Viva l’Italia – Der Italienische COOP wird KOMPLETT palmölfrei – Grund: EFSA warnt vor Palmöl wegen Krebsgefahr! – After EFSA opinion on palm oil, the Italian food retailer coop withdraws 120 products containing palmoiI

Palmöl55zur englischen Version Die größte italienische Einzelhandelskette Coop hat die Produktion und den Verkauf von Produkten eingestellt, die Palmöl enthalten. Die Entscheidung folgte nach der Veröffentlichung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit: Verarbeitungskontaminanten auf Basis von Glycerin, die in Palmöl, aber auch in anderen Pflanzenölen, Margarinen und einigen verarbeiteten Lebensmitteln enthalten sind, geben Anlass zu möglichen Gesundheitsbedenken. Diese Bedenken bestehen hinsichtlich jüngerer Altersgruppen bei durchschnittlichen Verzehrmengen und hinsichtlich aller Altersgruppen bei großen Verzehrmengen.

Die italienische Gesundheitsministerin Beatrice Lorenzin hat die Bevölkerung in Italien vor dem Verzehr gewarnt und eine dringende Überprüfung durch die EFSA gefordert. Dabei handelt es sich um die folgenden drei Substanzen Glycidyl-Fettsäure-Ester, 3-MCPD (3-Monochloropropanediol ) und 2-MCPD (2-Monochloropropanediol). „Es gibt ausreichende Hinweise dafür, dass Glycidol genotoxisch und krebserregend ist, “ gab Helle Knutsen von der EFSA bekannt. Die Gefahr für die Gesundheit entsteht, wenn pflanzliches Öl bei sehr hohen Temperaturen erhitzt wird.

Die Cooperativa di Consumatori, kurz coop, ist die größte italienische Einzelhandelskette und gab nun bekannt, auf Grund der gesundheitlichen Risiken auf Produkte mit Palmöl zu verzichten. Der Konzern entschuldigte sich bei den Kunden und Aktionären für die Versäumnisse, nicht schon eher gehandelt zu haben. Sie haben bereits etwa 100 palmölfreie Produkte, die unter deren eigenen Marke produziert und verkauft werden, zum Beispiel für Kinder „Crescende“, „Club 4-10“ und „ViviVerde“. Die restlichen 120 Produkte, die Palmöl enthalten, sollen aus den Regalen genommen werden.
Warum geht so etwas nicht auch in Deutschland? Sind wir so rückständig? Offensichtlich ja!

Dass Palmöl wegen seiner umweltzerstörerischen Anbaumethoden stark in der Kritik steht, ist inzwischen hinlänglich bekannt und darüber haben wir Netzfrauen mehrfach berichtet. Im Oktober 2015 brannten Hunderte Flächen in Indonesien und weitere Hunderte in Sumatra. Große Flächen werden illegal abgefackelt, um Plantagen für die Produktion von Palmöl anzulegen. In Singapur wurden auf Grund der schlechten Luftqualität die Schulen geschlossen. Der Rauch bedrohte zusätzlich die Gesundheit vieler Menschen. Bei Sichtweiten unterhalb von 1000 Metern ist er extrem schädlich.

War Ihnen bewusst, dass Palmöl auch gesundheitliche Risiken mit sich bringt?

Am 03. Mai 2016 warnte die EFSA vor Verarbeitungskontaminanten auf Basis von Glycerin, die in Palmöl, aber auch in anderen Pflanzenölen, Margarinen und einigen verarbeiteten Lebensmitteln enthalten sind. Diese geben Anlass zu möglichen Gesundheitsbedenken. Diese Bedenken bestehen hinsichtlich jüngerer Altersgruppen bei durchschnittlichen Verzehrmengen und hinsichtlich aller Altersgruppen bei großen Verzehrmengen, so die EFSA.

EFSA 03. Mai 2016

Verarbeitungskontaminanten in Pflanzenölen und Lebensmitteln

Glycidyl-Fettsäureester – genotoxisch und karzinogen

Das Sachverständigengremium für Kontaminanten in der Lebensmittelkette (CONTAM) der EFSA berücksichtigte bei seiner Risikobewertung zu GE Informationen über die Toxizität von Glycidol (der Ausgangsverbindung von GE) und ging von einer vollständigen Umwandlung der Ester in Glycidol nach der Aufnahme aus.

Dr. Helle Knutsen, Vorsitzende des CONTAM-Gremiums, erklärte: „Da die genotoxische und karzinogene Wirkung von Glycidol hinreichend nachgewiesen ist, hat das CONTAM-Gremium keinen sicheren Wert für GE festgelegt.“

Bei der Bewertung genotoxischer und karzinogener Stoffe, die unbeabsichtigt in der Lebensmittelkette enthalten sind, berechnet die EFSA einen „Margin of Exposure“ (MOE) für Verbraucher. Als Faustregel gilt: Je höher der MOE-Wert und damit die Sicherheitsmarge für die Exposition, desto geringer sind die Bedenken für die Verbraucher.

Das Gremium kam zu dem Schluss, dass GE Anlass zu möglichen Gesundheitsbedenken hinsichtlich jüngerer Altersgruppen bei durchschnittlicher Exposition und hinsichtlich aller Altersgruppen bei hoher Exposition gibt.

“Die Exposition von Säuglingen, die ausschließlich Säuglingsanfangsnahrung zu sich nehmen, gegenüber GE ist besonders besorgniserregend, da sie den Wert, der für die öffentliche Gesundheit als unbedenklich gelten würde, bis um etwa das Zehnfache übersteigt,“ so Dr. Knutsen.

Die Prüfung des Gremiums hat ergeben, dass der GE-Gehalt in Palmölen und Palmfetten zwischen 2010 und 2015 um die Hälfte reduziert wurde, was auf freiwillige Maßnahmen der Hersteller zurückzuführen ist. Dies hat maßgeblich zu einer Verringerung der Exposition der Verbraucher gegenüber diesen Stoffen beigetragen.

Exposition gegenüber 3-MCPD oberhalb des sicheren Werts; unzureichende Daten zu 2-MCPD

“Wir haben eine zulässige tägliche Aufnahmemenge (TDI) von 0,8 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag (µg/kg KG/Tag) für 3-MCPD und dessen Fettsäureester festgelegt. Dabei stützen wir uns auf Nachweise aus Tierversuchen, die diesen Stoff mit Organschäden in Verbindung bringen“, so Dr. Knutsen weiter. „Es liegen jedoch nicht genügend toxikologische Informationen vor, um einen sicheren Wert für 2-MCPD festzulegen.“

Die geschätzte durchschnittliche Exposition und die hohe Exposition gegenüber 3-MCPD (beide Formen) für jüngere Altersgruppen einschließlich Heranwachsender (bis 18 Jahre) überschreiten die zulässige tägliche Aufnahmemenge und stellen ein mögliches Gesundheitsrisiko dar.

Für die meisten Menschen trägt Palmöl wesentlich zur Exposition gegenüber 3-MCPD und 2-MCPD bei. Der Gehalt an 3-MCPD und dessen Fettsäureestern in Pflanzenölen hat sich in den vergangenen fünf Jahren kaum verändert.

Wie geht es weiter?

Die aktuelle Risikobewertung dient der Information von Risikomanagern in der Europäischen Kommission und den Mitgliedsstaaten, die mit der Regulierung der EU-Lebensmittelsicherheit beauftragt sind. Sie werden sich auf der Grundlage der wissenschaftlichen Beratung seitens der EFSA Gedanken darüber machen, wie sich die potenziellen Risiken für die Verbraucher durch die Exposition gegenüber diesen Stoffen in Lebensmitteln mindern lassen. Das Gremium hat mehrere Empfehlungen für weitere Untersuchungen ausgesprochen, um die Datenlücken zu füllen und den Kenntnisstand über die Toxizität dieser Stoffe, insbesondere über 2-MCPD, und die Exposition der Verbraucher durch Lebensmittel zu verbessern.

Solche Supermärkte wie Coop wünschen wir uns auch in Deutschland oder Österreich. Aus Rücksicht auf ihre Kunden verzichtet die größte italienische Einzelhandelskette Coop auf Produkte mit Palmöl. Und wir werden hier nicht mal gewarnt.

Mehr Informationen: Palmöl – Greenwashing durch Unterstützung von WWF und Greenpeace – Warum wir zum Nutella-Boykott auffordern

Hier die italienische Quelle: Via l’olio di palma da tutti i prodotti a marchio Coop

After EFSA opinion on palmoil, the Italian food retailer Coop withdraws 120 products containing palmoil

Glycerol-based process contaminants found in palm oil, but also in other vegetable oils, margarines and some processed foods, raise potential health concerns for average consumers of these foods in all young age groups, and for high consumers in all age groups.

EFSA assessed the risks for public health of the substances: glycidyl fatty acid esters (GE), 3-monochloropropanediol (3-MCPD), and 2-monochloropropanediol (2-MCPD) and their fatty acid esters. The substances form during food processing, in particular, when refining vegetable oils at high temperatures (approx. 200°C).

The highest levels of GE, as well as 3-MCPD and 2-MCPD (including esters) were found in palm oils and palm fats, followed by other oils and fats. For consumers aged three and above, margarines and ‘pastries and cakes’ were the main sources of exposure to all substances.

Glycidyl fatty acid esters – genotoxic and carcinogenic

EFSA’s expert Panel on Contaminants in the Food Chain (CONTAM) considered information on the toxicity of glycidol (the parent compound of GE) for its risk assessment of GE, assuming a complete conversion of the esters into glycidol following ingestion.

Dr Helle Knutsen, Chair of the CONTAM Panel, said: “There is sufficient evidence that glycidol is genotoxic and carcinogenic, therefore the CONTAM Panel did not set a safe level for GE.”

When assessing genotoxic and carcinogenic substances that are unintentionally present in the food chain, EFSA calculates a ‘margin of exposure’ for consumers. In general, the higher the margin of exposure is, the lower the level of concern for consumers.

The Panel concluded that GE is a potential health concern for all younger age groups with average exposures, and for consumers with high exposure in all age groups.

“The exposure to GE of babies consuming solely infant formula is a particular concern as this is up to ten times what would be considered of low concern for public health,” said Dr Knutsen.

The Panel’s review revealed that levels of GE in palm oils and fats halved between 2010 and 2015, due to voluntary measures taken by producers. This has contributed to an important fall in consumer exposure to these substances.

Exposure to 3-MCPD over safe level; insufficient data on 2-MCPD

“We have set a tolerable daily intake (TDI) of 0.8 micrograms per kilogram of body weight per day (µg/kg bw/day) for 3-MCPD and its fatty acid esters based on evidence linking this substance to organ damage in animal tests,” explained Dr Knutsen. She added that, “the toxicological information is too limited, however, to set a safe level for 2-MCPD.”

Estimated average and high exposures to 3-MCPD from both forms for young age groups including adolescents (up to 18 years of age) exceed the TDI and are a potential concern for health.

Palm oil is a major contributor to 3-MCPD and 2-MCPD exposure for most individuals. Levels of 3-MCPD and its fatty acid esters in vegetable oils were largely unchanged over the last five years.

What happens next?

This risk assessment will inform risk managers in the European Commission and Member States who regulate EU food safety. They will use EFSA’s scientific advice to consider how to manage the potential risks for consumers from exposure to these substances in food. The Panel has also made several recommendations for further research to fill data gaps and improve the knowledge on the toxicity of these substances, particularly 2-MCPD, and on consumer exposure to them through food.

Netzfrauen Lisa Natterer und Doro Schreier

deutsche Flagge

Frankreich plant „Nutella-Steuer“, um Indonesiens Tiere und Regenwälder zu schützen – Awesome News! France Plans Make a Palm Oil Tax to Protect Animals and Rainforest in Indonesia

Palmöl – vom Urwald in die Schokocreme – Say No To Palm Oil

Panzer für Palmöl – 3.9.2013 wird die europäische Konferenz von RSPO in Berlin stattfinden.

World Orang-Utan Day- Offener Brief an den indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono

Das Grüne Gold – Palmöl – Wie lange dauert es von der Genom-Entschlüsselung zur gentechnischen Veränderung?

Keine Luft zum Atmen – Singapur und Malaysia ersticken im Rauch…

Tödliches Palmöl

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Netzfrauen!

    Wenn das nicht mal eher eine Marketing-Strategie oder gar eine Überreaktion von italienischer Seite ist…

    Wirklich neu ist das alles ja nicht. 2- und 3-MCPD bzw. deren Fettsäure-Ester sind seit den 1970ern als Inhaltsstoffe bzw. Verunreinigungen von Nahrungsmitteln bekannt, ebenso wie die Giftigkeit des freien 2- und 3-MCPD und des Glycerols nichts neues sind.

    Als Chemikerin ist mir die unsaubere Übersetzung der Stoffbezeichnungen aus dem Englischen ins Auge gefallen (im Deutschen steht „MCPD“ für „Monochlorpropandiol“, ohne das „e“ hinter dem propan), woraufhin ich mir die (englische) Veröffentlichung der EFSA einmal genauer angesehen habe. Und dabei sind mir einige Punkte aufgefallen, die in meinen Augen eine Ergänzung wert sind:

    1. Eine Randbemerkung zum Glycerin: Fette sind chemisch gesehen Fettsäure-Ester des Glycerins (auch: Propantriol), die unter bestimmten Bedingungen – nicht zuletzt im Zuge unseres Stoffwechsels – gespalten werden können. Wo Fette sind, ist auch Glycerin nichts ungewöhnliches.

    2. Wo die Verunreinigungen herkommen: Erst wenn unter den richtigen Umständen (hier genannt: hohe Temperaturen beim Raffinieren von Pflanzenölen) Chlorid-Ionen zugegen sind, können aus Glycerin-Fettsäureestern chlorierte Glycerin-Fettsäureester entstehen (MCPD sind nichts anderes als Glycerin-Moleküle mit einem Chlor-Atom anstelle einer OH-Gruppe). Unabhängig davon entstehen die Glycidyl-Ester, wenn aus dem Glycerin innerhalb eines Fettsäure-Esters zu dessen Verwandtem Glycerol reagiert.

    Demzufolge sind „Verunreinigungen“ dieser Art auch überall dort anzutreffen, wo (pflanzliche) Fette hohen Temperaturen ausgesetzt werden (neben „Milchpulver“, mit welchem die Kleinkinder in den Studien mit der hohen Belastung oft ausschliesslich ernährt wurden, z.B. Kartoffelchips, Kuchen und Kekse uvm.). Dabei werden in Palmöl offenbar die grössten Mengen dieser Verunreinigungen nachgewiesen.

    Das heisst aber nicht, dass andere Fette davon frei wären (wie eure Tabelle von zeropalmoel.de schliesslich zeigt). Laut dem Institut für Produktqualität* sind andere Fruchtöle, wie zum Beispiel Olivenöl, ebenfalls besonders davon betroffen – nur hören die Italiener das ganz bestimmt nicht gern! Durch einen Ersatz von Palmöl durch Produkte mit anderen Ölen wird man das Problem also keinesfalls wirklich los.

    *https://www.produktqualitaet.com/de/lebensmittel/kontaminanten/3-mcpd-ester.html

    3. Die eigentlichen Verunreinigungen sind neben den Glycidyl-Estern die 2- und 3-MCPD-Fettsäureester, die ganz andere Eigenschaften haben als freie MCPD bzw. freies Glycerol. Das Problem dabei: Es wird angenommen, dass MCPD- und Glycidyl-Ester im menschlichen Stoffwechsel ebenso gespalten werden wie „normale“ Fette – und dabei würden die giftigen Bestandteile freigesetzt. Laut der EFSA-Veröffentlichung trifft das zumindest auf Ratten zu, während zumindest die 2-MCPD-Ester in Affen nur in wesentlich geringerem Umfang gespalten wurden.

    4. Weil über die Gefährlichkeit der MCPD- und Glycidyl-Ester als solche kaum Daten vorliegen, haben die EFSA-Wissenschaftler ein „Worst-Case-Szenario“ angenommen, indem sie davon ausgegangen sind, dass die fraglichen Ester im Stoffwechsel komplett gespalten würden – womit sie genauso schädlich wären wie die freien MCPD bzw. Glycerol. Ob das wirklich zutrifft, ist jedoch (noch) nicht erwiesen.

    5. Am Rande: In der Veröffentlichung heisst es, die MCPD hätten sich bislang nur „in vitro“, d.h. in Versuchen mit Zell- oder Gewebekulturen, nicht aber „in vivo“, also im Tierversuch, als „genotoxisch“ (erbgutschädigend) erwiesen. Auch für Glycerol gibt es im Tierversuch einen deutlich weniger starken Nachweis für Genotoxizität als „in vitro“. Versuche mit lebenden Organismen (Tieren) gelten dabei als aussagekräfiger als Versuche „in vitro“.

    6. Was die Verfasser der EFSA-Veröffentlichung tatsächlich empfehlen: Problem im Auge behalten, weitere Studien machen, fehlende Daten sammeln – damit eine klarere Aussage gemacht werden kann. Und nach all den Jahrzehnten, die wir uns nun schon mit raffinierten Pflanzenfetten ernähren – und überdies darum bemüht sind, den Gehalt an unliebsamen Estern zu vermindern- , besteht, bis das geschehen ist, in meinen Augen auch kein Grund zu übermässiger Panikmache.

    Überdies ist Palmöl schon aus einigen anderen guten Gründen in der Kritik, die einen Verzicht darauf lobenswert erscheinen lassen. Dagegen sind MCPD- und Glyceryl-Estern in meinen Augen ein eher schwaches Argument.

    Liebe Grüsse,
    Kathi

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.