im Bus von einem älteren Mitschüler von meinem Sitzplatz gezerrt und auf dem Nachhauseweg zweimal mit dem Fahrrad von Fahrradweg abgedrängt –, ich habe auf dem Nachhauseweg Umwege machen müssen und mich dabei dreckig gemacht, neben dem Spottnamen aus der Grundschule — der bis lange nach meiner Schulzeit im Gebrauch war — wurden mir auch in meiner Realschulzeit mehrere Spottnamen angehängt, einer von sogar von einem Mädchen, mit der ich nichts zu tun hatte. Ich habe die Klassenfahrten ab der 7. Klasse nicht mitgemacht und bin nur ungern auf Klassenfeiern gegangen. Man hat jede Möglichkeit ausgenutz, um mich zu ärgern.

    Auch von meiner Mutter wurde mir immer vorgeworfen, daß ich keinen Spaß verstehen würde und daß die anderen doch nur Spaß machen würden und daß ich mich nicht richtig verhalten würde.
    Einmal wurde mir von dem Hauptterroristen einigen Kassenkameraden ins Gesicht gesagt, daß er mich „fertigmachen“ wolle. Ich war entsetzt, denn ich wußte nicht, ob ich das als Morddrohung auffassen sollte oder nicht. Ich kam nach Hause und sagte meiner Mutter, daß daß „heute wieder was war“. Daraufhin war meine Mutter ganz außer sich, hat mich minutenlang ausgeschimpft. Ich habe seitdem nichts mehr aus der Schule erzählt. Erst viele Jahre nach ihrem Tod erfuhr ich von einer Nachbarin, daß meine Mutter an diesem Tag Probleme mit meiner Oma hatte, die schon seit längerer Zeit bettlägerig war.

    Wie soll ich mich denn verhalten? Wenn man sich nicht wehrt oder wehren kann, dann wird man terrorisiert — heute sagt man „gemobbt“ dazu, obwohl der Psychologe, der den Begirff „Mobbing“ hier in Deutschland eingeführt hat, selbst zugegeben hat, daß es sich dabei um eine Form von Terror handelt. Warum also das beschönigende und verharmlosende Wort Mobbing? Ich denke da immer an Staubwischen. Wenn man sich wehrt, heißt es, daß man aggressiv sein und kommt ev. in die Psychiatrie und wird mit Drogen vollgepumpt. Ich habe seit meiner Schulzeit Angst vor Psychologen und Psychiatern. Psychologen und Psychiater sind Verbrecher, sie töten die Seele durch Drogen und Therapien. Es gab damals einen Film, in dem von Psychodrogen gesprochen wurde. Ich habe mich nicht falsch verhalten, ich habe mich im Sinne der katholischen Religion richtig verhalten. Trotzdem wurde mir immer „falsches Verhalten“ vorgeworfen, obwohl sich niemand dafür interessiert hatte, wie ich mich tatsächlich verhalten habe. Wenn man einen normalen Menschen, der durch den Terror seiner Mitmenschen terrorisiert wird, dann auf „unnormal“ therapiert, was ist das anderes als Seelenverletzung oder Seelenmord?

    Jeder Mensch hat ein Recht auf Selbstverteidigung und wer mir das abspricht, egal aus welchem Grund, der ist böse. Religiöse Menschen, Psychologen, Psychiater, Moralisten, Richter etc. sind böse, sind Unmenschen, da sie einem das Recht auf Selbstverteidigung gegen Mobbing absprechen. Auch Gott ist böse, da er in den verfluchten 10 Geboten einem dar heilige Recht auf Selbstverteidigung abspricht. Aus diesem und anderen Gründen lehne ich Staat, Religion, Moral und Gott ab! Gott ist Satan in Verkleidung, er hat Religion und Moral geschaffen, um Menschen zu zerstören.

    Ich bin dann auf die Oberstufe des Gymnasiums und habe da erstmal beobachten wolle, wie sich Mitschüler normalerweise verhalten. Normalen Umgang mit Mitschülern kannte ich ja nicht. Allerdings gab es da das Kurssystem, so daß es keine wirkliche „Klassengemeinschaft“ mehr gab. Ein Kurssystem in der Sekundarstufe II hätte es mir möglich gemacht, den Terroristen zumindest teilweise zu entfliehen. (Sogenannte Pädagogen präferieren immer die „Klassengemeinschaft“ und was für tolle Erfahrungen man da machen könne … sorry, es ist doch offensichtlich, daß eine Gemeinschaft nicht erzwungen werden kann und dabei immer einige Mitschüler terrorisiert werden. Pädagogen lieben es, den Schülern „bleibende Erfahrungen“ aufzuzwingen.)

    Ich war in der Oberstufe nicht wirklich Teil der Gemeinschaft, außer mir gab es meines Wissens keinen mehr, der auch aus der Realschule stammte. Der Stoff war nicht wirklich schwer, vieles hatten wir schon in der Realschule gehabt. Die Mitschüler waren zwar akzeptabel, aber wirkliche Freundschaften gab es nicht.

    Nach so einem Horror will man endlich mal zu leben anfangen, endlich mal Freunde oder vielleicht sogar eine Freundin finden. Aber in der 12. Klasse kam die Erfassung. Meine Mutter wies mich sogar noch explizit darauf hin, daß da ein Brief für ich angekommen wäre, den sie natürlich gleich mit ins Zimmer genommen hatte. Das war für mich die Katastrophe, denn Bundeswehr heißt, töten zu lernen, was ich damals als unmoralisch ansah, und heißt auch, daß man monatelang wildfremden Menschen auf engstem Raum ausgesetzt ist, alle männlich, viele Raucher und Trinker — die Bundeswehr ist dafür bekannt, daß nach der Grundausbildung viel getrunken wird — und alle unter dem Druck der Situation „Bund“ und damit in eine Situation, die das, was später als Mobbing bekannt wurde, begünstigt. Dem wollte ich mich nicht aussetzen. Ich habe dann für viele Jahre mit niemandem aus meiner Familie und auch aus dem Bekanntenkreis mehr gesprochen, wurde zwangsweise zur Musterung vorgeführt und dann auch ausgemustert. Meine Definition von Vergewaltigung ist: Vergewaltigung ist eine Sache, die man gegen seinen Willen tun oder erdulden muß. Das kann etwas Sexuelles sein, muß es aber nicht. Sowohl Zwangsvorführung zur Musterung als auch Mobbing selbst sind damit Formen von Vergewaltigung, es sind beides Angriffe auf eine Person und berechtigen somit zur Selbstverteidiung. Leider sieht das unser Staat und unsere Schnullerbabymoral anders.

    Es ist traurig und unverständlich, daß zwar immer nur von Mobbing geredet wird, schlimm wird es aber, wenn Mobbing in einer Situation stattfindet (Schule, Bundeswehr), der man nicht entfliehen kann. Wer sich nicht verteidigt, der geht seelisch dabei kaputt, wer sich verteigigt wird von staatlichen und religiösen Moralgeiern kriminalisiert.

    Auch dieser Aspekt wird in Diskussionen über Mobbing oft vernachlässigt: Mobbing schädigt nicht nur das Opfer, sondern auch sein Umfeld, seine Eltern, Geschwister, Freunde, Verwandte und sogar Unbeteiligte, siehe die Schulschießereien in den USA. (Hier ist noch zu beachten, daß diese Schulschießereien auch sog. false flag-Operationen sein können, d. h. Mobbing wird auch von Geheimdiensten angewandt. Mobbing ist eine Zersetzungstaktik. Ich vermute, daß es auch deshalb keine wirksame Gesetzgebung gegen Mobbing gibt.) Der Mobbing-Terrorist ist immer in der besseren Situation, denn er weiß wann, wo und wie er angreift. Seine Angriffe sind unterschwellig, so daß sie von Außenstehenden nicht wahrgenommen werden. Eventuelle Verteidigungshandlungen der Opfer können so leicht als „Aggression“ der Opfer (Opfer-Täter-Umkehrung) fehlinterpretiert werden und zu ungerechten Urteilen führen.

    Wenn es eine gesellschafliche Folgereung, eine Lehre aus Mobbing gibt: Unsere christliche Schnullerbabymoral und unsere Gewaltlosigkeitsmoral sind abzulehnen und gehören abgeschafft. Die von unseren Gesetzen und unserer Moral erzwungene Gewaltlosigkeit (von Opern) ist keine Option, sondern führt zu Mobbing!

    Es ist bezeichnend, daß in der Bibel Mobbing nicht als Sünde gewertet wird — auch wenn einzelne Mobbing-Handlungen durchaus Sünden sind — und Gott selbst als Mobbing-Terrorist auftritt (Buch Hiob). Religiöse Menschen sollten die Klappe halten, wenn es um Mobbing und die Bewertung von Mobbing-Folgen geht.

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