Wenn es nie mehr ganz dunkel wird – Die globale Lichtverschmutzung

Licht3Wie hell sind die Nächte in Wien, Paris, London oder Hongkong?  Die Lichtverschmutzung – verstanden als die Verschmutzung des natürlichen, nächtlichen Lichts durch künstliches Licht – nimmt zu. Lichtverschmutzung beeinflusst bestehende Ökosysteme. So wie verschmutzte Meere, Böden oder Lufträume für viele Spezies nicht mehr bewohnbar sind, so hat auch die Zerstörung der Nacht vielfältige Folgen.

Als in Wien der 250 m hohe DC Tower errichtet wurde, galt es als höchstes Haus Österreichs und wurde drei Tage mit Hochleistungsscheinwerfern umstrahlt. Deren verirrtes Licht wurde gemessen. Ein Forscherteam, das der Lichtverschmutzung nachgeht, fand heraus, dass Wiens Lichtglocke wächst und bereits so viel Energie wie rund 60 000 Haushalte verschlingt.

Mit der Lichtverschmutzung beschäftigen sich naturgemäß auch die Astronomen , weil für die zur Himmelsbeobachtung die Umgebung möglichst dunkel sein muss.

Was macht nun diesen Lichtsmog aus? Die Umweltanwaltschaft OÖ listet sie alle auf:

  1. Sicherheitsbeleuchtungen (Verkehr, Schutz vor Einbruch)
  2. Werbeflächen, deren Streulicht die Umgebung über Gebühr erhellt und für die
  3. Verkehrsteilnehmer das Risiko des Geblendet-Werdens immens erhöht,
  4. Skybeamer (von Discotheken oder Events)
  5. angestrahlte Gebäude, Kirchen, Denkmäler, usw.

Seit der Einführung des elektrischen Lichts, also der Erfindung der Glühbirne vor fast 135 Jahren, wird der Nachthimmel immer heller. Nachtaufnahmen von Städten in der Nacht sind zwar schön anzusehen, allerdings machen sie unbewusst auf ein Problem aufmerksam, das Lichtverschmutzung oder Lichtsmog genannt wird. Man muss nicht New York oder Las Vegas als Beispiele strapazieren, Wien strahlt nachts zwei Megawatt an Lichtleistung in den Weltraum ab.

Bis ins Jahr 2050 sollen die Treibhausgasemissionen in Europa gegenüber 1990 um 80 Prozent gesenkt werden. Es wird eine Umstellung auf „Smart Cities“ brauchen, um dieses ambitionierte Ziel erreichen zu können.

Verlust der Nacht – Die globale Lichtverschmutzung

VIDEO: Den kompletten Film gibt’s noch bis zum 4. August bei ARTE Future!

http://www.arte.tv/guide/de/060774-000-A/verlust-der-nacht#xtor=CS3-7

Satellitenbilder der Erde bei Nacht zeigen ein strahlendes Lichtermeer, das sich fast durchgehend über den Globus erstreckt. Seit der Erfindung der Glühbirne steht Licht für Wohlstand und Fortschritt – doch zu viel Licht hat negative Auswirkungen auf Menschen und Tiere. Wissenschaftler sprechen bereits von einer massiven Lichtverschmutzung. An grellen Straßenlaternen, die Licht in alle Richtungen abstrahlen, verenden jede Nacht Milliarden von Insekten, Zugvögel verlieren die Orientierung, und selbst der Mensch wird durch das Kunstlicht um einen gesunden Schlaf gebracht.

Denn in Millionen von Jahren haben wir uns auf einen Tag-Nacht-Rhythmus eingestellt. Tag beziehungsweise Helligkeit bedeutet Aktivität, in der Nacht beziehungsweise bei Dunkelheit schaltet der Organismus auf Erholung um. Doch in Metropolen und Megacitys wird es immer heller, in den Geschäftsvierteln buhlen Videoleinwände und Reklametafeln bis Mitternacht um die Gunst der Kunden und aktivieren den menschlichen Körper dann, wenn er sich eigentlich erholen sollte.

Weltweit gehen Forscher jetzt der Frage nach, wie sich die Lichtflut auf ein gesundes Maß reduzieren lässt. Dabei arbeiten Physiker, Biologen, Mediziner und Ingenieure an der Beleuchtung der Zukunft – an einem Licht, das weder Energie verschwendet noch unnötig den Nachthimmel erhellt, keine Insekten verenden und durch besondere Farbspektren auch den Menschen unbehelligt schlafen lässt. Denn es geht nicht darum, die Städte völlig dunkel zu machen. Es geht darum, sie nachhaltiger und intelligenter zu beleuchten.

Lichtverschmutzung beeinflusst bestehende Ökosysteme. So wie verschmutzte Meere, Böden oder Lufträume für viele Spezies nicht mehr bewohnbar sind, so hat auch die Zerstörung der Nacht vielfältige Folgen.

Fachgebiet der Untersuchungen über die Auswirkungen von Dunkelheit auf Lebewesen ist die relativ junge Disziplin der Scotobiologie (‚Dunkelheitsbiologie‘).

Pflanzen werden durch eine künstlich aufgehellte Umgebung in ihrem Wachstumszyklus beeinflusst: Was bei Zuchtpflanzen in Gärtnereien durchaus erwünscht ist, kann für empfindliche Naturpflanzen zum Problem werden. So wurde bereits vielfach beobachtet, dass Laubbäume in unmittelbarer Nähe von Straßenlampen ihre Blätter verspätet verlieren, wodurch es wiederum zu Frostschäden kommen kann.

Die verbreiteten weißen Lichtquellen mit hohem Blauanteil im Spektrum stellen ein erhebliches Problem für die Navigation oder Orientierung nachtaktiver Insekten und auch für Zugvögel dar. Insbesondere die Auswirkungen von nächtlicher Kunstbeleuchtung auf Insekten sind gut dokumentiert. Neben Insekten werden zahlreiche weitere Tierarten durch Lichtverschmutzung geschädigt.

So beeinträchtigt nächtliches Kunstlicht beispielsweise die Orientierung von Zugvögeln und führt unter anderem dazu, dass Vögel in hell erleuchtete Gebäude fliegen und dabei verletzt werden oder zu Tode kommen (das sogenannte „Towerkill-Phänomen“).

Ebenfalls gut dokumentiert ist der negative Einfluss von nächtlicher Beleuchtung auf verschiedene Arten von Meeresschildkröten, deren Nachwuchs an einem zu hell erleuchteten Strand den Weg ins Wasser nicht findet und somit zur leichten Beute von Raubtieren wird. Auswirkungen auf zahlreiche weitere nachtaktive Spezies wie beispielsweise Fledermäuse oder Frösche wurden beobachtet, in den meisten Fällen von vermuteter Beeinflussung besteht jedoch noch weiterer Forschungsbedarf.

Die Auswirkungen auf die Chronobiologie des menschlichen Organismus (wie auch auf andere Tiere) sind ebenfalls noch nicht abschließend erforscht. Störungen im Hormonhaushalt des Menschen (Tag-Nacht-Zyklus, Menstruationszyklus der Frau) sind jedoch bereits nachgewiesen bzw. Gegenstand aktueller Forschung. Weitere physiologische Störungen sind nicht auszuschließen – so veröffentlichte beispielsweise eine israelische Forschergruppe im Jahr 2008 Daten, die einen Zusammenhang zwischen der Stärke nächtlicher Kunstbeleuchtung und dem Risiko von Brustkrebserkrankungen zulassen. Es gibt auch den Verdacht, dass eine verlängerte Helligkeit zur früheren Pubertät führt.

Was gegen die Lichtverschmutzung unternommen werden kann, empfiehlt die Dark Sky Association:

http://www.darksky.ch/fileadmin/dss/assets/dokumente/flyers/Flyer_2015_Dark-Sky_Switzerland_de_preview.pdf

http://www.darksky.ch/fileadmin/dss/assets/dokumente/flyers/Flyer_2015_Dark-Sky_Switzerland_de_preview.pdf

Nur qualitativ hochwertige Beleuchtung sollte verwendet werden. Hochwertige Beleuchtungseinrichtungen sind eigentlich nur eine Art und Weise zu beleuchten, die dem gesunden Menschenverstand entspricht.

  • Wir sollten schlechte Beleuchtung nicht dulden; wir sollten sie nach und nach ersetzen.
  • Das Licht sollte gezielt nach unten gerichtet werden, wo es gebraucht wird.
  • Die Ausgangsleistung des Licht soll reguliert werden, damit Orte, welche man sehen muss, beleuchtet sind; das Licht soll nicht verschwendet werden.
  • Eine Qualitätsbeleuchtungsanlage ist erforderlich.
  • Zeitschaltregelungen (Dimmer oder andere Regulierungseinrichtungen) sollten verwendet werden, um sicherzustellen, dass das Licht dorthin gerichtet ist, wo es gebraucht ist.
  • Die Beleuchtung sollte so geplant und installiert werden, dass jegliche Blendung möglichst minimiert wird.
  • Fast jegliche Blendung stammt von schlechten Beleuchtungskörpern oder von schlechten Beleuchtungsanlagen.
  • Es gibt keine Entschuldigung für Blendung. Wenn nicht durch Blendung beeinträchtigt, ist das Auge ein erstaunliches Organ, das auch bei niedrigeren Beleuchtungsstärken sehr gut sehen kann.
  • Die jeweils angemessene Lichtmenge sollte eingesetzt werden, nicht zu viel.
  • Mehr Licht bringt mehr Sicherheit ist keine gute Devise. Wenn wir von Gegenden, die zu hell beleuchtet sind, in Gegenden kommen, die dunkler sind, oder umgekehrt, dann können wir eine Weile nicht gut sehen – so lange, bis die Augen sich angepasst haben (Dunkeladaption).
  • Die Lichtquellen sind in ihrer Effizienz sehr unterschiedlich,  die jeweils energieeffizientesten sollten verwendet werden.
  • In der Nähe von Sternwarten sollte die Verwendung von Natriumdampf-Niederdrucklampen in Betracht gezogen werden; diese sind am effizientesten.
  • Astronomen bevorzugen sie sehr, weil das Licht der Natriumdampf-Niederdrucklampen eigentlich nur eine Farbe hat und sehr gut herausgefiltert werden kann.
  • Aber es gibt bereits erste Fortschritte:
  • Qualitativ hochwertige Beleuchtung wird nun an vielen Orten verwendet.
  • Die Vorteile sind: bessere Beleuchtung, Energieersparnisse, und ein dunklerer Himmel (aber nicht dunklere Straßen).
  • Wir gewinnen alle.

Die Kenntnis der Probleme und der Lösungen nimmt ständig zu, in der Öffentlichkeit und besonders unter Lichttechnikern.

Die Internationale Beleuchtungskommission (CIE) und viele nationale Organisationen haben technische Komitees, die diese Fragen behandeln, und Berichte und Empfehlungen erscheinen regelmäßig. Die meisten nationalen Organisationen werden auch sehr aktiv. Schließlich, wer kann gegen gute Beleuchtung stehen, wenn man die Vorteile sieht?

Eine wirksame Methodik, wobei die Gemeinden das Problem angreifen können, ist die Ernennung einer Arbeitsgruppe für Außenbeleuchtung, um diese Fragen zu besprechen und genaue Lösungen zu empfehlen, welche den lokalen Gegebenheiten Rechnung tragen (wie z. B. Verordnungen für Beleuchtungskontrolle, die Gemeindemaßstäbe festlegen; Hunderte davon sind nun in Kraft getreten).

Solche Komitees sind sehr wirksam in den Orten, wo man sie eingeführt hat. Sie haben den zusätzlichen Vorteil, dass sie viele Leute über die Fragen informieren.

Eine Mitgliedschaft bei der IDA ist ein hervorragender Ausgangspunkt, mehr zu erfahren. Die Unterstützung ist vorhanden. Die Internationale Dark-Sky Association (IDA), eine nicht-gewinnorientierte Organisation, ist ein mächtiger Verbündeter, um bei der Verbreitung von Informationen zu helfen. Die Organisation hat nun mehr als 10 000 Mitglieder aus 70 Ländern; sie wächst schnell hinsichtlich ihrer Größe und Wirksamkeit. IDA hat mehr als 180 Informationsblätter über Fragen der Himmelsaufhellung und der Lichttechnik verfasst, und diese sind wichtige Ressourcen für diejenigen, die sich informieren und Informationen verbreiten wollen. Die IDA-Webseite enthält viele wichtige Informationen (sowie Graphiken usw.) und Links zu vielen anderen interessanten Seiten.

Obwohl die Kenntnis der Probleme und der Lösungen ständig zunimmt, ist viel mehr Öffentlichkeitsarbeit und Verbreitung der Informationen in den Schulen nötig. IDA braucht viel mehr einzelne Personen und Organisationen als Mitglieder, regt das Meixner Observatorium an.

Etwas an Bewusstsein für diese weltweite Problematik gibt es jedoch bereits

Seit 1999 existieren ausgewiesene Lichtschutzgebiete (englisch dark sky places) in Kanada und bald darauf auch den USA, 2009 wurden die ersten in Europa ausgewiesen. Schon 2007 veröffentlichten UNESCO, UNWTO, IAU und andere internationale Organisationen auf einer Konferenz in La Palma 2007 die Declaration in Defence of the Night Sky and the Right to Starlight (La Palma Declaration; Initiative Starlight 2007). Dort wurde auch das Konzept eines UNESCO-Starlight Reserves erarbeitet. Im Zuge des International Year of Astronomy 2009 (IYA2009) wurde auch die Initiative Dark Skies Awareness begonnen, als Netzwerk und Öffentlichkeitsarbeitsplattform in Bezug auf die Problematik. Ebenfalls seit 2009 beschäftigt sich die IUCN Dark Skies Advisory Group (DSAG), eine Arbeitsgruppe der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN), mit der Ausweisung und Klassifizierung von Lichtschutzgebieten sowie mit den Kriterien dafür. Bei der DSAG sind derzeit über 50 Gebiete registriert. Dadurch kann Lichtschutz auch in die Verordnungen und Managementpläne zu Schutzgebieten mit aufgenommen werden.

In einigen Staaten wurden inzwischen auch explizite Gesetze eingeführt, um die Lichtverschmutzung in den Griff zu bekommen:

  • das erste Gesetz weltweit war 1988 das spanische Ley del Cielo
  • Chile erließ 1999 Gesetze (Norma de la Contaminación Lumínica), um die Lichtverschmutzung in den nördlichen Zonen zu begrenzen und so das Land als Standort für die Observatorien zu erhalten (ESO, CTIO-NOAO, u. a. m.). Zuständig ist das Oficina de Protección de la Calidad del Cielo del Norte de Chile (OPCC)
  • Die Region Lombardei verfasste 2000 ein Lichtschutzgesetz (L.R. della Lombardia 17/00), inzwischen haben die meisten Provinzen Italiens relativ strenge Vorschriften
  • Tschechien war der Vorreiter in der nationalen Gesetzgebung zu Lichtverschmutzung, setzte seine 2002 geschaffenen strengen Vorlagen bisher aber nur teilweise um (ein erstes Schutzgebiet wurde erst 2009 grenzübergreifend mit Polen errichtet).
  • Slowenien hat seit dem 30. August 2007 ein Anti-Lichtverschmutzungsgesetz.

Vor allem auf einigen regionalen Ebenen laufen derzeit Anstrengungen zur Eindämmung der Lichtverschmutzung:

Auf der kanarischen Insel La Palma, UNESCO-Biosphärenreservat, wurden auf Grund des Lichtschutzgesetzes Straßenlaternen verändert und die Beleuchtungszeiten gesetzlich geregelt. In den Höhenlagen des dortigen Roque de los Muchachos ist – auch wegen des dort angesiedelten Observatoriums (Europäische Nordsternwarte) – die Benutzung des Fernlichts untersagt.

In Österreich gibt es seit den frühen 2000ern das Projekt Die Helle Not, welches von Land (Tirol), Bund (Lebensministerium) und Europäischer Union unterstützt wird und 2005 den CIPRA-Wettbewerb Zukunft in den Alpen gewann.

Augsburg gilt deutschlandweit als „Modellstadt für umweltfreundliche Beleuchtung“. In Deutschland gibt es auch einige Initiativen zu Lichtschutzgebieten.

Im Rahmen der IUCN-Schutzgebietseinstufung gibt es auch die Kategorie Dark Sky Community (‚Lichtschutz-Gemeinde‘), dort sind erst wenige Gemeinden registriert, doch soll eine engere Verbindung mit der lokalen Agenda 21, dem Nachhaltigkeitsprogramm der UNO, oder Europa-Programmen wie Energieeffiziente Gemeinde/Energiestadt/European Energy Award  erfolgen.

Auch das Wissenschaftsmagazin Scinexx beschreibt die Auswirkungen des Lichtsmogs auf Mensch und Tier und führt aus, dass das Verwenden von Smartphones, Tablets, Notebooks, e-Readern, etc. direkt vor dem Schlafengehen bzw. im Bett wegen der besonders vielen Blau-Anteile im abgestrahlten Licht zu Schlafstörungen führen, weil es die Produktion des Schlafhormons Melatonin in der Zirbeldrüse bremst.

Netzfrau Lisa Natterer

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