Denkanstoß: Wie Neuseelands Lebensmittelversorgung angesichts der Klimaveränderung gesichert werden kann – Food for thought: How to secure New Zealand’s food supply in the face of a changing climate

Wir nehmen das Überangebot in unseren Supermärkten als selbstverständlich hin. Doch die Lebensmittelproduktion muss sich auf dramatische Umwälzungen durch die Klimaveränderungen  einstellen. Wir zeigen Ihnen anhand von Neuseeland, wie man sich dort auf die Veränderungen einstellt. Die Heimat der Hobbits ist von der Klimaveränderung stark bedroht. Zerstörerische Wirbelstürme und der heißeste Monat seit 150 Jahren lässt Neuseeland darüber nachdenken, wie lange noch das Land seine wachsende Bevölkerung mit frischen Lebensmitteln versorgen kann. Tess Nichol hat recherchiert.

Wie Neuseelands Lebensmittelversorgung angesichts der Klimaveränderung gesichert werden kann

Ein sich veränderndes Klima bringt längere, intensivere Dürreperioden mit sich, die es Farmern erschweren, Ackerfrüchte anzubauen. Tess Nichol ist Reporter bei NZ Herald ist der Frage nachgegangen, wie Neuseelands Lebensmittelversorgung angesichts der Klimaveränderung gesichert werden kann.

Am Rand von Dargaville baut Andre de Bruin seit zwei Jahrzehnten Kumara [=Süßkartoffeln] an.
Er erzeugt 40 Hektar der violetten Knollenfrucht jährlich an, jedoch war im vergangenen Jahr sein Ertrag [nur] halb so groß. Die Ursache bezeichnet de Bruin als „perfekten Sturm“ – Dürre gefolgt von saisonunüblichen Regelfällen direkt vor der Ernte.
[…]

„Schließlich bekamen wir 250 mm Regen. 90 mm davon kamen in weniger als einer Stunde, was eine Sturzflut zur Folge hatte.

„Ein Drittel meiner Pflanzen war vollständig unter Wasser“.

Wie jeder andere Farmer bereitet sich de Bruin auf Dürreperioden vor und trifft Maßnahmen zum Schutz seiner Pflanzen vor Starkregen. […]

Dr. Sam Dean, Wissenschaftler des NIWA [=National Institute of Water and Atmospheric Research], prophezeit steigende Temperaturen, die mehr Dürre zur Folge haben werden, insbesondere im Norden und Osten der Nordinsel.

Süßkartoffelfarmer Andre de Bruin bereitet sich, so gut er kann, auf widrige Wetterbedingungen vor, jedoch wurde im vergangenen Jahr seine Ernte halbiert durch […] Dürre, gefolgt von heftigem Regen.

Die meisten der letzten Sommerperioden waren überdurchschnittlich warm, sagt Dean, und dieser Januar war Neuseelands heißester Monat der letzten 150 Jahre.

Klimaerwärmung bedeutet auch heftigere und längere Dürreperioden.

Die Zahl gemäßigter Wirbelstürme über Neuseeland wird nicht unbedingt steigen, aber wenn Stürme auf uns treffen, werden sie stärker sein und mehr Schaden anrichten.

„Die Wahrscheinlichkeit von Überschwemmungen steigt, ebenso die von Schäden durch Wind. Die Stürme werden intensiver sein“.

Wie können wir angesichts einer solchen Zukunft sicherstellen, dass Kiwi-Farmer weiterhin genug für die Versorgung des Landes oder gar für die steigenden Exportnachfragen erzeugen können?

Ein moderner Supermarkt hat ein überreiches Angebot. Egal, ob saisonal oder nicht, man legt bedenkenlos eine Packung saftiger roter Tomaten in den Einkaufswagen, aus Regalen, die nie leer zu werden scheinen.

Bis es passiert.

Im vergangenen April wüteten zwei Wirbelstürme über Neuseeland und überschwemmten Anbaugebiete auf der Nordinsel während einer kritischen Zeit in der Jahreszeit. Hierbei zerstörten sie die Ernte in riesigem Ausmaß.

Sämlinge, die von den Wirbelstürmen „Cook“ und „Debbie“ nicht weggespült wurden, wuchsen mühsam im Schlamm. Die Versorgung war reduziert und die Preise stiegen.

Ein Schild im Victoria Park New World in Auckland weist im Mai 2017 Kunden auf Knappheit an grünem Blattgemüse infolge schlechten Wetters hin. Foto: Tess Nichol

Wochenlang gab es nur selten grünes Blattgemüse in den Regalen, stattdessen Schilder mit Entschuldigungen und Versprechen, dass es bald wieder Salat geben werde.

Spinat gab es gar nicht und im Mai wurde Eisbergsalat, dessen Blätter billiges Füllmaterial für Sandwiches sind, in einem Supermarkt in Auckland für krasse 7 $ pro Stück entdeckt. Diese exorbitanten Preise betrafen nicht nur Salat.

Frische Lebensmittel wurden so teuer, dass eine Gruppe von Ärzten gemeinsam einen Brief in der November-Ausgabe des New Zealand Medical Journal mit dem Inhalt veröffentlichten, dass einkommensschwache Familien sich diese nicht leisten könnten

Weitere starke Verteuerungen – mitunter eine Vervierfachung und mehr – betrafen Kürbis, Süßkartoffeln, Brokkoli, Blumenkohl.

[…]

Wegen unerwarteter Nässe stieg der Preis für Brokkoli in der letzten Saison um das Vierfache.

Das ökonomische Prinzip von Angebot und Nachfrage spiegelt sich in diesen Preisen; Einfach gesagt: Die unzureichende Zahl von Früchten stand im Widerspruch zu unseren Ansprüchen.

[…]

2014 warnte Oxfam in seinem Bericht Hot and Hungry vor der Beeinträchtigung der Lebensmittelproduktion durch den Klimawandel.

Oxfam

Die globale Erwärmung könnte den weltweiten Kampf gegen den Hunger um Jahrzehnte zurückwerfen. […]

25 Millionen mehr unterernährte Kinder unter 5 könnte es im Jahr 2050 geben verglichen mit einer Welt ohne Klimawandel, so der Bericht.

Kiwi werden in den kommenden Jahrzehnten weiter nach Süden wandern angesichts des wärmer werdenden Klimas in Neuseeland. Foto Paul Taylor

Eine Untersuchung des Herald im vergangenen September stellte fest, dass etwa 120 Kinder wegen Unterernährung und Blutarmut im Krankenhaus waren. Zehn Jahre zuvor waren es noch 60 Kinder gewesen.

[…]

Wenn frische Lebensmittel zu teuer sind, ersetzen [einkommensschwache] Menschen sie durch billiges, ungesundes Essen wie Instant-Nudeln und Weißbrot.

Horticulture New Zealand sieht darin ein dringendes Problem und drängt die Regierung zu politischen Maßnahmen, um die Ernährung der Menschen zu sichern.

Neuseeland importiert nur sehr wenig und konsumiert das meiste dessen, was im Land angebaut wird.

[…]

Ein weiteres Problem liegt in der Verringerung fruchtbaren Ackerlands durch den Bau von Häusern.

Die Ausbreitung der Städte lässt fruchtbares Ackerland weiter schrumpfen. Foto Jason Oxenham

Gegenwärtig eignen sich 5,5 Prozent des Lands für den Anbau von Ackerfrüchten, wovon nur 1 Prozent genutzt wird. Nur wenn die verbleibenden 4,5 Prozent genutzt werden, hat Neuseeland laut Rebekah Chapman eine größere Chance, die negativen Auswirkungen des Klimawandels abzuwehren.

Ein Schlüsselwort in diesem Zusammenhang heißt „Diversität“.

Daher sei es wichtig, den Weg des monokulturellen Anbaus zu verlassen und Pflanzen über das ganze Land hinweg verteilt anzubauen. Als Beispiel nennt Chapman die Süßkartoffel, die zu 97 Prozent auf der Nordinsel angebaut wird.

[…]

Ebenso wichtig sei die Bevorratung von Wasser und die Bewässerung.

[…]

In Neuseeland regnet es oft und viel, aber oft nicht dort, wo es nötig ist, und oft nicht zur guten Zeit.

Daher sei es nötig, Talsperren zu bauen, um überschüssiges Regenwasser aufzufangen, damit man es hat, wenn man es braucht.

Mike Chapman, Chef von Horticulture NZ drängt die Regierung zu politischen Maßnahmen, um die heimische Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten.

Ebenso benötige es Kanäle, um Wasser überall hinzuleiten.

[…]

„Es gibt keine schnellen Lösungen und oft bedarf es nationaler und auch internationaler Kompromisse, um nachhaltige Erzeugungssysteme zu schaffen“, sagt Paul Moughan, Professor der Universität Massey, NZ, der Mike Chapman unterstützt. „Ebenso wichtig ist ein Umdenken in der gesamten Bevölkerung hinsichtlich einer gesunden Ernährungs- und Lebensweise“, so Moughan.

Eine überflutete Wiese in Hawke’s Bay nach Wirbelsturm Debbie Anfang 2017. Foto Paul Taylor

Die Regierung hat bekanntgegeben, dass sie dabei sei, das Problem anzugehen.

[…]

Laut James Shaw, Minister für Klimawandel, sei die „wichtigste Arbeit“, die Auswirkungen extremer Wetterereignisse auf die Lebensmittelproduktion zu verstehen.


Hier geht es zum Original-Artikel, den wir bei der Übersetzung ins Deutsche stark gekürzt und zusammengefasst haben:

Food for thought: How to secure New Zealand’s food supply in the face of a changing climate

By: Tess Nichol – Reporter, NZ Herald

We take for granted the bounty on offer at our supermarkets, but destructive cyclones and the hottest month in 150 years are turning attention to how long New Zealand can provide fresh food for its growing population. Tess Nichol investigates.

On the outskirts of Dargaville, Andre de Bruin has been growing kumara for the past two decades.

He produces 40 hectares of the purple tuber annually, but last year his yield was halved thanks to what de Bruin calls a „perfect storm“ — drought followed by unseasonal amounts of rain right before harvest.

„We had drought drought drought, then bam, floods,“ he recalls.

„We finished by getting 250mm of rain. 90mm of that landed in less than an hour and that just created a flash flood.

„A third of my crop was completely under water.“

Like any farmer, de Bruin prepares for drought, he puts measures in place to protect his crops from heavy rain.

But our climate is changing. Niwa scientist Dr Sam Dean says temperatures will increase, bringing more frequent drought, particularly to the north and east of the North Island.

Most of the past 10 summer have seen above-average temperatures, Dean says, and this January was New Zealand’s hottest month in the past 150 years.

A warmer climate also means when droughts hit they’ll be drier and longer.

The number of ex-tropical cyclones passing over New Zealand won’t necessarily rise, but when we are hit with storms they will stronger and more damaging.

„The likelihood of flooding goes up, the likelihood of wind damage goes up. When these storms do happen they will be more intense.“

n the face of such a future, how do we make sure Kiwi farmers can keep growing enough food to feed the country, let alone produce enough crops to meet export demands?

A modern supermarket is an embarrassment of riches.

Seasonal or not, you never think twice about popping a tray of juicy red tomatoes in your trolley, selected from shelves that never seem to go bare.

Until they do.

Last April two cyclones smashed their way through New Zealand, drenching growing areas in the North Island at a crucial time in the season and destroying swathes of crops.

Seedlings which weren’t washed away entirely by ex-tropical cyclones Cook and Debbie struggled to grow in the swampy mud, choking supply and driving up prices.

For weeks, leafy greens were scarcely seen on shelves, replaced with apologies written on A4, promising salads could soon be served again.

Spinach was off the menu entirely and in May iceberg lettuce, that cheap sandwich filler, was spied in one Auckland supermarket for a heart-stopping $7 a head.

And lettuce wasn’t the only vegetable reaching outrageous prices.

Fresh produce became so expensive a group of doctors co-signed a letter in November’s New Zealand Medical Journal saying low income families couldn’t afford them.

Last December, pumpkin, a pantry staple, was the most expensive it had ever been, reaching an average of $5.78/kg according to Statistics New Zealand’s food price index: 231 per cent more expensive than it was the same time in 2016.

Kumara shot over the $8/kilo mark in May and kept climbing, hitting a high of $8.99/kg in November, nearly double the price they’d been the year before.

And price jumps earlier this year saw greens like broccoli as much as quadruple thanks to „unprecedented“ humidity in the growing season, while cauliflower prices jumped to as much as $10 a head in early March.

The economic principle of supply and demand is reflected in these prices; put simply, not enough crops were growing to meet our demand for fresh produce.

Alarm bells over the extinction of the ubiquitous Cavendish banana, whose monocultural strain puts it at risk of disease, have been ringing for several years.

Though rumours of the banana’s death have so far turned out to be greatly exaggerated, they’ve been joined more recently by warning cries that our days of flat whites and Whittakers are coming to an end.

Clickbait headlines are perhaps overstating the issue, but combined with a growing population it’s entirely probable climate change could cause major deficits relative to global demand as soon as 2050.

In a 2014 Oxfam warned the impact of climate change was already threatening food production in its report Hot and Hungry.

It was possible global warming could set back the global fight against hunger by decades, with our international food production system ill equipped to cope with change.

There could be 25 million more malnourished children under the age of five in 2050, compared with a world without climate change, the report says.

Domestically, Kiwifruit are a crop sensitive to climate, like coffee and chocolate.

The Bay of Plenty is where most kiwifruit are grown now, but by 2050 farmers may find they need to move further south as the area becomes too warm to produce a decent yield.

But if crops have nowhere to move, then one option for adaptability has been lost.

As food becomes scarce, the most basic economic principle of supply and demand pushes prices higher.

Those hit first and hardest are Kiwis on benefits or working low-wage jobs.

Massey University PhD candidate Rebekah Graham says whatever effect climate change has on food production, it will make an existing problem even worse.

Herald investigation in September last year found malnutrition meant about 120 children a year were in hospital because of nutritional deficiencies and anaemia, compared to an average 10 years ago of 60.

There’s no buffer to protect low-income families from unpredictable price spikes of fresh produce staples, says Graham, who researches food insecurity.

If fresh food is too expensive, people replace it with cheap but unhealthy food, like instant noodles and dollar loaves of white bread.

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Netzfrau Ursula Rissmann-Telle

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