Aajibaichi Shala: Zum Lernen ist man nie zu alt – Diese mutigen Großmütter erfüllten sich einen Traum – Inside India’s Only School For Grannies

Aajibaichi Shala – Zum Lernen ist man nie zu alt. Das zeigen Omas im Alter von 60 bis 90 in dem Land, wo Millionen Menschen – überwiegend Frauen – immer noch als Analphabeten und in ärmlichsten Verhältnissen leben, in Indien. Diese mutigen Großmütter erfüllten sich einen Traum und gehen trotz hohem Alter zur Schule. Sie tragen mit stolz ihre eigene Schuluniform.

Sitabai Deshmukh ist 90 Jahre alt und die älteste Schülerin an der Schule. „Nie in meinem langen Leben hätte ich gedacht, dass ich eine Chance bekommen würde, in eine Schule zu gehen“, sagt Sitabai.

„Als ich jung war, war meine Familie arm und Mädchen hatten nicht die Chance, in die Schule zu gehen. Seit einem Jahr habe ich ein neues Leben.“ Ihre jüngste Enkelin, sie ist acht Jahre alt, begleitet Sitabai oft zur Schule. Die anderen Enkelkinder helfen ihr bei den Hausaufgaben. „Wir haben viel Spaß, wenn wir zusammen lernen“, so die Enkelin.

Aajibaichi Shala ist die erste Schule für Großmütter und sie befindet sich im Bezirk Thane, Maharashtra. Der Bundesstaat Maharashtra ist durch seine traditionelle Landwirtschaft geprägt und die Armut ist weit verbreitet. Die Mädchen und Frauen befinden sich ganz am unteren Ende der Skala von sozialem Ansehen. Die Analphabetenquote ist mit über 75 % die höchste der indischen Frauen. Die Rückständigkeit äußert sich weiter in einer sehr hohen Rate von Kinderheirat, welche bei 67 % liegt.

Und obwohl vor der Küste von Maharashtra zahlreiche Bodenschätze gewonnen werden wie Erdöl, leben die Menschen in ärmlichsten Verhältnissen. Geld für Schulbildung haben die wenigsten. Wir haben bereits oft über die Situation der Mädchen und Frauen in Indien berichtet. Nicht nur, dass Mädchen und Frauen nichts wert sind, der Bundesstaat Maharashtra erlangte weltweites Aufsehen, nachdem bekannt wurde, dass hier 254 indische Frauen aus ärmlichen Verhältnissen im Laufe einer 15-jährigen US-finanzierten klinischen Studie gestorben waren. Damals wurden  224 929 indische Frauen aus den untersten sozioökonomischen Schichten für eine US-Studie für Gebärmutterhalskrebs missbraucht. Immer wieder gerät Indien in negative Schlagzeilen, wenn es um die Töchter Indiens geht, doch es gibt auch positive Nachrichten, die Hoffnung machen. Siehe: Der Duft von Jasmin – Die Wut der indischen Frauen

Was vielen Mädchen auf Grund der Situation und Armut verwehrt bleibt, schaffen diese Frauen im Alter von 60 bis 90. Sie lernen, damit sie ihren Enkelkindern Bildung zukommen lassen können.

Es ist doch in vielen Ländern Normalität, dass Enkelkinder ihre Omas bitten, etwas vorzulesen. Doch wir können es nicht, wir durften nie eine Schule besuchen, sagten die Omas bei der Eröffnung der Aajibaichi Shala, Schule für Omas, am 8. März 2016, dem Frauentag. Seither ist fast ein Jahr vergangen und am Tag der Republik (26. Januar 2017) zogen die Omas glücklich und stolz an einen neuen Ort, mit einem großen Raum und einem Garten. Und sie taten noch etwas, sie schlossen sich lokalen Schülern an und sangen mit ihnen die Nationalhymne.

Vor einem Jahr wurden sie noch belächelt, dass sie trotz hohem Alter in eine Schule gehen, heute werden sie überall für ihr Handeln respektiert. Sie tragen einheitlich rosa Saris, lernen lesen und schreiben und ihre Enkel helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Jetzt können sie ihren Namen schreiben, noch vor einem Jahr haben sie sich dafür geschämt, dass sie nur mit einem Daumenabdruck unterschreiben konnten. Jetzt wissen sie sogar, was sie unterschreiben.

Die Omis wünschen sich mehr solcher Schulen, auch in anderen Teilen Indiens. Nicht nur so können die Träume von älteren Analphabeten erfüllt werden, sondern sie erlangen so auch ein Selbstwertgefühl.

Shital More, 30, ist die einzige Lehrerin an der Ein-Zimmer-Schule. Nachdem sie heiratete, zog sie nach Phangane und bekam das Angebot, die Großmütter zu unterrichten.

„Ich lehre sie, wie sie mit ihrem Namen unterzeichnen können, in Marathi zu lesen und multiplizieren“, erzählte More in einem Bericht von Hindustan Time. „Sie sind gehorsame und eifrige Schülerinnen. Auch meine Schwiegermutter besucht die Schule und mein Mann, Prakash More, hat das Land für den neuen Ort gespendet, sodass diese Schule sehr nahe an meinem Herzen ist.“

Satish Bate/HT Photos

Der Garten um das neue Schulzimmer hat für jede Oma einen Baum. Kantabai More, 65, hält das Zeichen, das ihre Jackfruit-Bäumchen schmücken wird. Die Schüler sind für ihren Baum verantwortlich. „Nun, da alle von uns alten Damen in der gleichen Klasse sind, haben wir eine Menge Spaß im Garten“, sagt sie. „Wir machen auch Tagesausflüge. Dilipji hat uns ein Picknick versprochen, auf das wir uns alle freuen. “

Diese Schule ist eine der ersten ihrer Art in Indien. Es ist nicht nur eine innovative Idee, sondern auch eine bedarfsorientierte Initiative für ältere Frauen, deren langfristiger Wunsch nach Bildung endlich erfüllt wird. Bildung ist das Recht jedes Einzelnen und durch eine solche Initiative wird es ihnen möglich, ihr Recht auf Bildung auszuüben.

Quelle: A school for grannies is making dreams come true in Maharashtra Jan 29, 2017

Netzfrau Doro Schreier

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