Julius – wie ich die Welt sehe… Relatives Menschsein

SpurchWer eine Rolle spielt als Mensch, kann immer nur RELATIV menschlich handeln.

So KANN zwar auch ein Soldat im Schützengraben in zweiter Linie Menschlichkeit zeigen und kriegt dafür vielleicht einen Orden, aber in erster Linie hat er halt nun mal seine ANWEISUNGEN.

So kann auch die Politesse mal „ein Auge zudrücken“, oder der Richter. Ein Amokläufer kann auch vor seinem Armageddon noch die Katze streicheln und der Einhornschlächter kann ganz lieb seiner Tante Rosi die Einkäufe nach Hause tragen.“Siehst Du, selbst der hat ein Herz!“

Ja! Wir haben alle ein Herz. Aber dieses Herz lässt sich TEILABSCHALTEN. Nämlich dann, wenn wir in eine ROLLE schlüpfen, die wir dann in erster Linie spielen. Dann spalten wir ein Stück weit unsere Gefühle ab und folgen ab da einer gewissen Dienstvorschrift.

Als Zugehöriger einer Gruppe oder Inhaber einer Position, in einer Partei, in einem Beruf, als Anhänger einer beliebigen Ideologie haben wir immer gewisse Regeln, Dogmen, Prinzipien, geschriebener und ungeschriebener Art. Der Polizeipräsident geht anders auf einen Menschen zu als der Hausmeister. Der Lehrer anders als die Mutter, der kleine Bruder anders als die große Schwester, der Arzt anders als der Anlageberater, die Krankenschwester anders als die Prostituierte.

Wer hätte nicht gerne schon mal „menschlicher“ gehandelt, aber leider waren einem „die Hände gebunden“ wegen irgendwelcher Richtlinien, die halt nun mal leider so waren.

„Es tat mir im Herzen weh, aber so sind nun mal die Vorschriften“

„Aber das darf man nicht so nah an sich heranlassen.“

„Da muss man sich abgrenzen“

„Da darf man nicht so genau drüber nachdenken.“

Wie wird unser Fleisch produziert? Woraus sind Gummibärchen? Wie viele Menschen werden in diesem Augenblick gerade gefoltert, gequält, vergewaltigt, getötet, geschändet, arbeiten unter widrigsten Bedingungen, Kinder, wer war schon mal in einem Altersheim?

Da darf man nicht so genau nachdenken? Sonst dürfte man ja gar nix mehr essen oder kaufen? Da muss man sich abgrenzen? Das muss man ausblenden? So ist das nun mal? Ungerechtigkeit und Leid hat es immer gegeben? Es wird immer welche geben, die Böses tun?

Mit dieser Einstellung bin ich in erster Linie Konsument.

In zweiter Linie bin ich fühlender Mensch, kaufe ich dann manchmal Biofleisch beim Aldi und Eier aus Freilandhaltung, spende meine alten Klamotten nach Afrika oder helfe Oma Ernma über die Straße.

Aber in 1. Linie bin ich Konsument.

In 2. Linie beruhige ich mein Gewissen. Man tut ja, was man kann.
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Was passiert, wenn ich in erster Linie ein Mensch bin?

Was passiert, wenn ich in erster Linie genau hinsehe, alles hinterfrage, mich nicht abspeisen lasse?

Ja! Dieses System des Kapitalismus wird uns als gottgegeben verkauft und es wird mit Darwin argumentiert, Fressen und gefressen werden, blabla.

“ Man kann ja eh nix ändern.“

„Wenn ich das nicht mache, dann macht’s jemand anders.“

Weil es „immer böse Menschen geben wird“.

Doch ist das wirklich so, dass der Mensch von Natur aus böse, raffgierig und durchtrieben ist?

Ich habe gestern den Disney Film gesehen “ Rapunzel, neu verföhnt“.

Rapunzels Retter, der zukünftige Prinz, wird in einer Kneipe von einer Gruppe grimmiger Schurken in den Schwitzkasten genommen und verprügelt.

Rapunzel sagt „STOPP! Ihr dürft ihm nichts zu leide tun, denn ich habe einen Traum und der da hilft mir dabei, ihn zu verwirklichen! Hattet IHR noch nie einen Traum?“

Daraufhin erzählen die Schurken von ihren Träumen. Sie zeigen ihre menschliche Seite und ihnen wird da klar, dass sie eigentlich viel höhere Ziele haben, als stupides Schurkendasein.

Ab diesem Zeitpunkt verwirklichen sie einfach ihre Träume, sie werden ein unschlagbares Team, eine illustere Runde von Individuen, jeder mit seinen Macken und alles läuft rund. Sie haben angefangen in 1. Linie Mensch zu sein.

Wer in erster Linie „er selbst“ ist, kommt gar nicht in die Gefahr, bei einer Maschinerie mitzulaufen und vielleicht „nur“ einen Knopf zu drücken, ohne zu hinterfragen, ob man mit dem Auslösen des Knopfes nicht vielleicht eine Bombe zündet und Menschen dabei sterben. Er wird sich nicht instrumentalisieren lassen.
Denn jeder handelt einfach nach seinem gesunden Menschenverstand.

Menschsein ist nicht relativ, Menschsein ist absolut. Menschsein braucht Freiheit. Menschsein braucht Träume!

Mein Traum ist der Frieden auf der Welt, Verbrüderung, gemeinsame Feste, Reisen in alle Länder, ich will alle Kulturen kennenlernen und mit Menschen Ideen austauschen!

Ich will lachen, tanzen, schwimmen, radfahren und fliegen, am liebsten mit einem Raumschiff! Ich will alles kennenlernen!

Ich will kreativ sein, ich will forschen, ich will entdecken, ich will leben!

Ich will leckeres Essen, leckeres trinken, leckeres rauchen! Und zwar was ICH will!

Und zwar in erster Linie als MENSCH.

Und in zweiter Linie auch als Mensch.

Und in dritter Linie übrigens auch.

So geht Frieden!

Dass ich dabei nicht immer friedlich bleiben kann und mich ständig und immer gegen alle möglichen Regeln wehren und auflehnen muss. kotzt mich echt langsam an und es geht mir gelinde gesagt ziemlich auf den Sack.

Ziviler Ungehorsam… wie sich das schon anhört.

Wovon träumt ihr?

Ich freue mich über Eure Antworten!

Liebe Grüße,

Julius Novak‎ für die Netzfrauen

Wenn du auch schreiben möchtest, wie du die Welt siehst, bitte melde dich unter info@netzfrauen.org 

Lena – wie ich die Welt sehe….

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WIR

Familie contra Zeitgeist?

Sie spricht aus, was alle denken

Hurra wir verblöden…

Ich bin ein Verbraucher – holt mich hier raus

Bist Du ein moderner Mensch?

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. So schön geschrieben… Ich sehe es genauso… Ich träume davon eine Wohnung zu renovieren (ewig lange und bis ins tausendste Detail um mir ein gemütliches Zuhause zu schaffen in das ich Freunde einladen kann), einen Verein zu gründen, ein Buch zu schreiben, ein Brettspiel zu erfinden, einen Job haben, der Sinn hat, bewegende Gespräche zu führen und meine Zeit mit zu Menschen verbringen, die mein Herz berühren…

  2. Es gibt so viele verschiedene Sichtweisen. und doch einen sie dashinter verbergen sich Persönlichkeiten die ernst genommen werden wollen. Wie ein eigenständiges Individeum, wie Jeder Einzelne von uns ist, aus dem eigenen Blickwinkel.
    Es gibt so viele Rätsel dich sich jeden Tag vor uns neu auftuen. Und sicherlich am Ende unseres Lebens, wird sich der Nebelschleier lüften, in welchem wir uns immer wieder im Laufe der Zeit, bewegen. Mein Sicht auf die Dinge ist, dass wir uns immer mehr verallgemeinern lassen um irgendwo hinein zu passen oder hin zu gehören! Es ist schwierig sich in einer Welt anzukommen voller Globalisierung. Entgegen dem Mainstream zu sein oder zu denken, führt oft zur Ablehnung oder Ausgrenzung. Wir werden daran gemessen, was wir besitzen, in welchen Kreisen wir uns bewegen und welche Karrierestufen wir erfolgreich nehmen konnten. Scheitern ist unerwünscht und „offenbart“ Schwächen, die uns zu Versagern machen. Technische Entwicklungen sollen diese menschlichen Schwächen ausmerzen und alles perfektionieren und werden wertvoller als der Mensch angesehen. Ich habe Angst davor, dass die Menschheit in 25 bis 50 Jahren, nur noch von Robotern simuliert wird!

  3. In erster Linie Mensch sein. Sich selbst treu bleiben und sich nicht in Schablonen pressen zu lassen. Jeden Menschen, egal welcher Abstammung, Bildung, Status, Religion geistiger oder körperlicher Beschaffenheit in erster linie als gleich wertvollen Mensch sehen. Gegen diskriminierung, feindlichkeit, Machtmissbrauch angehen kostet viel Kraft doch es lohnt sich. wir sind immer noch viel zu wenige. Menschen werden wie Stückgut behandelt. Flüchtlinge, Kinder, Kranke, Behinderte, Alte. Überall wird gespart. Wem nützt das gesparte Geld? Den Menschen für die es nötig wäre????
    Haben und konsumieren anstatt mit und füreinander leben. Diese Entwicklung macht Angst. Stellen wir uns dagegen, leben wir anders!!!!

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