Nestlé macht es möglich: „Wir machen euch gesund!“ Pizza mit Pillen und mehr Bevormundung beim Essen mithilfe der EU

Nestle99100 Millionen Euro will Nestlé in einem Milchallergietest stecken. Nestlé als weltweite Nummer eins der „Nahrungsmittelkette“ entwickelt sich aber immer mehr zum Lifestyle- und Pharma-Konzern. Längst geht es nicht mehr allein um Essen und Trinken. Die Tochter Health Science soll der große Wachstumsmotor von Nestlé werden, denn der Nahrungsmittelgigant hat Wachstumsprobleme und kommt auch nicht aus den Negativ-Schlagzeilen heraus. Bulckes Kalkül: Weltweit kostet Gesundheit zehn Billionen Dollar, innerhalb von 15 Jahren dürfte sich die Summe verdoppeln.

Von Muttermilch bis zur Brustvergrößerung und Fältchen adé – alles mit Nestlé

Nachdem Versuche mit angeblichen Gesundmachern floppten, versucht es Konzernchef Paul Bulcke nun mit Pharma im Essen. Mithilfe von Genanalysen, die Pharmakonzerne derzeit zur Medikamentenentwicklung nutzen, will Nestlé weiterkommen. So ließe sich vielleicht herausfinden, ob bestimmte Nahrungszusätze bei nach genetischen Aspekten auswählbaren Kranken gezielt helfen. Praktisch, dass Bulcke im Verwaltungsrat von Roche sitzt. Dort kann er wichtige Kontakte für sein Vorhaben nutzen. Wir hatten bereits in unserem Beitrag: Das Neueste aus dem Hause Nestlé: Pizza mit Pillen darüber berichtet. Nun wird es ernst.

Nestle investiert bis zu 100 Mio. Euro in die Entwicklung eines Milch-Allergietests.

Dazu geht der Lebensmittelkonzern eine Kooperation mit dem amerikanisch-französischen Pharmaunternehmen DBV Technologies ein. Das Pharmaunternehmen will den Test zur Diagnose einer Allergie gegen Proteine in der Kuhmilch (CMPA) weiterentwickeln, während Nestlé die Vermarktungsrechte hält. Der Zulassungsprozess für den Allergietest soll 2021 starten. An der Unverträglichkeit leiden vor allem Babys und kleine Kinder. Nestle setzt verstärkt auf den Ausbau des renditeträchtigen Gesundheitsgeschäfts. Im Gegenzug hat sich der Konzern in den vergangenen Jahren von weniger rentablen Geschäftsbereichen getrennt. So die heutige Presseerklärung, doch schon makaber, wenn man bedenkt, dass nachdem eine Studie im Auftrag von Nestlé und Dairy Australia die wachstumsgläubigen Politiker in Beijing davon überzeugt hatte, dass Kinder durch Milch größer werden, brachte ein landesweites Schulmilchprogramm, das 1998 gestartet wurde, den Durchbruch für den Konsum von Milch, Milchpulver und Joghurt in China. Außerdem ist Nestlé der größte Milchproduzent weltweit. Siehe: Nestlé ist nicht nur der weltgrößte Mineralwasserproduzent, sondern auch Milchunternehmer

Doch es geht noch weiter:

Der Nestlé-Konzern folgt wissenschaftlich fragwürdigen Trends zur „gesunden“ Ernährung und fordert EU-Politiker auf, diese in Vorschriften zu verankern. Das brächte mehr Bevormundung beim Essen.

Aus der Schweiz soll jetzt die Initiative zur Rettung der Menschheit kommen. Wie das gehen soll, präsentiert Nestlé in einem „sponsored content“ unter der Überschrift „Wanted: EU policy for better Innovation in Nutrition“ im Parlamentarier-Magazin Politico am 18. Februar 2016. Luis Cantarell, bei Nestlé verantwortlich für Europa, den Mittleren Osten und Nord-Afrika, will suggerieren, dass die Rezepturen von Nestlé in der Lebensmittelwirtschaft das alleinige Beispiel für gesunde Ernährung sind. Nestlé, ein Konzern, der letztes Jahr und auch dieses Jahr mit Skandalen wegen seiner Chemiekeule MAGGI in Indien für negative Skandale sorgte. Siehe: Nestlé steht in Indien vor einem neuen Desaster – wieder Maggi-Nudeln! Nestle Maggi noodles fails lab test again. Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé rief im Februar  in Kanada vier Lieferungen von Baby-Nahrung zurück. Bei diesen waren Produktfehler entdeckt worden. Der weltgrößte Lebensmittelkonzern Nestlé steht regelmäßig am Pranger. Verunreinigtes Babymilchpulver, das gierige Geschäft mit Wasser oder umweltschädliche Nespresso-Kapseln.

Multinationale Konzerne wie Nestlé können einen starken Einfluss auf die lokale Wirtschaft und selbst die Weltwirtschaft haben. Eines müssen Sie bedenken: Irgendwie sind diese Konzerne alle miteinander verflochten und nicht nur die Konzerne miteinander, schon längst sind auch die Politiker ein Teil von ihnen. Wenn wir uns die EFSA näher anschauen, dann müssen wir uns nicht mehr fragen: Wie unabhängig die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit ist!

Nestlé macht auch keinen Hehl daraus. Auf Nestlés Webseite finden Sie unter der Überschrift: Functional Food: Definition und vermutete Wirkungen

EU-Gesetzgebung: Probiotika

Für die Bewertung von funktionellen Lebensmitteln und Aussagen zu gesundheitlichem Nutzen (Health Claims) von Nährstoffen und Lebensmitteln ist in der EU die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit – kurz EFSA – zuständig. Hier sind für Probiotika verschiedene Publikationen, die Health Claims ergeben könnten, eingereicht worden. Es bleibt abzuwarten, wann und in welcher Form sich die EFSA dazu abschließend äußert und welche Aussagen zu Probiotika von der EFSA erlaubt werden und welche nicht.

Nestlé will die Welt retten, oder will Nestlé daran verdienen, was der Konzern selber verursacht hat? Bedenkt man die Produkte: Süßigkeiten, kalorienreiche Getränke. Zuckerhaltige Joghurts und Vieles mehr. Das Unternehmen setzt auf Trends und gaukelt Verbrauchern und auch der Politik vor, dass die neuen Produkte weltweit die Gesundheit retten könnten.

Es gibt sogar ein neues Zentrum für klinische Entwicklung,  das Hightechzentrum nahe Lausanne haben sich die Schweizer 18 Millionen Franken kosten lassen. Hier forscht Nestlé nach den bisher verborgenen Geheimnissen von Nahrung. Zum Beispiel, warum wir Fett als wohlschmeckend empfinden. Nestlé setzt nun auf seine Forschung, um den Nutzen seiner neuen Produkte belegen zu können. „Mittlerweile ist klarer geworden, welche Kriterien die EFSA anlegt“, sagt Thomas Beck, Direktor Nestlé Research Center. Daher bereite Nestlé nun Anträge für eigene Health-Claims vor. Die Hoffnung der Schweizer: Gelingt der Nachweis des Zusatznutzens ihrer Produkte, so winkt Nestlé laut Beck ein Schutz der Werbeaussage von fünf Jahren und damit ein lukratives Geschäft, schreibt das Handelsblatt, und hat die EU auf seiner Seite.

Jahrzehntelang gelang es der Zuckerindustrie, Verbraucher zu täuschen und ihre Produkte schönzureden. Die gesundheitsschädliche Wirkung von übermäßigem Zuckerkonsum wurde bewusst verschwiegen oder sogar geleugnet. Übergewicht, Diabetes, Herzerkrankungen waren für viele Konsumenten die bittere Folge. Jetzt versucht gerade Nestlé durch Luis Cantarell, Executive Vice President Nestlé S.A,  mit seinen „nun sehr gesunden“  Produkten die EU davon zu überzeugen, dass also neue Regelungen und Steuern hermüssen. Dazu gründet Nestle eine neue Tochtergesellschaft mit dem Namen Nestle Health Science. Leiter des Bereichs wurde Luis Cantarell, der bisherige Chef des Amerika-Geschäfts. Vielleicht erscheint dann Nestlé auch in GRÜN, wie der Farbschummel von McDonald’s, Coca Cola und auch Ferrero – aus ROT wird GRÜN – aber lange noch nicht gesünder! Und vielleicht dann auch mit Omega-3-Fettsäuren von Monsanto, denn da gibt es ebenfalls Verbindungen. Siehe: Wie kommen GVOs und giftige Zusatzstoffe in Babynahrung – Why is this Organic Food Stuffed With Toxic Solvents?

Lobbyverflechtungen in der EFSA

Das International Life Sciences Institute (ILSI) ist eine einflussreiche Lobbyorganisation im Lebensmittelbereich.
Finanziert wird sie weitgehend durch Unternehmen der Lebensmittel-, Chemie- und Gentechnikindustrie wie Coca-Cola, Nestlé und Monsanto . Sie ist wegen ihrer Industrienähe und der Verflechtungen mit staatlichen Aufsichtsbehörden in die Kritik geraten. Beispiel: ILSI Health and Environmental Sciences Institute – Sponsoring :

Auch Neslé ist dabei. Es gibt nicht nur IlSI in Europa, sondern auch in Nordamerika, Argentinien, Brasilien, Mexiko, Nordafrika, der Golfregion, in Südafrika, fast überall auf der Welt und nicht nur für Nahrungsmittel, sondern auch in der Chemie- und Pharmabranche. S. Lobbyverflechtungen – EFSA gefährdet unsere Gesundheit zugunsten der Industrie!

Die Gesundheitssparte des Schweizer Nahrungsmittelkonzerns Nestlé hat seit 2013 eine Kooperation mit dem chinesischen Pharmaunternehmen Chi-Med (Hutchison China Meditech) in Hongkong. Mit dem neuen gemeinsamen Unternehmen Nutrition Science Partners – Nestlé Health Science, das beide Unternehmen je zur Hälfte halten, wollen die Partner Arzneien auf Basis der traditionellen chinesischen Medizin herstellen. Nestlé hat nun den Zugriff auf eine botanische Bibliothek mit über 50 000 Wirkstoffen aus rund 1200 chinesischen Heilpflanzen. Dazu lesen Sie bitte unseren Beitrag: Nestlé – Nach Trinkwasser – nun auch “chinesische Kräutertrunks”

Bereits 2013 ließ Nestle verkünden: 

  • Nestlé baut die Führungsposition für Nutrition, Gesundheit und Wellness weiter aus.
  • Nesté ging weitere Partnerschaften mit Organisationen ein, die sich für den Kampf gegen nicht übertragbare Krankheiten einsetzen. Sie akquirierten Wyeth Nutrition und einige neue Kapazitäten für Nestlé Health Science. Nestlé eröffnete das Nestlé Institute of Health Sciences, schufen zwei neue in China, ein neues F&E-Zentrum (Forschung und Entwicklung) in Indien sowie ein globales Zentrum für klinische Studien in der Schweiz. Siehe: Nestlé, das Wasser abgräbt – Kinderarbeit, u.v.m.

Nestlé Nutrition : Hier sind die Bereiche Schwangerschaft & Neonatologie, Kindheit (Kleinkindernährung, Wachstum & kognitive Entwicklung, Beikost, Immunfunktion & Probiotika), Allergien & Immunität (Immunfunktion & Probiotika, Allergie-Management, Nahrungsmittel-Allergie, Toleranzinduktion) angesiedelt. Der Umsatz 2012 betrug 7,9 Milliarden CHF.

Auch Schönheit ist für den Nahrungsmittelgiganten reizvoller denn je. Nestlé interessiert sich schon lange nicht mehr nur für Kaffee, Babygläschen, Eiscreme und Katzenfutter. Seit 30 Jahren betreibt Nestlé mit L’Oréal in Lausanne das Unternehmen Galderma. Nestlé engagiert sich sogar im Brustvergrößerungsgeschäft und will aktuell den Bereich der medizinischen Hautpflege ausbauen. Fältchen adé mit Nestlé.

Aber wen wundert es noch?

Dass man Joghurt neu erfinden kann, zeigte der Konzern Nestlé. 1995 brachte der Konzern einen Joghurt unter dem Namen LC1 auf dem Markt. Es war einer der ersten sogenannten „probiotischen Joghurts“. Nestlé investierte in die Werbung zur Markteinführung rund 7,7 Mio. € .Dabei sollte LC1 nicht als ein weiterer Joghurt unter vielen, sondern als ein völlig neues Produkt beworben und zu einen höheren Preis verkauft werden als herkömmliche Joghurts. Hier wird der Eindruck erweckt, dass man sich noch so ungesund ernähren kann, wie man will. Zum Ausgleichen gibt es ja probiotischen Joghurt von Nestlé. Siehe: Der lange Weg ins Kühlregal – Joghurt.

„Forever Young“ ? Dieser Traum von einem makellosen Körper, ewiger Jugend und dem Aussehen einer Barbiepuppe, genau das wird in Zukunft die Kassen von Nestlé füllen, denn wie wir festgestellt haben, gibt es diese patentierten menschlichen Zellen nun in einer Massenanfertigung. Um bei dem Boom des Marktes für Gesundheits- und Wellnessprodukte zu profitieren, greifen die Konzerne nun sogar nach menschlichen Stammzellen. Siehe Nestlés Lieferant für menschliche Zellen – Fujifilm aus Japan

Aber wen wundert es noch? Nestlé von der Küche ins Bad, vom Kühlschrank in den Apothekerschrank. Nichts ist unmöglich, nicht nur bei den Themen Wasser oder bittere Schokolade, überall hat Nestlé seine „Finger“ drin. Aber Beruhigungsmittel aus dem Hause Nestlé haben wir dann doch mitgebracht, auch Nestlé selbst muss abspecken.

Netzfrau Doro Schreier

Nestlés Lieferant für menschliche Zellen – Fujifilm aus Japan

GMA (Monsanto, Kellogg’s und Nestlé) der Geldwäsche für schuldig befunden – GMA found guilty of breaking campaign disclosure law in WA

Schlappe für Nestlé – Gericht untersagt Gesundheitswerbung für Kinderpudding „Alete Milch Minis“.

Trinkwasser: Nestlé, Danone, Coca-Cola und Pepsi – Multinationale Konzerne beherrschen Weltmarkt

Chinas Durst auf Milch, gestillt von Nestlé – auf Wasser folgt Milch!

Menschenrechtsverletzungen: Klage gegen Nestlé abgewiesen

Nestlé erfindet Wasser für Reiche neu – Arbeit bei Nestlé, aber nicht ausreichend Wasser

Mogelpackungen – “Schmutzige” Schokolade incl.- Nestlé hat Patent auf Kakao!

Kampf der Giganten – Wenige Konzerne beherrschen die weltweite Lebensmittelproduktion

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Wer diesem Konzern Geld in den Rachen wirft, dem ist nicht zu helfen! Wir als Konsumenten können ein wenig ändern. Doch in meinem Umfeld sind so viele Dümmlinge unterwegs, die diesem Pack auf ewig die Gewinne und Einflüsse sichern. Byebye Welt!

    • Da muss ich zustimmen, die Menschen wissen es allerdings nicht besser.
      Diese Berichterstattung, würde sehr viele interessieren und Sie würden die Produkte weitgehend meiden.
      Leider weiß man nie genau, mit wem das Unternehmen noch zusammenarbeitet.
      Die Informationen, sollten an alle Bereiche automatisch gesendet werden, zB. Supermärkte. Kein guter Markt hält offensichtlich fragwürdige Produkte im Sortiment.

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