Wachstum ist nicht die Lösung – Wachstum ist das Problem!

„Mehr Wachstum!“ – diese Forderung ist besonders in Zeiten von Wirtschafts-, Umwelt- und Finanzkrisen beliebt, denn die Immer-mehr-Ideologie gilt weltweit als Garant für eine gesunde Ökonomie. Wie zeitgemäß ist der Mythos des grenzenlosen Wachstums angesichts der weltweiten Ressourcenknappheit noch? Wir leben im Überfluss, trotzdem heißt es kaufen und kaufen. Unsere Konsum- und Marktwirtschaft beruht auf der Idee, dass man Glück kaufen könne, wie man alles kaufen könne! Stellen Sie sich vor, etwa 600 Milliarden US-Dollar jedes Jahr geben die Konzerne weltweit für Werbung aus, damit Sie kaufen! Oftmals wird mehr Geld für Marketingstrategien ausgegeben statt für die Forschung für bessere und vor allem gesunde Produkte. Wenn ein Produkt sich nicht gut verkaufen lässt, dann wechselt der Konzern einfach die Farbe, meist von Rot auf Grün. Statt weniger Zucker werden die Packungen kleiner. Nachhaltig sollte es sein, doch wäre es nicht nachhaltiger, nur das zu kaufen, was man wirklich zum Leben braucht? Damit sind nicht die vielen Schnickschnacks gemeint, die es überall billig zu kaufen gibt. War Ihnen bekannt, dass das Wachstum als politisches Ziel in der Bundesrepublik Deutschland seit 1967 mit dem Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft rechtlich vorgegeben ist? Ist es nicht ein Gesetz, mit dem die Konzerne eine Regierung unter Druck setzen können? Zum Beispiel, „wenn ihr nicht macht, was wir wollen, dann entlassen wir Mitarbeiter.“ Paradox, wenn Konzerne Mitarbeiter entlassen, steigen die Kurse der Aktien, denn weniger Personalkosten gleich höherer Gewinn. So einfach! Was glauben Sie, warum die jeweiligen Regierungen immer mit einer Delegation von Wirtschaftsbossen auf Auslandsreise gehen? Würde ein Regierungsoberhaupt alleine reisen, bräuchte dieses doch nicht so ein großes Flugzeug!  Nein, Wachstum ist nicht die Lösung – Wachstum ist das Problem. An ein unendliches Wachstum in einer endlichen Welt können bloß Verrückte und Wirtschaftswissenschaftler glauben. Wir erklären Ihnen, warum.

Wachstum ist nicht die Lösung – Wachstum ist das Problem!

Die Macht der Konzerne ist weitreichend. Wenn Unternehmen Marktmacht haben, werden sie politischen Einfluss suchen und erlangen und umgekehrt. Der enorme Reichtum und die Macht von Konzernen stehen im Zentrum vieler Probleme der Welt – wie Ungleichheit, Menschenrechtsverletzung und Umweltzerstörung. Der Drang nach kurzfristigen Profiten scheint heute die grundlegenden Menschenrechte für Millionen von Menschen auf dem Planeten zu übertrumpfen.

Es wird abgefackelt und gerodet, so als gäbe es kein Morgen mehr. Wie Sie auf dem folgenden Schaubild sehen können.

In nur einem Jahrzehnt zerstörten Konzerne 50 Millionen Hektar Wald! Laut einer Studie sind bis zu einer Milliarde Hektar mehr Wald notwendig, damit Milliarden Tonnen Kohlenstoff zusätzlich gespeichert werden. Doch die Konzerne, die ohnehin als Umweltsünder gelten, wie General Mills, IKEA, Johnson & Johnson, Kellogg, L’Oréal, Mars, Nestlé, PepsiCo, Procter & Gamble und Unilever, zerstörten laut einer Analyse in nur einem Jahrzehnt 50 Millionen Hektar Wald. Das entspricht der Größe von Spanien. Paradox, werben diese Konzerne doch auch noch mit dem Slogan „Nachhaltigkeit“.

Dazu auch: Erschreckend! Konzerne setzen auf den Klimawandel – während Wissenschaftler vor der schmelzenden Arktis warnen! Melting Arctic – Corporations Will Never Solve Climate Change

Was nicht die Konzerne erledigen, erledigen die Weltbank und der IWF.

Argentinien

Am Treffen der G20-Finanzminister, das im März 2018 in Argentinien stattfand, nahmen neben Lagarde 22 Minister, darunter auch der  deutsche Finanzminister Olaf Scholz und 17 Zentralbankchefs teil. Menschenrechte zählten nicht zu den Themen, über die man diskutierte. Bereits mit der Bestätigung von Temer als Präsident, dem Vorgänger des jetzigen ultrarechten Jair Bolsonaro, freuten sich die Investmentbanken, denn endlich sollten die wertvollen Rohstoffe, über die Brasilien verfügt, geplündert werden. Auch als Mauricio Macri 2015 in Argentinien zum Präsidenten gewählt wurde, jubelten die Investmentbanken, denn die Regierung von Mauricio Macri bestand sogar aus Investmentbankern. Immer wieder kommt es hier durch die argentinische Regierung zu Menschenrechtsverletzungen, darunter die vielen Morde an Frauen.  Und trotzdem war eine Bedingung, damit Argentinien einen Kredit in Höhe 56 Mrd. USD vom IWF bekam, an dessen Spitze zu der Zeit noch die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde stand, dass die Sozialprogramme gekürzt würden, mit schrecklichen Folgen, denn es gibt weniger Geld für die Gesundheitsversorgung, Bildung und die Armen bekommen keine Unterstützung mehr.

Bolivien

Nachdem Evo Morales in Bolivien wiedergewählt worden war, kam es zu einem Putsch. Die neue selbsternannte Präsidentin wird vom Westen unterstützt, denn Bolivien hat Lithium. Im Oktober 2009 wurde Morales sogar von der Generalversammlung der Vereinten Nationen zum „World Hero of Mother Earth“ ernannt. Doch jetzt hat Bolivien das, was die Welt unbedingt braucht, Lithium. Noch vor der Wahl zum Präsidenten stellte der alte und mittlerweile auch neugewählte Präsident Evo Morales im September 2019 ein in Bolivien hergestelltes Elektroauto vor, um die Lithiumindustrie in Bolivien zu fördern. Als neugewählter Präsident kündigte er eine Kooperation mit einem deutschen Unternehmen auf. Ob es deswegen zu den schrecklichen Protesten in Bolivien kam? Denn es wäre nicht das erste Mal, dass es zu Unruhen kommt, wenn ein Oberhaupt nicht das macht, was die Industriestaaten verlangen. Siehe: Nicht nur Santiago brennt – Lateinamerika versinkt im Krieg!

Rüstungsgüter als Wachstumsmotor

Menschen müssen sterben, damit Rüstungskonzerne Gewinne machen. Etwa 1,6 Billionen Euro Militärausgaben weltweit jährlich, auf der anderen Seite steigt die Zahl der Armen weltweit. Rüstungsgeschäfte dienen dem Wachstum, aber nur wegen des Profits! Die Ware Mensch fällt der Rüstung dann zum Opfer! Die Regierungen werden dann am Ende eines Jahres bekannt geben, dass es ein gutes Jahr für das Wachstum war!

Warum verschiedene Länder aufrüsten, wird besonders an Australien deutlich. Australien hat das Wachstum, das die Länder weltweit suchen, in Rüstungsgütern gefunden. Die australische Regierung schreckt auch nicht davor zurück, militärische Hardware in der asiatisch-pazifischen Region und dem Nahen Osten zu verkaufen, auch an Saudi-Arabien. Australien werde Milliarden von Dollar in staatlich gestützte Kredite an inländische Waffenhersteller fließen lassen, um zu einem der zehn größten Waffenexporteure der Welt zu werden. Laut Regierungsangaben exportiert Australien jährlich 1,5 Milliarden US-Dollar an Rüstungsgütern, u. a. an die Royal Navy of Oman. Siehe Korruption, Vertuschung, Manipulation und Schönfärberei- Rüstungsgüter als Wachstumsmotor

Der weltweite Ausverkauf der Medien – alles für das Wachstum

Medienunternehmen haben ein größeres Budget als einige Staaten dieser Welt. Im Rahmen der Globalisierung haben sie wirtschaftliche und meinungsbildende Macht.

Tech-Unternehmer, Casino-Magnaten und Hedge-Fonds-Milliardäre haben die Kontrolle über die Presse übernommen, indem sie einfach einen Scheck ausgestellt haben. Sie sind die neuen Pressebarone.

Die Medien werden auch als die „vierte Gewalt“ eines Staates in einer Demokratie bezeichnet, doch was ist, wenn die Despoten dieser Welt die Zeitungen aufkaufen oder Milliardäre, die ihrerseits Einfluss nehmen? Es ist ein beunruhigender Trend in der Medienlandschaft, und dies weltweit. In einer rasenden Geschwindigkeit kaufen Milliardäre bedeutende Medien auf. Es ist eine der größten Investitionen, die jemals von einem ausländischen Investor gemacht wurden, der neue Besitzer des Fortune Magazine ist Mitglied der reichsten Familie Thailands. Auch in Europa tut sich etwas, denn der österreichische Immobilien-Spekulant und Förderer von Bundeskanzler Kurz, René Benko kauft von der Funke Mediengruppe 49 Prozent an der WAZ Ausland Holding GmbH, diese ist an „Krone“ und „Kurier“ beteiligt. Auch der Milliardär und Ministerpräsident Tschechiens Andrej Babis hat nicht nur den Zeitungsverlag Mafra, sondern auch in Tschechien und in der Slowakei den Verlag Bauer Media v.o.s. übernommen. 2015 übernahm Burda Digital nicht nur Focus Onlin übernommen, sondern auch Huffington Post Deutschland. Vor fünf Jahren war der Aufschrei groß, als Amazon-Gründer Jeff Bezos die „Washington Post“ kaufte. Erst im September 2018 wurde das Time Magazine für 190 Mio. USD an Salesforce-Chef Marc Benioff und seine Frau verkauft. 2018 kaufte sich der Biotech-Milliardär Patrick Soon-Shiong die „Los Angeles Times“. In der Türkei verkaufte die türkische Dogan-Gruppe ihre Medien an einen Großunternehmer, der Staatspräsident Erdogan nahe steht. Das Privatunternehmen Süddeutsche Zeitung profitiert von der Arbeit der öffentlich-rechtlichen Rundfunksender. Hier die Frage berechtigt, ob es sich um eine verdeckte Subvention durch den Gebührenzahler handelt. Warum investieren plötzlich so viele Milliardäre in Zeitungen oder andere Medien? So kaufte sich der Milliardär Carlos Slim die New York Times und auch Star-Investor Warren Buffett beteiligt sich an Zeitungen. Siehe Der weltweite Ausverkauf der Medien – Medien als Investment! Here’s why billionaires keep buying media!

Nur damit Sie sehen, um welche Umsätze es sich handelt: Das sind nur ein paar der Konzerne – auf der Suche nach Wachstum

  • Umsatz Amazon 136 Milliarden USD
  • WalMart Umsatz 485,9 Milliarden USD
  • Umsatz Nestlé 89,46 Milliarden CHF
  • Umsatz Pfizer 52,82 Milliarden USD
  • Umsatz Total 127,9 Milliarden USD
  • Umsatz Rheinmetal 5,602 Milliarden EUR
  • Umsatz Exxon Mobil 218,6 Milliarden USD
  • Umsatz Wilmar  43,09 Milliarden USD

Da die Konzerne immer größer und profitabler werden, wächst auch die Macht und damit der Einfluss, den sie ausüben: Multinationale Konzerne beschäftigen riesige Armeen von Lobbyisten, Anwälten und PR-Leuten. Sie verfügen über enorme Ressourcen, um Gesetze zu ihren Gunsten von gewählten Vertretern auf der ganzen Welt erlassen zu lassen. Um sicher zu gehen, wurden die gewählten Vertreter von den Konzernen in die jeweiligen Regierungen „geschickt“.

Shirley und Hinda zeigen, wie wichtig es ist, neugierig zu sein und zu bleiben – beide sind 90 Jahre alt.

„Mehr Wachstum!“ – diese Forderung ist besonders in Zeiten von Wirtschafts-, Umwelt- und Finanzkrisen beliebt, denn die amerikanische Immer-mehr-Ideologie gilt weltweit als Garant für eine gesunde Ökonomie. An ein unendliches Wachstum in einer endlichen Welt  können bloß Verrückte und Wirtschaftswissenschaftler glauben. Shirley und Hinda sind 90 Jahre jung. Ihr Aussehen mag ihr Alter verraten, aber ihr Geist funktioniert noch immer sehr scharfsinnig. Sie machen sich auf den Weg, um zu erfahren, was Wachstum ist, und stellen am Ende fest: Wachstum ist nicht die Lösung – Wachstum ist das Problem.

Mit ihren motorbetriebenen Rollatoren machen sich zwei mutige alte Damen auf den Weg zur Antwort auf ihre brennende Frage: Wie kommen wir aus dieser Wirtschaftskrise wieder heraus?

Wollen wir wirklich weiter konsumieren und Geld anhäufen, damit die Wirtschaftskrise überwunden wird? Mit viel Lebenslust im Gepäck fahren Shirley und Hinda, beide knapp 90, quer durch die USA, um Menschen davon zu überzeugen, dass es nie zu spät ist, die Notbremse zu ziehen. Mutig und humorvoll machen sie sich auf die Reise zu sowohl Obdachlosen als auch an die Wall Street.

Eine simple Beobachtung beim Einkaufen löst die ganze Geschichte aus: Wie kann es sein, dass angesichts leerer Kassen und der Wirtschaftskrise alle Welt konsumiert, als wäre nichts geschehen? Wer blickt eigentlich durch, wer kann so verständlich erklären, was in unserer Wirtschaft schief läuft, dass zwei alte Ladys es begreifen? Warum sollen wir uns aus der Krise shoppen? Wieso sollen steigende Schulden und Arbeitslosigkeit nur durch steigenden Konsum behoben werden? Mit Telefonbüchern und Computern beginnen sie ihre Recherchen. Ein Youtube-Video, in dem Robert F. Kennedy über die wahre Bedeutung des Bruttosozialprodukts spricht, inspiriert die alten Damen. Kurze Zeit später ziehen sie mit ihren Rollatoren los, um mit Menschen an beiden Enden der Krise zu sprechen. Mit jenen, deren Leben direkt von der Finanzkrise betroffen ist, und denen, die immer noch überzeugt davon sind, möglichst viel investieren zu müssen. „Die größte Schwäche der Menschheit ist ihre Unfähigkeit, die exponentielle Funktion zu verstehen“, erklärt ihnen ein Wirtschaftsprofessor. Als die ungewöhnlichen Aktivistinnen Studenten dazu ermuntern, kritisch über unser Wirtschaftswachstum nachzudenken, werden sie aus dem Seminarraum geworfen. Auf einer Wall-Street-Gala in New York werden sie ausgelacht. Der Dokumentarfilm präsentiert sich in Bildern, die Hoffnung stiften und den Glauben an die menschliche Willenskraft einfangen. Er inspiriert Zuschauer jedes Alters, das Wirtschaftsgeschehen bewusster zu verfolgen.

„WIR MÜSSEN UNSEREN LEBENSSTIL VERÄNDERN“

Niko Paech ist Professor für Ökonomie an der Universität Oldenburg und gilt als Vertreter der deutschen Postwachstumsökonomie. Seine These: Effiziente Technologien werden die Klima- und Ressourcenprobleme nicht lösen. Die Antwort ist „Suffizienz“: Wir müssen uns daran gewöhnen, mit einem geringeren Ressourcen- und Energieverbrauch und mit weniger Konsumgütern auszukommen.

WACHSTUM? JA, BITTE! ABER WACHSTUM 2.0

Mit seinem ersten Bericht über die „Grenzen des Wachstums“ stieß der CLUB OF ROME 1972 eine Debatte an, die heute aktueller ist denn je. Wir belasten das Ökosystem Erde erheblich stärker, als dauerhaft möglich ist – mit irreversiblen und dramatischen Folgen. Hierfür gibt es klare Signale der Natur und wissenschaftlich begründete Warnungen. Dennoch haben es die Industrienationen als die wesentlichen Verursacher bisher nicht geschafft, ihr Wirtschaftswachstum vom Naturverbrauch – also der nicht-erneuerbaren Nutzung der Natur – zu entkoppeln. Im Gegenteil, der Verbrauch steigt sogar.

Wachstum wird vielfach immer noch als Selbstzweck angesehen und unkritisch mit Fortschritt und Lebensqualität identifiziert. Der damit faktisch verbundene Umwelt- und Ressourcenverbrauch wird ausgeblendet. Wachstum darf nicht zur Ideologie werden, es soll den Menschen dienen. Es gibt große Wertschöpfungspotentiale durch Fortschritte im Umweltschutz, im Gesundheits- und im Bildungswesen, bei der Nutzung von Sonnen- und Windenergie, der Wasseraufbereitung, bei klimaschonenden Mobilitätssystemen und nicht zuletzt schlicht beim Pflanzen von Bäumen – wodurch wir zugleich die Lebensqualität vieler Menschen verbessern und unsere natürlichen Lebensgrundlagen schonen können. Diese Potentiale eines „Wachstums 2.0“ gilt es zügig und umfassend zu entwickeln, und dabei sind alle gesellschaftlichen Akteure gefragt.

Club of Rome: Sieben Thesen zur Wachstums-Diskussion  – aus 1972! 

1. Tief im roten Bereich – Ressourcenverbrauch und Umweltbelastung liegen bereits weit über den vertretbaren Grenzen

Eine öffentliche Diskussion um Wachstumsgrenzen muss sich an der Erkenntnis orientieren, dass wir unsere Ökosysteme bereits massiv und zum Teil irreversibel schädigen und damit unsere eigenen Lebensgrundlagen zerstören. Der Klimawandel, die zunehmende Zerstörung fruchtbaren Bodens und lebenswichtiger Trinkwasserreserven, die Überfischung und Verschmutzung der Meere und das massive Artensterben zeigen ebenso wie zunehmende Konflikte um Energie- und Rohstoffreserven, dass wir kritische Wachstumsgrenzen überschritten haben und unseren übermäßigen Natur- und Ressourcenverbrauch schnell auf ein langfristig verträgliches Maß reduzieren müssen.

Wir müssen den absoluten Umweltverbrauch massiv reduzieren. Es gilt, möglichst vielen Menschen eine hohe Lebensqualität zu ermöglichen, ohne dass dies auf Kosten der Umwelt geschieht.

2. Den Industrienationen kommt eine besondere Verantwortung zu

Die Industrienationen tragen auch heute noch erheblich mehr zur gegenwärtigen Krise bei als andere Nationen. Sie sind daher auch in besonderer Weise verpflichtet, ihre Umweltbelastung zu reduzieren. In Deutschland stoßen wir zum Beispiel pro Kopf und Jahr etwa 10 Tonnen CO2 aus, die Inder nur 2 Tonnen, die Afrikaner etwa eine Tonne. Damit wir das wichtige 2-Grad-Ziel bei der Klimaerwärmung erreichen, müssen wir uns bei maximal 2 Tonnen pro Kopf und Jahr treffen.

Unabhängig davon, was andere tun: Wir sollten in Deutschland engagiert auf Nachhaltigkeit setzen – aus Verantwortung, aber auch in der Erkenntnis,  dass wir damit zugleich eine Blaupause schaffen, die unserer Wirtschaft zugute kommt.

3. In den Entwicklungsländern ist weiteres materielles Wachstum unabdingbar

Nach wie vor entbehrt ein Großteil der Menschen wesentliche materielle Errungenschaften: sauberes Trinkwasser, ein Dach über dem Kopf, ausreichend Nahrung, medizinische Grundversorgung. Es ist nicht nur ein humanitäres Gebot, den Lebensstandard dieser Menschen möglichst rasch zu verbessern. Es liegt auch im Interesse der reichen Länder. Flankiert von Maßnahmen wie Geburtenregelung, besserer Bildung und verbesserter Berufschancen für Frauen wird dies helfen, das Bevölkerungswachstum zu verlangsamen – eine wichtige Bedingung für wirtschaftliche Entwicklung im Einklang mit der Natur. Dabei sollte das Wachstum der Entwicklungsländer auf Technologien basieren, die den Ressourcenverbrauch minimieren.

Wenn wir nicht wollen, dass die Menschen massenhaft dorthin gehen, wo der Wohlstand ist, muss man zulassen, dass sich Wohlstand weltweit entwickeln kann. Die reichen Länder müssen daher Wege für eine nachhaltige Wohlstandserzielung der armen Länder unterstützen.

4. Zusammenarbeit und Leapfrogging

Auf Basis bestehender Technologien ist es undenkbar, dass alle Menschen weltweit den gleichen materiellen Lebensstandard erreichen wie die Industrienationen. Doch was ist zu tun? Verbote wären weder wirkungsvoll noch legitim – denn zu lange haben nur wenige profitiert, und das auf Kosten der Umwelt. Deshalb ist es wichtig, dass wir aktiven Know-how-Transfer bei Umwelttechnologien betreiben, Solidarität und internationale Partnerschaften anstreben, und neue Mobilitäts- und Lebensstilmuster im Westen vorleben. „Leapfrogging“ – das Überspringen alter Fehler und überholter Technologien – in den Schwellen- und Entwicklungsländern ist unsere einzige Chance.

Deutschland muss dazu beitragen, dass unsere Fehler der Vergangenheit nicht von den aufstrebenden Ländern wiederholt werden. Darin liegen Chancen für gesellschaftliche Entwicklung, für die Umwelt und für die Wirtschaft.

5. Wirtschaften nach dem Vorbild der Natur: Kreislaufwirtschaft

Leben entsteht und vergeht, die Natur bewegt sich in Kreisläufen. Sie lehrt uns, wie perfektes Recycling aussieht. Die einzige Energiequelle, die uns praktisch weltweit unbegrenzt zur Verfügung steht, ist die Sonne – denn auch Wind- und Wasserkraft nutzen sie letztlich. Das einzige Material, das wir unendlich nutzen können, ist das wiederverwendete. All unsere Bemühungen müssen deshalb darauf abzielen, nur solche Ressourcen zu verbrauchen, die erneuert werden können. Hier liegen immense Innovationspotentiale und Chancen – zum Beispiel für neue Arbeitsplätze in den „kreativen Industrien“, für neue Geschäftsmodelle mit neuen Antworten auf alte Fragen.

Politik und Wirtschaft sollten sich klar zur Kreislaufwirtschaft bekennen. Eine „Null Abfall“-Politik könnte als Leitbild für Unternehmen ebenso dienen wie für Kommunen, als Orientierung für öffentliche Forschungsprogramme wie auch für die Mittelvergabe von Stiftungen. Denken und Wirtschaften in erneuerbaren Kreisläufen ermöglicht zukunftsgerichtete Innovationen, steigert die Wettbewerbsfähigkeit und ist ein wichtiger Aspekt unternehmerischer Verantwortung.

6. Marktmechanismen sind der wichtigste Hebel – sofern die Rahmenbedingungen richtig gesetzt sind

Wo Angebot und Nachfrage zusammenkommen, kann der Markt besser als jedes andere System knappe Güter effizient verteilen. Allerdings benötigt jeder Markt auch Rahmenbedingungen. Auf einem nachhaltigen Markt müssen Güter wie biologische Artenvielfalt, saubere Umwelt oder intaktes Klima einen Preis haben – das ist heute nicht der Fall. Gerade auch die Entwicklung an den Finanzmärkten hat deutlich gemacht, dass falsche Anreizsysteme in Verbindung mit Maßlosigkeit und Gier in die Krise führen. Sie hat gezeigt, dass der Markt sich nicht selbst reguliert und wir kluge und entschiedene politische Weichenstellungen brauchen.

Aus ökologischen Knappheiten müssen auch ökonomische Knappheiten werden und letztere damit zu einem Kostenfaktor von praktischer mikroökonomischer Relevanz.

Umweltpolitische Maßnahmen sollten möglichst auf Wettbewerb und Marktmechanismen setzen, wie z. B. das Top-Runner-Modell, das Wettbewerb mit kontinuierlicher Verbesserung verbindet. Es gilt dabei, ein unbeirrtes Bemühen um internationale Übereinkünfte mit dem entschlossenen Voranschreiten bei nationalen oder europäischen Initiativen zu verbinden, damit die Preise die soziale und ökologische Wahrheit sagen.

7. Positive Leitbilder für nachhaltige Lebensstile

Verbesserte Umwelttechnologien und veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen sind unverzichtbar für die Lösung unserer globalen Herausforderungen. Doch das alleine wird nicht genügen. Wir müssen verstehen lernen, welcher Ressourcenverbrauch mit unserem Konsum einhergeht, und das zum Anlass nehmen, eingefahrene Konsummuster zu überdenken. Jeder soll lebenslang Entwicklungsperspektiven haben, die aber nicht mit stetiger Zunahme des Umweltverbrauchs verknüpft sind. Konsum ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um ein humanes und erfülltes Leben zu ermöglichen – für dieses Ziel kann Konsum nie Ersatz sein.

Wir brauchen positive Leitbilder für nachhaltige Lebensstile. „Voluntary Simplicity“ kann ein Leitprinzip werden auf dem Weg zu mehr Glück und weniger Verbrauch. In allen Weltreligionen findet sich ein Aufruf zur Mäßigung beim Konsum. Wir können allen Menschen weltweit einen beachtlichen Wohlstand ermöglichen und dennoch im Einklang mit der Natur leben, wenn wir Exzesse vermeiden, Fehlentwicklungen korrigieren und positive Leitbilder etablieren. Weniger kann mehr sein!

Das war aus 1972 und 2019? Ganz einfach: Die Konzerne setzen auf den Klimawandel – während Wissenschaftler vor der schmelzenden Arktis warnen! 

Der Kampf um Rohstoffe – für das Wachstum

An der derzeitigen Lage wird sich nichts ändern. Das zeigen auch die vielen Milliarden Dollar, die bezahlt werden, damit der Klimawandel nicht gestoppt wird. Sogar die Europäische Union hat sich auf Grönland schon die Rohstoffe gesichert. Auch viele Konzerne setzen auf den Klimawandel. Denn Grönland hat das, was die Welt braucht. Sogar Kriege gibt es bereits wegen diesen Seltenen Erden, wie man in Afghanistan, im Kongo und neuerdings auch in Lateinamerika sieht. Seit der Gründung des Lithium-Dreiecks, das sind die Länder Bolivien, Chile und Argentinien, sie gehören zu den drei größten aktuellen Produzenten des „weißen Goldes“, gibt es dort Unruhen.

Auch die Arktis verfügt über reichlich Rohstoffe, die nur „geerntet“ werden können, wenn das Eis weiterhin schmilzt. Die Beringstraße, eine rund 80 Kilometer lange Meerenge, die den Pazifik mit dem Arktischen Ozean verbindet, ist nahezu eisfrei. Ein Glück für die Konzerne, denn so wird Geld für längere Transportwege gespart. Es war ExxonMobil, der die aktuelle Erderwärmung bereits vor über 30 Jahren feststellte und sich schon längst dort positioniert hat, wo die Rohstoffe auf Grund der Eisschmelze gewonnen werden können. In der Rohstoff-Mitteilung aus dem Jahr 2011 nahm die Europäische Kommission formell eine Liste von 14 „kritischen“ Rohstoffen an, die von wirtschaftlicher Bedeutung sind, und beschloss, vorrangige Aktionen festzulegen. Das Grönländische Inlandeis ist nach der Antarktis die größte dauerhaft vereiste Fläche der Erde.

Doch der Eispanzer schrumpft, ein Grund, warum sogar Donald Trump Grönland kaufen wollte. Auch wenn die Temperaturen in der Arktis laut UN bis 2050 um mindestens drei Grad Celsius steigen, selbst wenn die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens umgesetzt werden, gibt es statt Panik nur Freude bei den Konzernen und so manchen Regierungen, denn desto schneller gelangt man an die Rohstoffe. Sogar Spekulanten spekulieren mit den Folgen einer Erderwärmung, denn es gibt immer mehr extreme Naturkatastrophen, wie wir 2018 und auch 2019  gesehen haben.

Sogar für Versicherungen bedeutet dies mehr Einnahmen, denn so steigen auch die Beiträge. Auch ein Massensterben von Tieren auf Grund der Erderwärmung, oder seltene Pflanzen, die verschwinden, hält diese Konzerne und Regierungen nicht davon ab weiterzumachen. Siehe dazu: Konzerne setzen auf den Klimawandel – während Wissenschaftler vor der schmelzenden Arktis warnen! 

Gestern standen wir noch am Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter.

Nichtstun und Hoffnungslosigkeit sind gefährliches Gift gegen eine Wende zum Guten. Denkmuster können durchbrochen werden, Menschen können sich und ihre Gewohnheiten ändern – dafür gibt es viele Beispiele.

Wir sollten die Herausforderungen als Chance begreifen, die eigenen Prioritäten zu überdenken und die Folgewirkungen unseres Konsums zu betrachten, ohne dabei zu moralisieren. Nachhaltiger Konsum schont die Umwelt, ermöglicht ein besseres Leben für Menschen in ärmeren Ländern, verbessert die Lebensbedingungen unserer Kinder, und kann uns selbst erkennen helfen, dass weniger auch mehr sein kann.

Netzfrau Doro Schreier

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1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Es ist ein Dilemma: Ohne Wachstum geht es nicht, komplett grünes Wachstum gibt es nicht, und normales Wachstum führt in die ökologische Katastrophe. Es bleibt nur ein pragmatisches Trotzdem: trotzdem wenig fliegen, trotzdem Abfall vermeiden, trotzdem auf Wind und Sonne setzen, trotzdem biologische Landwirtschaft betreiben.

    Aber man sollte sich nicht einbilden, dass dies „grünes“ Wachstum sei. Wie man den Kapitalismus transformieren kann, ohne dass er chaotisch zusammenbricht – dies muss noch erforscht werden.

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