Nestlé: Verfahren wegen Kinderarbeit auf Kakaoplantagen wieder aufgenommen – US COURT REINSTATES NESTLE’S LAWSUIT FOR CHILD SLAVERY IN IVORY COAST

zur englischen Version Die Schokoladenkonzerne stehen immer wieder im Fokus, wenn es um Kinderarbeit im Kakao-Anbau geht. Erst im Februar 2018 sah sich Nestlé wieder mit einer Sammelklage in den USA konfrontiert, in der behauptet wird, dass das Unternehmen irreführendes Marketing betreibt, indem es die Tatsache verschleiert, dass Nestlés Schokoladenlieferkette Kinder- und Sklavenarbeit beinhaltet.  Und auch eine andere Klage gegen Nestlé nimmt eine andere Wendung als gedacht. Die sechs Kläger, die als Kinder als Kindersklaven unter schrecklichen Bedingungen für „bittere Schokolade“ schuften mussten, dürfen Nestlé doch in den USA verklagen. 

Berufungsgerichtshof erlaubt die Klage gegen Nestle und Cargill

Am 23. Oktober 2018 erlaubte der 9. Berufungsgerichtshof die Klage gegen Nestle und Cargill unter dem Alien Tort Statute. Man dachte noch seitens der Schokoladenbranche, dass diese Klage abgewiesen würde, doch jetzt geht der Prozess weiter.

Dass solche Klagen lange Jahre anhalten können, zeigt der aktuelle Fall von 6 ehemaligen Kindersklaven aus der Elfenbeinküste, die Nestlé und Cargill Inc auf Grund der Situation, in der sie auf den Plantagen arbeiten mussten, verklagten.

Im August 2005 reichte Nestlé sogar einen Antrag ein, um die Offenlegung der Namen der ehemaligen Kindersklaven zu erzwingen. Darüber hinaus haben die Angeklagten einen Antrag auf Kündigung des Falles gestellt. Am 27. Juli 2006 ordnete das Gericht weitere Briefings an, die zu verschiedenen Themen im Zusammenhang mit Beihilferegelungen eingereicht werden sollten.

Im Juli 2016 reichten die Kläger eine geänderte Beschwerde ein. Viele weitere Meetings vor Gericht folgten, bis am 17. März 2017 ein Bundesrichter in Los Angeles gegen die ehemaligen Kindersklaven und für die Konzerne urteilte. (Der Fall ist Doe v. Nestle SA, 05-cv-05133, US-Bezirksgericht, Zentralbezirk von Kalifornien (Los Angeles). Die ehemaligen Kindersklaven können diese Konzerne nicht in den USA verklagen, wenn der Missbrauch in Afrika geschah. Außerdem können diese ehemaligen Kindersklaven nicht beweisen, dass diese Konzerne direkt für den Missbrauch verantwortlich sind. Gut für die Konzerne, heißt es doch immer, dass sie sich gegen die Kindersklaverei auf den Plantagen einsetzen würden.

Am 30. März 2017 legten die Kläger Berufung ein. Sie machten geltend, dass die Entscheidungen von Nestle und Cargill, den Kakaobauern Geld zu geben und technische Unterstützung zu leisten, am US-Hauptsitz der Unternehmen getroffen wurden. Dies bedeutet, dass es eine ausreichende Verbindung zu den USA gebe.

Und endlich: Die ehemaligen Kindersklaven können weiter gegen Nestlé klagen.

Mehr als 1 Million Kinder arbeiten in der Elfenbeinküste unter gefährlichen Bedingungen. Die sechs ehemaligen Kindersklaven, die die beiden Konzerne Nestlé und  Cargill Inc verklagt haben, waren in Mali in den 1990er-Jahren entführt und an die Plantagen in der Elfenbeinküste verkauft worden. Sie mussten 14 Stunden mindestens am Tag arbeiten, ohne Bezahlung und sechs Tage in der Woche.

Sie wurden von bewaffneten Wächtern beaufsichtigt. Sie bekamen nur Nahrungsreste, mussten auf Fußböden in verschlossenen Räumen schlafen, wurden geschlagen, mussten ihren Urin trinken und wurden wie Gefangene gehalten.

Mehrfach wurde der Prozess aus irgendwelchen Gründen wieder eingestellt.

Die Kläger beziehen sich auf das US-amerikanische Alien Tort Statute.  Ansprüche, die sich auf das US-amerikanische Zivilrecht stützen, können vor US-amerikanischen Gerichten verhandelt und erklagt werden, auch wenn die Beteiligten nicht US-amerikanischer Nationalität sind und die Ereignisse, die die Anspruchsgrundlage darstellen, nicht auf US-Boden stattgefunden haben.

Siehe dazu auch:  Dunkles Geheimnis von Schokolade – Zerstörung von Nationalparks

Und auch: Bittere Schokolade – eine Nestlé-Geschichte – Nestlé wurde wegen erzwungener Kinderarbeit angeklagt!

Im Bereich der Kinderarbeit und der modernen Sklaverei sieht sich Nestlé immer wieder massiver Kritik ausgesetzt

Seitdem bekannt wurde, dass Versklavung von Kindern zum Alltag auf den Kakaoplantagen an der Elfenbeinküste gehört, kämpfen die großen Schokoladenhersteller, u. a. auch Nestlé, um das Vertrauen der Verbraucher. Sie versprechen, für Schulen, für medizinische Versorgung und für Bildungsprogramme zu sorgen. So soll das Leben der Kinder und Bauern vor Ort erträglicher werden und wir in Deutschland können Schokolade wieder ohne schlechtes Gewissen genießen. So wirbt Nestlé auch damit, dass sie Farmern beibringen, nachhaltigen Kakao ohne Kinderarbeit anzubauen, und dennoch arbeiten mehr Kinder auf den Plantagen als je zurvor! 

Da die Schokoladenindustrie im Laufe der Jahre gewachsen ist, hat auch die Nachfrage nach billigem Kakao zugenommen, was zu einem verstärkten Preiswettbewerb unter den Kakaobauern geführt hat. Mit einem mageren Einkommen von etwa zwei Dollar pro Tag greifen die Bauern daher ohne Bezahlung auf Kinderarbeit zurück, damit sie großen Unternehmen wie Nestlé billigen Kakao liefern können.

Über den Menschenhandel, Sklaverei und missbräuchliche Arbeitspraktiken in der Kakaoindustrie wird überraschend wenig berichtet.

  • Die Farmbesitzer, die Kinderarbeit einsetzen, versorgen die Kinder in der Regel mit den billigsten verfügbaren Nahrungsmitteln wie Maispaste und Bananen. In einigen Fällen schlafen die Kinder in kleinen fensterlosen Gebäuden auf Holzbohlen ohne Zugang zu sauberem Wasser oder sanitären Einrichtungen.
  • Auf Kakaofarmen besuchen 10% der Kinderarbeiter in Ghana und 40% an der Elfenbeinküste keine Schule, was gegen die Richtlinien der International Labour Organization (ILO) verstößt.
  • Oft entführen Menschenhändler die kleinen Kinder aus kleinen Dörfern in benachbarten afrikanischen Ländern, wie Burkina Faso und Mali, zwei der ärmsten Länder der Welt. Sobald sie auf die Kakaofarmen gebracht wurden, sehen die Kinder ihre Familien möglicherweise jahrelang nicht mehr, wenn überhaupt.
  • Die meisten Kinder, die auf Kakaoplantagen arbeiten, sind zwischen 12 und 16 Jahre alt. Es wurden aber bereits Kinder im Alter von 5 Jahren gesehen.
  • Ein Kinderarbeitstag beginnt in der Regel um sechs Uhr morgens und endet am Abend. Einige der Kinder roden die Wälder mit Kettensägen. Andere Kinder klettern auf die Kakaobäume mit einer Machete. Diese großen, schweren und gefährlichen Messer sind die Standardwerkzeuge für Kinder auf den Kakaofarmen.
  • Quelle Child Labor and Slavery in the Chocolate Industry

Am 4. Oktober 2018 veröffentlichte die Walk Free Foundation  in Zusammenarbeit mit dem Tulane einen Bericht über Zwangsarbeit auf Kakaoplantagen mit dem Titel „Bitter Sweets – Prävalenz von Zwangsarbeit und Kinderarbeit in den Kakaosektoren der Côte d’Ivoire & Ghana“

Ein Auszug aus der Studie!

https://cocoainitiative.org/wp-content/uploads/2018/10/Cocoa-Report_181004_V15-FNL_digital.pdf

Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass zwischen Oktober 2016 und November 2017 rund 891.500 Kinder im Alter von 10 bis 17 Jahren auf den Plantagen in der Elfenbeinküste arbeiten. Schätzungsweise arbeiten 768.800 Kinder  unter gefährlichen Bedingungen. Schätzungsweise 235.700 Kinder arbeiteten mehr als die zulässigen Stunden für ein Kind ihres Alters. Davon waren 33 Prozent unter 12 Jahre alt. 34 Prozent waren 12 bis 14 Jahre alt und gaben an, länger als 14 Stunden gearbeitet zu haben. Hier zur Studie: vollständige Studie 

Firmen wie Nestlé engagieren sich gegen Kinderarbeit, so auf deren Webseiten. Es gibt auch eine wachsende rechtliche Notwendigkeit für viele große multinationale Konzerne, sich ernsthaft mit dem Missbrauch von Arbeitskräften in ihren Lieferketten zu beschäftigen. Die Gesetzgebung in den USA und in Großbritannien erfordert, dass größere Unternehmen Jahresberichte über ihre Bemühungen veröffentlichen, was sie gegen die Sklaverei ihres Unternehmens unternehmen. Neuerdings auch in Australien, wir hatten darüber berichtet: Nestlé, das Wasser abgräbt – kämpft gegen Sklaverei-Gesetz und wird in den USA erneut verklagt! – Child Labour and Modern Slavery, the truth about Nestle

Auf der einen Seite sagt Nestlé, sie würden etwas gegen die Kinderarbeit in deren Lieferkette unternehmen, auf der andren Seite wollen sie verhindern, dass die 6 ehemaligen Kindersklaven von der Elfenbeinküste klagen können. Schließlich zieht sich dieser Prozess bereits seit 2005 hin.  Doch dies versetzt das Unternehmen in die unglückliche Position, die Sklaverei in einem Teil seiner Operationen offenzulegen und kämpfte sich gleichzeitig durch die Gerichte, um die Anschuldigungen abzuwehren, dass es in einem anderen – rentableren – Teil seines Geschäfts bestehe.

Unter dem Motto: „Tue Gutes und rede darüber“ wird oft versucht, von anderen anhängigen Rechtsstreitigkeiten abzulenken.

Immer wieder wird von  Hunderttausenden von Kindern berichtet, die von ihren Eltern verkauft werden, oder sie werden einfach entführt. Anschließend an die Elfenbeinküste verschifft, wo sie von Kakaobauern versklavt werden. Eltern in diesen armen Ländern, die ihre Kinder verkaufen,  glauben, sie würden in der Elfenbeinküste ehrliche Arbeit finden und einen Teil ihres Einkommens nach Hause schicken. Die schreckliche Realität ist, dass diese Kinder, zwischen 11 und 16 Jahre alt, manchmal jünger, 80 bis 100 Stunden harte Arbeit verrichten müssen. Sie bekommen keinen Lohn, erhalten keine Ausbildung, sind unterernährt und werden oft geschlagen, wenn sie zu fliehen versuchen. Die meisten werden ihre Familien nie wieder sehen.

Kostendeckende Preise bei den Produzenten, Prämien für Gemeinschaftsprojekte, angemessene Löhne, gute Arbeitsbedingungen auf Plantagen, umweltschonender Anbau sowie Verzicht auf illegale Kinderarbeit und Zwangsarbeit: Fehlanzeige. Zwar werden neue Siegel geschaffen, die dem Verbraucher das „Gute Gewissen“ vorgaukeln, aber hinter den Fassaden sieht es nach wie vor schlimm aus.

Worked at the Ivory Coast Cacao Plantation: Tasting Chocolate for the First Time

venturesafrica.com – A U.S. 9th Circuit Court of Appeals reinstated a lawsuit by a group of former child slaves accusing Nestle USA of abetting child slavery in Ivory Coast(Cote d’Ivoire). In a unanimous published decision, judges of the court said the group could proceed with its claims for actions originating in the USA that allegedly aided and abetted child slavery in Africa. “In sum, the allegations paint a picture of overseas slave labour that defendants perpetuated from headquarters in the United States,” the court stated.

This marks the second time the court is reinstating the lawsuit against Nestle USA and Cargill. In January 2016, the Supreme Court rejected a dismissal request for the said lawsuit, backing a 2014 ruling by the 9th Circuit Court of Appeals that equally rejected the company’s bid to throw out the lawsuit against them.

The legal action against the world’s leading food maker is nearly two decades long, initially filed in 2005 by some Malians who claimed that they were smuggled from Mali as children and forced to work on cocoa farms in Ivory Coast, harvesting cocoa beans without pay. The plaintiffs also claim the companies offered financial and technical assistance to local farmers to guarantee cheap cocoa and consequently benefited economically from violating international labour conventions and law.

According to reports, both companies have denied the allegations. In a statement on Tuesday, Nestle said that it had explicit policies against child labour and was also working to combat the problem. “Regrettably, in bringing such lawsuits, the plaintiffs’ class action lawyers are targeting the very organizations trying to fight forced labour. Forced child labour is unacceptable and has no place in our supply chain,” Nestle said. The company also stated that it disagreed with the court’s decision and was assessing appellate options.

Meanwhile, Cargill said the accusations are false and are bound to fail, “Since this case was initially filed in 2005, Cargill has maintained that the allegations are without merit. We continue to strongly refute the unsubstantiated claims, as we do not tolerate the use of human trafficking, forced labour or child labour in our operations or supply chains. We…intend to consider all legal options, including appeal, to continue to defend against these unproven allegations,” it said in a statement.

As the world’s leading supplier of cocoa, over 60 percent of Ivory Coast’s export revenue comes from the chocolate bean. Unfortunately, as the chocolate industry has grown over the years, so has the demand for cheap cocoa, leading to an increased price competition amongst cocoa farmers. As a result of this, with a meagre income of about two dollars daily, farmers resort to the use of child labour, without pay, to enable them to supply cheap cocoa to big companies like Nestlé.

WALK FREE FOUNDATION STUDY – THE PREVALENCE OF FORCED LABOUR & CHILD LABOUR IN THE COCOA SECTORS OF CÔTE D’IVOIRE & GHANA


The primary aim of this study conducted by the Tulane University in collaboration with Tony’s Chocolonely and the Walk Free Foundation was to provide baseline estimates of prevalence of forced labour among children (aged 10 – 17 years) and adults (aged 18 and over) working in the cocoa sector in Ghana and Côte d’Ivoire, as well as updated estimates of the number of children (aged 10 to 17 years) exposed to child labour. Download the full study here

Netzfrau Doro Schreier
deutsche Flagge

Nestlé, das Wasser abgräbt – kämpft gegen Sklaverei-Gesetz und wird in den USA erneut verklagt! – Child Labour and Modern Slavery, the truth about Nestle

Nestlè suspendiert und verliert Gütesiegel für „nachhaltiges“ Palmöl! – YES! Palm Oil Sustainability Group Suspends Nestlé

Bittere Schokolade – eine Nestlé-Geschichte – Nestlé wurde wegen erzwungener Kinderarbeit angeklagt!

Nestlé – Tote durch Feuer in Verpackungsfabrik in Bangladesch, Unterstützung von Kinderarbeit und Abgraben von Wasser u. v. m. – Factory fire in Bangladesh, child labour allegations, water-taking operations in Ontario

Mineralwasser – Nestlé, Danone, Coca-Cola und Pepsi beherrschen Weltmarkt – jetzt sogar kalorienarmes Mineralwasser bis hin zu „laktosefrei“ und „glutenfrei“

Brasilien: Protest gegen Wasserprivatisierung- Frauen besetzen Hauptquartier von Nestlé

Unglaublich! Erst die unsägliche Allianz Nestlé und Starbucks und dann erlaubt USA Nestlé, weiterhin Wasser trotz Dürre aus Kaliforniens Wäldern abzupumpen – U.S. Allows Nestlé to continue taking Water From Drought-Ridden Southern California

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