An Rosen aus Äthiopien für Europa klebt Blut!

Fragen Sie beim Blumenkauf, woher Ihre Rosen kommen? Schon jetzt können in Äthiopien 7,8 Millionen Menschen nur dank Nahrungsmittelhilfe überleben. Seit 2015 sind in Äthiopien fast eine Million Menschen vertrieben worden, Tausende, meist junge Menschen wurden erschossen. Auf der anderen Seite ist Äthiopien der zweitgrößte Blumenexporteur in Afrika nach Kenia. Können Rosen aus Äthiopien Fairtrade sein, zumal die Rosenfabrikanten aus Holland kommen und Menschen von ihrem Land vertrieben werden?

Millionen Rosen werden jedes Jahr aus Äthiopien nach Europa geflogen,  damit wir sie zum Valentins- oder Muttertag, zu Geburtstagen oder einfach auch mal so verschenken können. Die Rosen finden sich auch in deutschen Discountern.

Ihre Rosen benötigen 45-60 Tage, dann können sie geerntet werden. Danach werden sie zu einem Gebäude transportiert, wo sie mindestens 4 Stunden zum Kühlen gelagert werden. Als nächstes werden sie sortiert und gebündelt und wieder für mindestens 12 Stunden in einen Raum mit einer Temperatur von  2 ° C gestellt. Danach werden sie verpackt und von der Rosenfarm  zum Flughafen nach Addis Ababa transportiert, natürlich in einem Kühlwagen.

Wir haben bereits mehrere Beiträge über Blumen aus Afrika geschrieben und auf die dortigen Verhältnisse hingewiesen. Die Blumenindustrie ist eine globalisierte Industrie. Sie verlagert sich zunehmend in Länder, die klimatisch und preislich die günstigsten Verhältnisse bieten.

Wenn Blumen sprechen könnten, dann würden sie von miserablen Arbeitsbedingungen, Hungerlöhnen, Gesundheitsrisiken und ökologischem Desaster in der Blumenindustrie Afrikas berichten.  Deutschland ist der größte Markt für Schnittblumen innerhalb der EU.

Können Rosen aus Äthiopien Fairtrade sein, zumal die Rosenfabrikanten aus Holland kommen und Menschen von ihrem Land vertrieben werden ?

Für die Oromo ist der Kampf um die Rosen ein Überlebenskampf. Denn immer neue Rosenplantagen werden auf ihrem traditionellen Land in der Nähe des Flughafens der Hauptstadt Addis Abeba angelegt.

Seit 2015 sind in Äthiopien fast eine Million Menschen wegen eines Konflikts zwischen zwei Volksgruppen vertrieben worden. Allein im vergangenen Jahr hätten 700 000 Menschen ihre Häuser verlassen müssen, heißt es in einem aktuellen Bericht des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA). Und genau in diesem Gebiet ist der Rosenbau für Europa. Für die Oromo ist der Kampf um die Rosen ein Überlebenskampf. Denn immer neue Rosenplantagen werden auf ihrem traditionellen Land angebaut. Die äthiopische Regierung interessiert es nicht, dass es Oromo-Land ist, auf dem diese als Kleinbauern leben und arbeiten. Wer bleibt, muss nun als schlecht bezahlter Landarbeiter arbeiten.

  • Die Blumenfarm des niederländischen Rosenfabrikanten Linssen befindet sich seit 2004 im Hochland Äthiopiens auf 2100 Metern in Addis Alem, am Fuße des Bergs Entoto. In den dort angesiedelten Gewächshäusern werden auf 50 Hektar 14 verschiedene Sorten Rosen nach Fairtrade-Standards angebaut. Auch ein umweltschonender Anbau spielt dabei eine wichtige Rolle. Pflückfrisch werden die Rosen direkt nach der Ernte zum 70 km entfernten Flughafen transportiert und anschließend per Flugzeug nach Europa geflogen, so auf der Seite .fairtrade-code.de
  • AFRIFLORA SHER ist der größter Rosenzuchtbetrieb der Wellt. Die von Afriflora Sher angebotenen Rosen werden im Zuchtbetrieb Sher Ethiopië gezüchtet. Dort werden viele Rosenarten in stählernen Gewächshäusern mit einer Kunststoffdecke unter natürlichen Umständen gezüchtet. Im Bereich Umwelt tut Afriflora alles, um die natürlichen Bedingungen bestmöglich zu nutzen, schreibt das in Aalsmeer, Niederlande, ansässige Unternehmen. In Aalsmeer sollen laut eigener Aussage täglich 3 bis 4 Millionen Rosen verarbeitet werden. Nach der Verarbeitung werden die Rosen an der Auktionsuhr verkauft oder sie gelangen per “Direktverkauf“ sofort zum Kunden.

https://afriflora.nl/de/#

Fairtrade und nachhaltig?

Bereits 2016 berichteten wir von Rosen, die der Aldi-Markt wegen angeblich ablaufendem Haltbarkeitsdatum verschenkte. Sie kamen zum Teil von der Sher Ethiopia Blumenfarm. Ethiopia ist einer der weltweit größten Rosenproduzenten und gehört zur familiengeführten SHER Holding mit Sitz in den Niederlanden.

https://www.my-mps.com/de/zertifikate/zertifizierte-unternehmen

Für die Oromo sind die Blumen der Liebe eher Blumen des Leids. Die Oromo werden von ihrem Land vertrieben, damit dort Rosen und andere Pflanzen angebaut werden können. Wer gegen die Vertreibung protestiert, riskiert sein Leben. Werden sie verhaftet, landen sie im berüchtigtem Maekelawi-Gefängnis und werden gefoltert. Sollte sich jemand weigern, diese Menschen zu foltern, wird dieser beschuldigt, ein Kollaborateur der Opposition zu sein, inhaftiert und dann selbst gefoltert.

„Sie fesselten meine Hände und hängten mich mit Nägeln an die Wand und schlugen mich mit Elektrokabeln auf meine Beine und auf meinen Rücken“, erklärte ein aus Äthiopien Geflüchteter IRIN und kämpfte mit Tränen. „Ich konnte drei Monate nicht gehen“, fügte er hinzu.

Fliehen sie ins benachbarte Kenia, erwartet sie dort ein weiteres Leid. Die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch hat viele „Geständnisse“ von kenianischen Polizeibeamten dokumentiert, in denen sie zugeben, von der äthiopischen Botschaft Bestechungsgelder angeboten bekommen zu haben, um Oromo-Flüchtlinge zu verhaften und einzuschüchtern.

Seit November 2015 starben bei der blutigen Niederschlagung verzweifelter Proteste von Oromo etwa tausend  Menschen. Viele der Toten waren junge Leute, Studenten, die über den Landraub empört waren. Hunderte Oromo wurden verhaftet und verschwanden spurlos. Erst Anfang Januar 2018 gab die Regierung in Äthiopien die Freilassung aller politischen Gefangenen und die Schließung des berüchtigten Gefängnisses Maekelawi bekannt. Das Gefangenenlager beherbergte einst mehrere Dutzend prominente Persönlichkeiten im ostafrikanischen Land. Dies geschieht eher auf Grund des Drucks vieler Menschenrechtsorganisationen. Außerdem hat dieser Protest zum einem Stillstand in vielen multinationalen Konzernen geführt, die sich hier niedergelassen haben.

Am Ende ihrer Afrikareise im Oktober 2016 warb Angela Merkel auch in Addis Abeba für ein Konzept der Patenschaften zwischen europäischen und afrikanischen Ländern. Damit will Europa den am meisten betroffenen Ländern Afrikas bei der Bewältigung der Flucht- und Migrationsbewegungen helfen. Auf der anderen Seite kommen Rosen nach Deutschland, die dazu führen, dass Menschen flüchten.

In der äthiopischen Hauptstadt weihte Merkel, während des Ausnahmezustandes auf Grund der Proteste, ein neues Gebäude der Afrikanischen Union ein. Mit 30 Millionen Euro sowie technischem Know-how aus Deutschland wurde der Bau des Gebäudes aus äthiopischen Natursteinen ermöglicht. Neben dem dreistöckigen Flachbau ragt die spiegelnde Stahl- und Glasfassade des Hauptquartiers der Afrikanischen Union in den Himmel. Das mit deutschen Mitteln gebaute Haus beherbergt laut Deutschlandfunkkultur den Sicherheitsrat der Afrikanischen Union. In einem modernen Lage- und Operationszentrum sollen künftig die Friedensmissionen der Organisation koordiniert werden.

In Äthiopien lassen sich immer mehr ausländische Firmen nieder, für die Einheimischen bleibt nichts – sie hungern weiter!

Twitter – Proteste Oktober 2016

In Äthiopien sind seit Jahrzehnten Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen – während im Nordosten Millionen Menschen mit den Folgen der schwersten Dürre seit 50.Jahren kämpfen und hungern, bietet die Regierung ausländischen Investoren die Rahmenbedingungen, die kaum günstiger sein könnten.

Die Proteste richten sich gegen die Regierung der sogenannten Revolutionären Demokratischen Front der Äthiopischen Völker (EPRDF), die das Land seit 1991 autoritär regiert und jede Opposition brutal unterdrückt. Ungeachtet dieser Lage genehmigte die deutsche Bundesregierung zwischen 2001 und 2013 laut der CAAT-Datenbank Waffenlieferungen an Äthiopien im Wert von rund einer Million Euro. Darunter befanden sich Schutzgeräte, Fahrzeuge und Panzer, elektrische Geräte und Munition.

Es klingt wie ein Hohn, denn nach den Protesten von 2016, die den Ausnahmezustand und den Tod von etwa 1000 Menschen zur Folge hatten, suchten Tausende von Oromo ihren Weg ins benachbarte Kenia, um Asyl und Zuflucht zu suchen.

Aber sie sind den äthiopischen Behörden nicht entkommen. Human Rights Watch berichtete von „zahlreichen Fällen von Belästigung und Drohungen“ gegen äthiopische Asylbewerber.

Oromo-Flüchtlinge berichteten auch über Versuche äthiopischer Beamter, sie als Informanten in Nairobis Oromo-Gemeinde zu rekrutieren, die Land, Schutz, Geld und sogar Umsiedlung in die Vereinigten Staaten oder anderswo versprachen, so Human Rights Watch.  Siehe: Diktatur Äthiopien – Folter, Misshandlung und Unterdrückung – Ethiopia declares state of emergency over protests

Für die Oromo ist der Kampf um die Rosen ein Überlebenskampf.

Addis Alem ist eine Stadt in Äthiopien. Sie befindet sich in der Mirab Shewa Zone in Oromiyaa, westlich von Addis Abbeba. Oromia ist eine der neun Verwaltungsregionen von Äthiopien. Die größte Volksgruppe und Titularnation sind die Oromo. Rosen für Europa aus einem von Dürre geplagten Land stürzen die Oromo in die Armut. Immer neue Rosenplantagen werden auf ihrem traditionellen Land in der Nähe des Flughafens der Hauptstadt Addis Abeba angelegt.

Die Regierung in Addis Abeba wird seit langem von Menschenrechtsgruppen beschuldigt, Sicherheitsbedenken als Vorwand zu benutzen, um Dissens und Medienfreiheit zu ersticken.

Das Geheimnis der Schönheit dieser Rose ist das Klima Äthiopiens. Obwohl wir ihre Höhenlage und ihr trockenes Klima verachten, ist es die perfekte Umgebung für den Anbau von Blumen, speziell Rosen. Aus diesem Grund können sie ihre Produkte nun in Länder exportieren, in denen das Klima nicht geeignet ist, Rosen dieser Größe zu züchten. Dies hat dazu geführt, dass 85 000 Arbeitsplätze und ihre Blumenindustrie geschaffen wurden und die Wirtschaft schließlich ein gesundes Wachstum verzeichnete, so NetFlorist Ethiopian Roses, ein führender Online-Händler für Blumen aus Südafrika. Die Blumen werden überall hin verschickt, ob jetzt nach Südafrika, oder Australien, USA, Europa oder den Rest der Welt und an ihnen klebt Blut!

Siehe auch Gesellschaft für bedrohte Völker > Rosen für Europa stürzen Oromo in Armut

Haben Sie sich schon einmal gefragt, woher die Blumen kommen? 

Nach unserem Telefonat mit Fairtrade am 06.02.2018 bleibt es dabei – die Rosen aus Äthiopien entsprechen den Standard von Fairtrade.
Dem einen Konzern wurde zwar das Fairtrade -Siegel genommen, aber AFRIFLORA SHER, der größte Rosenzuchtbetrieb der Wellt, darf das Siegel behalten. Laut Aussage von Fairtrade, würden diese Konzerne für Arbeitsplätze sorgen und auch eigenes Wasser verwenden. Also werden jetzt auch Rosen nachhaltig angebaut und kommen dann sicher „nachhaltig“ nach Europa.

Netzfrau Doro Schreier

Mehr Informationen:

An billigen Blumen aus Afrika für Europa klebt Blut – Rosen für die Welt statt Gemüse gegen den Hunger! Aldi und die Rosen aus Äthiopien!

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Trotz Dürre-Katastrophe – Nestlé pumpt 50.000 Liter pro Stunde Wasser aus Äthiopiens Boden und baut die Milchwirtschaft aus

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1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Dieser Artikel verkürzt auf unzulässige Weise und auf Kosten von Fairtrade die gesellschaftlichen Umbrüche und ihre Folgen in Äthiopien wie Bevölkerungswachstum und Industrialisierung.

    Die Fairtrade-Standards fordern ganz klar, dass die Landnutzungsrechte vor der Zertifizierung geklärt sein müssen und verweigert die Zertifizierung, falls dies nicht der Fall ist.

    Zu den Voraussetzungen für die Zertifizierung gehört auch, dass es keine Konflikte mit der dort ansässigen Bevölkerung geben darf. Die Vorwürfe treffen auf Fairtrade-zertifizierte Farmen daher nicht zu.

    Die im Artikel erwähnte Sher-Blumenfarm erfüllt dieses Kriterium. Eine weitere dort erwähnte Blumenfarm (Linssen Roses) ist nicht Fairtrade-zertifiziert.

    Fairtrade ist im Blumensektor aktiv, um die Lebens- und Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten zu verbessern. Feste Arbeitsverträge, Mutterschutz, Schutzkleidung und nicht zuletzt die Fairtrade-Prämie für Gemeinschaftsprojekte machen fair gehandelte Blumen und Pflanzen für viele Verbraucherinnen zur besseren Alternative. Diese Wahl bestätigte auch das Verbrauchermagazin Ökotest (05/2017) und empfiehlt neben saisonal angebotenen Freilandblumen aus der Region daher Fairtrade-Blumen.

    Dass es in Äthiopien Blumenfarmen gibt, ist eine Folge der Globalisierung; anders gesagt: Die Rosenfarmen sind nicht wegen Fairtrade in Äthiopien, sondern Fairtrade hat sich entschlossen, mit Hilfe der Standards sowie Beratung und Hilfestellung vor Ort die Situation der Beschäftigten im äthiopischen Rosensektor zu verbessern.

    Uns sind die Herausforderungen in Äthiopien sehr bewusst: Das rasante Bevölkerungswachstum in den letzten Dekaden, Klimawandel mit regional langanhaltenden Dürreperioden sowie Industrialisierungsdruck verschärfen die wirtschaftlichen, politischen und ethnischen Spannungen in dem Vielvölkerstaat. Für diese gesellschaftlichen Umbrüche aber Fairtrade als „Sündenbock“ heranzuziehen, ist nicht nachvollziehbar.

    Unser ausführliches Statement und weitere Hintergrundinformationen finden Sie hier: http://fairtr.de/Statement_Netzfrauen

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