Die Industrie, die von der Ausbeutung und dem Missbrauch von Tieren profitiert, versteckt sich hinter einer Mauer der Geheimhaltung. Sie weiß, dass die Verbraucher aufhören würden, Verbraucher zu sein, wenn sie selbst sähen, was bei der Herstellung von Fleisch, Milchprodukten und Eiern tatsächlich geschieht. Diese Industrie würde infolgedessen schnell aufhören zu existieren. Europa ist der weltweit größte Fleisch- und Milchproduzent der Welt. Und da sich die industrielle Landwirtschaft mit all ihren Skandalen verzockt hat, wurde bereits die Fleischproduktion von der EU mit 15 Mio. Euro finanzieller Hilfe angekurbelt. Und nicht nur die Fleischlobby, sondern auch das „Trinken“ von Milch wird mit 100 Millionen Euro von der EU gefördert. Damit die Verbraucher nicht erfahren, was sich hinter einer Mauer der Geheimhaltung tatsächlich geschieht, haben die ersten Länder bereits Gesetze verabschiedet, die Tierschützer kriminalisieren, nicht die wahren Täter. Und weil die Tierzuchtindustrie dafür kämpft, die Offenlegung von Informationen über Einrichtungen zu verhindern, in denen Tiere als Nahrung aufgezogen werden, zeigen 40 Fotografen, was wirklich in Industriebetrieben und Schlachthöfen geschieht, um eine globale Anklage gegen die Fleischindustrie vorzubereiten.
‚Einige der dunkelsten Orte der Welt‘: Joaquin Phoenix zu einem Bildband über Schlachthöfe: Im Fotobuch „Hidden“ begeben sich 40 Fotografen in Industriebetriebe und Schlachthöfe, um eine globale Anklage gegen die Fleischindustrie vorzubereiten
Warnung: enthält Bilder, die Sie beunruhigen könnten
Unverzeihliches Verhalten gegenüber Tieren … ein Schwein auf dem Weg zur Schlachtung. Fotografie: Jo-Anne McArthur/The Ghosts In Our Machine
Versunken in der Dunkelheit eines engen Korridors liegt ein Schwein mit hoffnungslosem Augenausdruck. Jedes Haar, jede Linie, jede Falte an seinem Körper scheint die grausamen Bedingungen seines Lebens auszudrücken. Das Foto des finnischen Fotojournalisten Kristo Muurimaa ist nur eines von vielen schockierenden Bildern, die in dem Fotobuch Hidden zusammengestellt wurden. Der von der Fotojournalistin und Tierschützerin Jo-Anne McArthur erstellte Bildband Hidden wirft ein Licht auf industrielle Massentierhaltungen und Schlachthöfe und ist eine Anklage gegen die Fleischindustrie.
McArthur und 39 Fotografen aus 16 Ländern, die an dem Buch mitgewirkt haben, sind unerschrocken und entschuldigen sich nicht für das, was sie enthüllen. „Meine besten Bilder sind die, die ich aus nächster Nähe mit einem Weitwinkel mache: das Kalb in der Schubkarre, das in eine Kiste gesteckt wird; das Kaninchen mit angelegten Ohren, offensichtlich das nächste in der Warteschlange zum Schlachten“, sagt McArthur.
Joaquin Phoenix, der bei der diesjährigen Oscar-Verleihung für den besten Schauspieler mit seiner Dankesrede für den Veganismus eintrat, hat das Vorwort zum Buch geschrieben. „Die in Hidden vertretenen Fotojournalisten haben einige der dunkelsten, beunruhigendsten Orte der Welt betreten“, sagt er. „Die Bilder, die sie aufgenommen haben, sind eine flammende Erinnerung an unser unverzeihliches Verhalten gegenüber Tieren und werden in den kommenden Jahren als Leuchtfeuer der Veränderung dienen“. Siehe auch: Wütende Landwirte finden Joaquin Phoenix‘ Oscar-Rede ‚abscheulich‘ – Angry farmers find Joaquin Phoenix’s Oscar speech ‘detestable’
Grausame Bedingungen … ein […] Schwein unter den Leichen anderer, die alle bei vollem Bewusstsein in Mexiko geschlachtet wurden. Fotografie: Igualdad Animal/Jose Valle/Animal Equality
Ein Bild des polnischen Fotojournalisten Andrew Skowron zeigt zerzauste Hühner, die mit Metallfesseln an ihren Füßen von einem Förderband hängen und sich menschlichen Händen nähern, die ihnen die Kehle durchschneiden werden. Wie der Rest des Buches zeigt es Bilder vom kurzen, engen Leben der Nutztiere vom Geburtsstall bis zum Schlachthofboden. Wie Co-Autor Stefano Belacchi es ausdrückt: „Wir müssen immer daran denken, dass die auf diesen Fotos abgebildeten Tiere tot sein werden, wenn die Öffentlichkeit sie sieht. Ich fühle eine große Verantwortung, wenn ich daran denke“.
McArthur nutzt den Fotojournalismus seit langem, um für Tierrechte einzutreten. „Tierfotojournalismus verlangt radikales Einfühlungsvermögen und Achtsamkeit“, sagt sie. „Die Zuschauer müssen von ihrer Ich-Zentriertheit absehen und die Welt durch die Augen einer anderen Spezies betrachten, während sie die Wahrheit über die unbestreitbare Rolle der Menschheit in der Geschichte festhalten. Sie weist auch darauf hin, dass sie, indem sie diese Bilder ans Licht bringt, „eine fundamentale Bedrohung für tief verwurzelte gesellschaftliche Systeme darstellt, die weitgehend unangefochten fortbestehen. Die Suche nach diesen visuellen Geschichten ist selbst ein Akt des Widerstands“.
Hidden zeigt in oft blutigen Details, wie wenig wir darüber wissen, was hinter diesen fensterlosen Mauern vor sich geht.
Der Fotograf Francesco Pistilli begann vor acht Jahren, über die italienische Fleischindustrie zu berichten. „Ich fand heraus, dass die Unternehmen die Tiere in Anlagen im Gefängnisstil mitten im ländlichen Nirgendwo, weit weg von den Blicken erregbarer Verbraucher, unterbrachten.
Als nächstes werden … Kaninchen, die zur Schlachtung ankommen, im Entblutungsbereich gestapelt, wo sie getötet werden. Foto: Aitor Garmendia
Die Geschichten auf seinen Seiten sind aufschlussreich und brutal. Sie zeigen, in welcher Notlage sich Tiere weltweit befinden, von der industriellen Landwirtschaft bis zum Klimawandel, und bieten wertvolle Einblicke in die Bedeutung des Leidens von Tieren für die menschliche Gesundheit. „Ich mache diese Arbeit, weil ich möchte, dass andere sehen, was ich sehe, wenn ich einem Tier in die Augen sehe“, sagt Fotografin Louise Jorgensen. „Sie sollen sehen, dass es jemanden gibt, der Ihnen ebenbürtig ist, wenn Sie hinter diese ängstlichen und flehenden Augen zurückblicken. Ich fange Emotionen in den Augen ein, um zu verstehen, dass Tiere wie wir emotionale, fühlende Wesen sind, die die gleiche Fähigkeit haben, Freude und Liebe zu empfinden und unermesslich zu leiden.“
Während das Ziel dieses besonderen Fotobuchs von Aktivismus und dem Wunsch nach besseren Behandlung von Tieren weltweit angetrieben wird, legt Autor Aitor Garmendia auf die künstlerische Dimension: „Ich möchte, dass die Ästhetik eines Fotos und seine Schönheit den Blick des Betrachters einfangen und so dazu dienen, Schrecken und Ungerechtigkeit zu verstehen“.
Schrecken und Ungerechtigkeit … Unmittelbar nach der Geburt wurde dieses Kalb, das noch in seiner Fruchtblase liegt, getötet, weil es zu schwach geboren worden war. Foto: Animal Equality/Dulce Ramirez
Die Herausgeber von Hidden erwarten eine vielfältige Leserschaft, von Tierrechtsgruppen, für die einige der beitragenden Fotografen bereits arbeiten, über Liebhaber der Dokumentarfotografie bis hin zur breiten Öffentlichkeit, die den Umgang mit Tieren hinterfragt. McArthur plant, Exemplare an Politiker, Lobbyisten, politische Entscheidungsträger, Bauernverbände und prominente Köche zu spenden, um die Diskussion über Tierrechte und Tierschutz auf ein höheres Niveau im öffentlichen Interesse zu heben.
Sie fügt hinzu: „Als ich das erste Mal das Buch Inferno des Kriegsfotografen James Nachtwey sah, wusste ich sofort, dass ich ein ähnliches Buch für Tiere machen wollte. Bis heute sind Nachtweys Bilder weltweit anerkannt und werden dazu verwendet, Gespräche darüber zu beleben, wie wir uns gegenseitig verbessern können und müssen. Mein Ziel mit „Hidden“ ist es, die gleiche Sichtbarkeit für das Leiden von Tieren zu erreichen“.
‚Some of the darkest places in the world‘: Joaquin Phoenix on a photobook about slaughterhouses
In Hidden, 40 photographers go inside factory farms and abattoirs to create a global indictment of the meat industry
Slumped in the darkness of a narrow corridor lies a pig with hopeless eyes. Each strand of hair is defined, and every line, wrinkle and crease on its body seems to express the cruel conditions of its life. The photo, by Finnish photojournalist Kristo Muurimaa, is just one of the many shocking images compiled in the photo book Hidden. Created by photojournalist and animal rights activist Jo-Anne McArthur, Hidden sheds light on industrial scale factory farms and slaughterhouses and is an indictment of the meat industry.
McArthur and 39 photographers from 16 countries who contributed to the book are unflinching and unapologetic about what they reveal. “My best images are those when I am up close with a wide angle: the calf in the wheelbarrow, being put into a crate; the rabbit, ears back, visibly next in line for slaughter,” says McArthur.
Joaquin Phoenix, who at this year’s Oscars used his acceptance speech for best actor to advocate for veganism, has written the book’s foreword. “The photojournalists represented in Hidden have entered some of the darkest, most unsettling places in the world,” he says. “The images they have captured are a searing reminder of our unpardonable behaviour towards animals and will serve as beacons of change for years to come.”
CREDIT: © JO-ANNE MCARTHUR / WE ANIMALS MEDIA
One image, by Polish photojournalist Andrew Skowron, reveals dishevelled chickens hanging by their feet from a conveyor belt of metal shackles, approaching human hands who will cut their throats. Like the rest of the book, it presents images of the short, confined lives of farmed animals from birthing pen to slaughterhouse floor. As Hidden contributor Stefano Belacchi puts it: “We must always remember that those animals portrayed in these photos will be dead when the public sees them. I feel a big responsibility when I think about that.”
McArthur has long used photojournalism to advocate for animal rights. “Animal photojournalism demands radical empathy and self-awareness,” she says. “Viewers must de-centre themselves and consider the world through the eyes of a different species, while holding the truth of humanity’s undeniable role in the story.” She also points out that in bringing these images to light, “it poses a fundamental threat to deeply embedded societal systems that continue, largely unchallenged. Seeking out these visual stories is itself an act of resistance.”
HIDDEN: Animals in the Anthropocene is an unflinching book of photography about our conflict with non-human animals around the globe, as depicted through the lenses of over 30 award-winning photojournalists.
Pre-order HIDDEN here: https://t.co/oDAcWpmjHm#WorldPhotographyDay pic.twitter.com/efVl7KsMeW
— We Animals Media (@WeAnimals) August 19, 2020
Hidden reveals in often bloody detail how little we know about what goes on within these windowless walls. Photographer Francesco Pistilli started covering the Italian meat industry eight years ago. “I found corporations have moved the animals indoors to prison-style plants in the middle of rural nowhere, far from the gaze of nervous consumers.” Read more on The Guardian
Netzfrau Ursula Rissmann-Telle
Netzfrauen auch auf >>> Instagram >>>>mit vielen Bildern und Informationen!
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