Erschreckend! Die „Pflegekunden“ – Profit statt menschenwürdiger Umgang mit ‪Pflegebedürftigen, ‪Kranken und‪ Pflegekräften

Ruhig gestellt und abgeschoben statt liebevoll gepflegt – so sieht der Alltag in vielen Pflegeheimen aus. Doch nicht nur die Pflegebedürftigen sind Opfer des Systems. Auch die Pfleger leiden unter der oft unmenschlichen Arbeit – viele sind sowohl körperlich als auch seelisch überlastet. Hinzu kommt die Kritik an einer viel zu geringen Bezahlung für diese anspruchsvolle Tätigkeit.

Der Pflegebereich ist ein Milliardenmarkt. Der ambulante Sektor in der Pflegebranche ist mit einem Marktvolumen von 12,3 Mrd. Euro pro Jahr einer der bedeutenden Segmente im Gesundheitsmarkt. Im Jahr 2013 arbeiteten im ambulanten Pflegemarkt über 320 000 Angestellte, viele in Teilzeit. 

Organisierte Kriminalität im Pflegebereich?!

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums gaben Kranken- und Pflegekassen sowie Sozialämter zuletzt jährlich deutlich über 20 Milliarden Euro für die Patientenversorgung in Deutschland aus. Teile dieses Geldes sind allerdings in kriminelle Kanäle geflossen, schätzt das Bundeskriminalamt (BKA).

Infos auch: Ein gefährliches Netzwerk – Das Pharmasyndikat

Engagements von Finanzinvestoren in Pflegeheimen und Kliniken nehmen zu.

 Mit 138 500 Betten stellen die 30 größten Träger stationärer Pflegeeinrichtungen 16 Prozent aller verfügbaren Pflegeplätze zur Verfügung, 12,5 Prozent aller Heime befinden sich in der Trägerschaft der größten Ketten. Die Curanum AG führt die Liste der größten Betreiber mit insgesamt 13 201 Pflegeplätzen im stationären Sektor deutlich an.

Deutsche Fachpflege Gruppe aus München: Das Unternehmen des französischen Finanzinvestors Chequers Capital kaufte 2014  5 Intensivpflegedienste und beschäftigt rund 3500 Mitarbeiter in Deutschland. Die zur Gruppe gehörenden Pflegedienste erwirtschafteten einen Umsatz von 110 Mio. Euro (Stand 2014). Der Großteil davon resultiert aus der ambulanten Intensivbetreuung und dem Betrieb von ambulant versorgten Intensiv-WGs. Laut der Webseite  gehören 15 ambulante Pflegedienste und Wohngruppen sowie eine stationäre, gemeinnützige Einrichtung zur Deutschen Fachpflege Gruppe, die bundesweit Patienten in Einzelversorgungen und über 50 Wohngruppen versorgen.

Nur ein Einblick dazu, was zu der Chequers Capital gehört, denn daran sehen Sie, dass alles, was zur Pflegedienstleistung gehört, gleichzeitig auch Wachstum bedeutet – denn wie schreibt der Finanzinvestor zur Deutsche Fachpflege Gruppe aus München: Die Deutsche Fachpflege-Gruppe realisiert einen Umsatz von rund 130 Millionen Euro bei einem jährlichen Wachstum von über 10%.

Screenshot chequerscapital.com

„Heuschrecken“ im Alten – und Pflegeheim

Wo Profite zu erwarten sind, sind „Heuschrecken“ nicht weit. Im Portfolio des Investors Advent befindet sich die Klinikkette Median, die bundesweit 27 Rehakliniken und zwei Pflegeheime in Baden-Württemberg betreibt. Eigentümer der Pflegeheimkette Alloheim, Rang zwölf der größten Betreiber, ist der amerikanische Investor Carlyle. Ein Private Equity Investor aus Paris hält die Mehrheit an der Münchener Silver Care Holding GmbH, die mit 53 Einrichtungen und rund 5200 Pflegeplätzen auf Platz 11 der größten Pflegeheimbetreiber 2013 liegt. Chequers Capital investiert neben dem stationären auch im ambulanten Pflegemarkt in Deutschland. Im April 2013 übernahmen die Franzosen die Mehrheit an der ebenfalls in München ansässigen Deutschen Fachpflege Holding GmbH, die Marktführer für ambulante Intensivpflege in der Bundesrepublik ist, siehe obiges Schaubild.

Der Marktführer im ambulanten Sektor, die Bonitas Holding, ist auf das Gebiet der ambulanten Intensivpflege spezialisiert. Das zur luxemburgischen Lavorel Medical gehörende Unternehmen mit Sitz in Herford beschäftigt laut Stand 2015 ca. 3000 Mitarbeiter an bundesweit 45 Standorten. Neben der ambulanten Intensivversorgung betreibt die Bonitas auch drei teilstationäre Pflegeeinrichtungen. Der Umsatz liegt bei etwa 170 Mio. Euro.

Sreenshot https://www.pflegemarkt.com

Am 19. Mai 2017 kam diese Meldung: Senterra AG verkauft 12 Häuser an Alloheim – Seit 2013 gehört das Unternehmen Alloheim dem US-Finanzinvestor CarlyleThe Carlyle Group ist eine der größten US-amerikanischen Private-Equity-Gesellschaften. Die Alloheim Senioren-Residenzen SE mit Sitz in Düsseldorf ist ein privater und wachsender Betreiber von Seniorenwohn- und Pflegeeinrichtungen.

Zur Alloheim-Gruppe gehören mehr als 126 Pflegeheime und betreute Wohnanlagen sowie ambulante Dienste. Bei Alloheim sind rund 11 000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Alloheim-Seniorenresidenzen SE aus Düsseldorf mit über 140 Einrichtungen erwirbt die im hessischen Lich ansässige Senterra AG. Vorbehaltlich der kartellrechtlichen Zustimmung ist diese Übernahme eine der größten Transaktionen in 2017.

Die Senterra AG unterhält einschließlich der Senterra Betriebsgesellschaft zwölf Betriebsstätten mit insgesamt 1166 Pflegebetten und einem ambulanten Dienst in Hamm. Die Einrichtungen der Senterra AG sind über Baden-Württemberg, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Sachsen verteilt. Des Weiteren verfügt die Senterra AG über eine Spezialisierung auf Wachkoma-Patienten (Phase F) in Hamm und Rheinfelden sowie eine Tagespflege in Birkenfeld. Im Geschäftsjahr 2015 konnte die Senterra AG ein Rohergebnis von 25,6 Mio. Euro erzielen.

Die 10 größten Alten- und Pflegeheime 2016 in Deutschland

Neben den beiden französischen Schwergewichten, Korian und Orpea, expandiert ein weiterer europaweit aufgestellter Betreiber von Pflege- und Gesundheitseinrichtungen in Deutschland. Die belgische Armonea Gruppe sorgte mit der Übernahme der 17 zur DPUW Deutsche Pflegen und Wohnen AG gehörenden Pflegeheime gleichzeitig für den größten Deal des Jahres 2016.

Armonea belegt im aktuellen Ranking der größten Alten- und Pflegeheime Rang 20 und betreibt europaweit 82 Einrichtungen in Belgien, Spanien und Deutschland. Quelle pflegemarkt.com

Neueste Schätzungen sprechen von 3400 neuen Pflegeheimen, die bis 2025 gebaut werden müssen (Studie „Pflegeheim-Atlas & Bedarfsprognose Deutschland 2009 bis 2025“).

Auf Grund der niedrigen Renditen investieren Anleger vermehrt in Pflegeheime, wie Sie am folgenden Screenshot erkennen können.

www.pflege-kapitalanlage.de

„Umsatz pro Patient“

Bei unserer Recherche fanden wir dies:

„Der Umsatz pro Patient zeigt Ihnen auf, ob Sie wirklich zu 100% das Umsatzpotenzial bei einem Patienten ausschöpfen (vgl. Kennzahl „Sachleistungsquote“). Was nützen Ihnen hohe Patientenzahlen, wenn der Umsatz pro Patient so gering ist, dass sich die Einsätze vor Ort kaum lohnen.

Darüber hinaus können Sie schnell feststellen, welche Ihrer Pflegekunden Ihnen viel einbringen. Sollten diese „Hochumsatzkunden“ plötzlich aus Ihrer Versorgung herausfallen, zieht das oft hohe Umsatzeinbrüche nach sich. Sorgen Sie also dafür, dass Sie immer „Nachwuchs“ für Ihre umsatzstärksten Patienten haben.“ Quelle: www.ppm-online.org

Nur einige Beispiel von vielen dafür, wie sich die Investoren an der Pflege bereichern. Ob jetzt an Patienten, die möglichst auch „LOHNEND und GEWINNTRÄCHTIG“ sein sollen, oder als Personal, möglichst BILLIG und WILLIG.

Medikamentöse Ruhigstellung betreuungsbedürftiger Menschen

Die viel geübte Praxis, Demenzpatienten mit Antipsychotika ruhigzustellen, wird schon lange heftig kritisiert. Zunächst waren es allein ethische Bedenken, dann kamen medizinische Gründe hinzu. Über 50 Prozent der dementen Menschen in Pflegeheimen sollen laut Recherchen mit einem Cocktail aus Neuroleptika und anderen Psychopharmaka behandelt, obwohl diese gerade bei alten Menschen schwerwiegende Nebenwirkungen haben. Die Weltgesundheitsorganisation WHO, die europäische und auch die deutsche Arzneimittelbehörde warnen vor dem unbedachten Einsatz dieser Mittel. Vergeblich.

In unserem Beitrag Organisierte Kriminalität – Demenz als Ware, die gehandelt wird – Rechtlos, ausgeliefert und abgezockt? erfahren Sie die erschütternde Wahrheit im Pflegebereich. Es bedeutet nicht, dass es überall so sein muss. Sicherlich gibt es Pflegeheime, die sorgsam mit ihren Patienten umzugehen wissen. Es gibt aber auch „Schwarze Scharfe“!

In zehn Jahren wird es 3,4 Millionen Pflegebedürftige bundesweit geben, eine Million mehr als heute. Kritiker sprechen schon heute von katastrophalen Zuständen. Und die, die an der Pflege verdienen, lassen sich immer neue Tricks einfallen, wie sie das Geschäft beleben können. Neueste Schätzungen sprechen von 3400 neuen Pflegeheimen, die bis 2025 gebaut werden.

Um auf das Thema aufmerksam zu machen, haben wir diesen Brief veröffentlicht. Es ist sehr wohl möglich, auch mit Demenz würdevoll zu leben, sofern die Rahmenbedingungen geschaffen werden. Jeden kann es treffen, den Weg des Vergessens zu betreten. Diese Geschichte sagt so viel aus. Ob es diesen Brief wirklich je gegeben hat, lässt sich nicht überprüfen, doch sicherlich könnte so mancher Mensch, der gepflegt werden muss, einen solchen Brief schreiben.

Anmerkung: Geben Sie nicht den Pflegekräften die alleinige Schuld. Denn durch Sparmaßnahmen bzw. Gewinnmaximierung bleibt ihnen meist keine andere Möglichkeit. Auch sie sind Opfer des Systems.

Einer aktuellen Studie der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) zufolge leiden knapp 60 Prozent der in Vollzeit erwerbstätigen Pflegenden unter Erschöpfungszuständen. Auch fast die Hälfte der pflegenden Angehörigen, die in Teilzeit arbeiten, fühlt sich durch die Dauerlast erschöpft.

Denkt Ihr denn so von mir, Schwestern, wenn Ihr mich seht, sagt?

Was sehen Sie, Schwester, wenn Sie mich angucken und was denken Sie? „Eine knöchrige Alte“ mit abwesenden Blick, nicht mehr ganz zurechnungsfähig, die sich nicht zu benehmen weiß und kleckert und nicht antwortet, wenn Sie mit ihrer lauten Stimme sagen, sie solle sich doch wenigstens ein bisschen Mühe geben, die nicht zu beachten scheint, was Sie machen, die mal hier einen Strumpf verliert und da einen Schuh, und die trotz aller Ermahnungen nicht mithilft, wenn sie gebadet oder gefüttert wird.

Wenn Sie das, Schwester, sehen und denken, dann liegen Sie falsch. Das bin ich nicht, die da so still sitzt, und die auf Ihr Geheiß aufsteht und isst. Machen Sie die Augen auf, ich sage Ihnen, wer ich bin:

Ich bin ein Kind von 10 mit einem Vater und einer Mutter und Brüdern und Schwestern, die einander lieben. Ein junges Mädchen von 16 mit Flügeln an den Füssen, die davon träumt, bald ihre wahre Liebe zu treffen. Eine Braut von 20,  mein Herz springt vor Freude, wenn ich an die Gelübde denke, die ich zu halten versprach. Mit 25 habe ich dann eigene Kinder, für die ich ein sicheres, glückliches Heim baue. Eine Frau von 30, meine Kinder wachsen schnell, miteinander durch treue Bande verbunden.
Mit 40 bin ich, meine Söhne sind weg, aber an meiner Seite steht mein Mann und unterstützt mich. Mit 50 habe ich wieder spielende Kinder um mich. Wir haben Enkel, mein Liebster und ich.

Dann kommen dunkle Tage, mein Mann stirbt, ich schaue mit Angst in die Zukunft, denn meine Kinder sind dabei, ihr eigenes Heim zu bauen. Ich denke an die Jahre und die Liebe, die ich erfahren habe.

Ich bin jetzt eine alte Frau, die Natur ist sehr grausam. Sie hat sich ausgedacht, Alte wie  N A R R E N  erscheinen zu lassen. Der Körper zerfällt, Anmut und Stärke schwinden, wo einst ein Herz war, ist jetzt ein Stein.

Aber in diesem alten Gerüst wohnt ein noch junges Mädchen, und hin und wieder schwillt mein geschundenes Herz.
Ich denke an die Freude zurück und den Schmerz, und ich liebe und lebe das Leben noch mal, und erinnere die Jahre, viel zu wenig und viel zu schnell vergangen und nehme die bittere Tatsache an, dass nichts bleibt.
So machen Sie die Augen auf, SCHWESTER und sehen Sie nicht eine alte kratzbürstige Frau, sehen Sie mich!!!

Diese Geschichte soll eine alte Frau geschrieben haben, die seit langem in einem Pflegeheim in Schottland lebte und von der man meinte, sie sei desorientiert. Man fand den Brief angeblich nach ihrem Tod bei ihren Sachen.

So oder ähnlich mag es auch anderen älteren Menschen gehen: Wer schaut schon hinter die „Fassade“ und interessiert sich für das, was sie einmal waren.

Viele sehen die alten Menschen als diejenigen, die sie heute sind. Für einen würdevollen Umgang im Alltag und auch in der Pflege ist es aber wichtig, den ganzen Menschen zu erkennen, und dazu gehört an erster Stelle seine Lebensgeschichte. Wir vergessen oft, dass auch diese Menschen einst jung waren.

Die Lebenserfahrung älterer Menschen und ihre Weisheit wurden in früheren Zeiten intensiv genutzt. Sei es im alten Rom oder bei den Indianern, der Rat der Alten und Weisen wurde respektiert und befolgt. Unsere Technikgläubigkeit macht uns vor, dass wir alles messen und beurteilen können und daher auf Erfahrung und Weisheit gut verzichten können. Die Ergebnisse dieser Annahme, die wir an der Entwicklung in Wirtschaft und Politik ablesen können, zeichnen ein katastrophales Bild.

Das Wissen der Älteren war früher wichtig für die Gemeinschaft – für das Überleben der ganzen Familien oder bei den Indianern  des ganzen Stammes, weshalb Alte ein hohes Ansehen besaßen. Die alten Menschen haben genauso wie die übrigen Angehörigen gelebt. Wenn sie nicht mehr in der Lage waren, sich selbst zu versorgen, übernahm dies die Familie, der Stamm oder die Sippe.

Heute können viele Angehörige sich nicht mehr um die Pflege der Älteren kümmern. Immer mehr alte Menschen landen sogar in Altersheimen jenseits der deutschen Grenze. Heute Polen und Ungarn, morgen Bulgarien oder Rumänien. Die „Alten“ werden aus Kostengründen abgeschoben. Wenn alte Menschen nicht mehr allein in ihrer Wohnung leben können, ist das Pflegeheim oft der letzte Ausweg, doch zu welchem Preis?

Ruhig gestellt und abgeschoben statt liebevoll gepflegt – so sieht der Alltag in vielen Pflegeheimen aus. Doch nicht nur die Pflegebedürftigen sind Opfer des Systems. Auch die Pfleger leiden unter der oft unmenschlichen Arbeit – viele sind sowohl körperlich als auch seelisch überlastet. Hinzu kommt die Kritik an einer viel zu geringen Bezahlung für diese anspruchsvolle Tätigkeit.

Wenn jemand sich um das Vermögen anderer Menschen kümmert, dann wird dieses „gut“ bezahlt. Hat sich jemand aber für den Beruf entschieden, sich um Menschen zu kümmern, wie eben in der Altenpflege, dann wird derjenige mit einem Hungerlohn abgespeist. Schon einmal darüber nachgedacht?

Siehe Wenig Aufwand – hoher Ertrag – dies lässt die BIG4 der Klinikbetreiber gesunden – Solche Pflege ist Folter!

Natürlich müssen sich Kosten und Leistungen decken, doch hierfür müssen andere Rechenmodelle her und das nicht auf Kosten von Menschen – sowohl auf Kosten der alten Menschen als auch auf Kosten des Pflegepersonals. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass jeder Cent zählt, aber eher auf der Habenseite des Pflegeheimes. Wie bei den Konzernen, der Gewinn ist nie ausreichend und da darf gerne noch hier und dort gespart werden, merkt ja keiner, oder doch?  Die Pflege im Akkord, wie am Fließband, doch wer pflegt die Pflege?

Wie wäre es, wenn Profit in der Gesundheitspflege und im Sozialbereich in Zukunft untersagt wird?

Dann müssten doch die Überschüsse sowohl auf das Pflegepersonal als auch auf die Pflegebedürftigen verteilt werden. So wird das Streben nach Gewinn auf Kosten von Menschen verhindert. So lag das Umsatzvolumen und Wertschöpfung in der Pflege in Deutschland im Jahr 2011 von privaten Trägern im Pflegebereich bei rund 12,63 Milliarden Euro.

Wenn ein Pflegeheim Pflegeversicherungsgeld einstreicht,  jedoch zum Beispiel nur 65 Prozent der dafür vorgesehenen Pflegeleistung ganz bewusst und mit voller Berechnung erbringt, nennt man so etwas Betrug. Bei einem Handwerksbetrieb würde man das nie akzeptieren. Aber Heimbetreiber haben wegen solcher Delikte nichts zu befürchten. So kann deshalb eine solche Praxis überhaupt praktiziert werden. Mitarbeiter und Außenstehende haben normalerweise keinen Einblick in die Kostenbilanz der Heime. Kaum ein Heim ist bereit, seine Zahlen und Fakten offen zu legen. Genau hier müsste angefangen werden, eine Überprüfung der Bilanzen.

Ein Beispiel aus der Schweiz:

Mit 3011 Ja gegen 3403 Nein haben die Aarauer Stimmberechtigten einer Umwandlung in eine gemeinnützige Aktiengesellschaft abgelehnt. Eine neue Trägerschaft erhalten sollten die städtischen Pflege- und Altersheime Golatti und Herosé sowie die Alterssiedlung Herosé. Das Aktienkapital sollte anfänglich zu 100 Prozent in der Hand der Stadt bleiben. Der Stadtrat wäre jedoch ermächtigt worden, bis zu 33 Prozent des Aktien- und Stimmrechtsanteils zu veräußern.  Die Gegner bemängelten insbesondere, dass dem Personal kein Gesamtarbeitsvertrag zugestanden werden sollte. Der Protest gegen die Privatisierung war erfolgreich:  Die Altersheime werden nicht privatisiert! http://www.argovia.ch

Und wenn dann der letzte Gang nach der Pflege angetreten wird, muss man auch hier schon mit der Privatisierung des Friedhofes rechnen. Denn auch hier ist man mittlerweile zur Ware verkommen.

Es sei denn, man wehrt sich dagegen, wie es in Ahlen der Fall war:  Das Friedhofswesen bleibt in Hand der Stadt. Die BMA ist jetzt im Betriebsausschuss mit einem Antrag gescheitert, die städtische Friedhofsbetreuung und -pflege sowie Bestattungen zu privatisieren.

In der Pflegeversicherung zeichnen sich höhere Beiträge ab. Gute Pflege könne es „nicht zum Nulltarif“ geben, sagte der ehemalige Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). Die Pflegeversicherung sollte nach seinem Willen durch eine kapitalgedeckte Säule ergänzt werden. Heute ist Daniel Bahr im Vorstand der Allianz und die Allianz wirbt jetzt mit „Beste Pflegezusatzversicherung und PflegeBahr“.

„Wenn ein alter Mensch stirbt, ist es so, als ob eine ganze Bibliothek abbrennt.“ Afrikanisches Sprichwort.

Netzfrau Doro Schreier

Mehr Informationen zu dem Thema Pflege erhalten Sie hier:  Pflege 

Blackstone und BlackRock – Stephen A. Schwarzman und Larry Fink – eine „mächtige“Männerfreundschaft besonderer Art und die Arabische Liga

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Erfahrungsbericht einer Pflegekraft

Wir fordern menschenwürdigen Umgang mit pflegebedürftigen Kranken und Pflegekräften

Kritik am Gesundheitssystem

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5 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Unbemerkter Freitod in einer Klinik!
    Am 16.05.2017 hat mein 80 jährigem Vater sich wegen schwerer Depressionen das Leben genommen. Er war Patient in der Schlossklinik Werneck. Seit 46 Jahren litt mein Vater insgesamt fünfmal an Depressionen. Vor 5 Jahren war er ebenfalls in Werneck, hat sich aber nach seinen Worten innerhalb von 2 oder 3 Wochen „herausgelogen“, weil er nicht bleiben wollte.
    Auch dieses Mal hat er den Klimikaufenthalt mehrere Wochen hinausgezögert. Sein Hausarzt meinte das könne er auch zuhause hinbekommen. Da sein Zustand trotz Medikamenten nicht besser wurde, entschloss er sich zum Aufenthalt in Werneck. Ich hatte ihm eine andere, ganzheitliche, Klinik herausgesucht, aber trotz anfänglicher Zustimmung ging er wieder nach Werneck.
    Am 16.05.2017 wurde er gegen 8 Uhr zuletzt gesehen. Die Schwester sagte sie hätten geglaubt er sei in einer Therapie. Er hat zwei Therapien versäumt bis man gegen 11 Uhr sein Verschwinden bemerkte. Man erzählte uns die Angebote seien freiwillig, und offensichtlich wird die Station nicht informiert, wenn der Patient nicht kommt. Wir sprechen hier von psychisch Kranken!!! Papa hatte mir einige Tage vorher in einem Telefonat mitgeteilt dass er die Medikamente nicht vertrug und dass es ihm eher schlechter als besser ging. Auf meine Frage warum er dies dem Arzt nicht mitteilte sagte er der sei schon weg.
    Um 11 Uhr wurde die Suchaktion eingeleitet. Gefunden wurde er erst gegen 16 Uhr auf dem Gelände der Klinik. Am Rande des Parks in einem verlassenen Gebäude. Er hat sich die Pulsadern aufgeschnitten. Suchhunde wurden eingesetzt. Warum so spät? Suchhunde sind schnell, und er war letztendlich nicht so weit weg.
    Am Donnerstag rief meine Mutter an, ob wir seine Sachen abholen können. An der Rezeption wusste die Dame von nichts! Meinem Bruder und mir wurden die Wertsachen in der von allen Seiten einsehbaren Schwesternstation, und sein Koffer in einer Abstellkammer übergeben. Würdeloser ging es nicht!
    OHNE WORTE!

    • Das ist ja eine schreckliche Geschichte. Danke dafür, dass Sie sie uns erzählt haben.

  2. es wird sich über die missstände in den sozialeinrichtungen von der kita bis zu den altersheimen beklagt,aber mit einer finanzielen und personelen aufwertung könnte man diesem zustand wirksam begegnen-es wird aber angesichts des haushaltsüberschuss über eine steuersenkung geredet,und dabei wäre die finanziele lage gerade jetzt günstig um die sozialberufe aufzuwerden-den die menschen in den sozialeinrichtungen haben ein anrecht darauf auch menschenwürdig behandelt zu werden, den bei einer ständigen unterbeschäftigung des sozialpersonals sind missstände schon vorprogrammiert-

  3. Noch was,
    unterscheidet doch bitte auch in der Gabe von Neuroleptika sehr kritisch was gehört zur medizinischen Behandlung und was ist Freiheitsentzug, das immer einer richterlichen Beschlusses bedarf!
    Inge

  4. Für Arme, Kranke und Alte haben die Politiker nur wenig Mitgefühl. Die Hilfen beschränken sich immer nur auf das Allernotwendigste. Traurig ist das – für so ein reiches Land wie Deutschland.

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