440.000 Farmer verklagen Syngenta wegen GMO-Mais – Sammelklage vor dem Bundesgericht gewährt! – Farmers suing Syngenta over GMO corn granted class action status in federal court

syngenta5zur englischen Version Ein Bundesrichter hat mindestens 440 000 Farmern den Status einer Sammelklage gewährt. Diese verklagen den Agrochemie-Giganten Syngenta dafür, genmodifiziertes Maissaatgut verkauft zu haben, was ihnen einen Verlust von Milliarden Dollar bescherte, weil China den Import von Mais aus den USA verweigerte. Farmern, die Syngenta wegen GMO-Mais verklagen, wurde der Status der Sammelklage vor dem Bundesgericht gewährt.

Farmer und Farm-Betriebe reichten in 20 Staaten mehr als 360 Klagen gegen Syngenta, den Hersteller von Chemikalien, die in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen, ein – und Hunderte werden noch dazu kommen, da ein Bundesrichter den komplexen Fall organisiert und koordiniert, so unser Beitrag im Februar 2015. Doch es kamen nicht hunderte Landwirte hinzu, sondern die Zahl der Landwirte die gegen Syngenta klagen, belaufen sich nun auf 440.000. Wir berichteten,  dass China als wachsender Importeur von US-Mais den Kauf von genveränderten Produkten ablehnte, die nicht selbst getestet wurden – und die Sorte Viptera wurde nicht akzeptiert, als Syngenta mit dem Verkauf anfing. Im November 2013 entdeckte China in verschiedenen Maislieferungen aus den USA den Viptera-Mais. Im Februar 2014 begann China, die US-Mais-Lieferungen zurückzuweisen. Gerichtsverfahren zufolge lehnten sie mehr als 131 Millionen Scheffel ab (ca. 4,6 Mio m³).

Paradox, denn in der Zwischenzeit kaufte China mit seinem Staatsunternehmen Chem China gerade diesen Konzern, der nun verklagt wird, Syngenta. Erst kürzlich erfolgte die Freigabe durch das Committee on Foreign Investment in den USA für die Offerte von Chem China für Syngenta.  Diese Freigabe war überraschend, denn sollte die Übernahme von Chem China erfolgreich sein, was würde aus den Klagen der Tausenden von Farmern in den USA werden? Da es sich um ein chinesisches Staatsunternehmen handelt, genießt es die Immunität. Das bedeutet, kein staatliches Unternehmen darf wegen irgendwelche Schäden herangezogen werden. Doch wie wir nun erfahren, hat ein Bundesrichter mindestens 440 000 Farmern den Status einer Sammelklage gewährt.

Lesen Sie dazu den Beitrag, den wir für Sie übersetzt haben:

Farmern, die Syngenta wegen GMO-Mais verklagen, wurde der Status der Sammelklage vor dem Bundesgericht gewährt

Ein Bundesrichter hat mindestens 440 000 Farmern den Status einer Sammelklage gewährt. Diese verklagen den Agrochemie-Giganten Syngenta dafür, genmodifiziertes Maissaatgut verkauft zu haben, was ihnen einen Verlust von Milliarden Dollar bescherte, weil China den Import von Mais aus den USA verweigerte.

Richter John Lungstrum vom US-Distrikt-Gericht in Kansas genehmigte eine Sammelklage von wenigstens 440 000 Farmern am Montag, so der Kansas City Star.

„Diese Maßnahme des Gerichts macht es einfacher und weniger teuer für die einzelnen Farmer, ihre Forderungen gegenüber Syngenta durchzusetzen“, sagte Scott Powell, einer der Anwälte der Kläger, in einer Mitteilung im St. Louis Dispatch. „Angesichts individueller Anwälte und Kosten dafür, individueller Gerichtsverfahren, der Produktion voluminöser Beweismittel, eidesstattlicher Aussagen und erforderlicher Präsenz im Gerichtssaal befand das Gericht, dass alle an der Sammelklage Beteiligten ihre Forderungen durch eine begrenzte Zahl von Vertretern vertreten können. Wenn diese Vertreter gewinnen, gewinnen alle Beteiligten der Sammelklage. Kein Farmer muss hier individuell auf Rückerstattung klagen“.

Die juristische Auseinandersetzung mit Syngenta begann 2014, als die Firma erwiesenermaßen „verfrüht und in unverantwortlicher Weise“ neues Saatgut freigab, dass nicht von China genehmigt worden war. Die betroffenen Sorten, Agrisure Viptera und Duracade, kontaminierten US-amerikanischen Mais, der nach China exportiert wurde, was zu einem Handelsverbot Ende 2013 führte.

Kläger machten geltend, dass das Handelsverbot und Chinas bleibender Unwillen, GMO-Mais aus den USA zu kaufen, zu geschätzten Verlusten von 5 bis 7 Millionen $ für heimische Maisbauern führten. China hatte derzeit Syngenta-Mais nicht zugelassen.

Syngenta kündigte eine wahrscheinliche Berufung gegen die Entscheidung des Gerichts an.

„Mit allem gebotenen Respekt widerspricht Syngenta dieser Entscheidung, besonders angesichts der vielen variierenden Methoden, nach denen Landwirte Mais anbauen und auf verschiedenen Märkten der USA verkaufen“, sagte Paul Minehart, der Sprecher von Syngenta, dem St. Louis Dispatch.

In diesem Fall verwendeten die Kläger keine Syngenta-Produkte, aber sie sagten, dass Syngenta-Mais im gesamten Maisvorrat der USA eingemischt worden war, was dazu führte, dass China allen US-Mais verweigerte. Das führte zu einem Preisverfall in den USA, teilten die Kläger dem Kansas City Star mit.

„Hat man erst einmal einen ausländischen Markt eingebüßt, ist es sehr schwierig, ihn wieder zurück zu erlangen, weil nach anderen Ländern zur Deckung ihres Bedarfs gesucht wird“, sagte Don Downing, einer der Anwälte der Sammelklage, dem St. Louis Dispatch.

Downing fügte hinzu, Syngentas Verantwortung sei beabsichtigt und kein Ergebnis von Nachlässigkeit. Die Getreideindustrie hatte den Konzern gewarnt, dass Chinas Verweigerung des Saatguts ein unnötiges Risiko für einen wichtigen ausländischen Handelspartner darstelle.

Downing teilte mit, China habe sich die Ukraine als vorrangigen Versorger für Maisimporte ausgesucht. Er sagt, dass China auch Grannenreis, ein Hirseprodukt, importiere als Futterersatz für den US-Mais.

Als wir den chinesischen Markt verloren, hatte das Einfluss auf den Maispreis beim Chicaco Board of Trade“, sagte Downing. „Alle Landwirte im ganzen Land waren gleichermaßen betroffen auf der Basis eines Scheffels“.

Was den reinen Geldwert betrifft, so Downing, könnte das Gerichtsverfahren mit dem Ziel der Schadensersatzleistungen sich über unzählige Jahre hinziehen.

„Es könnte sogar sein, dass dieser Fall der größte in der Geschichte des landwirtschaftlichen Bereichs ist“, mutmaßt Downing.

Der Beginn des Verfahrens wurde auf Juni 2017 festgesetzt.

Zusätzlich zur am Montag, dem 26.September 2016  festgesetzten landesweiten Sammelklage wurden  bundesstaateninterne Sammelklagen von betroffenen Farmern in Arkansas, Illinois, Iowa, Kansas, Missouri, Nebraska, Ohio und South Dakota zugelassen.

Farmers suing Syngenta over GMO corn granted class action status in federal court

syngenta

28 Sep, 2016 22:38
[photo]© Carey Gillam / Reuters
A federal judge has granted class action status to at least 440,000 farmers accusing agrochemical giant Syngenta of selling genetically modified corn seeds and costing them billions of dollars in lost revenue, due to China resisting imports of US corn.

US District Court of Kansas Judge John Lungstrum certified a class of at least 440,000 farmers on Monday, according to the Kansas City Star.
“The Court’s ruling will make it easier and less expensive for farmers to pursue their claims against Syngenta,” said Scott Powell, one of the plaintiff’s lawyers, in a released statement, according to the St. Louis Dispatch. “Instead of having to retain and pay individual counsel, file their own lawsuit, produce voluminous farm records, sit for a deposition and appear at trial, the Court found that all class members may attempt to prove their claims through a limited number of class representatives. If those class representatives win, all class members win. No individual farmer has to file a lawsuit to seek a recovery.”

The legal dispute against Syngenta began in 2014, when the company allegedly “prematurely and irresponsibly” released new seed varieties that were not approved by China. Those varieties, Agrisure Viptera and Duracade, contaminated US corn exports to China, leading to a trade ban in late 2013.

Plaintiffs said the trade ban and China’s continued unwillingness to buy GMO corn from the US had resulted in estimated losses of $5 to $7 million for domestic corn growers. China at the time had not approved corn grown by the Syngenta seeds.
Syngenta said it may appeal the district court’s decision.

“Syngenta respectfully disagrees with this ruling, particularly given the widely varying ways in which farmers grow and sell corn in different markets across the US,” Syngenta spokesman Paul Minehart told the St. Louis Dispatch.

The plaintiffs in the case did not use Syngenta’s products, but said that Syngenta-grown corn was commingled throughout the US corn supply, causing China to reject all US corn. That caused corn prices to fall in the US, plaintiffs said, according to the Kansas City Star.

“Once you’ve lost a foreign market, it’s very difficult to get it back because they tend to look to other countries to fill their needs,” Don Downing, one of four lawyers working on the case told St. Louis Dispatch.

Downing added that Syngenta’s responsibility was intentional, not a result of negligence. The grain industry had warned the corporation that China’s failure to approve the seed varieties presented an unnecessary risk to an important foreign trade partner.
Downing said China has turned to Ukraine as its primary supplier of corn imports. He says China now also uses imports of the grain milo, a sorghum product, as a feed substitute to US corn.

“When we lost the Chinese market, it affected the Chicago Board of Trade price for corn,” Downing said. “All farmers across the country were affected on a per-bushel basis, equally.”
In terms of sheer monetary value, Downing says the legal case to recover losses could be one for the ages.

“In the agricultural sector, it certainly has the potential to be the largest case in history,” Downing said.
A trial is currently set for June 2017.

In addition to the nationwide class action status established by Monday’s ruling, statewide classes of affected farmers were approved in Arkansas, Illinois, Iowa, Kansas, Missouri, Nebraska, Ohio and South Dakota.

Source: and Reuters 

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deutsche Flagge
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1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Vielen Dank für den Bericht bzw. die Übersetzung! Spannend wird es auch für den Bayer-Konzern, der mit der Übernahme des höchst umstrittenen Monsanto auch alle Risiken übernimmt.

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