Vom Insektenschwund über das Vogelsterben zum Massenexodus der Tier- und Pflanzenwelt

Es passiert jetzt, hier und heute. Es gibt keine Ausreden mehr. Es wird kritisch, sagen immer mehr Zustandsberichte über die Biodiversität in unserem Land und auf dem gesamten Planeten. Bis zu 48 Prozent aller Arten werden in Kürze ausgestorben sein.

Am CNRS, Frankreichs National Center for Scientific Research, fühlt man sich derzeit wieder an die 60er Jahre erinnert, in denen der jahrzehntelange Einsatz des berüchtigten Insektizids DDT beinahe zum Aussterben der gesamten Singvögel-Populationen v. a. in den USA geführt hatte.

Von Hersteller Geigy damals in ähnlicher Manier wie heute Glyphosat und Neonicotinoide als „gänzlich ungiftig für den Menschen“ beworben, stellte sich im Laufe der Zeit heraus, dass sich DDT und seine Abbauprodukte im Gewebe von Menschen und Tieren anreichern, hormonähnliche Wirkungen zeigen und sogar Krebs auslösen können. Bei vielen Vögeln führte DDT auch zu dünneren Ei-Schalen, die noch während des Legens oder der Brut zerbrachen, was zu erheblichen Bestandseinbrüchen führte.

Auch heute zeichnet sich wieder eine ökologische Katastrophe ersten Ranges ab und es gibt eine wachsende Zahl von Studien, in denen Lebensraumfragmentierung und die schädlichen Auswirkungen intensiver Landwirtschaft sowie der massive Einsatz von Pestiziden auf die Biodiversität ursächlich damit in Zusammenhang gebracht und kritisiert werden.

Der generelle Insektenschwund, darunter auch das Bienensterben, welches unabsehbare Folgen auf die Bestäubung aller Blütenpflanzen haben wird, ist naturgemäß zu den Hauptursachen des europaweit beobachteten Vogelsterbens zu zählen, da sie die Nahrungsgrundlage für rund 60 Prozent aller Vögel bilden. So zeigten zwei Langzeitbeobachtungs-Studien aus dem Vorjahr, dass Deutschland und Europa in den letzten 30 Jahren 80 Prozent ihrer Insekten-Biomasse und 421 Millionen Vögel verloren haben. Siehe auch: Das Ende der Artenvielfalt – Die hungrigen Vögel!

Auch in anderen Ländern warnen Ornithologen vor einem zunehmenden Vogelsterben auf den Agrarflächen. In Österreich etwa enthüllte der Zensus von BirdLife, dass vor allem Feld- und Wiesenvögel wie das früher weit verbreitete Braunkehlchen, der Wiedehopf und die Feldlerche bedroht sind. Mangels regierungsseitig vorhandener Artenschutz-Konzepte für die Landwirtschaft will man diesem Trend hier mithilfe der Österr. Bundesforste entgegen wirken und 500 Vogelschutzinseln im Wald schaffen, kleine Rückzugsgebiete, die der forstlichen Nutzung entzogen werden.

Insekten- und Vogelsterben auch in Frankreich dokumentiert

Jetzt ergaben zwei auf landesweiten Vogelzählungen von insgesamt 175 Arten beruhende Studien vom französischen National Museum of Natural History und dem CNRS, dass in den letzten 17 Jahren ein Drittel aller Vögel aus Frankreich verschwunden ist. Bei manchen Arten ist der Bestand sogar um zwei Drittel geschrumpft und einzelne Spezies wie der Wiesenpieper, der früher zu den häufigsten Singvögeln Europas gehörte, die Feldlerche und der Bluthänfling seien bereits zu knapp 70 Prozent dezimiert oder sähen ihrer Eintragung auf der Roten Liste vom Aussterben bedrohter Spezies entgegen.

Viele Vogelarten sind den Langzeitstudien zufolge in allen überwachten Lebensräumen rückläufig, aber besonders in landwirtschaftlichen Gebieten sei die Dezimierung erschreckend. Die Populationen bekannter Ackerlandvögel wie Lerchen und Rebhuhn brechen buchstäblich zusammen, wobei ihre Anzahl in den letzten 25 Jahren um 50 bis 90 Prozent gesunken ist.

„Die Situation ist eine Katastrophe. Unsere ländlichen Regionen drohen zu Wüsten zu werden“, sorgen sich die Studienautoren um CNRS-Ökologe Vincent Bretagnolle und Biologe Benoit Fontaine vom Cesco Naturgeschichtsmuseum. „Was wirklich beunruhigend ist, ist, dass alle Vögel verschwinden, die in landwirtschaftlich genutzten Gebieten leben, selbst die verbreitetsten Arten und Waldbewohner“, sagt Bretagnolle. „Dies deutet darauf hin, dass sich die Gesamtqualität dieses Ökosystems verschlechtert.“

Komplexe Ursachen? Ja, aber schuld ist der Mensch und sein wachstumsorientiertes (Wirtschafts-) System

Die Ursachen für diesen Rückgang müssen auch laut den französischen Forschern in der zunehmenden Intensivierung der Landwirtschaft gesucht werden, wobei die Landschaft immer einheitlicher wird. Es gibt immer weniger brachliegende Flächen, dafür Korn- und Weizenfelder, so weit das Auge reicht – und diese Monokulturen werden massiv mit Pestiziden besprüht, die das gesamte Ökosystem kontaminieren. Neonicotinoide und Glyphosat (Roundup), das am häufigsten verwendete Herbizid weltweit, tragen dabei wesentlich zur Dezimierung von Pflanzen und Insekten bei.

Der daraus resultierende erhebliche Verlust von Nahrungsangebot wie auch von Lebensraum, welcher sich durch Defragmentierung von Rückzugsgebieten und Migrationsrouten noch potenziert, erweist sich als tödlich für Insekten, für Vögel, aber eigentlich für die gesamte Nahrungskette und Artenvielfalt. Und je weniger Elemente ein Ökosystem enthält, desto fragiler und instabiler wird es auch als Ganzes. „Die Situation ist besorgniserregend, denn heute ist nicht nur ein Pestizidverbot, sondern ein Paradigmenwechsel gefordert“, so die Forscher.

Auch der Klimawandel befeuert das Artensterben – rund die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten ist bedroht

Eine weitere Ursache des weltweit beobachteten Artensterbens liegt in zu raschen Klimaveränderungen und dem davon ausgelösten Landschaftswandel. Die Anpassungsfähigkeit artenreicher Ökosysteme erreicht und überschreitet teilweise bereits ihre Grenzen. Die Folgen der Erderwärmung für rund 80 000 wildlebende Arten in den 35 artenreichsten Naturregionen außerhalb der Ozeane hat nun die Studie „Wildlife in a warming World“ zu beziffern versucht und sie kam zu erschreckenden Ergebnissen.

Rund die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten werden bis zum Jahr 2080 dem Klimawandel zum Opfer fallen, sollten die anthropogenen Treibhausgas-Emissionen wie bisher ungebremst weitergehen, so die Studie des WWF und der Universität East Anglia in Großbritannien. Bei diesem „business as usual“-Szenario wäre mit einem durchschnittlichen Temperaturanstieg von 4,5 Grad Celsius zu rechnen. Doch selbst wenn das im Pariser Klimavertrag vereinbarte Zwei-Grad-Limit eingehalten werden kann, wird noch jede vierte Spezies in den Schlüsselregionen aussterben.

„Naturparadiese wie der Amazonas oder die Galapagosinseln drohen noch zu Lebzeiten unserer Kinder weitreichend zerstört und der Hälfte ihrer Tier- und Pflanzenarten beraubt zu werden“, sagt Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland. „Das ist kein Schicksal, sondern direkte Folge der menschengemachten Klimaerhitzung. Auf der ganzen Welt könnten ikonische Tiere wie Afrikanische Elefanten oder Große Pandas regional verschwinden genau wie zehntausende Pflanzen, Insekten und kleinere Lebewesen, die die Grundlage des Lebens auf der Erde bilden.“ Siehe auch: Deutsche Entwicklungsgelder für afrikanische Großwildjagdfarm – Das blutige Vergnügen der Großwildjäger mit Hilfe von Entwicklungshilfe und WWF? KAZA TFCA – Human-animal conflict worsens

Die Fähigkeit zur raschen Anpassung an die neuen Begebenheiten vor Ort wird über das Überleben entscheiden – alternativ auch die Abwanderung in andere Gebiete. Wird die dazu notwendige Ausbreitung ermöglicht, errechnet die Studie einen Rückgang der lokalen Wahrscheinlichkeit des Aussterbens von 25 auf 20 Prozent (im Szenario des Zwei-Grad-Zieles). In vielen Fällen wird dies jedoch nicht möglich sein auf Grund von natürlichen Hindernissen und menschlicher Infrastruktur. Viele Arten werden zudem einfach nicht in der Lage sein, sich über wenige Jahrzehnte hinweg anzupassen oder in andere Gebiete auszubreiten, darunter die meisten Pflanzen, Amphibien und Reptilien, Frösche und Eidechsen.

„Um die Vielfalt an Leben auf der Erde zu erhalten, müssen wir die globale Erhitzung so gering wie möglich halten. Die bisher von den Staaten zugesicherten Maßnahmen sind viel zu zaghaft und werden Mensch und Natur vor massive Probleme stellen. Das Ziel muss sein, so nah wie möglich an die in Paris anvisierten 1,5 Grad Celsius zu kommen. Wenn uns das gelingt und wir gleichzeitig die Lebensräume und Wanderwege schützen, können wir das schlimmste Artensterben noch abwenden“, sagt Heinrich. „Als dringendste Maßnahme müssen wir daher so schnell wie möglich aus Kohle, Öl und später Erdgas aussteigen – sie sind die Haupttreiber des Klimawandels.“

Wir brauchen nicht nur ein Pestizidverbot, sondern einen Paradigmenwechsel. Wir brauchen nicht nur Dieselverbot, sondern eine Energiewende. Wir brauchen einen wirklichen Systemwandel. Sonst sind wir es selbst, die sich auf die Rote Liste gefährdeten Lebens setzen.

Robert Manoutschehri aus Österreich für die Netzfrauen

Das Ende der Artenvielfalt – Die hungrigen Vögel!

Das Geheimnis des Bienensterbens – Welche Ursachen hat ein mögliches Bienensterben und mit welchen Folgen müssten wir dann rechnen?

Weitere Studien: Nicht nur Bienen sterben, auch Libellen – Agrochemikalien stellen ein globales Risiko für Gewässer dar – Agricultural insecticides pose a global risk to surface water bodies

Das tägliche Gift Pestizide – „Mord auf Raten” – doch Brüssel erkennt die neue Studie nicht an!

Massensterben der Wale geht weiter – 150 Wale in Australien gestrandet

Menschlicher Einfluss führt zu Massensterben in der Natur

6 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Es ist unvorstellbar !!, …daß das eigentlich immer noch keinen (die große Masse) interessiert. Dabei egal ob Intelligente oder Dumme, gesellschaftlich „gebundene“ (Politiker, Funktionäre) oder Laien.
    Solange irgendein Fleischmatsch auf dem Grill liegt, ist die kleine Welt wohl in Ordnung.
    Der Niedergang der Natur ist nun schon Jahrzehnte zu beobachten, …jetzt geht’s aber richtig ab. Da nützt auch keine Samenbank in Norwegen was. Die Natur, die Erde, ist ein in Gänze und komplexes System, wo jeder jeden braucht. Das Gesabbel einiger korrupter Wissenschaftler ist verzichtbar und die ewigen in die Tausende (oder Millionen) gehenden Untersuchungen & Statistiken nun langsam überflüssig. Na ?? wie nun weiter ??

  2. Wäre ein schöner Beitrag gewesen. Leider ended er mit diesel Fahrverbot, wwf, erderwaermung . So wird da nichts.

    • Der Klima Schwindel ist der selbe Betrug, Alles bekannt. Nach 112 Jahren schneite es sogar in Ägypten erstmalig vor ca. 3 Wochen.! Kreta, der komplette Balkan, Rom ebenso.

      Glyptosat das sind die 30 Mischungen, welche nie in Europa untersucht wurden, ein hochgefährliche Brühe, welche DNA zerstört, schwer Krebs erregend ist, usw.. steht in den eigenen Gutachten und emails von Monsanto schon in 2003, und noch viel früher.
      Aus US Gerichts Akten! man kommt über den link, auch zu US Universitäten, welche Studien haben. In Europa ist Alles gekauft, vollkommen korrupt, denn die Wasserwirtschafts Ämter wissen das auch und die Bauern Lobby macht was sie will, denn Deutschland ist Schweine Export Weltmeister, Vize Weltmeister beim Rinder Export und da gibt es Subventionen. Bayern stellt 900.000 Tonnen Käse her, davon 500.000 für den Export, nur wegen Subventionen eines korrupten Bauernverbandes, denn ganz Oben in der POlitik und im Verband, sitzen die grössten Übeltäter
      Was die Monsanto-Papiere erzählen von Corporate Wissenschaft
      1. März 2018 Umwelt , Ernährung und Landwirtschaft
      Die Monsanto-Papiere sind eine Fundgrube von internen Dokumenten langsam seit 2017 März veröffentlichen in einer US-Klage von Krebspatienten gegen Monsanto über sein allgegenwärtiges Herbizid Roundup. Sie sagen viel darüber, wie Monsanto aktiv Wissenschaft gräbt sowohl in ihrer Praxis und die Art und Weise es Mißbräuche Wissenschaft moralische Autorität für seine Interessen zu schieben.
      https://corporateeurope.org/food-and-agriculture/2018/03/what-monsanto-papers-tell-us-about-corporate-science

  3. Warum werden beim Bienensterben nicht auch die Chemtrails in Betracht gezogen, die wie inzwischen ja zur genüge dokumentiert mit ihrem schädlichen Mix an div.Nanopartikeln fast täglich auf uns herab rieseln? Ausserdem muss bezweifelt werden ,dass wir die immer wieder beschworene sogenannte Erderwärmung durch Reduzierung von CO2 auch nur ansatzmässig beeinflussen könnten. Es ist erwiesen ,dass CO2 keinen Einfluss auf eine Erderwärmung hat, Klimaänderungen hat es immer schon gegeben. Man sollte wissen ,dass diese Kampagne eine riesige Abzocke ist in der viele Milliarden den Volkswirtschaften entzogen werden ,ausserdem wird dadurch der Einfluss auf die gegängelten Volkswirtschaften nagativ.

  4. Ich bin ehrlich gesagt sehr traurig über einige Kommentare hier.

    Offensichtlich scheinen nicht einmal einfach gehaltene und ausführliche Beschreibungen des Ist-Zustandes unseres eigenen Landes und des gesamten Planeten sowie der in naher Zukunft auf uns zukommenden Entwicklungen auszureichen, um die vielen alten Vorurteile und Desinformationen zu zerstreuen, die vom Moloch des Großkapitals und des Raubtierkapitalismus verbreitet werden, um weiterhin ungestört alles ausbeuten und vernichten zu können.

    Wer heute noch immer glaubt, die fatalen Auswirkungen menschlicher „Zivilisation“ auf die gesamte Biosphäre leugnen zu können, und weder mitbekommt, dass die natürliche Vielfalt auch in der eigenen Umgebung zunehmend schwindet, noch dass der Klimawandel schon im eigenen Vorgarten angekommen ist, der ist nicht nur ein geistiges Opfer „wirtschaftsfaschistischer“ Verdummungspropaganda, sondern wird dies wohl auch höchst körperlich und praktisch werden, wenn er/sie selbst oder liebe Familienangehörige mit der Diagnose umweltbedingter chronischer oder sogar tödlicher Leiden konfrontiert werden. Wir Menschen bekommen die volle „tödliche Dosis“ von all dem sowohl über die Nahrungskette als auch direkt z.B. über die Atmung ab. Und stirbt die Natur, sterben auch wir.

    Ohne echten Systemwandel (und nicht nur „Kosmetik“ in Teilbereichen) steuern wir geradewegs in das größte Artensterben seit den Zeiten der Dinosaurier zu. Und das betrifft dann nicht nur ein paar scheinbar „unwichtige Tier- und Pflanzenarten“, sondern dich und mich, unsere Familie, unsere eigenen Kinder. Zeit zum Aufwachen, Freunde, bevor es zu spät ist …

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