SEXISMUS

Egal ob im Fernsehen, Radio oder den Sozialen Medien: überall hat das Thema Sexismus Hochkonjunktur. Es wird gewettert und geschimpft….über Männer, Arbeitgeber, Kollegen…alle sind mittlerweile potentielle Täter.

In Wikipedia wir das Wort Sexismus so definiert: Sexismus (abgeleitet von engl. sex ‚biologisches Geschlecht‘ und Nachsilbe -ismus) ist ein Oberbegriff für eine breite Palette von Einzelphänomenen unbewusster oder bewusster Diskriminierung auf der Basis des Geschlechts. Dazu zählt unter anderem auch sexuelle Belästigung. Grundlage von Sexismus sind sozial geteilte, implizite Geschlechtertheorien bzw. Geschlechtsvorurteile, die von einem ungleichen sozialen Status von Frauen und Männern ausgehen und sich in Geschlechterstereotypen, Affekten und Verhaltensweisen zeigen.

Soweit, so gut. Bevor ich meine Meinung zu dieser Debatte schreibe, möchte ich eines im Vorfeld ganz klar sagen: Jede Art von Nötigung und/ oder Vergewaltigung unter Androhung von Gewalt (damit meine ich jede Art der Körperverletzung oder den Einsatz von Waffen) ist absolut indiskutabel und muss auf jeden Fall bestraft werden. Ebenso ist das unerlaubte Grabschen nicht tolerierbar. Beim Sexismus geht es jedoch gar nicht um diese körperlichen, teilweise brutalen Übergriffe, maximal um sexuelle Belästigung.

Nun wird diskutiert und beratschlagt, wie man dieses Sexismus-Problem in den Griff bekommen könnte. Statt dass sich alle Gedanken machen, warum es so ist, wie es scheinbar ist, schließen sich immer mehr Frauen solchen Aufrufen wie „Me too“ an, um kund zu tun, dass auch sie mal Ähnliches erlebt haben. Warum eigentlich? Warum ist es mir wichtig, dass andere, mir fremde Menschen erfahren, dass ich etwas in dieser Richtung erlebt habe?

Nun, wie könnte man das „Problem“ in den Griff bekommen? Ich glaube, dass man schon viel früher ansetzen muss, damit es erst gar nicht zu solchen Situationen kommt. Als Eltern eines Kindes sollte es einem wichtig sein, dass man ein Kind mit einem gesunden Selbstbewusstsein aufwachsen lässt. Einem Kind auch zugestehen, dass es die „doofe Tante Erika“ nicht küssen muss, wenn es das nicht möchte. Es ist ein Unding, wenn ein Kind schon im Kleinkindalter von seinen Eltern dazu genötigt wird, gegen seinen Willen körperliche Nähe zulassen zu müssen (weil die liebe Tante doch immer so tolle Geschenke mitbringt). Und wenn es sich dagegen sträubt, tuschelt man in der Verwandschaft, was das nur für ein ungezogenes Kind sei. Also „lieb ist die kleine Leonie nun wirklich nicht…sie gibt nicht mal Opa Heinz einen Kuss auf den Mund! Die Eltern müssen wirklich noch arbeiten an ihrem Erziehungsstil! – Fazit: auch wenn wir uns nicht wohl fühlen, wenn wir körperliche Nähe zulassen, es gibt Situationen, das MUSS man das wohl erdulden um andere nicht zu enttäuschen.

Was gibt es sonst noch für interessante Dinge im Kleinkindalter? Warum hört ein Mädchen im Kindergarten von den Erzieherinnen, dass sie ja heute wieder sehr hübsch ist. Klar geht das runter wie Öl bei einem kleinen Mädchen! Aber warum bekommt ein kleiner Junge nicht auch solche Komplimente?  Wie oft hört man, dass zu einem Jungen gesagt wird: „Du siehst heute aber wieder toll aus!“?? Vielleicht hört man mal:“ Du hast aber eine coole Jacke an!“– wir sehen, das Kompliment gilt der Jacke, aber nicht dem Jungen! Wann bekommt ein Junge Komplimente? Richtig, wenn er die Kiste mit den Bauklötzen ganz allein angeschleppt hat: „Toll, du bist aber stark“- oder wenn er sich getraut hat, eine Spinne zu verscheuchen, hört er vielleicht: „Toll, du bist aber mutig!“ Und dann gibt es noch den Jungen, der viel weiß und erklären kann – der hört dann: „Toll, du bist aber schlau!“

Was sagt uns das? Jungen müssen körperliche Arbeit verrichten oder schlau sein und Mädchen müssen einfach nur schön sein, um ein Kompliment zu bekommen. Seltsam, oder? Und dieses Phänomen kann man über mehrere Jahre der Kindheit beobachten.

Machen wir nun einen Sprung zur beginnenden Pubertät. Das Thema Schönheit wird bei den Mädels nach wie vor großgeschrieben. Jungs widmen sich vielleicht Computerspielen oder wenn man Glück hat, dann betätigen sie sich sportlich. Auch da wird Lob wieder nur in Zusammenhang mit besonderen Leistungen ausgesprochen. Und die kleinen „Damen“? Da sie es von klein auf gewohnt sind, dass man Beachtung durch Schönheit erlangt, werden DM, H&M und wie all die Läden heißen, ihr zweites Zuhause. Schminke muss her und Klamotten müssen her. In unzähligen YouTube -Tutorials lernt die „kleine Frau“, wie man sich richtig schminkt und welches Outfit gerade angesagt ist. Was genau heißt denn „angesagt“? Bekleidung, die wärmt und oder bequem ist,  oder Bekleidung, mit der man Blicke auf sich zieht? Und wessen Blicke möchte man denn auf sich ziehen? Richtig, nicht die Blicke der Kassiererin vom Lidl, sondern: die Blicke der Jungs aus den höheren Jahrgangsstufen (die gleichaltrigen Jungs sind ja total blöde).

Glücklicherweise gibt es schon push-up-BHs mittlerweile von einigen Herstellern ab Größe 146/152 (für alle kinderlosen Leser: das sind Kinder-Konfektionsgrößen und entsprechen der Körpergröße), somit kann sich schon eine 11-jährige ein Dekolleté zaubern, bei dem jede 20-jährige vor Neid erblassen kann. Der 20-jährigen reicht dieser BH irgendwann nicht mehr, da er doch nicht sooooo viel mehr aus dem zaubert, was Männer toll finden. Auch dafür gibt es eine Lösung bei YouTube: Dekolleté Contouring! Als ich meinem 29-jährigen Sohn davon erzählte, fragte er: „Was soll das denn sein?“ Ich war schon etwas stolz, dass ich ihn als fast 50-jährige Frau darüber aufklären konnte. Es ist ganz einfach: Man schminkt sich mit verschiedenen Farbtönen ein mörderisches Dekolleté! Wer es nicht glaubt, der schaut selbst unter diesem Begriff nach. Optisch wird dann aus einem 75C-Dekolleté ein 75-Doppel-D! In erster Linie ist es sowieso nur wichtig, dass dieser Fake auf Bildern dann seine Wirkung zeigt.

Aber nun zurück zum Thema: die gepushte, geschminkte und contourte 20-jährige muss nun Selfies von sich anfertigen. Selfies sind Fotos, die man von sich selbst ohne fremde Hilfe anfertigt. Ich spreche jetzt von den typischen Selfies: das Handy wird weit nach oben gehalten, es wird ein Schmollmund gemacht, die Augen weit geöffnet und zusätzlich muss aber auch das Innere des Ausschnitts teilweise zu sehen sein (was natürlich nicht schwer ist, wenn man von oben auf sich herab fotografiert). Normalerweise gibt es da richtig viele Likes….vor allen von Männern.

Und nun bitte ich Euch einen Moment, in Euch zu gehen und Euch dieses von mir beschriebene Selfie mal bildlich vorzustellen……..

Jetzt meine Frage an alle: WANN genau sieht man eine Frau aus dieser Perspektive? Richtig: wenn sie vor einem kniet! Und daher wäre meine nächste Frage: Ist das diesen „Selfie-Tanten“ bewusst und wenn ja: warum möchten sie dem Betrachter ihres Bildes das Gefühl geben, dass sie vor ihm knien?

Sorry, meine Damen: wenn ich erwarte, dass Männer mit mir auf Augenhöhe kommunizieren, dann mache ich mich nicht klein vor ihnen: Warum tut ihr das?

Warum seid ihr empört, wenn euch jemand in den Ausschnitt oder auf den Hintern „glotzt“, wobei ihr beides so verpackt habt, dass es dazu animiert hinzugucken? Mir braucht wirklich keine Frau erzählen, dass sie nicht möchte, dass man ihr auf den Busen starrt, wenn sie ein Oberteil gewählt hat, dessen Ausschnitt bis zum Solarplexus reicht. Und genauso braucht mir keine Frau erzählen, dass sie es als unangenehm empfindet, wenn ihr Männer auf die Beine starren, die dank Minirock sichtbar sind. Absoluter Schwachsinn: Keine Frau schaut sich selbst stundenlang in den eigenen Ausschnitt oder auf die Beine. Genauso wenig glaube ich, dass sich Frauen die Brüste „nur für sich“ vergrößern. Oder sitzen diese Damen abends auf der Couch und haben in jeder Hand eine ihrer Silikonbrüsten und säuseln: „es ist so schön, mit euch beiden jetzt fernzusehen…jetzt habt ihr auch mehr davon!“ 

Und ich färbe mir auch keine pinke, blaue oder grüne Haarsträhnchen “nur für mich“, denn selbst sehe diese Strähne doch nur im Spiegel. Nein, ich tue es um aufzufallen…mich abzuheben von der Masse. Das verurteile ich  gar nicht. Ich verurteile, dass Frauen nicht dazu stehen, dass es ihnen bewusst ist, dass sie mit unterschiedlichen Dingen Blicke auf sich ziehen.

Und um jetzt wieder auf das leidige Thema Sexismus zurückzukommen: Wenn eine Frau sich so präsentiert, dass sie männliche Blicke auf sich zieht, dann muss sie es meiner Meinung nach in Kauf nehmen, dass auch „geglotzt“ wird. Und genau da ist der Knackpunkt: Schaut uns ein Mann, den wir selbst attraktiv und sympathisch finden, in den Ausschnitt, dann empfinden wir dies vermutlich als schmeichelhaft (der Plan mit dem tiefen Dekolleté ist aufgegangen, yes!). Den selben Blick jedoch von einem Mann, den wir als total unsympathisch oder gar schmierig einordnen, bewerten wir als unverschämt, aufdringlich und taktlos. Arme Männerwelt, würde ich da mal sagen! Wenn ihr uns gefallt, dann dürft ihr gucken und auch Komplimente machen. Finden wir euch jedoch nicht attraktiv, dann solltet ihr es besser nicht wagen zu glotzen, geschweige denn uns anzuquatschen. Es könnte sonst passieren, dass wir euch als Perversling oder Lustmolch einordnen.

Und meine Meinung zu den ganzen Anschuldigungen die man aus Hollywood hört: absolut kein Verständnis für die Damen. Wenn ich damals mit einem Produzent ins Bett gegangen bin, weil mir diese eine Rolle so wichtig war…tja, dann hab ich mich eben zur Nutte gemacht. Und das dann Jahrzehnte später zu thematisieren, finde ich einfach nur peinlich! Warum fragt eigentlich nie ein Journalist eine dieser Damen, warum sie die Aufforderung nicht abgelehnt haben? Ihnen wurde doch kein Messer an die Kehle gehalten. Nein…sie waren scharf auf die Rolle – Punkt! Ich betrachte das einfach als „hochschlafen“ und es hat nichts mit Sexismus zu tun. JEDE Frau hat die Möglichkeit, ein unmoralisches Angebot auszuschlagen. Es gibt nicht nur Täter und Opfer: Man muss sich auch zum Opfer machen lassen…und diese Entscheidung fällt Frau ganz allein bei solchen Konstellationen. Meine liebe Mama sagte schon immer: Nur ein kniendes Kamel kann man beladen!

Und deshalb glaube ich: Wenn ich in einem familiären Umfeld aufgewachsen bin, in dem es meinen Eltern wichtig war, dass ich ein gesundes Selbstbewusstsein entwickle, dann kann ich auch später mit schrägen oder zotigen Anmach-Sprüchen besser umgehen und kontern….weil ich weiß, dass ich mehr Wert habe als ein Push-up-BH oder künstliche Fingernägel.

Was ich jedoch als sehr beängstigend empfinde: Frauen gewinnen durch diese ganze Sexiusmus-Debatte so viel Macht, die leider sehr missbraucht werden kann. Mein Gefühl ist, dass jeder Frau, die sich hinstellt und behauptet, dass sie sexuell belästigt worden ist, pauschal erst mal geglaubt wird…auch wenn es schon Wochen oder Monate her ist. Beweise benötigt „Frau“ nicht für solch eine Behauptung. Oder nehmen wir mal die ganz abgezockten Frauen (und ich glaube, dass es davon einige gibt): Aus welchen Gründen auch immer hat man sich auf ein „Schäferstündchen“ mit wem auch immer eingelassen…leider war es im Endeffekt dann doch nicht soooooo prickelnd, wie man es erhofft oder erwartet hat! Es ist scheinbar kein Problem, anschließend daraus eine Nötigung oder gar Vergewaltigung zu machen. Vielleicht in der Hoffnung, dass man wieder in den Spiegel schauen kann und sich nicht eingestehen muss, dass man naiv war und sich selbst als Objekt angeboten hat. Wo auch immer…auf der Straße, im Café, bei der Arbeit oder bei Facebook, Instagram, Pinterest oder YouTube

Unser tägliches Miteinander besteht aus Aktion und Reaktion. Bitte, liebe Damenwelt: Männer sind keine Neandertaler, die sabbernd und lechzend allen Frauen hinterher schleichen, Zoten zuflüstern und sie anfassen. Je nachdem, welche Art von Signalen eine Frau aussendet (Aktion), danach richtet sich die Handlungsweise der Herren (Reaktion).

Ein reger Meinungsaustausch ist gewünscht…liebe Leserinnen und Leser 🙂

Beitragsfoto: canva.com

Diana Schneider für die Netzfrauen

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11 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Digitale Gewalt gegen Frauen ist weiterverbreitet und hat schwerwiegende Folgen! – Netzberichte

  2. Mich persönlich macht das alles sehr traurig, da wir genau an diesem Verhalten sehen, welch eine tiefe Leere, fast in einem jeden von uns, steckt.
    Wir versuchen und tun alles mögliche um beliebt, begehrt, gewollt, heute würde man sagen, um “ geliked “ zu werden.
    Und so sind nun mal Miniröcke, Push Ups, tiefe Dekolletes, hautenge Kleidung im Allgemeinen, usw.usw. ein alltägliches Schauspiel geworden, das schon von ganz jungen Mädchen in unheimlicher Perfektion vorgeführt wird. Der “ schöne “ Schein ist alles was zählt, das bekommen wir tagtäglich vorgelebt.
    Und mal ehrlich…wen hätten wir lieber neben uns in der U Bahn sitzen? Einen wunderschön anzusehenden Menschen der gut duftet, oder jemanden der auf der Suche nach einem warmen Plätzchen ist, weil er die Nacht im Freien verbringen musste?
    Ist uns das Herz des Menschen wichtig in diesem Moment? Seine Gedanken, seine Moralvorstellung? Ich glaube nicht…nicht in diesem Moment.
    Und ich denke dass genau das, unter so viel anderem, auch die Ursache ist, dass Frauen sich im wahrsten Sinne des Wortes “ prostituieren „, zur Schau stellen, sich als Sexualobjekt “ verkleiden „, obwohl sie zuhause am liebsten in Jogginghose und T-Shirt herumlaufen und eine Traurigkeit verspüren die sie sich nicht erklären können.
    Wir sind gepolt worden zu gefallen, und wenn nicht schon die “ Schlauesten “ , dann wenigstens die “ Schönsten, Begehrenswertesten, Beliebtesten “ zu sein. Dann scheint unser “ da sein “ einen Sinn zu ergeben, auch wenn es nur für einen Augenblick ist.

    All diese Menschen, ob Frauen oder Männer spielt keine Rolle, waren Kinder die Verhaltensweisen vorgelebt bekommen haben, geprägt worden sind von ihrer Umwelt, erzogen wurden ( nicht nur von ihren Eltern, sondern von all den Umständen denen sie ausgesetzt waren ). Natürlich kann man jetzt sagen: „Aber die Entscheidung treffen schlussendlich sie alleine!“ , aber ich glaube dass das zu einfach ist, und eigentlich, ein sehr hartherziges Urteil.
    Haben wir uns schon einmal gefragt warum wir uns eigentlich ein Urteil erlauben, ohne das Herz eines Menschen zu kennen? Wissen wir was in dieser Frau vor sich geht, oder sind wir einfach nur blitzschnell wenn es um das Verurteilen der Menschen geht?
    Eigentlich sollte uns diese Leere in den Menschen traurig machen…und wird könnten lernen ein wenig liebevoller mit unserem Nächsten umzugehen, hinter die Schminke zu sehen, das Mädchen, das in dieser Frau steckt kennenzulernen, die, z.B. dieses Selfie von sich schickt.
    Der eine versucht mit seiner Karriere diese Leere zu füllen, der andere mit dem täglichen Gang ins Fitnessstudio um seine Muskeln zu stählen, die nächste Person mit Freizügigkeit, um alle Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, und dann gibt es wieder das Kind das großes Lob für die Eins bekommt, aber dessen Liebe zu kleinen Käfern wird schnellstmöglich aus dem Kopf des Kindes “ vertrieben “ ( nur als ein Beispiel, von so vielen ).
    Und da beginnt der ganze Kreislauf…vielleicht setzen wir alle einfach falsche Maßstäbe…und die Konsequenz sind dann traurige, leere Menschen, die versuchen mit Äußerlichkeiten das bisschen Liebe zu erhaschen, die kurze Aufmerksamkeit zu bekommen, nach der sie sich sehnen.

    Ein langes Kommentar, ich weiß…aber ich glaube einfach, dass wir uns alle an der eigenen Nase nehmen müssen, um zu gucken wo wir selbst eigentlich stehen… und dann Barmherzigkeit üben sollten, eine Eigenschaft, die vielleicht in unserer Welt nicht mehr so “ modern und hip “ ist. Vielleicht entdecken wir hinter all der glänzenden Fassade, einen Menschen der sich nach wahrer Liebe sehnt…

  3. Die Frau, oder das Weibliche, ist das größte und höchste auf dieser Welt. Ohne sie keine Weltbevölkerung. Auch das Männliche verdankt der Frau sein Dasein. Ersteht unter ihr. Was er bis heute nicht verkraften kann. Deshalb die ganzen Erniedrigungen von Seiten des Männlichen in Wort und Tat. Frauen ihr braucht euch der Männer wegen nicht verbiegen. Sie laufen immer der Mutter hinterher.
    Männer müssen endlich erwachsen werden und ihrer Aufgabe die das Leben an sie stellt erfüllen. Damit sie ernstgenommen werden können. Sie führen bis heute doch nur Befehle aus. Ohne Vorgaben sind sie hilflos. Die Frau kennen ihre Aufgabe des Lebens, sind deshalb von der Wirtschaft nicht so zu gebrauchen.

    • @Jutta Lingos
      Alle Achtung! Soviel Selbstüberschätzung wie im ersten Satz Ihres Beitrages ist wohl kaum zu überbieten. Kein Wunder, dass nichts weitergeht mit der Gleichberechtigung. Wenn Sie das Problem mit dieser Einstellung angehen, dann werden Sie wohl Schiffbruch erleiden. Oder haben Sie je von einem Mann die Aussage gehört, dass es ohne seine Rippe keine Frau geben würde?
      Und zu Ihrem letzten Absatz: Würden Sie bitte einmal kurz die „Aufgabe des Lebens“ für jedes Geschlecht schildern, damit diese offenbar unfähigen Männer einmal wissen worum es eigentlich geht?

  4. Dieser Artikel, liebe Diana Schneider, tut weh!

    Ihr Beitrag erscheint mir sehr gefährlich: in seiner Aussage, dass Frauen selber schuld sind, wenn sie sexualisierte Übergriffe erleiden müssen und auch in der Rechtfertigung, dass Frauen sexualisierte Übergriffe provozieren.
    Ich wurde als Kind von meinem Vater missbraucht, seit ich 4 Jahre alt war. Er nannte mich Nutte und Flittchen. Zuvor hatte er (ich war ca. 2,5 Jahre alt) versucht, tot zu schlagen.
    Mit 13 wurde ich von einem in D stationierten Soldaten zu oralem Sex gezwungen und gedemütigt. Die Jahre darauf wurde ich von Männern vergewaltigt, verfolgt, verleumdet, geschlagen und sozial ausgegrenzt.
    Ich war eine sehr hübsche junge Frau, die es nicht nötig hatte, sich besonders zu schminken, zu kleiden oder sonst irgendwie in den Vordergrund zu spielen. Ich hasste im Vordergrund zu stehen und war stets darauf bedacht, ganz weit hinten zu sein und nicht aufzufallen. Leider aber fiel ich immer auf. Ich ging in den inneren Protest, isolierte mich, verbrachte den Hauptteil meiner Jugendzeit im Wald und schlief dort sogar hin und wieder.
    In der Schule wurde ich bis zum Abitur gemobbt – zumeist von Frauen. Im Studium wurde ich ebenfalls gemobbt – auch von Frauen. Ich wurde über 30 Jahre lang von einem früheren Mitschüler gestalkt bis ich ihm per Einschreiben klar machte, dass ich seine Besuche und Anrufe nicht wünsche. Aber selbst dann noch versuchte er über einen Bekannten zu erfahren, wo ich war und was ich so tue. Es hörte nicht auf.
    Wenn ich mich einer Frau anvertraute über meine Erfahrungen mit dem männlichen Geschlecht und Hilfe suchte, erhielt ich die Antwort: „Du bist doch selbst schuld, wenn Du belästigt wirst.“ Mir wurde vor allem vorgeworfen, ich kleide mich zu aufreizend.
    Aufreizend? Was ist aufreizend an einer stink normalen Jeans oder Cordhose und einem braunen Parker, der wie ein Zelt geschnitten war? Das war meine Alltagskleidung für Wald und Flur und Schule und zum Ausgehen.
    Was ist aufreizend an dicken Strumpfhosen, doppelschichtiger Unterwäsche im Winter, dicken Schals und übergroßen Pullovern? Was ist aufreizend an Schlabber-T-Shirts und abgewetzten Jeans (nein, nicht die Designer-Teile, die gab es damals noch nicht …)?
    Ich war 170 cm groß, sehr schlank, einen Minibusen, schlichtes langes glattes braunes Haar und ein hübsches Gesicht. Das war alles. Ist das aufreizend?
    Ich ging in die soziale Isolation, zog mich komplett zurück, arbeitete viel und ging nur selten aus. Ich wollte kein Opfer mehr sein und hoffte darauf schnell älter und unattraktiver zu werden. Ich glaubte fest daran, dass, wenn ich einmal die 50 Jahre überschritten habe, dass alles endlich aufhört.
    Aber weit gefehlt! Selbst mir 50 Jahren wurde ich immer wieder belästigt, gestalkt. Ich habe meine Telefonnummer und meine E-Mailadressen geändert, ich habe mich noch mehr zurückgezogen. Meine Gesellschaft ist ein dicker schwarzer Kater. Dennoch, werde ich immer noch von Männern behelligt – sei es im Vorgarten beim Unkraut jäten angesprochen, dass ich gut aussehe, ob ich einen Freund habe etc. etc, sei es durch einen unlängst verwitweten entfernten Nachbarn, der sich für unwiderstehlich hält und meint, es gäbe nichts schöneres für mich, mit ihm auszugehen, auch wenn ich ihm glasklar sage: Ich will nicht.
    Ich bin nun fast 62 Jahre alt und es hört nicht auf.
    Ich muss lügen, einen Lebenspartner erfinden, mich unsichtbar machen.
    Nein, ich kleide mich nicht aufreizend, tragen keinen Push-up-BH, färbe mir nicht die Haare oder habe auch keine tolle Frisur.
    Nein, ich lege es nicht darauf an, von jemanden bewundert zu werden. Das brauche ich nicht.
    Ich wünsche mir, in Ruhe gelassen zu werden, nicht sexuell attraktiv zu sein. Ich möchte einfach nur ein Mensch sein – weder Frau noch Mann. Ich möchte gleichberechtigt in unserer Gesellschaft leben, ohne von Männern gezwungen zu werden, mich zu verstecken und ohne von Frauen zu hören, dass ich selbst schuld bin, wenn ich belästigt werde. Ich möchte die letzten 20 Jahre, die ich vielleicht noch lebe, endlich angstfrei nach draußen gehen dürfen , tief durchatmen und mich des Lebens freuen dürfen!

    Dieser Artikel, liebe Diana Schneider, diese Worte einer Frau tun sehr, sehr weh!

    • @Barbara Maria: Es ist erschütternd was Sie hier berichten, und trotzdem kommt mir das (etwas abgeschwächt) sehr bekannt vor. Meine Partnerin wurde als Kind mit Gewalt in der eigenen Familie konfrontiert (der Vater wollte sie missbrauchen, wurde zwar verurteilt, doch die Geldstrafe von ca 200 Euro war lächerlich gering), mit 15 Jahren wurde sie vergewaltigt, ab etwa 35 Jahren begann das Mobbing im Beruf, welches in diverse Gerichtsverfahren mündete und stets mit Freisprüchen für den Täter endete.
      Mittlerweile rächte sich die Kindheit bitterlich und all die Erlebnisse im Elternhaus manifestieren sich in Angst- und Panikattacken sowie unregelmäßig auftretenden Flashbacks, welche immer mit Suizidgedanken verbunden sind. Sie ist inzwischen fast ein Schatten ihrer selbst, kann keinen Beruf mehr ausüben und verzweifelt am Leben. Lediglich meiner Aufopferung ist es zu verdanken, dass sie noch einen Lebenswillen hat. Auch sie war (und ist noch immer) eine sehr attraktive Frau, kleidete sich weder aufreizend, noch „forderte“ sie die Männer zu irgendwelchen Handlungen heraus.
      Sie wurde (zwar nicht sexuell) andauernd belästigt, immer wieder aufgefordert, sich doch endlich zu „outen“, Details über ihr Privatleben bekanntzugeben, etc. Danach setzte Mobbing und Bossing ein. Sie versuchte sich zu wehren – Ergebnis: siehe oben.
      Auch in ihrem Fall waren es überwiegend Frauen, deren Angriffe sich großteils mit „Stutenbissigkeit“ und ähnlichen Begriffen erklären lassen. Meistens waren es dümmliche „Tussies“, mit niederer oder kaum vorhandener Bildung, die ihr Leben nach den täglichen Seifenopern einrichteten, statt einmal ein Buch zur Hand zu nehmen. Die Männer konnten den beruflichen Erfolg nicht verkraften, gab es doch plötzlich jemanden aus dem anderen Geschlecht, dem sie nicht (mehr) das Wasser reichen konnten. Die Vorgesetzten stellten sich als hilflos oder/und unterstützend dar. Irgendwann ist dann die Kraft zu Ende und das war auch bei meiner Partnerin so.

      Mich würde in diesem Zusammenhang interessieren, warum Sie offenbar gar nichts (außer einmal ein Schreiben zu verfassen) unternommen haben, damit zumindest die Stalkerei ein Ende findet. Ich weiß schon, früher war es gerade umgekehrt, da wurde dem Täter mehr geglaubt aus dem Opfer, doch 30 Jahre sind eine unendlich lange Zeit im Leben eines Menschen. Haben Sie nie einen Partner gesucht bzw gefunden? Es gibt auch in unserer Zeit genug Menschen mit Vertrauen und Bereitschaft zur Hilfe und Unterstützung. Viele Menschen lösen ihre Konflikte (egal ob außen oder innen) erst mithilfe der Unterstützung eines anderen Menschen und erlangen so neue Lebensqualität.

      Ohne jetzt zu einer bestimmten „Seite“ „halten“ zu wollen: Ich verstehe sehr wohl, dass der Artikel von Frau Schneider schmerzt, doch beim Sexismus bzw damit verbundener Werbung geht es wirklich um abgeschwächtere Formen von Belästigungen und Übergriffen. Ihr Schicksal ist ein besonders hartes, jedoch darf man es sicher nicht auf den Rest Ihres Geschlechtes hochrechnen. Andererseits sind die im Artikel beschriebenen Beispiele bei objektiver Betrachtung durchaus zutreffend. Kinder und Jugendliche werden in unserer Zeit schon dahingehend „erzogen“ sich in eine Richtung zu entwickeln, die sie Jahre später wahrscheinlich zutiefst verachten werden. Ob jetzt Familie, Schule, (a)soziale Medien daran Schuld sind, muss man gesondert beurteilen. Jeder dieser Bereiche trägt wahrscheinlich seinen Teil dazu bei.

      Als „gefährlich“ würde ich den Beitrag nicht bezeichnen, eher der heutigen Zeit angemessen. Bei der aktuellen Darstellungswut der Menschen jeder Altersgruppe ist selbst der Ausdruck „sich zu prostituieren“ mehr als zutreffend. Hier sind vor allem die (a)sozialen Medien in die Pflicht zu nehmen, denn ohne diese wäre es bestimmt nicht so weit gekommen. Oder würde sich jemand auf die Straße stellen, hunderte Personen zusammentrommeln und bitten von sich ein Foto zu machen, um danach zu behaupten, dass plötzlich alle seine Freunde wären? Bei Facebook & Co passiert dies sekündlich…

  5. Barbara , Sie haben der Artikel nicht verstanden, lesen Sie es noch einmal bitte. Es geht um Sexismus.

    „Beim Sexismus geht es jedoch gar nicht um diese körperlichen, teilweise brutalen Übergriffe, maximal um sexuelle Belästigung.“

    • @Hardy, den Artikel habe ich sehr wohl verstanden. Allein Aussage bzw. das Fazit der Autorin „Warum seid ihr empört, wenn euch jemand in den Ausschnitt oder auf den Hintern „glotzt“, wobei ihr beides so verpackt habt, dass es dazu animiert hinzugucken? „(Zitatende) ist genau das, was mich empört. Egal, ob „Glotzen“ in den Ausschnitt oder Begrabschen von Frauen – alles ist ein Ausdruck unserer patriarchalisch geordneten Gesellschaft. Oder haben Sie schon erlebt, dass Frauen Männer begrabschen oder (nur als Beispiel) ganz ungeniert auf den Penis starren? So etwas mag vorkommen, ist aber kaum die Regel.
      Sexismus ist die Diskriminierung eines Menschen aufgrund seines Geschlechts. Dies mag überwiegend verbal erfolgen. So ist Sexismus dennoch genau das, was sexualisierte Gewalt bedingt und begleitet.
      Dass ein Mensch sagt, dass eine Frau selbst schuld ist, wenn sexistisches Verhalten gegenüber ihr gezeigt wird – oder anders gesagt, dass sie Sexismus selbst provoziert, unterstützt Sexismus anstatt ihn zu bekämpfen.
      Die Opfer von sexistischen Übergriffen sind überwiegend Frauen. Sexismus ist eine Form der Gewalt und von Sexismus zur körperlichen Gewalt ist nur ein kurzer Weg, denn ohne eine gesellschaftliche Akzeptanz, dass Männer Frauen ungeniert anglotzen, begrabschen oder verbal belästigen dürfen, wäre die Respektschwelle gegenüber Frauen weit höher angesetzt, was wiederum auch sexualisierte Gewalt gegenüber Frauen minimieren dürfte.
      Wenn ein Mensch den anderen respektiert und als Mensch achtet, ist die Hemmschwelle, den oder die Gegenüber zu belästigen, zu demütigen oder in welcher Weise auch immer zu schädigen größer, auch wenn die Attraktivität (ob künstlich erzeugt oder nicht) einer Frau noch so groß sein mag.
      Schuld ist und bleibt der oder die Täter*in und nicht das Opfer.

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