Städte und Gemeinden gegen Glyphosat – Roundup ja – aber Essig verstößt gegen Pflanzenschutzgesetz!

Die Gesamtheit der Beweise, wie schädlich Glyphosat ist, reichte aus, um einige Städte, einschließlich Chicago und Paris, davon zu überzeugen, ihre öffentlichen Plätze glyphosatfrei zu machen. Im Projekt „Pestizidfreie Kommune“ haben sich deutschlandweit bereits 160 Städte und Gemeinden gegen den Einsatz von Glyphosat und andere Pestizide bei der Pflege ihrer Grün- und Freiflächen entschieden.

Über ein vorgefertigtes Formular können die Gemeindebewohner direkt eine Mail mit der Aufforderung, keine Pestizide mehr zu verwenden, an ihren Bürgermeister versenden. In Bristol sorgte eine Aktion: „Essig statt Glyphosat“ für Aufsehen und sie schaffte es landesweit in die Medien. Doch war Ihnen bekannt, dass in Deutschland der Einsatz derartiger Substanzen als Herbizid als rechtswidrig eingestuft wird?

Städte und Gemeinden verwenden Glyphosat zur Bekämpfung von Unkräutern in Parks und entlang von Straßen. Wenn Sie nicht in einer pestizidfreien Stadt oder Gemeinde leben, besteht eine gute Chance, dass Sie das nächste Mal, wenn Sie auf einer Parkbank sitzen oder auf einem Bürgersteig entlanggehen, mit Glyphosat oder andere Pestiziden in Berührung kommen. Möglicherweise sehen Sie das Pestizid nicht mal, denn es dauert zwei Wochen, bis die besprühten Pflanzen braun werden. Haben Sie schon einmal Warnhinweise gesehen, wenn in der Stadt oder auf dem Land Glyphosat versprüht wurde?

Mehrere europäische Länder, darunter Holland, Dänemark und Schweden, haben die Verwendung von Glyphosat-Herbiziden durch lokale Behörden verboten oder eingeschränkt, da angebliche Verbindungen zu einer Vielzahl von Gesundheitsproblemen: von Geburtsfehlern und Nierenversagen bis hin zu Zöliakie bestehen. Nach El Salvador verbot auch Sri Lanka Monsanto’s Roundup, nachdem nachgewiesen worden war, dass  die Nieren geschädigt werden und diese Nierenerkrangungen meist tödlich enden.

In Deutschland hat der BUND eine interaktive Karte von pestizidfreien Kommunen veröffentlicht. Hier finden Sie bereits 160 Städte und Gemeinden, die sich für „Blütenreich statt Gift“ entschieden. Neben der interaktiven Karte steht auf der Homepage des BUND ein kostenloser Ratgeber „Die pestizidfreie Kommune“ zum Download bereit.

Im Jahr 2013 beauftragte Friends of the Earth Europe ein unabhängiges Labor in Deutschland, die Urinproben von Menschen aus 18 Ländern auf Glyphosat zu testen. Die Ergebnisse zeigten im Durchschnitt in 44% der Proben Spuren der Chemikalie. 2016 zeigte eine vorgestellte Datenerhebung zu Glyphosatrückständen im Urin eine deutliche Belastung von über drei Vierteln der Bundesbevölkerung mit Glyphosat.

Die Gesamtheit der Beweise reichte aus, um einige Städte, einschließlich Chicago und Paris, davon zu überzeugen, ihre öffentlichen Plätze glyphosatfrei zu machen. Die Stadt Vancouver geht noch einen Schritt weiter und verbietet den öffentlichen und privaten Gebrauch von Herbiziden einschließlich Glyphosat.

London

Essig statt Glyphosat

Die ganze Stadt Bristol erstickt im stinkendem Essiggeruch, titelte dailystar.co.uk.  Ein Kommentator auf der Daily Mail Website sagte: „Ich würde eher Essig riechen wollen, als Krebs zu bekommen.“

Für große Aufregung sorgte die Stadt Bristol, England, als es hieß, Essig anstelle von Glyphosat. Die Idee einer Aktionsgruppe “ Pesticide Safe Bristol Alliance“  entwickelte sich schnell zu einem Eigenleben. Viele Medien berichteten über die Aktion: „Essig statt Glyphosat“ und zum ersten Mal machten sich die Menschen in Bristol wirklich Gedanken darüber, was wirklich für Chemikalien versprüht werden, um die Stadt frei von Unkraut zu halten. 

„Unsere Erfahrung im Gespräch mit Menschen in Bristol zeigt, dass viele Menschen einfach nicht wissen, dass Glyphosat auf Straßen, Siedlungen, Parks und Spielplätzen gesprüht wird. Wenn sie sich dessen bewusst werden, unterstützt die überwiegende Mehrheit der Menschen ein absolutes Verbot dieser Praxis oder fordern strengere Einschränkungen von der Verwendung Glyphosat. In den neuesten Ergebnissen unserer Online-Umfrage bestätigen nur 8,6% der Befragten, dass Herbizid-Sprays ein „völlig akzeptables“ Mittel zur Unkrautbekämpfung sind, “ so die  Pesticide Safe Bristol Alliance

Die Entscheidung, Essig anstelle von Glyphosat als Unkrautvernichtungsmittel zu verwenden, hat sicherlich die Vorstellungskraft der Schlagzeilenautoren ergriffen, schreibt die Journalistin Harriet Williams vom Ecologist, aber könnte dieses Experiment mit einer großen Auswahl an erprobten chemikalienfreien Unkrautbekämpfungsstrategien „zum Scheitern verurteilt“ sein?

Wir alle genossen letzten Monat hier in Bristol einen guten Gestank, als die nationale Presse die neue Modeerscheinung des Bristol City Council für das Besprühen von Unkraut mit Essig aufgriff. Es zeigt aber auch, dass es „umweltfreundliche Alternativen“ zu Herbiziden gibt. Hinter diesen Schlagzeilen ist die wahre Geschichte, dass die Bürger in Bristol und anderswo Glyphosat ablehnen, obwohl die lokalen Behörden hartnäckig entschlossen sind, es zu verwenden.

Vorsicht, wenn Sie in Deutschland das Hausmittel Essig verwenden: Es verstößt gegen das Pflanzenschutzgesetz

Wenn die Aktionsgruppe Pesticide Safe Bristol Alliance  nicht in Bristol sondern in Deutschland ihre Aktion durchgeführt hätte, müssten sie jetzt mit Bußgeldern rechnen. Essig als Unkrautvernichtungsmittel ist gesetzlich verboten. Essig fällt offiziell unter die nicht erlaubten Pflanzenschutzmittel.

Viele bekämpfen unbeliebtes Unkraut zwischen Pflastersteinen mit normalem Haushaltsessig, doch nach dem Pflanzenschutzgesetz ist es verboten  (§ 12 Absatz 2 PflSchG).

Die Landwirtschaftskammer NRW hat bereits 2012 gut einhundert Bußgelder gegen Betriebe und Privatleute verhängt, die gegen das Pflanzenschutzgesetz verstoßen haben. Geahndet wurden der Einsatz von Essig, Essigreinigern, Streusalz und anderen Chemikalien. Die Höhe der Bußgelder beträgt mindestens 100 Euro und kann bis 300 Euro gehen. Ein Bußgeld gab es gegen das Versprühen von reinem Essig aus einer haushaltsüblichen Sprühflasche.

Das OLG Oldenburg sieht es anders:  Essig und Salz keine Pflanzenschutzmittel

Essig und Salz keine Pflanzenschutzmittel

Viele Hobbygärtner bekämpfen unliebsames Unkraut zwischen Pflastersteinen mit normalem Haushaltsessig oder einem Essig-Salz-Gemisch. Wenn man im Internet recherchiert oder bei der Landwirtschaftskammer nachfragt, heißt es aber, dies sei nach dem Pflanzenschutzgesetz verboten (§ 12 Absatz 2 PflSchG). Der Bußgeldsenat des Oberlandesgerichts Oldenburg sieht dies in einer aktuellen Entscheidung anders. Danach sind weder Essig noch Salz Pflanzenschutzmittel und damit deren Einsatz zur Unkrautvernichtung nicht nach dem Pflanzenschutzgesetz verboten.

Im konkreten Fall hatte die Verwaltungsbehörde gegen einen Mann aus Brake, der das Unkraut auf der Zufahrt zu seiner Garage und auf der öffentlichen Pflasterfläche vor seinem Grundstück mit einer Essig-Salz-Lösung bekämpft hatte, ein Bußgeld von 100,- Euro verhängt, das nach dem Einspruch des Mannes vom Amtsgericht auf 150,- Euro erhöht wurde.

Gegen diese Entscheidung rief der Mann das Oberlandesgericht an, das ihm jetzt Recht gegeben und ihn freigesprochen hat. Entgegen der bundesweit einheitlichen Auffassung der Verwaltungsbehörden handelt es sich nach der Entscheidung des Senats bei einem Essig-Kochsalz-Gemisch nicht um ein Pflanzenschutzmittel im Sinne des Pflanzenschutzgesetzes, sondern um ein Lebensmittel. Denn Essig und Salz seien nach objektiven Gesichtspunkten nicht zur Pflanzenvernichtung bestimmt. Darauf aber komme es nach dem Gesetz an.

Nicht zu entscheiden hatte der Senat, ob das Einbringen von Essig und Salz in das Grundwasser nach anderen Gesetzen strafbar oder ordnungswidrig sein kann. Hierzu fehlte es im konkreten Fall an ausreichenden Feststellungen.

Oberlandesgericht Oldenburg, Aktenzeichen 2 Ss OWi 70/17, Beschluss vom 25.04.2017 oberlandesgericht-oldenburg.niedersachsen.de

Das Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer Niedersachen hingegen weist trotz dieses weitreichenden Urteils darauf hin, dass der Einsatz derartiger Substanzen als Herbizid auf sogenannten Nichtkulturlandflächen laut §3 des Pflanzenschutzgesetzes als rechtswidrig einzustufen ist, da er gegen die „gute fachliche Praxis im Pflanzenschutz“ verstößt.

„Ein paar Tage, in denen es nach Essig stinkt, sind viel besser als das chemische Unkrautvernichtungsmittel, das Krebs verursacht., so die Menschen in Bristol. Die Abgeordneten stimmten für ein Verbot der Verwendung von Glyphosat in der Öffentlichkeit.

Jäten, abbrennen und heißes Wasser gehören ebenso dazu wie eine veränderte Gartengestaltung.

Unerwünschte Pflanzen auf und an Wegen, Plätzen und Straßen können durch starke Hitzeeinwirkung abgetötet werden. Neben Abflamm- und Infrarot­ge­räten gibt es dazu auch Maschinen, die mit heißem Schaum oder heißem Dampf arbeiten. Alle thermischen Lösungen haben allerdings einen hohen Energiebedarf, außerdem sind die Geräte teuer, so der BUND 

Argumente für Kosten sind ein Ablenkungsmanöver, behauptet PAN-UKs Keith Tyrrell, der auf den Londoner Stadtteil Wandsworth verweist. Hier arbeiten Freiwillige, die beim Jäten der Flächen helfen! In Österreich verzichten bereits 539 der 2100 Gemeinden auf Glyphosat.

Es tut sich was und das ist gut so.

Netzfrau Doro Schreier

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