Minas Gerais Disaster – Brasilien das neue Fukushima – Arsen, Cadmium, Quecksilber, alles schon gemischt!

Wieder ist ein Damm in einer Eisenerzmine in Minas Gerais, Brasilien, gebrochen. 2015 waren über 50 Millionen Tonnen mit Eisenerz, toxischen Schwermetallen und Chemikalien in den Rio Doce geflossen und dies war bislang die schlimmste  Umweltkatastrophe Brasiliens gewesen. Insgesamt ergossen sich nach Angaben von Vale jetzt rund zwölf Millionen Kubikmeter Schlamm über die Anlage und die nahe liegenden Siedlungen. Im Jahr 2018 genehmigte der Verursacher Vale den Aktionären eine Entschädigung in Höhe von insgesamt 692 Millionen US-Dollar und die Opfer, die alles verloren hatten, sogar die Angehörigen der Verstorbenen, warten bis heute auf Entschädigung. An dem Rio Doce Disaster  waren u. a. auch die Deutsche Bank, Blackrock und Goldman Sachs beteiligt. Obwohl davor gewarnt wurde, dass auch weitere Staudämme von Erzbergwerken marode sind, kam es jetzt zu einem weiteren Dammbruch. Wieder der gleiche Bergbaukonzern Vale, wieder die gleichen Investoren, wieder unter deutscher Beteiligung, diesmal der TÜV Süd. TÜV Süd hatte den Damm an der Mine Córrego do Feijao nahe der Ortschaft Brumadinho im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais erst überprüft und angeblich keine Mängel gefunden. Hunderte Menschen werden vermisst, Häuser, Menschen, Tiere, Flüsse, alles unter Schlamm begraben. Brasilien, das neue Fukushima!

Nach Rio Doce Disaster wieder ein Dammbruch in Brasilien

Nach dem Dammbruch nahe der Ortschaft Brumadinho im Bundesstaat Minas Gerais werden hunderte Menschen vermisst.

ZUSAMMENFASSUNG

  • Vales Damm brach letzten Freitag, den 25. Januar 2019 in Brumadinho, MG, Schlamm zerstört Refektorium und Gebäude der Bergbaugesellschaft, Gasthaus, Häuser und Vegetation.
  • Bisher: 99 Tote, davon 57 identifiziert; 259 gelten als vermisst, 192 wurden gerettet; 393 wurden gefunden 176 Evakuierte.
  • Die Suche wird fortgesetzt. Die Chance, Überlebende zu finden, ist minimal.
  • Mittwochnachmittag verursachte Regen in einigen Regionen von Brumadinho einen Stromausfall.
  • Das Wasser des Paraopeba-Flusses gefährdet die Gesundheit von Mensch und Tier, sagen Beamte.
  • Feuerwehrleute sagen, gefälschte Nachrichten behindern Rettungsbemühungen:
  • Quelle 31.01.19 

In Brasilien verhaftete die Polizei in Minas Gerais letzte Woche fünf Personen, die mitverantwortlich an dem verheerenden Dammbruch  sein sollen. Drei der Festgenommenen arbeiteten für Vale, das Bergbauunternehmen, das bereits das Rio Doce Disaster verursacht hatte. Die beiden anderen waren für ein deutsches Unternehmen tätig und zwar TÜV Süd, der im vergangenen Jahr Inspektionen am Damm durchgeführt hatte. Die Nachricht kam, als Familien der Opfer angefangen hatten, Begräbnisse für die Verstorbenen abzuhalten. Einwohner und Arbeiter fordern Gerechtigkeit für das, was sie für eine vermeidbare Katastrophe halten. Unterdessen verurteilen lokale indigene Gemeinschaften die Umweltauswirkungen des Dammbruchs, der Millionen Tonnen Eisenerzabfälle auf das Land und in die Wasserstraßen ablagerte.

Hayo Pataxo Ha-ha-hae : „Wir haben das Gleichgewicht unserer Reserve verloren, weil der Fluss alles war. Wir haben darin gebadet. Wir haben unsere Kleider gewaschen, unser Geschirr. Über diese Tragödie, die der Weiße in unserer Natur verursacht hat, sind wir wütend.“

Man braucht sich nur das Rio Doce Disaster anschauen, denn die Opfer erhielten bis heute keine Entschädigung

Wie giftig war der Schlamm 2018 bei dem Rio Doce Disaster wirklich?

Und wie viel ist in den Atlantik geflossen?

Wir haben es nie erfahren.  Der australisch-britische Rohstoffkonzern BHB, dem das Bergwerk zusammen mit dem brasilianischen Bergbaukonzern Vale gehörte, wiegelte ab: Das sei alles nicht giftig. Typisch für diese Konzerne. 

BHP Billiton ist ein australisch-britischer Rohstoffkonzern und gehört mit Vale und Rio Tinto Group zu den drei weltgrößten Bergbauunternehmen. In dem Beitrag – Rio Doce Disaster unter Beteiligung von Deutscher Bank, Blackrock, Vanguard Group, Goldman Sachs … hatten wir Ihnen die Anteilseigner vorgestellt – das sind die Konzerne, also Investmentgesellschaften, die von diesen Bergbauunternehmen profitierten. Bis heute warten die Opfer des Rio Doce Disasters auf Entschädigung!

Wie es genau zu dem Unfall kam, sei noch unklar, sagte Vale-Präsident Fábio Schvartsman am Sonntag. Das Umweltministerium kündigte eine Strafe in Höhe von 250 Millionen Reais (58 Millionen Euro) gegen den Konzern Vale an. Insgesamt ergossen sich nach Angaben von Vale rund zwölf Millionen Kubikmeter Schlamm über die Anlage und die nahe liegenden Siedlungen.

Ein Karte zeigt einen Überblick über die Katastrophe in Bento Rodrigues 2015 verursacht durch die Dammbrüche.

SPOT 6/7 image of the Bento Rodrigues dam failures via Airbus Defence and Space

SPOT 6/7 image of the Bento Rodrigues dam failures via Airbus Defence and Space

Arsen, Cadmium, Quecksilber, alles schon gemischt

Die Bergbauabfälle sind hoch kontaminierend und ein Risiko für Mensch und Natur. Sie bestehen aus chemischen Abfällen, die für die Gewinnung von Mineralien entstehen. Sie werden in Dämmen gehalten und verwandeln sich in eine Paste. Diese unsichere Form der Aufbewahrung ist eine Bedrohung, wie in Brasilien durch den Einsturz der Staumauern gezeigt wird. Sie führen zur Verschmutzung des Grundwassers. Eine Gefahr entsteht ebenfalls durch den Oberflächenstaub, der vom Wind verweht wird und weite Entfernungen erreichen kann.

Allein im Bundesstaat Minas Gerais gibt es nach Behördenangaben rund 730 solcher Staumauern. Wir haben bereits in unserem Beitrag: Chile nach Überschwemmung, das neue Fukushima? auf die grausamen Auswirkungen des rücksichtslosen und ungehemmten Bergbaus hingewiesen. So hat bereits Terre des Hommes in einer Studie auf die Auswirkungen des Bergbaus auf Kinder hingewiesen. Fakt ist, der Rohstoffverbrauch steigt – die Schäden auch. Dieses wird nun durch die Katastrophe deutlich, die Brasilien erschüttert.

Mehr als nur ein Minenbetreiber

Doch Vale ist nicht nur ein Minenbetreiber. Der Konzern besitzt zudem eigene Bahnstrecken, Züge sowie Häfen und Schiffe. Ferner dürfte Vale in den kommenden Jahren durch seine Logistiksparte von der weiter wachsenden Bedeutung Brasiliens als Global Pla­yer im Markt für Agrarrohstoffe profitieren – das Land ist einer der größten Produzenten von Zucker, Sojabohnen, Kaffee oder Orangensaft. Zumal der Bergbaukonzern auch über eine eigene Dün­gemittelsparte verfügt.

Brasiliens Erzlagerstätten gehören zu den ergiebigsten der Welt. Von jedem Dollar, den Vale für sein Eisenerz erhält, landen heute 50 Cent als Gewinn in der Kasse. Und wenn diese Konzerne, wie Vale, alles verseucht haben, dann wandern sie weiter – auf nach Afrika. Zurzeit steht Mosambik als neues Opfer auf dem Plan.

Der Konzern VALE – schauen wir uns die Anteilseigner einmal genau an – fällt Ihnen etwas auf?

Vale ist das zweitgrößte Bergbauunternehmen weltweit. In Mosambik hat auch Vale für seine Kohleminen mehrere Siedlungen umgesiedelt. In dem neuen Dorf Cateme kommt es seither zu Menschenrechtsverletzungen – der Zugang zu Wasser und Land ist limitiert, Proteste werden teilweise gewaltsam niedergeschlagen, und es kommt zu willkürlichen Verhaftungen. Auch die Arbeitsrechte in den Minen werden verletzt, wenn die Arbeiter beispielsweise giftigen Substanzen ohne Schutzkleidung ausgesetzt werden. In Brasilien wird dem Unternehmen vorgeworfen, mit der Produktion von Holzkohle Krankheiten der Atemwege zu verursachen. Außerdem ist Vale an dem Bau des umstrittenen Megadamms Belo Monte beteiligt. Auch für dieses Projekt müssen 20.000 – 40.000 Menschen umgesiedelt und über 400 Quadratkilometer Regenwald abgeholzt werden.

Shareholders
Name Equities %
Litel Participaçoes SA 1,108,483,410 21.0%
BNDES Participações SA 339,535,976 6.43%
Bradespar SA 293,907,266 5.56%
Mitsui & Co., Ltd. 286,347,055 5.42%
BlackRock Fund Advisors 115,426,437 2.18%
Capital Research & Management Co. (Global Investors) 103,180,723 1.95%
The Vanguard Group, Inc. 92,105,369 1.74%
Capital Research & Management Co. (World Investors) 66,968,872 1.27%
Dimensional Fund Advisors LP 53,424,165 1.01%
Norges Bank Investment Management 44,562,425 0.84%
Holdings
Name Equities % Valuation
Vale Indonesia Tbk PT (INCO) 5,889,691,680 59.3% 1,318,701,967 USD
Mosaic Co (MOS) 34,176,574 8.87% 998,297,727 USD
MRS Logistica S.A. 88,684,849 47.1% 149,077,457 USD
MRS Logistica SA Pfd Shs A 40,625,608 49.5% 68,290,835 USD
MRS Logistica SA Pfd Class B 34,445,612 49.5% 57,902,385 USD
Und wieder die Deutsche Bank – denn Sal. Oppenheim jr. & Cie. AG & Co. KGaA ist seit Oktober 2009 eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bank.

http://quote.morningstar.ca/Quicktakes/owners/OwnersOverview.aspx?t=VALE&region=USA&culture=en-CA

 Brasilien ist der größte wirtschaftliche Standort außerhalb Deutschlands, mit  rund 1300 vor allem im Großraum São Paulo ansässigen deutschen Firmen. Brasilien ist zudem Deutschlands größter Handelspartner in Lateinamerika.

Der brasilianische Vale SA, der weltgrößte Eisenerzbergbaukonzern, gab am Dienstag, dem 29.Januar 2019 bekannt, dass er seine Produktion um  bis zu 10 Prozent senken wird, das sind  bis zu 40 Millionen Tonnen, da der Konzern in drei Jahren insgesamt 19 Staudämme geschlossen hätte, darunter zehn weitere, die nach dem tödlichen Dammbruch in der vergangenen Woche eine erneute Umweltkatastrophe verursacht haben.

Das Brechen des Damms könnte Vale die Position des größten Eisenerzexporteurs kosten, so die Investoren, die wurden ja auch 2018 reichlich entschädigt, während eine ganze Region zerstört wurde und viele Menschen immer noch auf eine Entschädigung warten.

Wirtschaftswachstum auf Kosten der Umwelt, Mensch und Tier – ein hoher Preis, den wir alle zahlen. 

Netzfrau Doro Schreier

Rio Doce Disaster unter Beteiligung von Deutscher Bank, Blackrock, Vanguard Group, Goldman Sachs …

Europa nimmt einen Krieg um die Rohstoffe in Brasilien in Kauf! Wie viele müssen noch für diesen Krieg sterben?

Serengeti stirbt durch Staudamm, Bergbau, Umweltverschmutzung und Waldzerstörung – SERENGETI – Mara River threatened by mining, pollution and forest destruction

Chile – Verteidigung des Wassers und des Lebens

Chile nach Überschwemmung, das neue Fukushima?

„Deepwater Horizon“-Katastrophe – Wieviel ist die Natur wert, die man zerstört?

Delfinsterben im Golf von Mexico – sind die Meeressäuger von Santa Barbara die nächsten? -An Oil Spill Killed the Gulf’s Dolphins—Are Santa Barbara’s Marine Mammals Next?

Belo Monte – Ethnozid-Vorwurf – Brief an Dilma Rousseff – Open Letter to Dilma Rousseff

Furcht vor „tödlichem“ Bahnprojekt im Amazonasgebiet – ‘Deadly’ trans-Amazon railway sparks fear among tribes

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Reden hilft nicht wie man sieht. Also Hinterhof und Genickschuß. Vielleicht beginnen sie dann zu verstehen, wenn ihr eigenes verrottetes Leben der Preis ist und nicht immer nur das Leben Unschuldiger!!!

  2. Pingback: Die KW 5/2019 im Link-Rückblick | artodeto's blog about coding, politics and the world

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.