Erschreckende Studie zur Produktion für H&M, C&A, Primark und Co – Myanmar, das neue Bangladesch! – Garment industry in Myanmar far from fair

Näherinnen zuhause © Lauren DeCicca MAKMENDE


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Die Ergebnisse einer neuen Studie sind erschreckend und wie immer sind es die Konzerne, die auch in Bangladesch mit Negativ-Schlagzeilen von sich reden machten. Myanmar möchte nach jahrzehntelanger isolierter Militärdiktatur das neue Bangladesch werden. Wöchentlich eröffnen Textilfabriken. Niedrige Gehälter, massive Überstunden und Kinderarbeit sind keine Ausnahme. Bei der Ausbreitung der Industrie wurden zudem Landrechte missachtet. 

Als erster amerikanischer Großhandelskonzern in Myanmar lässt GAP seit Sommer 2014 zwei südkoreanische Unternehmen Westen und Jacken für die Marken Old Navy und Banana Republic produzieren.

Thailands Marktforschungsinstitut Kasikorn Research (KResearch) sieht die Attraktivität des Standorts Myanmar vor allem in den niedrigen Lohnkosten. Insbesondere im Vergleich zu anderen Billigproduktionsländern wie Vietnam, Laos oder Kambodscha bestehe ein bedeutender Lohnkostenvorteil. Die EU initiierte in Kooperation mit den lokalen Organisationen ein SMART-Programm über 2 Mio. Euro, das Klein- und Mittelunternehmen in Wettbewerbsfähigkeit, Ausbildung und nachhaltiger Produktion unterstützt. Bei einem Besuch Myanmars im Februar 2012 kündigte der EX-Bundesminister Niebel und jetzige oberster Lobbyist des Düsseldorfer Rüstungskonzerns Rheinmetall. an, die deutsche Entwicklungszusammenarbeit, mit dem Schwerpunkt nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, weiter auszubauen, was dann auch geschah. 111 623 800, 00 Euro erhält Myanmar für 13 Projekte als Entwicklungshilfe. Menschenrechte werden demnach nicht berücksichtigt.

Myanmar zählt zu den korruptesten Staaten weltweit. Die Nichtregierungsorganisation Transparency International führt das Land in ihrem Korruptionswahrnehmungsindex 2014 auf Platz 156 von 175 ausgewerteten Staaten. Obwohl in Myanmar eine ethnische Säuberung stattfindet, wird Myanmar weiterhin von Deutschland durch eine staatliche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt und schaut bei  Massenvergewaltigungen, Prügel und Tötungen zu, auch von kleinen Kindern und Babys. Die Rohingyas sind eine muslimische Minderheit und laut einem aktuellen Report der UN sind diese Grausamkeiten an der Tagesordnung.

Durch den Anstieg radikaler buddhistischer Gruppen wie der „969“ verschlechterte sich die Situation für religiöse Minderheiten. Die Gewalt richtet sich gegenwärtig stärker gegen Muslime, aber auch die dort lebenden Christen werden verfolgt. Myanmar gehört auch auf dem Weltverfolgungsindex 2015 wieder zu den zehn Staaten, in denen die physische Gewalt Christen gegenüber am größten ist. Vergewaltigungen und der Verkauf von Kinderbräuten werden als Kriegstaktik eingesetzt.

Die Aufhebung der Sanktionen durch die EU und die USA belebte u. a. auch die Textilbranche. Stammen die meisten Investoren aus der VR China, Hongkong, Taiwan oder Korea (Rep.), fanden sich auch erste westliche Marken ein wie GAP, H&M, Primark oder Marks & Spencer. Etwa 400 000 Arbeiter werden in fast 400 zumeist lediglich auf „Cutting Making Packaging“ (CMP) ausgerichteten Fabriken beschäftigt, darunter 196 Auslandsunternehmen und 22 Joint Ventures. Der Umsatz erreichte 2015 etwas über 1,6 Mrd. $ laut Branchenvereinigung MGEA, die bis 2025 auf 1500 Fabriken expandieren will. Ein Drittel des Exports geht nach Japan, jeweils 25% nach Korea und Europa, vornehmlich Deutschland. Quelle: gtai

Nachdem die Mindestlöhne in Indonesien angehoben werden sollten, drohten laut Angaben der Indonesian Footwear Association gleich 46 ausländische in Indonesien produzierende Schuhhersteller, ihre Fertigungsschritte in andere Länder mit geringeren Lohnkosten wie Myanmar oder Vietnam zu verlagern. Sie klagen unter anderem über zunehmende Arbeitskämpfe und „komplett überzogene Lohnforderungen von Seiten der Gewerkschaften“. Ähnlich sah die Lage auch in der Textil- und Bekleidungssparte aus. Daran sehen Sie, dass die Einkäufer der internationalen Bekleidungsfirmen, wozu auch die Schuhproduktion gehört, wie Nomaden sind, die es immer dorthin zieht, wo besonders günstig eingekauft werden kann. Vor allem im Billigsegment zählt fast nur der Preis. Internationale Textil- und Bekleidungshersteller wissen das und versuchen deshalb, auch ihrerseits immer neue und noch billigere Standorte ausfindig zu machen. Siehe: Was haben Erdogan, Indonesien, Äthiopien, Monsanto und H&M mit Ihren Schuhen gemeinsam?

Auf dem Weg zur Arbeit © Lauren DeCicca MAKMENDE

Bis Oktober 2015 hatte Myanmar insgesamt 1001 ausländische Unternehmen mit einem akkumulierten Investment von 58 Mrd. US$ genehmigt.  Die meisten Projekte realisierte Singapur (178) vor Korea, Rep. (121), Hongkong (114), VR China (108), Thailand (90), Vereinigtes Königreich (81) und Japan (79).

Deutschland hatte 2015  drei genehmigte Unternehmen, das Vereinigte Königreich 81, die Niederlanden 13, Frankreich 4 und die Schweiz 3. Skandinavien kommt auf drei Direktinvestitionen mit jeweils einem Projekt aus Schweden, Norwegen und Dänemark. Norwegen errichtet seit Februar 2014 mit Telenor und einem Investment von rund 1 Mrd. $ das neue Mobilfunknetz neben Ooredoo aus Katar.

Weit entfernt von fair: Bekleidungsindustrie von Myanmar – Neue Studie zur Produktion für H&M, C&A, Primark und Co

Näherin in Myanmar © Martje Theuws SOMO

Nach Jahren der Sanktionen floriert der Handel mit Myanmar (ehemals Burma) wieder. Niedrige Löhne und günstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen ziehen die Bekleidungsproduktion nach Myanmar. Zahlreiche europäische Marken, darunter bekannte Größen wie H&M, C&A und Primark, machen mit bei diesem „race to the bottom“. Das niederländische “Centre for Research on Multinational Corporations“ (SOMO) legt in einem neuen Bericht detailliert die miserablen Arbeitsbedingungen dar: Niedrige Gehälter, massive Überstunden und Kinderarbeit sind demnach keine Ausnahme. Bei der Ausbreitung der Industrie wurden zudem Landrechte missachtet.  

05. 02. 2017, Amsterdam – SOMO-Mitarbeiterin Martje Theuws: “Bekleidungsmarken sollten es sich zweimal überlegen, ob sie wirklich in Myanmar produzieren möchten. Das Risiko der Arbeitsrechtsverletzungen ist sehr hoch. Firmen sollten eine genaue Analyse aller potenziellen Probleme veranlassen. Sie müssen gemeinsam mit ihren Zulieferbetrieben die Risiken erkennen und in den Griff bekommen – und zwar, bevor sie dort Bestellungen aufgeben. Unsere Nachforschungen zeigen allerdings, dass die Firmen das nicht tun.”

Bekleidungsindustrie auf dem Vormarsch

Myanmar ist für die Bekleidungsindustrie so attraktiv, weil es billig ist – auf Grund niedriger Löhne und vorteilhafter Geschäftsbedingungen. Unter dem Druck der Bekleidungsmarken haben auch chinesische und koreanische Fabrikbesitzer ihre Produktion nach Myanmar verlagert. Diese Abwärtsspirale verursacht einen ungesunden Wettbewerb zwischen den produzierenden Ländern in der Region.

Zwölf Fabriken, 400 Angestellte

Zusammen mit den lokalen NGOs “Action Labor Rights (ALR)” und “Labour Rights Defenders and Promoters (LRDP)” hat SOMO zwölf exportorientierte Fabriken geprüft, von denen acht ausländischen Investoren gehören, und 400 Arbeiter*innen befragt. Zudem hat SOMO mit den einkaufenden Unternehmen, Initiativen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen, Fabrikbesitzer*innen, Arbeitnehmer*innen-Vertretungen sowie mit lokalen und internationalen Gewerkschaften und NGOs gesprochen. Die Ergebnisse der Studie wurden vor Veröffentlichung den untersuchten Betrieben präsentiert. Viele reagierten gar nicht erst. Andere erkannten viele der Probleme an, zeigten jedoch keine überzeugenden Wege auf, wie sie diese lösen wollen.

Schlechte Arbeitsbedingungen

Arbeiter*innen in der Bekleidungsindustrie ziehen auf der Suche nach Erwerbsmöglichkeiten aus verarmten Landstrichen in die Städte. Dort leben sie oft in Slums ohne Zugang zu Elektrizität oder fließend Wasser. Der gesetzlich festgeschriebene Mindestlohn beträgt lediglich 2,48 Euro am Tag. Um Geld zu verdienen, sind sie auf Überstunden angewiesen und arbeiten oft bis zu elf Stunden täglich. Im Hochbetrieb werden sie zu unbezahlten Überstunden gezwungen. Zudem kommt es häufig vor, dass Gehälter einbehalten werden, wenn Angestellte aus Krankheitsgründen nicht arbeiten können. Auch unter 15-jährige Mädchen finden eine Arbeitsstelle.  Dies alles sind schwerwiegende Verletzungen internationaler Arbeitsgesetze. Arbeiter*innen haben kaum eine Möglichkeit, Beschwerde einzureichen und Rechtshilfe zu bekommen, da in Myanmar nur wenige unabhängige Gewerkschaften tätig sind.

Die politische und sozialwirtschaftliche Situation in Myanmar ist nach wie vor unbeständig. In Teilen des Landes gibt es weiterhin bewaffnete Auseinandersetzungen. Ganze Dörfer wurden ohne Absprachen oder angemessene Entschädigung von ihrem Land vertrieben, um Platz für Industriegebiete und Sonderwirtschaftszonen zu schaffen.

Martje Theuws: “Die Rechtsstaatlichkeit in Myanmar wird nicht ausreichend aufrechterhalten. Die Armee hat noch immer einen großen Einfluss. Zudem ist es zivilgesellschaftlichen Organisationen und Gewerkschaften erst seit 2012 erlaubt, im Land zu agieren. Die Bekleidungsindustrie handelt weitgehend unkontrolliert. Die Frage ist gerechtfertigt, ob die Zeit schon reif ist für ausländische Investitionen in Myanmar.”

 Komplette Studie:
www.ci-romero.de/fastfashion0


After years of sanctions, trade with Myanmar (formerly Burma) has started to flow. Low wages and favourable trade conditions are luring garment production from the region to this fragile democracy. Big and lesser known European brands are tempted to join in with this ‘race to the bottom’, unhindered by poor working conditions. In a new report, “The Myanmar Dilemma”, the Centre for Research on Multinational Corporations (SOMO) documents in detail how garments made in Myanmar for brands including H&M, C&A and Primark are produced for very low wages. Researchers found that long working hours and child labour are no exception in this industry. In the development of industrial zones, land rights have also been violated.

Martje Theuws, researcher at SOMO, said: “Garment brands should think twice before they start production in Myanmar. The risk of labour rights violations is very high. Companies should make a thorough analysis of all potential problems. They must ensure that they, together with their suppliers, identify and tackle these risks before placing any orders. Our research shows that companies are not doing this adequately.”

Garment industry on the move

Myanmar is so attractive to the garment industry because it is cheap due to low wages and favourable trading conditions. Under pressure from the garment brands, Chinese and Korean factory owners are among those who have moved their production to Myanmar. This ‘race to the bottom’ causes unhealthy competition between garment producing countries in the region.

Twelve factories, 400 workers

Together with the local NGOs Action Labor Rights (ALR) and Labour Rights Defenders and Promoters (LRDP), SOMO investigated 12 export-oriented factories where 400 workers were interviewed. Eight of these factories are foreign-owned. SOMO also spoke with clothing brands, improvement initiatives, factory owners, employers’ organisations and with local and international trade unions and NGOs. The research findings were presented to the companies mentioned in the report before publication. Many of these companies did not bother to respond. Companies that did react revealed a mixed picture: they recognise many of the problems, but at the same time the companies lack a convincing approach to solving these issues, which deeply concerns SOMO.

Poor working conditions

Garment workers hail from the impoverished countryside, moving to the city to find work. They often end up in slums, sometimes even without electricity or running water. That is all they can afford, since the legal minimum wage is a pitiful € 2.48 per day. To earn money, they work for long hours, sometimes for up to 11 hours a day. In peak periods, workers sometimes have to do forced and unpaid overtime. It often happens that salaries are withheld when workers cannot work due to illness.  Girls younger than 15 years old find employment in this sector. And to make matters worse, workers have very few opportunities to file complaints and get redress. There are very few independent unions. These are serious violations of international labour standards.

Ongoing conflicts

The political and socio-economic situation in Myanmar is still very unstable. In parts of the country there are armed struggles between the army and ethnic groups. Villages and communities have been evicted from their land to make way for industrial parks and Special Economic Zones without consultation or adequate compensation.

Martje Theuws: “The rule of law in Myanmar is not adequately upheld. The army still has a lot of influence. Civil society organisations and trade unions have only been allowed to operate since 2012. The garment industry’s operations go largely unchecked. The question is justified if the time is ripe for foreign companies to invest in Myanmar.”

Download The Myanmar Dilemma Full Report (3.67MB

Information: somo.nl

Danke an SOMO  und ci-romero für die gute Zusammenarbeit.

Netzfrau Doro Schreier

deutsche Flagge

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