Eingesperrt im Paradies! Spanischer Großkonzern Ferrovial betreibt Flüchtlingslager für Australien – hier herrscht Kindesmissbrauch und Verzweiflung

fluechtlinge66Australien hat Flüchtlingslager auf Manus Island in Papua Neuguinea und auf Nauru. Die Flüchtlinge, die es auf australischen Boden geschafft haben, werden in Auffanglager auf entlegene Inseln verfrachtet wie zum Beispiel auf Nauru. Und dort sind die Lebensbedingungen katastrophal. So deckte die britische Zeitung The Guardian schwere Fälle von systematischem Kindesmissbrauch auf: In einem Lager, das Australien auf der pazifischen Insel Nauru unterhält, werden geflüchtete Kinder und Asylsuchende von Wachpersonal sexuell misshandelt.

Der spanische Konzern Ferrovial betreibt das umstrittene Lager für die australische Regierung auf Nauru. Der Konzern macht damit kurzfristig Kasse — die Kinder werden ein Leben lang leiden. Nauru ist sehr weit weg von allem, 3000 Kilometer von Australien zum Beispiel. Es ist ein kleines kahles Eiland unter brütender Äquatorsonne – kein Ort, an dem man Kinder in ein Lager sperren sollte. Und doch werden hier Babys, Kinder, Frauen und Männer für unbegrenzte Zeit festgehalten, im Auftrag der australischen Regierung. Die Flüchtlinge leben in entsetzlichen Zuständen – und manche versuchen lieber, dieses Leben zu beenden.

Es geht um über 2000 Vorfälle — die Kinder werden schwer traumatisiert und verletzen sich aus purer Verzweiflung selbst. Ein kleines Mädchen nähte sich den Mund zu, während ein Wärter lachend zuschaute. Mehr als 1200 Menschen werden unter solch grausamen Bedingungen auf Insel-Lagern vor Australien gefangen gehalten. Neben Nauru betreibt Ferrovial noch ein zweites Lager auf der Insel Manus (Papua-Neuguinea).

Eingesperrt im Paradies!

Nauru ist der drittkleinste Staat der Welt hinter dem Vatikanstaat und Monaco. Eine Insel fast auf dem Äquator, 3000 Kilometer entfernt von Australien, hunderte Seemeilen von der nächsten Nachbarinsel, ein Nichts im Nirgendwo. Es könnte ein tropisches Paradies sein. Einst war es das reichste Land der Welt, in den 60er und 70er-Jahren, als Phosphat in Massen abgebaut wurde und der Düngerzusatz heiß begehrt war. Doch der jahrzehntelange Abbau der einzigen Ressource hat die Insel verwüstet. Sie ist öd und leer, eine Mondlandschaft mit Müll, ohne Grün, ohne Geld. Auch darum hat Nauru im Austausch für kräftige Finanzhilfen erlaubt, dass Australien 2001 ein Auffanglager für Flüchtlinge errichtet. So lagert ein reiches Land sein Flüchtlingsproblem einfach an arme Nachbarn aus. 2008 wurde das Lager geschlossen, ein Wahlversprechen, dann 2012 wieder eröffnet, als Ravi ankam, so beschreibt  Lena Bodewein vom ARD-Studio Singapur, Nauru.

„Ich habe Waschmittel getrunken“, erzählt ein Teenager über das Internet der britischen Zeitung „The Guardian“. „Ich bin des Ganzen hier so müde. Es hat mir die ganze Speiseröhre verätzt“, berichtet der Jugendliche.

Australien nimmt bisher jährlich knapp 14 000 Flüchtlinge auf – ein limitiertes Kontingent, das nach Ansicht von Menschenrechtlern wie Tim O’Connor vom Refugee Council of Australia viel höher sein müsste. Jetzt sollen noch 12 000 Flüchtlinge aus Syrien dazukommen, beschloss die Regierung. Aber sie hält weiter fest an den Auffanglagern im Pazifik, wo die Insassen im Einklang mit australischen Gesetzen, die extra dafür erlassen worden sind, unbegrenzt festgehalten werden können.

Die 2000 Berichte von Wachleuten, Lehrern und Sozialarbeitern, die der „Guardian“ jetzt veröffentlicht hat, künden von der Ausweglosigkeit der Lage. „Die Zustände sind brutal“, sagt Reporter Ben Doherty. Ein Flüchtling sei ermordet worden, auf andere habe die Polizei geschossen, zwei Flüchtlinge hätten sich angezündet – einer von ihnen sei an den Folgen gestorben. „Gewalt, sexuelle Übergriffe und Selbstverstümmelung sind an der Tagesordnung“, sagt Doherty.

Am 26 April 2016 entschied das Oberste Gericht von  Papua-Neuguinea, dass die Flüchtlingslager für Asylbewerber und Flüchtlinge von Australien auf der Manus Island verfassungswidrig sind.

Der spanische Konzern Ferrovial betreibt die umstrittenen Lager für die australische Regierung.

Ferrovial S.A. (Grupo Ferrovial) ist ein weltweit operierendes spanisches Bauunternehmen mit Sitz in Madrid. Es ist derzeit in mehr als 25 Ländern aktiv. Wie kommt ein solcher Konzern zu diesen Aufträgen, um solche Lager zu betreiben?

Erstaunlich, immer wenn wir anfangen, über Konzerne zu recherchieren, kommen wir aus dem Staunen nicht heraus. Als wir den spanischen Konzern Ferrovial durchleuchten wollen, wieso der Konzern Lager für Flüchtlinge in Australien betreibt, müssen wir feststellen, dass es bereits Anfang November 2015 ein Treffen mit Ban Ki-moon, Generalsekretär der Vereinten Nationen gab. Hier war auch die Flüchtlingskrise ein Thema und Ban Ki-moon bat die spanischen Konzerne, unterstützend zur Seite zu stehen. Kurz darauf kaufte der spanische Konzern Ferrovial die australische Firma Broadspectrum. Broadspectrum betreibt im Auftrag der australischen Regierung zwei Internierungslager auf Nauru und Manus, die in der Kritik stehen. Die Regierung von Premier Malcolm Turnbull gibt alljährlich 1,2 Milliarden australische Dollar (820 Millionen Euro) dafür aus.

ferrovial.com

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In einer Presseerklärung teilt der spanische Konzern Ferrovial Anfang November 2015 mit:

Dass Rafael del Pino, Vorsitzender von Ferrovial, zusammen mit mehreren Unternehmen des Landes, an einer Sitzung mit Ban Ki-moon , Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN) teilgenommen hat. Das Ziel des Treffens war es, die UN-Entwicklungsagenda im September 2016 dem privaten Sektor vorzustellen und zum Handeln zu drängen.

Das Treffen war von dem spanischen Netzwerk der  United Nations Global Compact organisiert. Der UN Global Compact ist die weltweit größte und wichtigste Initiative für verantwortungsvolle Unternehmensführung. Die Vision des UN Global Compact ist eine inklusive und nachhaltige Weltwirtschaft auf der Grundlage seiner 10 universellen Prinzipien – heute und in Zukunft.  Das Deutsche Global Compact Netzwerk unterstützt Unternehmen und Organisationen dabei, ihre Strategien und Aktivitäten an Nachhaltigkeitszielen und der Vision des UN Global Compact auszurichten, so auf der deutschen Webseite. Die Deutschen Konzerne, die daran teilnehmen, entnehmen Sie hier: Globalcompact Teilnehmerverzeichnis.

Während des Treffens mit dem spanischen Netzwerk der United Nations Global Compact  betonte der Generalsekretär, dass in dem aktuellen Szenario private Unternehmen eine entscheidende Rolle für den Erfolg der neuen Sustainable Development Goals (SDG) spielen, das wird als gemeinsamer Rahmen für Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit bei der Entwicklung dienen. Ban Ki-moon legte den Schwerpunkt auf zwei aktuelle Themen: Umwelt und  Flüchtlingskrise. Die Pressemitteilung zitiert auch seine Worte in Bezug auf die Flüchtlingskrise, wo er spanische Geschäftsleute drängt, die Möglichkeit  zugunsten des Gemeinwohls durch Contracting, Lieferketten, Technologie und Darlehen und durch philanthropische Unterstützung zu nutzen. Zum Schluss dankte er den anwesenden Unternehmen für die Zusammenarbeit.

Jetzt sind sogar wir doch etwas verdutzt. Wieso dankt Ban Ki-moon solchen Konzernen wie Ferrovial? Da fällt uns unser Beitrag: Die Vereinten Nationen (UNO) und die unselige Allianz oder Bizarr: „Experte“ für UN-Menschenrechtsrat aus Saudi Arabien – Regimekritiker werden geköpft – oder wie Blogger Raif Badawi mit 1000 Peitschenhieben bestraft – 2016 bereits über hundert Hinrichtungen in Saudi-Arabien ein.

Es ist, als hätte dieses Treffen mit dazu geführt, dass der riesige spanische Baukonzern, der nicht nur an dem Flughafen Heathrow beteiligt ist, sondern auch weltweit Investitionen und Bau von Autobahnen betreibt, sich zu diesem Kauf von dem australischen Bergbau-, Telekom- und Infrastrukturunternehmen Broadspectrum entschieden hat. Nicht nur im Finanzsektor wird dieser Kauf in Höhe von 500 Millionen Euro als „Investition in die Hölle“ bezeichnet. Von Anfang an war klar, dass die Hälfte des Gewinns aus dem Geschäft mit der Unterbringung und Bewachung von Flüchtlingen stammt. Und es war Ban Ki-moon, der auf dem Treffen in Spanien mit Ferrovial auf mehr Hilfe durch die Konzerne drängte. Es ist doch nicht das erste Mal, dass die Flüchtlingshilfe privatisiert wird. Ob nun durch Frontex, [Entsetzlich! Bei Frontex-Einsätzen im Mittelmeer wird auf Flüchtlingsboote geschossen – SHOOT FIRST! Coast Guard Fired at Migrant Boats, European Border Agency Documents Showoder die Firma ORS Services SA (Organisation für Regie und Spezialaufträge) Outsourcing von Problemen – Troubleshooter ORS oder doch nur Gierschlund im Asyl-Megaprofitmachen?

Rafael del Pino, Vorsitzender von Ferrovial, war von Anfang an klar, er hat das australische Broadspectrum gekauft, obwohl andere davor zurückschreckten. Zwar hatten Menschenrechtsgruppen wie «No Business in Abuse» warnende Briefe an Ferrovial und die Eignerfamilie del Pino geschrieben. Doch das hielt sie nicht auf. Ferrovial übernahm dieses Jahr die australische Firma Broadspectrum und damit deren hässliche Aufgabe. Broadspectrum betreibt im Auftrag von Australiens Regierung zwei außerstaatliche Lager für Asylsuchende und Migranten auf der Pazifikinsel Nauru und auf Papua-Neuguinea. Etwa 2000 Männer, Frauen und Kinder sind dort auf unbestimmte Zeit festgesetzt und laut einem UNO-Bericht völlig demoralisiert.

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Twitter Manus Island asylum centre

Die britische Zeitung The Guardian deckte schwere Fälle von systematischem Kindesmissbrauch auf

Die Berichte von The Guardian geben Einblick in die tägliche Verzweiflung: Ein zweijähriger Junge spielt mit Kakerlaken, weil er kein Spielzeug hat. Ein Baby schlägt andauernd mit dem Kopf gegen die Wand. Eine Frau sagt, sie wolle ihre Kinder mitnehmen, wenn sie sich im Wasser ertränken werde. Besonders erschütternd ist die hohe Zahl der Berichte, in denen es um Kinder geht: mehr als die Hälfte. Dabei machten sie noch nicht einmal 20 Prozent der Flüchtlinge in Nauru aus. Solche Vorwürfe sind schon länger aus den Auffanglagern gedrungen, und doch ändert der spanische Konzern diese Situation nicht.

Ein Video aus 2014: Manus and Nauru: The Inside Story

Wir können jetzt dazu beitragen, dass die Grausamkeiten auf der Insel Nauru ein Ende finden. Machen wir Druck auf Ferrovial, damit der Konzern keinen Profit aus dem Leiden von Kindern schlagen kann! Ihre Unterschriften werden wir noch diese Woche an den Konzern übergeben. Jede Stimme zählt:

Fordern Sie den Konzern Ferrovial auf, den Vertrag mit Australien sofort zu kündigen und den Betrieb des Lagers auf Nauru einzustellen!

Es geht um über 2000 Vorfälle — die Kinder werden schwer traumatisiert und verletzen sich aus purer Verzweiflung selbst. Ein kleines Mädchen nähte sich den Mund zu, während ein Wärter lachend zuschaute. Mehr als 1200 Menschen werden unter solch grausamen Bedingungen auf Insel-Lagern vor Australien gefangen gehalten. Neben Nauru betreibt Ferrovial noch ein zweites Lager auf der Insel Manus (Papua-Neuguinea).

Ferrovial weiß ganz genau, dass diese Lager nicht nur umstritten, sondern auch illegal sind: das oberste Gericht von Papua-Neuguinea erklärte das Lager auf Manus vor wenigen Monaten für verfassungswidrig — jetzt soll es geschlossen werden.

Wenn wir Ferrovial dazu bewegen, sofort aus diesem Missbrauchssystem auszusteigen, verliert Australien einen weiteren Partner, der sich für seine Abschottungspolitik die Hände schmutzig macht. SumOfUs-Mitglieder kämpfen weltweit gegen die unmenschlichen Geschäfte der Gefängnis-Industrie. Helfen wir jetzt den Kindern auf Nauru und machen wir Druck auf Ferrovial.

Fordern Sie Ferrovial auf, den Betrieb des illegalen Lagers auf Nauru einzustellen!

Ferrovial hat angekündigt, seinen im Februar 2017 auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen — in der Zwischenzeit soll der Missbrauch weitergehen. Jeder Tag, an dem Hilfesuchende den abscheulichen Verbrechen auf dem Insel-Lager ausgeliefert sind, ist ein Tag zu viel. Kämpfen Sie mit uns dafür, dass Ferrovial den Betrieb des Lagers sofort einstellt!

Netzfrau Doro Schreier und Lisa Natterer

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