Schreckliche Dürre in Chile – Hunderttausend Nutztiere wegen Wassermangel gestorben – Chile’s drought killing thousands of farm animals

Während die Welt sich besorgt über den brennenden Regenwald im Amazonasgebiet zeigt, spielt sich in einem anderen lateinamerikanischen Land eine Tragödie ab. Chile, das Land der Avocados, leidet unter einer dramatischen Wasserkrise. Laut der chilenischen Regierung und Experten ist dies die schlimmste Wasserkrise, die Chile je erlebte. Bislang seien bereits 106.000 Tiere an Wasser- und Futtermangel gestorben, vor allem Ziegen, Rinder und Schafe. Die Wasserkrise hat zu einem Zusammenbruch der Bewässerungssysteme verschiedener Provinzen in ganz Chile geführt. Hunderttausende Menschen müssen mittels Tankwagen mit Wasser versorgt werden. Auch gibt es wieder Morddrohungen gegen Rodrigo Mundaca und seine Bewegung, die seit Jahren für den freien Zugang zu Wasser kämpfen. „Es ist so schrecklich, rauszugehen und die toten Tiere am Boden zu sehen“, sagt Hurtado, als er über die staubigen Koppeln seiner Farm auf Petorca in der Nähe der Küstenstadt Valparaiso blickt. Auch in Colina, nördlich der Hauptstadt Santiago, herrscht Dürre, überall nur noch rissige Erde. 40.000 Familienbetriebe in Zentralchile sind auf Hilfe angewiesen, während das letzte Wasser, welches noch vorhanden ist, von großen Obstplantagen für den Export „geraubt“ wird. Chile ist das einzige Land der Welt, in dem Wasser zu 100% privat ist. Stellen Sie sich vor: Die zweitwichtigste Exportbranche nach der Kupferindustrie ist der Nahrungsmittelsektor in Chile. Anbau von Nahrungsmitteln für die Welt, während die Menschen in Chile nicht einmal Wasser zum Leben haben. 

Schreckliche Dürre in Chile – Hunderttausende Nutztiere elendig verdurstet

Fotografía del Instagram de Bárbara Fuentes.

Wir erhielten einen Hilferuf aus Chile. Dort herrscht die schrecklichste Dürre seit Jahrzehnten. Das Landwirtschaftsministerium berichtet, dass mehr als hunderttausend Tiere bereits gestorben seien und etwa 600.000 Menschen mit Trinkwasser versorgt werden müssen. Dort, wo einst Getreide und grünes Gras wuchs, ist nur noch kahler ausgetrockneter Boden, wie Sie an dem Foto von Bárbara Fuentes sehen können.

Barbara Fuentes, eine chilenische Wissenschaftlerin, hat vor einigen Wochen auf Instagram das Foto eines ihrer Kinder hochgeladen, das am 22. September 2013 aufgenommen wurde, und ein weiteres Foto an gleicher Stelle am 22. September 2019. Es handelt sich hier um den  Hügel des Chicureo-Gebiets in der Metropolregion.

Die Lagune von Aculeo, einst eine Touristenattraktion, ohne Wasser auf Grund von Dürre. MOP

In sechs Regionen Zentralchiles, in denen fast 80% der Bevölkerung leben, herrscht eine schreckliche Wasserkrise, die so noch nie dagewesen ist, zumindest seit es Aufzeichnungen gibt. Der Wassermangel ist für jedermann sichtbar. Wer normalerweise mit dem Flugzeug nach Santiago reist, merkt, dass die Wüste von Norden in die Hauptstadt vorgedrungen ist.

Durch Wassermangel getötete Tiere werden in den sechs besonders betroffenen Regionen gezählt

Es ist nicht das erste Mal, dass Chile unter einer schrecklichen Dürre leidet, doch so schlimm wie jetzt war es noch nie. Bereits 2015 berichteten wir über die extreme Trockenheit in Chile.

Es regnet nicht mehr so viel. Damit müsse man sich abfinden und sich darauf einstellen, sagt 2015 die Regierung in Chile. Siehe auch Bis jetzt 480.000 Hektar verbrannt…Was sind die Hintergründe der Waldbrände in Chile?

Nur damit der Boom an Avocados gesättigt werden kann, ziehen große Bergwerke riesige Mengen von Wasser aus den unterirdischen Adern

Der Anbau von wasserintensiven Früchten wie Avocados für den Export klettert die Berghänge empor, während die alteingesessenen Bauern im Tal verzweifeln. Selbst im traditionell regenreichen Süden versiegen die Brunnen, derweil in den angrenzenden Ländereien staatlich subventioniert Kiefer- und Eukalyptusplantagen betrieben werden, die den Boden austrocknen und für andere Gewächse unbrauchbar machen. Siehe: Die Avocados und der grosse Wasserraub in Chile – Tras reportaje de Danwatch: Supermercados de Dinamarca evitarán importar paltas chilenas por robo de agua en Petorca

Chile: „Wir haben eine sehr schlimme Dürre, wie wir sie noch nie hatten“

Regierung von Chile „Wir sind mit der größten Dürre in der Geschichte konfrontiert und Tiere sterben“

„Wir sind mit der größten Dürre in der Geschichte konfrontiert und Tiere sterben“, so die chilenische Regierung. Zu den betroffenen Regionen gehören u. a. Atacama, Coquimbo, Valparaíso, Metropolitana, O’Higgins und Maule. Die Behörden haben für 126 Gemeinden im Land 14 Dekrete über Wasserknappheit erlassen – von den 346 in Chile – und sechs Notstandserklärungen für die Landwirtschaft, von denen 119 Gemeinden betroffen sind. Coquimbo und Valparaíso wurden zum Katastrophengebiet ausgerufen.

„Wir haben eine sehr schlimme Dürre, wie wir sie noch nie hatten, was uns Probleme und Sorgen bereitet“, sagt Alfredo Moreno, Leiter der Nationalen Wasserbehörde, als die chilenische Regierung die Wasserkrise am Mittwoch, dem 09. Oktober 2019 vorstellte.  Laut Moreno „ist es sofort notwendig, den geschädigten – den ländlichen Gebieten, den Kleinbauern – zu helfen, aber mittel- und langfristig müssen wir die notwendigen Vorkehrungen für eine neue Wasserversorgung treffen. Diese Herausforderung ähnelt dem Wiederaufbau des Landes nach einem Erdbeben“, fügte  er hinzu.

Chile – Verteidigung des Wassers und des Lebens

„Es ist keine Dürre, es ist Plünderung“ demonstrierte eine Gruppe von Landwirten und Bauern im Sektor Artificio de Pedegua gegen den Wassermangel in der Region.- mega.cl

„Es ist keine Dürre, es ist Plünderung“ so die Proteste der Bauern im Sektor Artificio de Pedegua gegen den Wassermangel in der Region. In Radio Bío Bío sagte der Bürgermeister von Petorca, Gustavo Valdenegro: „Wir fordern seit 15 Jahren nachhaltige Entscheidungen für unser Wasserproblem. Immer wieder fordern wir die Aufhebung des Wasserkodexes und eine wirksame Politik, doch nichts geschieht.“ 

Chile ist das einzige Land der Welt, in dem Wasser zu 100% privat ist. Die Regierungsmitglieder sind zum Teil nicht nur die größten Eigentümer der Wasserrechte, sondern arbeiten auch eng mit den großen Firmen zusammen. Was auch die Korruptionsskandale deutlich zeigen.  Die Verfassung von 1980 und das Wassergesetz von 1981 (die von Pinochet installiert und von den folgenden demokratisch gewählten Regierungen nie ernsthaft angefochten wurden) garantieren das Recht auf Privatbesitz, auch den des Wassers. Wir hatten Ihnen bereits 2015 die Situation erklärt. Siehe Chile – Verteidigung des Wassers und des Lebens

Rodrigo Mundaca

Der Chilene Rodrigo Mundaca kämpft seit Jahren für den freien Zugang zu Wasser und wurde kürzlich mit dem Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis ausgezeichnet. Die Jury ehrte Mundaca für seinen bewundernswerten Mut, den er für das fundamentale Recht auf Wasser einsetzt.

Nachdem 2017 in Dänemark die umfangreiche Reportage mit dem Titel „Die Avocados und der große Wasserraub“ gezeigt wurde, erhielten die Mitglieder der Bewegung zum Schutz des Wassers, Landes und der Umwelt Morddrohungen wegen ihres Engagements für das Recht auf Wasser in der Provinz Petorca in Zentralchile. Darunter sind Rodrigo Mundanca, Mitglied und Sprecher der Bewegung, sowie Veronica del Carmen Vilches Olivares, ebenfalls Mitglied von MODATIMA. Es war nicht das erste Mal. 

Als Umweltaktivist lebt Mundaca in ständiger Furcht, wegen seines Engagements bedroht, verfolgt oder verhaftet zu werden. Allein in den Jahren 2012 und 2014 musste er sich 24 Mal vor Gericht verantworten. Unsere Netzfrau Birgit Steinmeyer hat während ihrer langen Zeit in Chile ebenfalls an der Seite von Rodrigo Mundaca gekämpft. Siehe auch Chile – Verteidigung des Wassers und des Lebens

Morddrohungen gegen Rodrigo Mundaca

Nachdem die Wasserkrise und die damit verbundene Proteste eskalieren, gibt es Morddrohungen gegen Rodrigo Mundaca. Er hat  einschüchternde Nachrichten in den sozialen Netzwerken erhalten. Das Amnisitía Internacional (AI) -Büro für Chile sprach sich für Mundaca aus und forderte, „die Gewalt gegen diejenigen, die die Umwelt verteidigen, einzustellen„.

Anbau von Nahrungsmitteln für die Welt, während die Menschen in Chile nicht einmal Wasser zum Leben haben.

Nördlich von Santiago – Anbau von Avocados für Export Europa –  2016

Stellen Sie sich vor: Die zweitwichtigste Exportbranche nach der Kupferindustrie ist der Nahrungsmittelsektor in Chile. Anbau von Nahrungsmitteln für die Welt, während die Menschen in Chile nicht einmal Wasser zum Leben haben, genau darüber haben wir mehrfach berichtet. Netzfrau Birgit Steinmeyer hat lange Jahre in Chile gelebt und mit ansehen müssen, wie das Wasser für Avocados geraubt wird.

Petorca, wo die Mehrzahl der Avocados für den Export vor allem nach Europa und Asien erzeugt werden, ist die Region, in der die Industrie einen systematischen Raub am Wasser begeht. Tausende Familien müssen irgendwie mit der jahrelangen Dürre fertig werden und überleben mittlerweile nur noch mit Trinkwasser, dass ihnen mit Lastwagen geliefert wird. Kleinbauern haben da kaum noch eine Chance, während die Avocadoindustrie blüht. Eine einzige Avocado aus Petorca benötigt 320 Liter Wasser! So unser Beitrag aus 2017: Die Avocados und der große Wasserraub in Chile. 

In Petorca sind Flüsse bereits versiegt und die Landschaft ist ausgetrocknet, aber die üppigen Avocado- und Zitrusplantagen gedeihen trotzdem.

„Es gibt einen Überschuss an Monokultur-Plantagen, die das gesamte Wasser verbrauchen“, sagte Diego Soto von der Bewegung für die Verteidigung des Zugangs zu Wasser, Land und Umweltschutz (MODATIMA) gegenüber AFP.

Nach Angaben des chilenischen Landwirtschaftsministeriums sind 470.000 Ziegen, 170.000 Rinder und Kühe sowie 150.000 Schafe in „schlechtem Zustand“ – das heißt, die Tiere sind unterernährt und schwach. so die BBC.

Die Bienenzucht ist ebenfalls stark von der Dürre betroffen. Die Wasserknappheit hat dazu geführt, dass viele Pflanzen nicht so gedeihen, wie es ihrem natürlichen Zyklus entspricht. Daher wird der für die Bienen benötigte Nektar nicht produziert.

Die Wüstenbildung auf den Böden von Nord-, Mittel- und Südchile schreitet dramatisch voran. Dieses Phänomen, das mit Bodendegradation zu tun hat, wirkt sich auf Produktivität, Artenvielfalt und das gesamte Ökosystem aus.

Die Situationen, die durch die Modelle der Aneignung des Wassers geschaffen werden, werden als Folge von äuβeren Einflüssen wahrgenommen und nicht als das Ergebnis einer Wirtschafts-, Umwelt-, Sozial- und Kulturpolitik, die die Gewinne einiger weniger begünstigt, während die Dorfgemeinschaften große Schwierigkeiten haben, ihren Grundbedarf mit Wasser abzudecken.

Die Empörung unter den Chilenen wächst, denn während sie kein Wasser haben, Tiere verenden und alles verlieren, ziehen große Bergwerke riesige Mengen von Wasser aus den unterirdischen Adern für den Anbau von wasserintensiven Früchten wie Avocados für den Export.

Nach europäischer Norm stellt der Diebstahl von Wasser übrigens eine klare Verletzung der Menschenrechte dar!

Netzfrau Doro Schreier und Birgit Steinmeyer

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  1. Es wird schlimmer und es verbreitet sich immer mehr. Seid vorsichtig ihr Umweltverbrecher. Es geht euch auch ans Leder und es dauert nicht mehr lange. Wenn wir sterben sterbt ihr auch.

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