Frostschäden Gemüse und Obst – Wir haben eine Naturkatastophe in Deutschland und in anderen Ländern Europas sieht es nicht besser aus!

Das Land Baden-Württemberg hat die Frostschäden als Naturkatastrophe eingestuft. Sofortmaßnahmen für betroffene Betriebe sind geplant. Das Frühjahr 2017 hat Obstbäumen und Weinreben stark zugesetzt. Anfang April sorgten sommerliche Temperaturen dafür, dass Apfel- und Kirschbäume zehn Tage eher blühten und auch an den Weinreben die Knospen zwei Wochen eher austrieben. Der nächtliche Frost hat verheerende Schäden im europäischen Obst- und Gemüsesektor angerichtet. Für viele Erzeuger ist dies eine Situation, in der sie noch nie zuvor gewesen waren.

Frostschäden in Baden-Württemberg: teilweise katastrophales Bild

„Die vorliegenden Berichte aus den einzelnen Regionen des Landes zeichnen teilweise ein katastrophales Bild. Das Land wird den betroffenen Betrieben deshalb im Rahmen von Sofortmaßnahmen zur Seite stehen. Es geht um die Sicherung der Existenz von unverschuldet in Not geratenen bäuerlichen Familienbetrieben“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Das Land Baden-Württemberg sieht einen starken Zusammenhang zwischen Klimawandel und Frostschäden. „Die Pflanzen treiben immer früher aus und werden damit anfälliger für Frühjahrsfröste“, ergänzte Kretschmann laut TASPO. Nun sollen die landeseigenen Forschungsanstalten Strategien erarbeiten, wie Land- und Forstwirtschaft für die Veränderungen des Klimas fit gemacht werden können.

Durch die Einstufung als Naturkatastrophe greifen nun die Regularien für finanzielle Hilfen von Seiten des Landes. Die Höhe der Entschädigungen kann allerdings erst zur Erntezeit ermittelt werden, wenn die tatsächlichen Ernteausfälle feststehen.

Frost trifft europäischen Obst- und Gemüsesektor hart

Wir hatten bereits in unserem Beitrag im Februar 2017 Wie schlimm ist die Gemüsekrise wirklich? Handelsketten haben Brokkoli und Salat rationiert – British supermarkets limit how many lettuces and broccoli customers can buy berichtet, dass die Handelsketten Tesco und Morrisons Brokkoli und Salat rationierten. Jamie Oliver, Englands prominentester Koch und Gastronom, hat wegen der hohen Preise für Gemüse und vor allem Olivenöl bereits verlauten lassen, sechs seiner italienischen Restaurants im Vereinigten Königreich schließen zu wollen. Schlechtes Wetter machte Obst und Gemüse aus den Mittelmeerländern und Olivenöl ungewohnt teuer. Die Salatpreise in Deutschland hatten sich verdoppelt. In Frankreich kosteten Zucchini das Fünffache des üblichen Preises und in Großbritannien wurden Brokkoli und Salatköpfe rationiert. Tomaten, Paprika, Auberginen – alles kostete mehr. Als Grund dafür nennen Experten die derzeitigen Wetterkapriolen in Südeuropa. Wir hatten auch in in diesem Beitrag Bizarre Situation in Europa – Sieht fast schon aus wie eine Hungersnot! Gemüserationierung auf Grund von Lieferengpass! darüber berichtet. 

Doch dann erholte sich das Wetter und alles erschien sich wieder zu beruhigen, bis der Frost Mitte April zurückkehrte und vieles zerstörte wie jetzt auch in Baden-Württemberg an vielen Obstbäumen.

Italien

Helikopter bekämpfen Frost – Das Hotel Weingut Pacherhof in Varna (Bolzano) hat ein Video hochgeladen, auf dem man einen Helikopter erkennen kann, wie er versucht, die höheren, wärmeren Luftschichten mit den niedrigeren, kühleren Luftschichten zu vermischen. Metereologe Pierluigi Randi erklärt, dies sei eine (Teil-)Lösung, um Frost auf Feldern zu vermeiden. Zusätzlich zum Helikopter wurden Fackeln angezündet, während diese brennen, erhöhen sie die Temperatur um einige Zehntel eines Grades. Wir sehen in diesem Video einen Weinberg, jedoch wird die gleiche Technik auch für viele Apfelplantagen in der Gegend genutzt. Einige Produzenten berichteten, die Frostschäden seien die schlimmsten der letzten 40 Jahre. In einigen Betrieben wurde die Ernte gänzlich zerstört, berichtet freshplaza. 

Der Gesamtschaden ist auch in Italien enorm. Es handelt sich um Schäden in Millionenhöhe. Zunächst gab es Probleme mit Hagel und danach mit Frost. Die Äpfel in Trentino und Südtirol haben Hagelschäden davongetragen, jedoch lässt sich noch nicht sagen wie viel. Die Erzeuger waren auf den Frost vorbereitet und die ersten Berichte aus der Gegend sprechen von 20 bis 30% Verlusten. Emilia Romagna hat es härter getroffen; ein Gebiet von 450 Hektar Weinbau wurde deutlich beschädigt. Außerdem sind dort um die drei Millionen Tomatenpflanzen erfroren, berichtet .freshplaza  Andere Produkte, die betroffen sind, sind unter anderem Spargel, Beerenobst, Kernobst und Erdbeeren. Es ist auch hier noch zu früh für eine genaue Auskunft, jedoch ist der Trauben- und Obstsektor sehr über die möglichen Folgen der Kälte besorgt. Unterschiedliche Techniken und Maschinen wurden benutzt, um gegen die Kälte anzukämpfen, wie zum Beispiel Helikopter. Bei den Kiwis in der Lazio-Region sind wohl 60% der Ernte betroffen.

Österreich

Auch in Österreich sammeln die Versicherungen aktuell die Daten. Hier gibt es rund 700 Erzeuger und 3000 Hektar Apfelplantagen. Auch hier waren die Äpfel bereits in der Blüte, als der Frost kam. Man muss also erst einschätzen, ob die Blüte überlebt hat. Die Regionen Steiermark, Kärnten, Südburgenland und einige Orte in Niederösterreich, Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg wurden besonders getroffen. Viele Obstbäume und insgesamt 12 000 Hektar wurden beschädigt. Man rechnet mit Kosten von über 50 Millionen Euro.

Belgien

In Belgien fielen die Temperaturen auf bis zu -6°C. Verschiedene Maschinen und Produkte wurden genutzt um die Plantagen warm zu halten. Leider blieb dies für viele Erzeuger erfolglos, da die Temperaturen zwar um einige Grad erwärmt wurden, jedoch immer noch unter dem Gefrierpunkt lagen. In Belgien gibt es nicht genug Wasser zum Bewässern. Die größte Frucht-Anbaufläche ist Zuid-Limburg, welche stark beschädigt wurde. Besonders sind Äpfel betroffen: Ersten Einschätzungen zufolge liegen die Schäden bei 50-75%. Später wurde die Zahl auf 80% erhöht.

Frankreich

In Frankreich sind viele Fruchtsorten von der Kälte geschädigt worden. In der Region um Avignon wurden die Kirschen stark beeinträchtigt. Es gibt außerdem Berichte von Schäden in Lyon, in Richtung Osten. Pfirsiche und Nektarinen scheinen vorerst in Ordnung zu sein, aber weitere Informationen stehen noch aus. Tafeltrauben aus Ventroux sind weitgehend beschädigt. Äpfel und Birnen aus Südfrankreich sind dem Frost nur knapp entgangen. In der Mitte und im Norden Frankreichs gibt es Berichte von Schäden an Obstbäumen und gemischte Zahlen erreichen uns aus dem Tal der Loire (welches zudem sehr groß ist). Manche sprechen von 50% und andere meinen, es wäre nicht so schlimm. Die Preise werden wohl sehr stark ansteigen.

Spanien

Betriebe in Valencia wurden vom Frost getroffen. In einem Bericht der Genossenschaften von Valencia (AVA-ASAJA) wird angedeutet, dass die Temperaturen auf bis zu -5°C sanken. Infolgedessen gibt es große Schäden. Laut der Organisation wurden 4000 Hektar Fruchtpflanzen in Los Serranos beeinträchtigt, darunter Trauben, Mandeln, Kernobst und Gemüse. Die Kosten liegen bei rund 4 Millionen Euro. In der Vorwoche wurden in der Region Utiel-Requena 10 000 Hektar beschädigt und auch dort steigt der Schaden in Millionenhöhe.

Der Frost zwischen dem 19. und dem 22. April 2017 traf auch viele Plantagen in der Schweiz, berichtetet www.swissinfo.ch. Als die Temperaturen um Ostern herum ungewöhnlich hoch waren, begannen die Bäume zwei Wochen zu früh mit der Blüte.
Der Verbund Svizzera Frutta ist noch nicht in der Lage, die Schäden einzuschätzen. Man wartet dort auf Informationen aus den wichtigen Produktionsgegenden. „Die Lage ist ernst. Wir erwarten Verluste in Höhe von zehn Millionen Francs,“ so Direktor Georg Bregy.

Kiwi-Knospen und Blätter ‚verbrannt‘ durch die Kälte (Foto von UL)

Erst heute, 09. 05. 17,  meldete Italien, dass der Kälteeinbruch, der die gesamte Halbinsel betraf, Millionen von Schäden für die Landwirtschaft verursachte. Viele werden sich an die Morgende zwischen dem 19. und 22. April 2017 in den kommenden Jahre erinnern, denn Birnen, Äpfel, Steinobst, Kartoffeln, Zwiebeln, Erdbeeren und grüne Bohnen wurden durch die niedrigen Temperaturen ‚verbrannt‘.

Meteorologe Pierluigi Randi erklärte, was passiert ist. „Die Frost-Ereignisse zeichneten sich durch eine sehr niedrige relative Luftfeuchtigkeit aus, auch während der Nacht und in Richtung Morgendämmerung. Das bedeutet, dass die unteren Schichten unter dem Boden kälter werden, da es wenig Wasserdampf gibt, der teilweise Temperatursenkungen verursachen kann.“

„Das Phänomen des trockenen Frostes nennt sich ’schwarzer Frost‘ und es ist die schlimmste Form von Frost, da zusätzlich zu dem, was oben erklärt wurde, auch trockene Luft zu einem erhöhten Wärmeverlust von Pflanzenoberflächen führt (abhängig von der Art der Ernte und dem Ausmaß der strahlenden Oberfläche), die eine Temperatur erreichen kann, die weit unter der Lufttemperatur liegt.“

„Hügel-Frost wurde auch gemeldet, da die Höhenluft während des Tages abgekühlt war und nachts in Richtung Tal hinabstieg. Die Ventilatoren und Anti-Frost-Bewässerung können gegen diese Ereignisse wirken, aber alles hängt vom Kosten-Nutzen-Verhältnis ab und davon, ob Pflanzen der Bewässerung Stunde um Stunde Stand halten können.“

Im Gegensatz zu 2011 betraf der Frost nicht nur verschiedene Regionen und Lagen, sondern trat im gesamten Land massiv schädigend auf. Insgesamt wurden ca. 6000 ha obstbaulich bewirtschaftete Fläche in Baden-Württemberg geschädigt. Die Ereignisse kurz nach Ostern 2017 haben uns gezeigt, dass nicht nur Schadenserreger den Ertrag und damit das Einkommen unserer Obstbaubetriebe existenzbedrohend gefährden können. Auch der Witterungsverlauf kann zusätzlich immer wieder zu enormen Ausfällen bis zum Totalausfall führen, so ltz-bw.de.

Die Preise für Obst und Gemüse waren Anfang Februar 2017 stark gestiegen. Zum Teil waren die frischen Produkte dreimal so teuer wie im letzten Jahr – da werden die Waren fast zum Luxusgut, hieß es, nachdem eine Kältewelle über Europa gezogen war. Da die Schäden noch nicht alle aufgenommen wurden, ist das eigentliche Ausmaß noch nicht sichtbar. Doch es hat dazu geführt, dass wir eine Naturkatastrophe in Deutschland  haben und auch in den anderen Ländern sieht es nicht besser aus.

In Bosnien und Herzegowina kam es zu starken Schneefällen, in manchen Teilen sogar bis zu 20 Zentimeter Neuschnee. Die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sollen auch in den nächsten Tagen weiter anhalten. „Man hat hier Angst um Produkte wie Äpfel, Birnen, Pflaumen und Erdbeeren,“ sagt Bojan Kecman, der Landwirtschaftsminister. Obstbauern in Bosnien und Herzegowina haben Hilfe bei der Armee angefordert, um die Kälte mit Helikoptern bekämpfen zu können. In einigen Teilen Bulgariens sind die Temperaturen auf 4 Grad unter dem Gefrierpunkt gefallen. Das hat vor allem im Kirschsektor große Schäden angerichtet.

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2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Wieso pflanzt man nicht Winterzwiebeln? Denen macht Frost und Schnee nicht wirklich viel aus, ausser mehrere Wochen Dauerfrost (aber hier wird ja über den vergangenen Aprilfrost geredet). Für grüne Bohnen und Tomaten ist es noch nicht zu spät (welcher Depp pflanzt grüne Bohnen und Tomaten vor den Eisheiligen?), kommen halt nicht pünktlich auf den Markt.
    Ich habe diverse unterschiedliche Apfelbaum-Sorten, die schlagen nicht alle zur selben Zeit aus (und wir hatten hier in Nordportugal bereits Sommer mit knapp 30 Grad im April und dann auch wieder Minusgrade). Oder pflanzt doch Markstammkohl, ein eher vergessenes Gemüse, dafür unglaublich stark, erträgt Hitze, Kälte und Trockenheit gut (das Arme-Leute-Essen der portugiesischen Menschen). Oder pflanzt Erbsen, Zuckerschotten etc. denen macht Kälte auch nichts aus. Man soll halt ein wenig flexibler werden oder umstrukturieren, wenn man meint, der Klimawandel schlägt um sich.
    Nette Grüsse aus dem nordportugiesischem Raum, wo es Ende Juni teilweise noch Frost gibt.

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