Der neueste Schrei: Chem-Sex

Chemsexzur englischen Version Sie dachten, Sie wüßten schon alles? Wir auch. Und doch: Überraschung, dem ist nicht so. Netzfrauen haben bereits über „Krokodil“ und Crystal Meth geschrieben.

Siehe: Vorsicht – Diese Killerdroge Crystal Meth ist weltweit auf dem Vormarsch

Was ist nun Chem-Sex überhaupt?

Die Wortwahl beschreibt es auch schon. Sex unter Einfluss von Drogen. Nachdem ja das Lebensmotto für fast alles neuerdings „größer, weiter, schneller, aufregender“ heißt, ist auch Sex alleine nicht mehr cool. Heute muss es Extrem-Sex sein.

Parties, die mit Hilfe von Poppers, Crystal Meth, Ecstasy, GHB/GBL oder anderem Drogenkonsum tagelang abgehalten werden, hatten ursprünglich in der Gay-Szene ihren Platz. Bereit 2015 berichtete das British Medical Journal, dass Chem-Sex nun auch unter Heteros üblich sei. In England entstand ein Film, dessen Trailer hier einsehbar ist.

Die Drogen bescheren euphorische Zustände und lassen so Sex „besser“ erscheinen, weil Hemmungen verschwinden und Lust so empfindbarer gemacht wird.
Alarm geschlagen wird von Gesundheitsexperten und Ärzten, die vor den großen gesundheitlichen Risiken der chemischen Drogen und den Folgen von Chem-Sex warnen. Die Teilnehmer an diesen Parties brauchen immer öfter medizinische Behandlung.

Crystal Meth ist eine potentielle Todes-Droge, aber auch die anderen Drogen bergen höchste Gefahren für die Gesundheit, machen süchtig, bringen den Kreislauf zum Stillstand bis hin zu Koma und Tod. Nicht selten kommt es zuvor auch zu psychischen Problemen wie Angstzuständen, Psychosen und Suizidgefahr. Weil die Party-Teilnehmer meist auch ungeschützten Sex mit wechselnden Teilnehmern haben, steigt auch die Gefahr für Erkrankungen, z. B. Hepatitis und anderen Infektionskrankheiten wie HIV. Der Mix aus Alkohol, Psychopharmaka und diesen Drogen ist fatal. Die Wirkung der Drogen kann tagelang anhalten, unterdrückt oft die Orgasmusfähigkeit, macht aber schmerzunempfindlicher und erregter.
Alex Klineberg, ein Journalist, der bei solchen Chemsex-Parties war, meint dazu in einem Interview in der Huffington Post:
„Alles fängt mit einer Handvoll Männer in Unterwäsche an, die mit dem Anstieg ihres High-Werdens ihre Hemmschwellen verlieren. Man kann sich mit mehreren Partnern wiederfinden und das geht für lange Zeit so. Es kann 24 Stunden dauern oder drei Tage, ohne dass wer schläft, neue Besucher kommen um 3 Uhr morgens. Es ist sehr intensiv, sehr hemmungslos. Es ist mehr als ein bisschen Drogenkonsum am Wochenende“.
Da alle diese Drogen illegal sind, ist ihre Reinheit nicht immer gegeben. Ein Mix kann noch gefährlicher wein, weil manche den Herzschlag verlangsamen, andere ihn erhöhen. Oftmals werden solche Parties von HIV-Positiven angesetzt, die sie zum ungeschützten Sex nutzen, weil sie meinen, sich sowieso nicht gegenseitig anstecken zu können. Trotzdem ist dies unverantwortlich, weil ja auch andere Infektionskrankheiten übertragen werden können, wenn nicht Safe-Sex praktiziert wird.
Auch die LGBT-Gemeinde (Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender) spricht Warnungen aus, was die Chemsex-Parties betrifft. Dem British Medical Journal war das Phänomen sogar eine Gesundheitswarnung wert, weil die Zunahme von physischer und psychischer Abhängigkeit von den Chemsex-Drogen zunimmt.
Mittlerweile ist die Welle aber von der britischen Insel auch auf Europa geschwappt. Prof. Norbert Brockmeyer, Präsident der Deutschen STI (sexually transmitted infection)-Gesellschaft sagt, dass etwa 15% seiner Patienten Erfahrungen mit Chemsex gemacht haben.
Sie sind nicht die typischen Drogenkonsumenten, sagt Brockmeyer, sondern eher gut gestellte Akademiker zwischen 40 und 60 Jahren. „Sie sehen sich auch nicht als Drogenabhängige – es geht ja scheinbar nur um ein wenig Spaß.‟ Ein Risikobewusstsein sei oft nicht vorhanden. Im Drogenrausch werde eher auf Safersex verzichtet, und es entstehe schneller Vertrautheit, was zu einer Vielzahl an Sexualkontakten führe. Ansteckungsgefahr gelte dabei für das ganze Paket an sexuell übertragbaren Krankheiten: HIV, Syphilis, Gonorrhoe, Hepatitis C, Chlamydien, Genital-Herpes und HPV. Ein wirksames Mittel, um zumindest die HIV-Übertragungsrate beim Chemsex zu senken, wäre laut Brockmeyer die HIV-Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP), die aber in Deutschland bisher nicht zugelassen ist.
Aber nicht nur darin liegt Gefahrenpotential, sondern in den Drogen selbst und vor allem in der Kombination verschiedener Substanzen. Manche machen schon bei der ersten Einnahme abhängig, Crystal Meth ist ein verheerendes Mittel, das sehr schnell zu körperlichem Verfall, ja zum Tod führt.
Die deutsche AIDS-Hilfe hatte die Ergebnisse der Chemsex-Studie übersetzen lassen und im vergangenen Jahr im HIV-Report veröffentlicht, weil auch sie eine Relevanz für Deutschland sieht. „Das Phänomen spielt hier zwar eine weniger große Rolle als in Großbritannien‟, sagt Tauber. Nur ein Prozent der befragten deutschen homo- oder bisexuellen Männer hatte der Studie zufolge im Monat zuvor Chemsex-Drogen genommen, in Großbritannien waren es fünfmal mehr.
Sex-Netzwerk Apps wie z. B. Grindr haben sich dem neuen Trend angepasst; Über eine solche Bekanntschaft erspart man sich das Sozialisieren und findet leicht Zugang zu Drogenparties.

The rise of ‚chemsex‘ on London’s gay scene – BBC News

Vor Radio 4’s The Report, Mobeen Azhar investigates what’s become known as ‚chemsex‘ and the increasingly visible trend for drug-fuelled sex parties on London’s gay scene. It’s a scene where unsafe sex is common and has been cited as a contributing factor in the rising number of HIV infections in London, posing new challenges to those trying to promote the safe sex message.
Such parties are fuelled by technology and smartphone dating apps, which have triggered a social shift where men have moved out of bars and clubs and into private homes – out of reach to sexual health and drug advice services.


Quellen:
Hannah McCall et al. ; BMJ 2015; 351 (Published 03 November 2015)
Adam Bourne et al.:The Chemsex Study: drug use in sexual settings among gay and bisexual men in Lambeth, Southwark & Lewisham
http://www.mirror.co.uk/lifestyle/health/new-chemsex-drugs-could-responsible-8126843
http://www.newstatesman.com/politics/health/2016/04/what-chemsex-and-how-worried-should-we-be

Netzfrau Lisa Natterer
deutsche Flagge
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6 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Der Artikel vermittelt das Bild eines Trends und gesellschaftlicher Bedeutung.

    Gibt es Zahlen, wie viele Menschen das betrifft und wurde untersucht, ob die Teilnehmer wirklich „meist“ ungeschützten Verkehr haben? Ich bekomme meistens mit, dass in der beschriebenen Szene ein achtbares Problembewusstsein herrscht, das so verfestigt ist, dass mit in die beschriebenen Zustände getragen wird.

    Es wäre auch interessant, wenn man trennen würde, wer Drogen mit der Absicht nimmt, wilden Sex mit vorher nicht feststehendem Partner zu haben und wer mit seinem festen Partner unterwegs ist, beide sich eine Ecstasypille teilen und später Sex haben.

    Ich bin mir auch nicht sicher, ob man bei Meth wirklich so dramatisch von Vormarsch sprechen kann. Immerhin gibt es jedes Jahr in Deutschland mehr Verkehrstote als insgesamt Menschen die Meth konsumieren.

    Im Jahr sterben ca 30 Leute an Meth.

    Dem gegenüber stehen mehrere zehntausend Tote durch Alkohol und mehrere Zehntausend tote durch Zigaretten. Alles, was in obigen Artikel angeführt wurde, trifft auch auf Alkohol und Sex zu und das um Faktor 1000 dramatischer.

    Dennoch würde ein Artikel („Der neuste Schrei: Alk-Sex!“), der sich mit Sexparties auf Alkohol, bei denen die „Teilnehmer“ ein paar Gläser Wein trinken, lächerlich wirken.

    Warum ist das so?

    ich denke ihr, verlagert die gesellschaftliche Problematik des Drogenkonsums auf die Droge selbst und vergesst, dass die Lösung darin besteht, den Drogenmarkt zu regulieren und den Mitgliedern der Gesellschaft Perspektiven und weniger Leistungsdruck zu bieten.

    Eine Weltsicht, die impliziert, dass illegaler Drogenkonsum per se schlecht und zu verurteilen ist und von allseitigem freien Willen ausgeht, wertet Menschen ab, die illegale Drogen konsumieren, obwohl diese oft Opfer der Umstände sind und zudem legale Drogen der Gesellschaft weit mehr schaden.

    • Ein Interview der „Huffington Post“ ? Ernsthaft ? Wer zitiert denn sowas ? Dagegen ist die „Bild“ schon höchst seriöser Journalismus, aber hauptsache eine reißerische Story konstruiert…

  2. Pingback: Chem-Sex: grösser, weiter, schneller, aufregender, verreckter. Toll!

  3. Naja,wenn Drogen nur schlecht wären,würde sie erst gar keiner nehmen :D Selbst Tiere „dröhnen“ sich hin und wieder mal in der Natur mit irgendwas zu.Das gibt’s auch…
    Aber die Nachteile sind natürlich größer als die Vorteile,auf längere Sicht…

  4. Der neueste Schrei??? Ja und die bösen Drogen. Gähn… Wann war das noch mal mit den Hippies? So vor ungefähr 50 Jahren? Da hat wohl jemand die letzten 50 Jahren geschlafen. Und selbst da war es nicht wirklich etwas Neues. Sehr beliebt waren heute verbotene Drogen schon im 19. Jahrhundert. Und wahrscheinlich haben sich manche auch schon damals drüber aufgeregt.

    Ich persönlich hätte auch gerne mal Sex auf Drogen. Hatte ich lange nicht mehr, waren schöne Erfahrungen. Aber leider habe ich momentan keinen Partner dazu. Ich finde, man muss nicht alles verteufeln, was erwachsene Menschen aus freiem Willen tun. Und wer nur gelegentlich konsumiert ist noch lange nicht süchtig. Meine Meinung.

    • hey liebe sigrid, c00ler kommentar! mir gehts wie dir ! möchte auch mal wieder sex auf drogen haben ;-) können uns ja gerne mal treffen ;)

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