Mit 90 die Welt retten! Wachstum ist nicht die Lösung – Wachstum ist das Problem.

mit90Wie zeitgemäß ist der Mythos des grenzenlosen Wachstums angesichts der weltweiten Ressourcenknappheit noch? „Mehr Wachstum!“ – diese Forderung ist besonders in Zeiten von Wirtschafts-, Umwelt- und Finanzkrisen beliebt, denn die amerikanische Immer-mehr-Ideologie gilt weltweit als Garant für eine gesunde Ökonomie. An ein unendliches Wachstum in einer endlichen Welt  können bloß Verrückte und Wirtschaftswissenschaftler glauben. Shirley und Hinda sind 90 Jahre jung. Ihr Aussehen mag ihr Alter verraten, aber ihr Geist funktioniert noch immer sehr scharfsinnig. Sie machen sich auf den Weg, um zu erfahren, was Wachstum ist, und stellen am Ende fest: Wachstum ist nicht die Lösung – Wachstum ist das Problem.

Shirley und Hinda zeigen – wie wichtig es ist, neugierig zu sein und zu bleiben.

Mit ihren motorbetriebenen Rollatoren machen sich zwei mutige alte Damen auf den Weg nach der Antwort auf ihre brennende Frage: Wie kommen wir aus dieser Wirtschaftskrise wieder heraus?

Wollen wir wirklich weiter konsumieren und Geld anhäufen, damit die Wirtschaftskrise überwunden wird? Mit viel Lebenslust im Gepäck fahren Shirley und Hinda, beide knapp 90, quer durch die USA, um Menschen davon zu überzeugen, dass es nie zu spät ist, die Notbremse zu ziehen. Mutig und humorvoll machen sie sich auf die Reise zu sowohl Obdachlosen als auch an die Wall Street.

Eine simple Beobachtung beim Einkaufen löst die ganze Geschichte aus: Wie kann es sein, dass angesichts leerer Kassen und der Wirtschaftskrise alle Welt konsumiert, als wäre nichts geschehen? Wer blickt eigentlich durch, wer kann so verständlich erklären, was in unserer Wirtschaft schief läuft, dass zwei alte Ladys es begreifen? Warum sollen wir uns aus der Krise shoppen? Wieso sollen steigende Schulden und Arbeitslosigkeit nur durch steigenden Konsum behoben werden? Mit Telefonbüchern und Computer beginnen sie ihre Recherchen. Ein Youtube-Video, in dem Robert F. Kennedy über die wahre Bedeutung des Bruttosozialprodukts spricht, inspiriert die alten Damen. Kurze Zeit später ziehen sie mit ihren Rollatoren los, um mit Menschen an beiden Enden der Krise zu sprechen. Mit jenen, deren Leben direkt von der Finanzkrise betroffen ist, und denen, die immer noch überzeugt davon sind, möglichst viel investieren zu müssen. „Die größte Schwäche der Menschheit ist ihre Unfähigkeit, die exponentielle Funktion zu verstehen“, erklärt ihnen ein Wirtschaftsprofessor. Als die ungewöhnlichen Aktivistinnen Studenten dazu ermuntern, kritisch über unser Wirtschaftswachstum nachzudenken, werden sie aus dem Seminarraum geworfen. Auch auf einer Wall-Street-Gala in New York werden sie ausgelacht. Der Dokumentarfilm präsentiert sich in Bildern, die Hoffnung stiften und den Glauben an die menschliche Willenskraft einfangen. Er inspiriert Zuschauer jedes Alters, das Wirtschaftsgeschehen bewusster zu verfolgen.

„WIR MÜSSEN UNSEREN LEBENSSTIL VERÄNDERN“

Niko Paech ist Professor für Ökonomie an der Universität Oldenburg und gilt als Vertreter der deutschen Postwachstumsökonomie. Seine These: Effiziente Technologien werden die Klima- und Ressourcenprobleme nicht lösen. Die Antwort ist „Suffizienz“: Wir müssen uns daran gewöhnen, mit einem geringeren Ressourcen- und Energieverbrauch und mit weniger Konsumgütern auszukommen.

WACHSTUM? JA, BITTE! ABER WACHSTUM 2.0

Mit seinem ersten Bericht über die „Grenzen des Wachstums“ stieß der CLUB OF ROME 1972 eine Debatte an, die heute aktueller ist denn je. Wir belasten das Ökosystem Erde erheblich stärker, als dauerhaft möglich ist – mit irreversiblen und dramatischen Folgen. Es gibt hierfür klare Signale der Natur und wissenschaftlich begründete Warnungen. Dennoch haben es die Industrienationen als die wesentlichen Verursacher bisher nicht geschafft, ihr Wirtschaftswachstum vom Naturverbrauch – also der nicht-erneuerbaren Nutzung der Natur – zu entkoppeln. Im Gegenteil, der Verbrauch steigt sogar.

Club of Rome: 7 Thesen zum Wachstum

Wachstum wird vielfach immer noch als Selbstzweck angesehen und unkritisch mit Fortschritt und Lebensqualität identifiziert. Der damit faktisch verbundene Umwelt- und Ressourcenverbrauch wird ausgeblendet. Wachstum darf nicht zur Ideologie werden, er soll den Menschen dienen. Es gibt große Wertschöpfungspotentiale durch Fortschritte im Umweltschutz, im Gesundheits- und im Bildungswesen, bei der Nutzung von Sonnen- und Windenergie, der Wasseraufbereitung, bei klimaschonenden Mobilitätssystemen, und nicht zuletzt schlicht beim Pflanzen von Bäumen – wodurch wir zugleich die Lebensqualität vieler Menschen verbessern und unsere natürlichen Lebensgrundlagen schonen können. Diese Potentiale eines „Wachstums 2.0“ gilt es zügig und umfassend zu entwickeln, und dabei sind alle gesellschaftlichen Akteure gefragt.

Sieben Thesen zur Wachstums-Diskussion 

Mit seinem ersten Bericht über die „Grenzen des Wachstums“ stieß der CLUB OF ROME 1972 eine Debatte an, die heute aktueller ist denn je. Wir belasten das Ökosystem Erde erheblich stärker, als dauerhaft möglich ist – mit irreversiblen und dramatischen Folgen. Es gibt hierfür klare Signale der Natur und wissenschaftlich begründete Warnungen. Dennoch haben es die Industrienationen als die wesentlichen Verursacher bisher nicht geschafft, ihr Wirtschaftswachstum vom Naturverbrauch – also der nicht-erneuerbaren Nutzung der Natur – zu entkoppeln. Im Gegenteil, der Verbrauch steigt sogar.

Club of Rome: Sieben Thesen zum Wachstum

1. Tief im roten Bereich – Ressourcenverbrauch und Umweltbelastung liegen bereits weit über den vertretbaren Grenzen

Eine öffentliche Diskussion um Wachstumsgrenzen muss sich an der Erkenntnis orientieren, dass wir unsere Ökosysteme bereits massiv und zum Teil irreversibel schädigen und damit unsere eigenen Lebensgrundlagen zerstören. Der Klimawandel, die zunehmende Zerstörung fruchtbaren Bodens und lebenswichtiger Trinkwasserreserven, die Überfischung und Verschmutzung der Meere und das massive Artensterben zeigen ebenso wie zunehmende Konflikte um Energie- und Rohstoffreserven, dass wir kritische Wachstumsgrenzen überschritten haben und unseren übermäßigen Natur- und Ressourcenverbrauch schnell auf ein langfristig verträgliches Maß reduzieren müssen.

Wir müssen den absoluten Umweltverbrauch massiv reduzieren. Es gilt, möglichst vielen Menschen eine hohe Lebensqualität zu ermöglichen, ohne dass dies auf Kosten der Umwelt geschieht.

2. Den Industrienationen kommt eine besondere Verantwortung zu

Die Industrienationen tragen auch heute noch erheblich mehr zur gegenwärtigen Krise bei als andere Nationen.  Sie sind daher auch in besonderer Weise verpflichtet, ihre Umweltbelastung zu reduzieren. In Deutschland stoßen wir zum Beispiel pro Kopf und Jahr etwa 10 Tonnen CO2 aus, die Inder nur 2 Tonnen, die Afrikaner etwa eine Tonne. Damit wir das wichtige 2-Grad-Ziel bei der Klimaerwärmung erreichen, müssen wir uns bei maximal 2 Tonnen pro Kopf und Jahr treffen.

Unabhängig davon, was andere tun: Wir sollten in Deutschland engagiert auf Nachhaltigkeit setzen – aus Verantwortung, aber auch in der Erkenntnis,  dass wir damit zugleich eine Blaupause schaffen, die unserer Wirtschaft zugute kommt.

3. In den Entwicklungsländern ist weiteres materielles Wachstum unabdingbar

Nach wie vor entbehrt ein Großteil der Menschen wesentliche materielle Errungenschaften: sauberes Trinkwasser, ein Dach über dem Kopf, ausreichend Nahrung, medizinische Grundversorgung. Es ist nicht nur ein humanitäres Gebot, den Lebensstandard dieser Menschen möglichst rasch zu verbessern. Es liegt auch im Interesse der reichen Länder. Flankiert von Maßnahmen wie Geburtenregelung, besserer Bildung und verbesserter Berufschancen für Frauen wird dies helfen, das Bevölkerungswachstum zu verlangsamen – eine wichtige Bedingung für wirtschaftliche Entwicklung im Einklang mit der Natur. Dabei sollte das Wachstum der Entwicklungsländer auf Technologien basieren, die den Ressourcenverbrauch minimieren.

Wenn wir nicht wollen, dass die Menschen massenhaft dorthin gehen, wo der Wohlstand ist, muss man zulassen, dass sich Wohlstand weltweit entwickeln kann. Die reichen Länder müssen daher Wege für eine nachhaltige Wohlstandserzielung der armen Länder unterstützen.

4. Zusammenarbeit und Leapfrogging

Auf Basis bestehender Technologien ist es undenkbar, dass alle Menschen weltweit den gleichen materiellen Lebensstandard erreichen wie die Industrienationen. Doch was ist zu tun? Verbote wären weder wirkungsvoll noch legitim – denn zu lange haben nur wenige profitiert, und das auf Kosten der Umwelt. Deshalb ist es wichtig, dass wir aktiven Know-how Transfer bei Umwelttechnologien betreiben, Solidarität und internationale Partnerschaften anstreben, und neue Mobilitäts- und Lebensstilmuster im Westen vorleben. „Leapfrogging“ – das Überspringen alter Fehler und überholter Technologien – in den Schwellen- und Entwicklungsländern ist unsere einzige Chance.

Deutschland muss dazu beitragen, dass unsere Fehler der Vergangenheit nicht von den aufstrebenden Ländern wiederholt werden. Darin liegen Chancen für gesellschaftliche Entwicklung, für die Umwelt und für die Wirtschaft.

5. Wirtschaften nach dem Vorbild der Natur: Kreislaufwirtschaft

Leben entsteht und vergeht, die Natur bewegt sich in Kreisläufen. Sie lehrt uns, wie perfektes Recycling aussieht. Die einzige Energiequelle, die uns praktisch weltweit unbegrenzt zur Verfügung steht, ist die Sonne – denn auch Wind- und Wasserkraft nutzen sie letztlich. Das einzige Material, das wir unendlich nutzen können, ist das wiederverwendete. All unsere Bemühungen müssen deshalb darauf abzielen, nur solche Ressourcen zu verbrauchen, die erneuert werden können. Hier liegen immense Innovationspotentiale und Chancen – zum Beispiel für neue Arbeitsplätze in den „kreativen Industrien“, für neue Geschäftsmodelle mit neuen Antworten auf alte Fragen.

Politik und Wirtschaft sollten sich klar zur Kreislaufwirtschaft bekennen. Eine „Null Abfall“-Politik könnte als Leitbild für Unternehmen ebenso dienen wie für Kommunen, als Orientierung für öffentliche Forschungsprogramme wie auch für die Mittelvergabe von Stiftungen. Denken und Wirtschaften in erneuerbaren Kreisläufen ermöglicht zukunftsgerichtete Innovationen, steigert die Wettbewerbsfähigkeit und ist ein wichtiger Aspekt unternehmerischer Verantwortung.

6. Marktmechanismen sind der wichtigste Hebel – sofern die Rahmenbedingungen richtig gesetzt sind

Wo Angebot und Nachfrage zusammenkommen, kann der Markt besser als jedes andere System knappe Güter effizient verteilen. Allerdings benötigt jeder Markt auch Rahmenbedingungen. Auf einem nachhaltigen Markt müssen Güter wie biologische Artenvielfalt, saubere Umwelt oder intaktes Klima einen Preis haben – das ist heute nicht der Fall. Gerade auch die Entwicklung an den Finanzmärkten hat deutlich gemacht, dass falsche Anreizsysteme in Verbindung mit Maßlosigkeit und Gier in die Krise führen. Sie hat gezeigt, dass der Markt sich nicht selbst reguliert und wir kluge und entschiedene politische Weichenstellungen brauchen.

Aus ökologischen Knappheiten müssen auch ökonomische Knappheiten werden und letztere damit zu einem Kostenfaktor von praktischer mikroökonomischer Relevanz.

Umweltpolitische Maßnahmen sollten möglichst auf Wettbewerb und Marktmechanismen setzen, wie z.B. das Top-Runner-Modell, das Wettbewerb mit kontinuierlicher Verbesserung verbindet. Es gilt dabei, ein unbeirrtes Bemühen um internationale Übereinkünfte mit dem entschlossenen Voranschreiten bei nationalen oder europäischen Initiativen zu verbinden, damit die Preise die soziale und ökologische Wahrheit sagen.

7. Positive Leitbilder für nachhaltige Lebensstile

Verbesserte Umwelttechnologien und veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen sind unverzichtbar für die Lösung unserer globalen Herausforderungen. Doch das alleine wird nicht genügen. Wir müssen verstehen lernen, welcher Ressourcenverbrauch mit unserem Konsum einhergeht und das zum Anlass nehmen, eingefahrene Konsummuster zu überdenken. Jeder soll lebenslang Entwicklungsperspektiven haben, die aber nicht mit stetiger Zunahme des Umweltverbrauchs verknüpft sind. Konsum ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um ein humanes und erfülltes Leben zu ermöglichen – für dieses Ziel kann Konsum nie Ersatz sein.

Wir brauchen positive Leitbilder für nachhaltige Lebensstile. „Voluntary Simplicity“ kann ein Leitprinzip werden auf dem Weg zu mehr Glück und weniger Verbrauch. In allen Weltreligionen findet sich ein Aufruf zur Mäßigung beim Konsum. Wir könnten allen Menschen weltweit einen beachtlichen Wohlstand ermöglichen und dennoch im Einklang mit der Natur leben, wenn wir Exzesse vermeiden, Fehlentwicklungen korrigieren und positive Leitbilder etablieren. Weniger kann mehr sein!

Nichtstun und Hoffnungslosigkeit sind gefährliches Gift gegen eine Wende zum Guten. Denkmuster können durchbrochen werden, Menschen können sich und ihre Gewohnheiten ändern – dafür gibt es viele Beispiele.

Wir sollten die Herausforderungen als Chance begreifen, die eigenen Prioritäten zu überdenken und die Folgewirkungen unseres Konsums zu betrachten, ohne dabei zu moralisieren. Nachhaltiger Konsum schont die Umwelt, ermöglicht ein besseres Leben für Menschen in ärmeren Ländern, verbessert die Lebensbedingungen unserer Kinder, und kann uns selbst erkennen helfen, dass weniger auch mehr sein kann.

Netzfrauen

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2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ganz herzlichen Dank für dieses wunderbare Video und für Euren Text. Eure Arbeit macht mir einfach Mut. DANKE!!!!

  2. hey

    so toll der film!! vielen dank. er zeigt, dass wir alle was tun müssen und uns nicht in unserer bequemen nische ausruhen dürfen, wenn wir diese welt bewahren sollen. die beiden alten ladies sind klasse.
    und eure seite ist auch sehr toll. auch dafür danke.

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