R.I.P. „Sir Vival“ Rüdiger Nehberg

„Irgendwie bin ich ein Glückspilz! Weil ich noch immer lebe. Nicht nur, weil ich das Glück hatte, mittlerweile 22 bewaffnete Überfälle überlebt zu haben, sondern vor allem, weil ich als Ex-Bäcker laut Statistik der Lebensversicherer mit 68 meinen Teigschaber längst hätte aus der Hand legen müssen. Und weil ich so viel erlebt habe, dass es für drei Leben ausreichen würde.“ Das sind Worte des Menschenrechtsaktivisten Rüdiger Nehberg, der sein letztes Abenteuer angetreten hat. Fast 40 Jahre setzte er sich für die Rechte der Yanomami-Indianer ein und mit seiner Menschenrechtsorganisation „Target“ kämpfte er gegen die weibliche Genitalverstümmelung. Viele schüttelten damals den Kopf, als der Schleswig-Holsteiner seinen Teigschaber gegen ein Bambusfloß tauschte. Statt in der Backstube lebte er mit den Ureinwohnern und statt Kuchen aß er Larven  im brasilianischen Regenwald. Rüdiger Nehberg hat Ozeane, Urwälder und Wüsten bezwungen, von seiner letzten Reise wird er nicht zurückkehren.

R.I.P. „Sir Vival“ Rüdiger Nehberg

Vor etwa 20 Jahren plötzlich die Schlagzeile:“Überlebensexperte Nehberg im Regenwald verschollen“. Rüdiger Nehberg wollte allein rund tausend Kilometer im nordöstlichen Amazonasgebiet durch den unwegsamen Urwald laufen, bis er auf Zivilisation stieß. Die Aktion sollte auf die Bedrohung des einmaligen Naturerbes hinweisen. Diese Expedition sollte der krönende Abschluss seines Lebenswerkes sein. Ein Monat später tauchte er plötzlich wieder auf und das Ende „seines Lebenswerkes“ war erst der Anfang von vielen Aktionen, die er im Kampf für die Menschenrechte unternahm.

Als Nehberg in den achtziger Jahren Augenzeuge eines drohenden Völkermordes wurde, entschloss er sich zu helfen. Sein Leben wandelte sich vom Konditor zum Aktivisten für Menschenrechte, schreibt er auf seiner Webseite: target-nehberg.de. 1990 verkaufte er seine Konditorei und unternahm spektakuläre Aktionen für die Rechte der Indigenen. Als die Yanomami 2000 einen akzeptablen Frieden erhielten, sucht er sich eine neue Herausforderung.

Waren es damals die Goldsucher, die die Yanomami-Indianer ermordeten, sind es zwanzig Jahre später wieder die „Goldsucher“, die das Leben der Yanomami-Indianer gefährden. Und nicht nur die Goldsucher, seit der Rechtsextremist Jair Bolsonaro in Brasilien das Präsidentenamt übernommen hat, findet ein Völkermord an den Yanomami-Indianern statt. Siehe: R.I.P. Paulo Paulino Guajajara „Wächter des Waldes“ in Brasilien von Holzfällern getötet – Amazon Guardian Paulo Paulino Guajajara killed, another shot, as loggers attack in Brazil

Erst durch Rüdiger Nehberg lernten wir bereits vor 40 Jahren das Leben der Yanomami-Indianer kennen und viele schlossen sich an, für die Rechte diese Ureinwohner zu kämpfen und das auch weiterhin zu tun.

Beginn des Kampfes gegen Weibliche Genitalverstümmelung

„Weibliche Genitalverstümmelung ist Sünde. Rund 8000 Frauen werden tagtäglich verstümmelt, viele von ihnen sterben. „Das sind die Worte des Menschenrechtsaktivisten Rüdiger Nehberg, der mit seinem Verein TARGET seit 20 Jahren gegen diesen schrecklichen Brauch kämpft. Der Kampf gegen diesen grausigen Brauch, es war sein letzter Kampf, wie er in einem Interview zu seinem 80. Geburtstag sagte.

Erst 2019 veröffentliche er mit seinem Verein TARGET e.V. Ruediger Nehberg ein Video gegen die weibliche Genitalverstümmelung in Guinea-Bissau.

Vor allem auf dem afrikanischen Kontinent kämpfte er gegen die Genitalverstümmelung von Frauen und verhinderte damit wohl vielfach großes Leid. Täglich werden 8.000 Mädchen ihrer Genitalien und Würde beraubt. Alle elf Sekunden eins. Weltweit sind davon 150 Millionen Frauen betroffen. Dieses Verbrechen wollte er beenden.

Ein Mädchen legt sich auf einen Tisch, eine Beschneiderin nimmt ein Messer oder auch eine Glasscherbe und beginnt mit einer Prozedur, nach der nichts mehr sein wird wie zuvor: die Genitalverstümmelung. Nicht selten sterben Mädchen an den Folgen des Eingriffs, weil kein steriles Operationsbesteck verwendet wird. Die grausame weibliche Genitalverstümmelung (FGM) wird nicht nur auf dem afrikanischen Kontinent praktiziert, sondern auch auf anderen Kontinenten wie Asien. Siehe auch: Indonesien – Zunahme Vergewaltigung von Kindern und Massenbeschneidungszeremonie für Mädchen – Indonesia: Mass Female Circumcision Ceremony and Alarming Increase Child Sexual Abuse

Der Abenteurer und Menschrechtsaktivist Rüdiger Nehberg ist tot. Das gab sein Hamburger Verein „Target“ auf der Internetseite bekannt. Er starb am Donnerstagabend, dem 02. April 2020, im Alter von 84 Jahren. Nehberg lebte in Rausdorf, Kreis Stormarn, in Schleswig-Holstein in einer restaurierten Mühle.

„Dem Mut ist keine Gefahr gewachsen -… sagt ein altes Beduinen-Sprichwort und steht symbolisch für seine letzte  Autobiografie.

„Niemand braucht sich für zu gering zu halten, um etwas zu verändern,“ so Rüdiger Nehberg. Mit seinem „ungewöhnlichen Lebenskrimi“ hat er sehr viel verändert.

Danke Rüdiger Nehberg.

Netzfrau Doro Schreier

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1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich habe damals seinen „Dokumentarfilm“ gesehen und war sehr schockiert über Nehberg. Ich finde es nach wie vor unsensibel, einen solchen Film zu machen. Handeln ja. Film nein.

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