Studien: Mikroplastik in Speisefischen und Pflanzenfressern – Austern: weniger Nachkommen!

MikroWeibliche Austern, die dem Mikroplastik ausgesetzt waren, produzierten 38% weniger Eier und die Spermien der männlichen Austern waren 23% langsamer. In der Folge hatten die Tiere weniger Nachkommen, die sich zudem langsamer entwickelten.

Mikroplastik ist praktisch überall: auf der Wasseroberfläche der Ozeane, in Flussmündungsgebieten, an Küsten und sogar in den Sedimenten der Tiefsee. Makrele, Kabeljau und andere Speisefische aus der Nord- und Ostsee nehmen mit ihrer Nahrung im Meer schwimmendes Mikroplastik auf. Das berichten Forscher des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven in zwei neuen Studien. Damit zeigen sie, dass Mikroplastik nicht nur eine Gefahr für Seevögel, Wale und Lebewesen am Meeresboden darstellt. 

Es handelt sich um ein globales Problem, wie auch die neue Studie aus Japan zeigt. Fast 80% der japanischen Sardellen, die in der Tokyo Bay gefangen wurden, hatten in ihrem Verdauungssystem Plastikmüll. Die Forschungsgruppe von Professor Hideshige Takada von der Tokyo University of Agriculture and Technology zeigte sich beunruhigt über das besorgniserregende Ausmaß der Verschmutzung in den japanischen Gewässern. Das Team untersuchte 64 gefangene Sardellen und fand 150 Mikroplastikpartikel oder Kunststoffteile bis zu 5 Millimeter im Verdauungstrakt von 49 Sardellen.

Auch aus den USA kommt eine aktuelle Nachricht: eine Studie von Environmental Science & Technology stellt fest, dass jeden Tag 8000 Milliarden Mikrokügelchen die Gewässer in den Vereinigten Staaten verschmutzen. Diese beunruhigende Statistik wirft die Frage auf, welche Auswirkungen solche massive Mengen von Mikroplastik auf die im Wasser lebenden Tiere hat.

Erst kürzlich erschien ein Artikel: „Mehr Kunststoff, weniger Austern?“ in National Geographic Meerblick. Der Artikel befasst sich mit den negativen Auswirkungen durch Mikroplastik auf Krebs – und andere Filtrierer.  In einer Studie untersuchten Forscher aus Frankreich und Belgien Austern. Dazu steckten sie eine Gruppe der Tiere in Wassertanks mit Mikroplastikteilchen, eine andere Austern-Gruppe in sauberes Wasser. Dann sahen sie sich an, wie sie sich entwickelten. Das Ergebnis überrascht wenig: Die Austern, die im Plastikwasser lebten, pflanzten sich weniger fort. Zu Beginn des Experimentes hatten sie knapp 20 Prozent weniger Nachwuchs, nach zwei Monaten fehlten im Vergleich rund 40 Prozent der Nachkommen. Die Forscher gehen davon aus, dass das Plastik die Austern vergiftet.

„Ihre Eier und Spermien waren deutlich kleiner als die der Tiere im sauberen Wasser.“

In Indien versucht die National Green Tribunal (NGT) ein Verbot der Verwendung Mikorplastik in Kosmetik- und Körperpflegeprodukte zu erwirken. Die Begründung: Mikroplastik stellt eine Gefahr für das Leben im Wasser und für die Umwelt eine extreme Gefahr dar. Zur Zeit wird noch über das Verbot verhandelt, aber daran sehen Sie, dass auch in anderen Ländern Mikroplastik als Gefahr erkannt worden ist.

Neue AWI-Studien zeigen, dass die Plastikreste in Nord- und Ostsee auch von Speisefischen und Meeresschnecken gefressen werden

In der Fisch-Studie untersuchten die Wissenschaftler den Verdauungstrakt und Mageninhalt von 290 Makrelen, Flundern, Heringen, Dorschen und Klieschen aus der Nord- und Ostsee. Dabei zeigte sich, dass beispielsweise der Hering zu bestimmten Jahreszeiten gar keine Mikroplastikpartikel aufzunehmen scheint. Bei der Makrele hingegen schwankte der Prozentsatz der Tiere mit Mikroplastik in den Verdauungsorganen je nach Meeresregion zwischen 13 und 30 Prozent. Damit verschlucken Makrelen deutlich häufiger Mikroplastikpartikel als in Bodennähe lebende Fischarten wie Flunder und Kliesche.

In der zweiten Mikroplastik-Studie untersuchte der AWI-Biologe Lars Gutow gemeinsam mit Kollegen im Labor, ob Pflanzenfresser wie die Gemeine Strandschnecke Littorina littorea Mikroplastikpartikel bei der Futtersuche aufnehmen. Die Schnecken leben zum Beispiel an der Felsküste Helgolands und fressen dort Blasentang und andere im Kelpwald wachsende Großalgen.

Die Ergebnisse der anschließenden Untersuchungen im Fluoreszenz-Mikroskop waren eindeutig: „Je höher die Mikroplastik-Konzentration im Wasser ausfiel, desto mehr Partikel setzten sich auf der Algenoberfläche fest“, berichtet Lars Gutow. „Gleichzeitig konnten wir nachweisen, dass die Schnecken diese Plastikfragmente ganz unbeeindruckt mitfressen. Das heißt im Umkehrschluss: Wir müssen auch die Gruppe der marinen Pflanzenfresser in den Kreis der durch Mikroplastik betroffenen Tierarten mit aufnehmen.“

Bisher hatten sich Meeresforscher bei der Suche nach gefährdeten Arten vor allem auf jene Organismen konzentriert, die für die Nahrungsaufnahme den Meeresboden durchwühlen oder Meerwasser filtrieren. „Jetzt wissen wir, dass das Spektrum der betroffenen Arten viel größer ist und wir Lebensräume wie die Felsküstenbereiche ebenfalls berücksichtigen müssen“, so Lars Gutow. > Zur Studie Plastic ingestion by pelagic and demersal fish from the North Sea and Baltic Sea 

Allerdings sei bisher sowohl für Fische als auch für die Strandschnecke völlig unbekannt, ob und wie sich die regelmäßige Aufnahme von Mikroplastik langfristig auf die Gesundheit auswirkt. Für den Menschen gilt das übrigens auch!

Mikroplastik auf dem Teller

Über die Nahrungskette gelangt das Plastik aus dem Wasser oder der Luft sogar auf unseren Teller. Zum Beispiel versteckt im leckeren Fischfilet findet es den Weg in unseren Körper. Im vergangenen Jahr wiesen Forscher zudem erstmals Mikroplastik im Salz nach. Die Proben aus chinesischem Meersalz enthielten bis zu knapp 700 Plastikpartikel pro Kilogramm.

Auch in Honig, Mineralwasser und Bier fanden Lebensmitteltester die winzigen Partikel bereits. Wie sich das Plastik auf unsere Gesundheit auswirkt, ist noch unklar. Die Untersuchungen an Tieren machen jedoch deutlich, dass Mikroplastik durchaus gesundheitliche Schäden verursachen kann.

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Mikroplastik nennt man winzige Kunststoff-Partikel, die Zahnpasta, Peelings und anderen Kosmetik- oder Pflegeprodukten beigemischt oder zum Beispiel auch aus Synthetiktextilien ausgewaschen werden. Das Wasser in Flüssen und Teichen wird nicht nur durch Chemikalien verschmutzt, sondern auch durch sogenanntes Mikroplastik, unter fünf Millimeter großen Kunststoffteilchen. Sie stammen unter anderem aus Kosmetikprodukten, wo sie für Peelingeffekte eingesetzt werden.

Sie passieren nach Gebrauch die üblichen Kläranlagen nahezu ungehindert und werden durch Flüsse in Seen und die Ozeane gespült. Unterwegs reichern die Partikel sich mit Schadstoffen an, da viele chemische Produkte ebenso wie Mikroplastik aus Erdöl hergestellt werden. Wissenschaftliche Untersuchungen haben erwiesen, dass freigesetztes Mikroplastik oft mehr als tausend Mal so stark mit Schadstoffen belastet ist wie das umgebende Wasser.

Fische und andere Wassertiere halten die kleinen Plastikkügelchen oftmals für Plankton und fressen sie, dabei nehmen sie hochkonzentrierte Schadstoffe auf und lagern sie im Gewebe ein. Durch die Nahrungskette landen diese Umweltgifte wieder auf unserem Teller. Die Profitgier der Industrie tötet millionenfach arglose Wasserlebewesen und vergiftet unsere Nahrung. Das muss unbedingt schnellstmöglich gestoppt werden!

Kosmetikhersteller müssen Plastik als Inhaltsstoff deklarieren. Verbraucher können Kunststoffe in der Liste der Inhaltsstoffe an folgenden Bezeichnungen und Abkürzungen erkennen:

  • Polyethylen (PE)
  • Polypropylen (PP)
  • Acrylat (ANM)
  • Ethylen-Vinylacetat (EVA)
  • Polyethylenterephthalat (PET)
  • Polyester (PES)
  • Polyamid (PA)
  • Polyurethan (PUR)
  • Polyimid (PI)

Der BUND hat eine Liste mit Produkten zusammengestellt, die Mikroplastik enthalten.

Ein Experiment, welches sich in jedem Haushalt durchführen lässt:

Letztendlich besteht ein Großteil des Problems jedoch im menschlichen Verhalten. Und wie Ramani Narayan (Michigan State University, USA) es zusammenfasst: „Die Meeresumwelt ist keine Müllhalde, Produkte sollten daher nicht zur Entsorgung im Meer konzipiert werden.“ Und: „Produkte wie Microbeads sollten so designt werden, dass sie in Kläranlagen biologisch abgebaut werden können. Sie sollten die Meere also niemals erreichen.“

Eine Erfolgsmeldung gibt es allerdings. Zahnpasta gibt es ab sofort nur noch ohne Mikroplastik. Aktuell sind dem BUND deutschlandweit keine Zahnpasta-Hersteller mehr bekannt, die Mikroplastik in ihren Produkten verwenden. Gleichzeitig fordert die Institution alle Konsumenten auf: „Sollten Sie über Zahnpasta im Laden stolpern, die noch immer Mikroplastik enthält, bitten wir Sie, dies dem BUND auf www.bund.net/mikroplastik zu melden.“

Netzfrau Doro Schreier

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